{"id":10755,"date":"2019-11-20T02:42:47","date_gmt":"2019-11-20T02:42:47","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=10755"},"modified":"2020-01-02T21:04:30","modified_gmt":"2020-01-02T21:04:30","slug":"abaiang-die-fetten-jahre-sind-vorbei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=10755","title":{"rendered":"Abaiang , die fetten Jahre sind vorbei"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"ngg-simplelightbox\" title=\" \" href=\"https:\/\/sy-robusta.ch\/wp-content\/gallery\/fiabaiang\/FB_IMG_1574803225517.jpg\" rel=\"\" data-image-id=\"3478\" data-src=\"https:\/\/sy-robusta.ch\/wp-content\/gallery\/fiabaiang\/FB_IMG_1574803225517.jpg\" data-thumbnail=\"https:\/\/sy-robusta.ch\/wp-content\/gallery\/fiabaiang\/thumbs\/thumbs_FB_IMG_1574803225517.jpg\" data-title=\"FB_IMG_1574803225517\" data-description=\" \"><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-none aligncenter\" src=\"https:\/\/sy-robusta.ch\/wp-content\/gallery\/fiabaiang\/thumbs\/thumbs_FB_IMG_1574803225517.jpg\" alt=\"FB_IMG_1574803225517\"><\/a><\/p>\n<p>Endlich weht ein schwaches L\u00fcftchen in den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kalmen\">Kalmen<\/a>. Dieses heisse L\u00fcftchen soll die fette Robusta nach Abaiang, einem Atoll n\u00f6rdlich von Tarava hauchen.<\/p>\n<p>Jetzt aber nichts wie weg hier!&nbsp;<\/p>\n<p>Die Leute, die wir in Abaiang besuchen wollen, wundern sich auch schon, dass wir es so lange in Tarava aushalten. Die kennen uns nicht &#8211; wir sie auch nicht. Unsere Freunde von der Segelyacht<a href=\"https:\/\/she-san.ch\/de\/\"> She San<\/a> haben den Kontakt vermittelt. Batterien f\u00fcr den Aussenborder und Quad werden dringend ben\u00f6tigt. In Fiji haben wir was \u00e4hnliches gefunden. Mit etwas Phantasie und Kreativit\u00e4t sollte es funktionieren.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderVon Nick und Lisa werden wir in Abaiang herzlichst empfangen.&nbsp;<\/p>\n<p>Die beiden sind uns auf Anhieb voll sympathisch.<\/p>\n<p>Sie leihen uns gleich mal ihre Fahrr\u00e4der, um&nbsp; die Fahrtenbewilligung bei der lokalen Polizei vorzuweisen. Doch da war niemand. Am n\u00e4chsten und \u00fcbern\u00e4chsten Tag auch nicht. So baten wir jemanden im B\u00fcro von nebenan, ob er eine Kopie mache und der Polizei abgeben k\u00f6nne. Daf\u00fcr h\u00e4tte er den Generator starten m\u00fcssen. Doch da ist kein Benzin im Tank. Wir versprechen morgen wieder zu kommen. In Kiribati wird Einklarieren und die ganzen kostenlosen Bewilligungen f\u00fcr jedes einzelne Atoll sehr ernst genommen. Da sind andere Segler schon im Knast gelandet (Story dazu auf Noonsite). So ein doofer Vorfall hat nat\u00fcrlich negative Auswirkungen auf alle nachfolgenden Segler. Schade.&nbsp;<\/p>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholderEinige Tage sp\u00e4ter taucht Segelyacht Inti am Horizont auf. Thomas hat schon den halben Quad zerlegt, der auch mit der neuen Batterie nicht zum Leben erwacht ist. Die Benzinpumpe wird in der K\u00fcche mit Motorenreiniger w\u00e4hrend Stunden ausgekocht. Nach so einigem Geschraube und Gezupfe und Geputze und nun auch noch mit Unterst\u00fctzung von Jona, l\u00e4uft der Quad wieder! Nun sitzt die ganze Bande im Anh\u00e4nger. Nick braust mit breitem Grinsen, mit uns allen \u00fcbers Atoll! Ganze Horden von Kinder kommen in den Siedlungen angerannt um den knatternden Quad zu bestaunen. Kulinarisch werden wir von Nick und Lisa mit vielen K\u00f6stlichkeiten verw\u00f6hnt. Der H\u00f6hepunkt war jedoch das Schweizer K\u00e4sefondue bei \u00fcber 30, jedoch 45 gef\u00fchlten Grad Hitze!&nbsp;<\/p>\n<p>ngg_shortcode_2_placeholderF\u00fcr uns ist es einfach zu hei\u00df hier. Nicht mal das Meer bringt Abk\u00fchlung.<\/p>\n<p>Lisa ist in Abaiang geboren. Hat \u00fcber 25 Jahre in der Schweiz gelebt und ist seit drei Jahren mit ihrem Schweizer Mann zur\u00fcck ins Paradies gezogen. Doch das Leben im Paradies erscheint aus unserem Blickwinkel nicht ganz einfach. Gesch\u00e4fte sind nicht um die Ecke gelegen. F\u00fcr Eink\u00e4ufe m\u00fcssen sie eine mehrst\u00fcndige Bootsfahrt ins benachbarte Atoll auf sich nehmen. Lisa hat einen Gem\u00fcsegarten angelegt was in einem Korallenatoll, wo nur wenig Humus existiert, viel Geduld abverlangt. Wir vermissen so sehr frisches Gem\u00fcse und Fr\u00fcchte!