January 4 2017

Letzte Tage in Chile

Wir sind schon fast  zur Ausreise bereit. Stell dir vor: wir mussten nun für 10 Monate einkaufen! Zehn Monate, habe mich wirklich nicht verschrieben. Absolute Überforderung. Was meinst du? Kommen wir damit durch? 40 Kilo Mehl, 30 Kilo Haferflocken, 10 Kilo Hülsenfrüchte, 15 Kilo Reis, 10 Kilo Zucker, 50 Gläser eingemachtes Obst und Gemüse,  für den Start auch noch zwei Harasse frische Früchte und  Gemüse, 3 Kilo getrocknete Früchte, 100 Eier und sonstigen Kram wie 10 Liter Essig, 10 Liter Oel, diverse Gewürze,  50 Liter Chilenischen Wein, 30 Liter Schnaps, bis jetzt null Bier und sonst noch etwa eine Tonne Flüssigkeiten wie 400 Liter Diesel, 40 Liter Benzin, 36 Kilo Gas zum kochen, 550 Liter Trinkwasser? Salz haben wir noch nicht! Müssen wir noch dran denken.
Zur Proviantierung ist noch zu sagen, dass die Südsee ein teures Pflaster ist. Andere Segler empfehlen möglichst alles in Chile oder noch besser in Equador zu kaufen. Einerseits müssen wir uns für mindestens sechs Wochen für die Non-Stop-Reise eindecken. Danach werden Früchte und Kokusnüsse locker zu bekommen sein. Grundnahrungsmittel sind angeblich teuer, nicht immer erhältlich und der Alkohol unerschwinglich. Eine Orientierung die mir recht geholfen hat: Lebensmittelvorrat für den Kriegsfall


Für die  4600 Seemeilen zu den Marquesas rechnen wir mit mindestens sechs Wochen Reisezeit (8520 Kilometer, entspricht fast der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach China).  Erst müssen wir aber mal hier los kommen. Unsere vom Skorbut löchrigen Zähne haben sich am Zahnarztstuhl festgebissen. Mein Zahn, der schon in Brasilien eine Füllung verloren hatte, von der Armada in Puerto Williams Chile provisorisch geflickt wurde und dann doch wieder kaputt ging, ist völlig in Vergessenheit geraten. Auch das Visum ist leider nicht im Hirn fachgerecht abgespeichert worden. Seit Mitte November bereits wieder abgelaufen! Wie doch die Zeit immer so schnell vergeht. Schiff startklar machen, Einkaufen, Gemüse einkochen, Flaggenschein erneuern, dazu gehörte Rettungsinsel warten und diversen Papierkram für das Schweizer Schifffahrtsamt ausfüllen und Tage für Ersatzteile rumrennen war ganz schön stressig.

Eben haben wir von Aleko unserem Freund erfahren, dass er auch gerade Probleme mit den Behörden in Puerto Williams bekommen hatte. Selber Grund. Wir sind das letzte Mal gemeinsam nach Argentinien ausgereist um neue Stempel in den Pass zu bekommen.  Die Behörden haben ihm gesagt, sie können ihn maximal drei Tage von der Ausreise aus dem Land abhalten. Ein Vergehen wie “illegaler Aufenthalt” muss aber nach Santiago gemeldet werden, was wiederum mindestens eine Woche dauern wird bis die Antwort kommt. Nun ist das aber bei uns etwas anders: Alle Yachten die in den Pazifik ausreisen wollen, werden auf Seetauglichkeit überprüft. Jedenfalls von der Armada, Immigration und eventuell kommen die vom Zoll auch noch.  Wissen wir aber nicht. Diesbezüglich kursieren verschiedene Informationen. Die könnten daran interessiert sein, ob die Yacht länger als ein Jahr in Chile war. Dann werden die 20 Prozent Importsteuer fällig. Das wäre am 17. Januar. Wenigstens etwas wofür wir noch nicht angebellt werden können.
In Nacht- und Nebelaktion abhauen ist glaub im streng bewachten Chile nicht möglich. Und überhaupt, ohne Ausreisestempel im neuen Land einklarieren, würde sich auch nicht so zum Vorteil auswirken. Mal schauen wie es Aleko im Süden ergeht. Stepli ist noch immer unterwegs zu den Osterinseln. Hier könnt ihr selber lesen! Aleko und Stepli
Hat schon jemand diesbezüglich Erfahrungen sammeln dürfen? Was sollen wir tun?
Die Chilenischen Freunde empfehlen uns, sofort freiwillig bei den Behörden vorzusprechen. Eine perfekte Ausrede, die ja sonst immer peinlich und nicht angebracht ist, sei ein Motorschaden und der wirklich reale  Zahnschaden mit nicht realen unerträglichen Schmerzen.
Nadine will uns auf die Behörden begleiten….. wir dürfen nicht sprechen, diesen Teil wird sie übernehmen. Hoffe mir gelingt es dann auch die Klappe zu halten.



Copyright 2020. All rights reserved.

Posted January 4, 2017 by robusta in category "Chile

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *