July 20 2020

Dutch Harbor

Wie lange segeln wir jetzt schon? Wie doof bin ich nur, gerade diesen Parkplatz gewählt zu haben? Da kommen wir nie mehr raus! Ich sah diese eine Segelyacht. Wie durch Magnetismus angezogen, quetschte ich die Robusta in den engen Kanal, zwischen Felsen und Steg. Mist. Per Funk ist vom Little Boat Harbor niemand zu erreichen. Es dauert nicht all zu lange und da taucht ein Mann in Uniform auf. Sein Gesicht ist verhüllt. Mit einer Maske aus einer bunten Unterhosege gebastelt. Da müssen wir erst mal lachen. Zur Zeit ist Einklarieren in Dutch Harbor nicht möglich. Die zuständige Person sei gestorben. Das weitere Prozedere sei unklar. Jedenfalls dürfen wir ohne Quarantäne an Land, da wir fünf Wochen auf See verbracht hatten. Und schon sitzen wir in so einem richtig überdimensional grossem Amerikanischem Pick Up Truck vom Hafenmeister. Bald ist auch klar warum. Alles ist echt weit entfernt zu Fuss hätte der Rundgang Stunden. Die Duschen sind im zwei Kilometer entfernten neuen Hafen vom South Cannal. Internet ist mega teuer. WIFI Hotspot, 1GB für 25 USD. Im Dorf, welches ebenffalls zwei Kilometer entfernt ist, gibt es in der Bibliothek freies WIFI. Doch nur an der kalten frischen Luft, auf vandalensicheren Bänken aus Stahl. Wegen COVID19 darf das Gelände der Fischfabrik nicht betreten werden. Was soviel bedeutet, dass der Weg zu den Geschäften um ein Vielfaches länger ist. Die Abkürzung übers Fabrikgelände ist mit Wachpersonal gesichert. Diese Massnahmen sollen das Virus aus der Fabrik halten.

Dutch Harbor ist der grösste Fischereihafen in Alaska. In der Glotze habe ich mal vor Jahren auf D Max Männer TV, eine Sendung über die härtesten Jobs der Welt, gesehen. Da war eine Reportage über die Fischer von Dutch Harbor. Hartgesottene Männer, auf kurzen klumsig wirkenden Stahlkuttern (lizenzbedingt), in monströser eisiger See mit dickem Nebel und Schneegestöber, gegen Seekrankheit kämpfend. Die Männer hievten Fischkadaver in riesigen Netzen an Deck. Damals wusste ich noch nicht, dass ich jemals nach Alaska segeln werde. Die Arbeit in den Fabriken erscheint mir wegen des enormen Gestank auch nicht gerade angenehmer. Vlado, Drago Isabella, Jorge, Vhuan, kommen von Osteuropa, der Ukraine, Philippinen und der Karibik. Ich komme mit ihnen vor der Bibliothek ins Gespräch. Sie sind nicht wegen der bezaubernden Landschaft hier. Pedro teilt freudestahlend und etwas gar überdreht mit, er hätte in den letzten zwei Tagen 1500 Dollar verdient. Ein Fischkutter musste entlanden werden. Doch dazu fehlte Personal. So hat Pedro tatsächlich 36 Stunden durchgearbeitet und dabei hunderte schwere Kisten geschleppt. Die ersten acht Stunden zum regulären Lohn. Für die nächsten acht Ueberstunden zum doppelten Tarif und so weiter. Das ergibt einen durchschittlichen Stundenlohn von 41 Dollar. Sein Traum ist, eines Tages in seiner Heimat ein eigenes Restaurant zu besitzen. Dafür lohne es sich eine Zeit lang hart zu arbeiten. Mirelisa kippt in der Bar beinahe vom Hocker. Nein sie ist nicht betrunken. Sie arbeitet seit neun Monaten 12 Stunden pro Tag. Das an sieben Tagen pro Woche! Sie will ihren Kindern in Rumänien ein besseres Leben ermöglichen. Es ist schon krass. So viele Fragen kommen auf. Wieso haben sich Menschen in so einer unwirtlichen Gegend überhaupt angesiedelt? Wir wollen mehr dazu erfahren. Ein Besuch im Museum ist mit Voranmeldung möglich.

Doch erst kümmern wir uns um die anstehenden Reparaturen. Die Windsteueranlage Pacific Plus benötigt zwei neue Lager. Das Klo verlangt schon wieder nach Zuwendung. Dies obwohl sämtliche Dichtungen noch vor der Überfahrt von Thomas ausgewechselt wurden. Ich denke es ist wieder mal an der Zeit, alle Schläuche auszubauen und zu reinigen. Durch die Kombination von Harnstein und Salzwasser, lagert sich eine beige weiche Schicht ab, die zum Totalverschluss der Leitungen führen kann. Nicht gerade der Spassjob. Am Kochherd ist die kardanische Aufhängung abgebrochen. Gasflaschen auffüllen ist hier endlich wieder möglich. Und jetzt ist noch ein fetter Adler auf dem Windanzeiger, auf der Mastspitze gelandet und hat diesen dabei zerstört. Wäsche waschen ist nur im Hotel möglich. 25 Dollar für eine Maschine! So wasche ich halt wieder mal, wie zu Omas Zeiten von Hand mit eisig kaltem Wasser. Doch in dieser Nebelsuppe trocknet die Wäsche überhaupt nicht. Sie mufft durch die Abgase der Fabrik nach Fisch. Jemand hat Erbarmen und lässt uns bei sich zu Hause sämtliche Wäsche waschen und trocknen. Schon seit langem freuen wir uns auf einen Besuch in einem Restaurant. Auf ein zartes Stück Fleisch, mit leckerer Gemüsebeilage. Doch die Fischer schenken uns jeden Tag einen Lachs. Immer wieder schaut mal jemand bei der Robusta vorbei. Wir freuen uns über diese Besuche. Meistens sind es Fischer die weit weg von der Heimat, mit ihren kleinen Kuttern die Saison verbringen. Sie geben uns die wertvollsten Tipps zu den schönsten Ankerplätzen und bringen uns bei, welche Angelhaken und Koeder für diese Gewässer zum Erfolg führen. Und tatsächlich, der nackte Koder badet keine zwei Minuten im Wasser. Schon zappelt, die zu Hause als Lachs bekannte Delikatesse, ein King Salmon, an der Angel! Sie wissen auch welche Beeren wir essen können. Telefonnummern und Adressen von Verwandten und Bekannten, die wir auf unserer Reise durch Alaska kontaktieren sollen, werden ebenfalls ausgehändigt. Ein echt herzlicher Empfang!

Rums und schon ist eine Woche rum.

Heute Nachmittag ist die Amerikanische Segelyacht Caro Babbo eingelaufen. Mit ihnen haben wir auf der Überfahrt von Japan schon fleissig per Mail kommuniziert. Jetzt sehen wir uns zum ersten mal und die beiden sind uns auf Anhieb sympatisch.

Der Unterhosenmann hat neue Informationen wegen dem Einklarieren. Er übergibt eine Telefonnummer. Die Beamtin von der CBD Custums & Border Protection vom Flughafen in Anchorage, nimmt einige Daten telefonische entgegen. Gleich darauf meldet sich der BDP Officer aus Nome per email. Der Status „Deferred Inspection“ ist ausgesprochen, was soviel bedeutet, dass wir weiter ziehen dürfen. Sind jedoch verpflichtet zu melden wenn wir in einen Hafen einlaufen und im nächsten Port of Entry wird ordentlich einklariert. Doch all diese Häfen liegen tausende von Seemeilen weiter im Osten. Hoffen das wird im sonst so strengen Land klappen.

Nach einem netten Grillabend mit paar Leuten, wie kann es anders sein als mit Lachs, sinken wir alle zufrieden in die warmen Kojen. Es ist schon echt sau kalt hier. Es ist Hochsommer. Die Einheimischen latschen mit kurzen Hosen und T Shirts rum, während wir Weicheier in voller Skimontur eingehüllt sind.

Energisch poltert jemand an die Robusta. Was ist denn das für ein Depp der da mitten in der Nacht nervt? Es ist Jack, der Mann vom kleinen Fischkutter, mit dem wir den Abend verbracht haben. Er weckt alle am Steg. Was soll der Stress? Autos werden gestartet und fahren irgendwo hin. Aus der Fischfabrik eilt eine ganze Karawane von Menschen an die frische Luft. Wir ziehen warme Kleider an und verschliessen die Robusta mit dem Steckschott. Der ganze Tumult ist durch eine Tsunami Warnung ausgelöst. Bitterer Ernst. Erinnerungen an Fukushima und Banda Ace und Thailand werden wach. Unter Schock klettern wir auf den mickrigen Hügel gleich hinter dem Hafen. Von dort glotzen wir nun ungläubig auf den Hafen ob sich das Wasser  bewegt. Hinter uns stürzt ein Adler, der König der Lüfte, ungeschickt ins Gestrüpp. Das ist nun aber eindeutig ein schlechtes Zeichen! In 12 Minuten wird die erste Welle in Dutch Harbor eintreffen. Ein Erdbeben der Stärke 7.8 Magnitude ist der Auslöser. Ist das nun das Ende der Reise? Wie es damals in Fukushima die Segelyacht Freydis versemmelt hat? Es ist erstaunlich wie gelassen und diszipliniert sich alle verhalten. Im Fernsehen wäre doch Rempelei und panisches Geschrei zu sehen. Auch wir bleiben dann halt ruhig. Diskutieren fast schon sachlich, was wohl mit dem Schwimmsteg geschieht, wenn sich das Wasser erst zurückzieht und dann die Welle mit voller Wucht eintrifft. Ich wage nicht an einen endgültigen Abschiedskuss zu denken. Tue so, als wäre alles normal. Eine Stunde später kommt die Entwarnung per SMS. Dutch Harbor wurde 1964 von einem Tsunami komplett zerstört. Wie durch ein Wunder, ist dabei niemand ums Leben gekommen. Und schon wieder klopft es an der Robusta. Diesmal ist es der Hafenmeister der besorgt ist, ob alle wieder heil vom nächtlichen Ausflug zurück gekommen sind.

So uns juckt es endgültig von hier weg zu kommen. Jeniffer kommt mit dem neuen Wetterbericht. Morgen könnten wir los! Bei starkem Kaffee studieren wir intensiv die Route. Die Passagen von der Bering Sea in den Pazifik sind echt nicht einfach. Starke Strömungen mit Wind dagegen, führen zu gefährlichen hohen sogenannten Tide Rips. Im Akutan Pass wurden schon Wellen von 15 Meter Höhe dokumentiert.

Morgen um sechs Uhr in der Früh geht’s los zum Unalga Pass! Wird sich zeigen, ob wir richtig gerechnet und geplant haben.

December 16 2014

Hafenkran aus Rostock

Pünktlich zum Start unserer Reise wird in Zürich ein Hafenkran aufgebaut. Dieser konnte ich beim Vorbeifahren mit dem Limmatschiff knipsen. Passt ja wunderbar, so kommt Meeresstimmung auf ! Jetzt fehlen noch die Schiffe, die ihre Waren löschen möchten. Ein paar davon auf Reede im Zürcher Seebecken wäre auch nicht schlecht. Ich finde diesen Kran extrem cool. Endlich mal eine Kunstaktion, die keinen kommerziellen fahlen Beigeschmack aufweist wie die Bären oder Bänke der letzten Jahre…
Schön ist ja Zürich im Frühling…

Hafenkran

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210-065  
N10-006  
MB2-707  
70-246  
c2010-657  
220-802  
350-060  
c2010-652  
1z0-808  
OG0-091  
000-106  
101  
200-355  
OG0-091  
1z0-434  
LX0-104  
LX0-104  
HP0-S42  
350-080  
9L0-012  
9L0-066  
2V0-621  
N10-006  
200-120  
300-070  
350-018  
101-400  
CISSP  
2V0-621  
ADM-201  
70-243  
210-060  
70-270  
70-270  
JK0-022  
1z0-434  
70-178  
220-902  
70-980  
100-105  ,
300-101  
2V0-621D  
70-461  
210-065  
300-115  
000-104  
EX300  
N10-006  
642-999  
500-260  
N10-006  
1Z0-061  
350-030  
ITILFND  
100-105  ,
200-310  

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December 4 2014

Passage nach Kap Verden

Mitten auf dem Atlantik, auf Position 26 Grad Nord, 17 Grad West, es hat wenig Wind, fahren mit 4,5 kt dahin… Delfine besuchten uns, leider in der Nacht, so hoerten wir nur deren Gepfeife durch die Bordwand. Fische haben wir noch keine gefangen. Aber wir bleiben dran ! Fast einen halben Tag lang hatten wir ein anderes Segeboot neben uns, bis es doch schneller war und hinter dem Horizont verschwand. Das erste Brot kam schon aus dem Ofen, feinster Duft verbreitete sich im Schiff. Sonst gibts nur wenig zu berichten, es ist alles so ruhig. Aber mehr Wind soll noch kommen, so hoffen wir doch…