<\/p>\n<p>Auch kulturell ist so vieles anders in Kiribati. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich die Nachbarn mal ein T-Shirt von der W\u00e4scheleine schnappen.&nbsp; Oder nach deinen Schuhen, die du gerade tr\u00e4gst, fragen. Aus Respekt erfolgt die sofortige \u00dcbergabe ohne murren. Sowas ist f\u00fcr&nbsp; I Kiribatis v\u00f6llig normal und in keiner Weise eine b\u00f6se Tat im \u201eBubuti&#8221; System\u201c.&nbsp; Eine Anfrage ablehnen, f\u00fchrt zum Gesichtsverlust.<\/p>\n<p>Kiribati ist schon speziell. Da haut es einen Mann mit dem Motorrad um. Er ist von oben bis unten mit Schlamm bedeckt und blutet aus diversen Wunden.&nbsp; Doch die&nbsp; I Kiribatis stellen das Motorrad wieder auf, packen die abgebrochenen Teile in die Tasche zu den Fischen, helfen dem sturzbetrunkenem Mann wieder aufzusteigen, halten ihn fest bis er einigermassen in Balance ist und schon ist er im Zickzack ausser Sicht. Unglaublich! Ja mit dem Alkohol haben sie es nicht so im Griff. Diesen brauen sie aus dem Saft der Kokospalme. Zur Gewinnung des Rohstoffes wird an der Schnittstelle einer Bl\u00fcte eine Flasche aufgeh\u00e4ngt. Haben es auch versucht. Den Saft einfach mehrere Tage in der W\u00e4rme stehen lassen. Dabei darf die Flasche nicht ganz verschlossen werden, denn durch die Fermentation bildet sich recht viel Gas. Dann sch\u00f6n k\u00fchlen, etwas Limonensaft und eine Chilischote zugeben. Fertig ist der Palmwein der in Kiribati Toddy genannt wird. Schmeckt nicht schlecht! Du musst allerdings sicher sein, dass sich bei der Gewinnung kein K\u00e4fer (Name vergessen) ins Gef\u00e4ss verirrt. Nach dem Konsum w\u00fcrde es beim Pissen schrecklich brennen.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_3_placeholderAm Abend findet eine Tanzvorf\u00fchrung statt. Irgendwie hat sich schon rumgesprochen, dass wir &#8211; die I Matang &#8211; kommen werden. So ist in der Maneaba, dem Gemeinschaftshaus, bereits ein Platz ganz vorne reserviert. Wir d\u00fcrfen uns auf ein buntes Plastiktischtuch auf den Boden setzen. Kinder rutschen immer n\u00e4her zu uns heran. Sie streicheln \u00fcber unsere helle Haut. Einige nesteln behutsam in meinen blonden Haaren. Eine alte Frau hat ihre Hand auf Claudis R\u00fccken gelegt.&nbsp; Am n\u00e4chsten Tag sind wir zum Essen eingeladen. Ich bringe eine riesige Sch\u00fcssel voll Pop Corn f\u00fcr die Kinder und einen Sack Kleider als Mitbringsel. Die Verst\u00e4ndigung ist nicht ganz einfach, obwohl in der Schule Englisch gelehrt wird. Die Menschen leben hier unglaublich einfach.&nbsp; Ihre H\u00e4user sind erh\u00f6hte Podeste mit D\u00e4cher&nbsp; aus Pandanussbl\u00e4tter. Strom haben l\u00e4ngst nicht alle zur Verf\u00fcgung. Ab und zu rattert ein Generator oder ein Solarpanel ist auf einem Dach montiert. Doch auf dem Atoll existiert erstaunlicherweise eine Mobilfunkantenne! Ab und zu landet sogar auf einer Naturpiste ein kleines Flugzeug. Wie oft das Versorgungsschiff von Tarava kommt, weiss niemand so genau.<\/p>\n<p>Wir fragen uns, wie und wovon die Menschen hier leben? Traditionell haben sich die I Kiribatis von Fisch ern\u00e4hrt. Doch davon ist nicht mehr so viel da. Mit der Ern\u00e4hrungsumstellung, hielten Diabetes und Fettleibigkeit, Mangelerscheinungen, vor allem bei Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter, Einzug.&nbsp;<\/p>\n<p>ngg_shortcode_4_placeholderDas gr\u00f6ssere \u00dcbel stellt jedoch der Klimawandel dar. Der Anstieg vom Meeresspiegel und die heftigeren St\u00fcrme \u00fcberfluten Kulturland und zerst\u00f6ren es f\u00fcr immer. Das Grundwasser ist versalzen, K\u00fcstenabschnitte erodieren. In Abaiang musste bereits ein ganzes Dorf umgesiedelt werden. Tragen wir nicht alle etwas Verantwortung f\u00fcr die Zukunft dieser Menschen?<\/p>\n<p>Sie sind die letzten die die CO2 Emission beinflussen k\u00f6nnen &#8211; baden die Folgen aber buchst\u00e4blich aus!<\/p>\n<p>Die fetten Jahre sind f\u00fcr die Industrienationen vorbei!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich weht ein schwaches L\u00fcftchen in den Kalmen. Dieses heisse L\u00fcftchen soll die fette Robusta nach Abaiang, einem Atoll n\u00f6rdlich von Tarava hauchen. Jetzt aber nichts wie weg hier!&nbsp; Die Leute, die wir in Abaiang besuchen wollen, wundern sich auch schon, dass wir es so lange in Tarava aushalten. 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