{"id":10762,"date":"2019-12-09T03:25:09","date_gmt":"2019-12-09T03:25:09","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=10762"},"modified":"2025-01-22T19:56:47","modified_gmt":"2025-01-22T19:56:47","slug":"uberfahrt-von-kiribati-zu-den-marshall-islands","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=10762","title":{"rendered":"\u00dcberfahrt von Kiribati zu den Marshall Islands"},"content":{"rendered":"<p>In Abaiang haben wir uns schweren Herzens von Lisa und Nick verabschiedet.<\/p>\n<p>Die Aufenthaltsbewilligung l\u00e4uft in wenigen Tagen schon wieder aus. Eine Verl\u00e4ngerung um weitere zwei Monate kostet pro Person 60 Australische Dollar. Etappe drei durch die Kalmen steht an. Wir vier studieren seit Tagen die Wetterprognosen. Der Passat setzt sich noch immer nicht durch. Ist auch gut so. Denn legt der mal los, was in der Regel anfangs Dezember ist, wird es hart. Zwischen Kiribati und den Marshall Islands bl\u00e4st er&nbsp; meist mit 20 bis 30 Knoten aus Nord-Ost. Dies bedeutet hartes Segeln gegen Wind und Welle. Doch da ist gar kein Wind! Null, zero. Im Nachhinein denken wir, die Wetterprognosen kannst du in den Kalmen vergessen!&nbsp;<\/p>\n<p>Mittlerweile liegen insgesamt f\u00fcnf Yachten in Tarava. Alle Segler sind auf einem Katamaran f\u00fcr Thanksgiving zum Pot Luck Dinner&nbsp; eingeladen (jeder bringt etwas leckeres mit).&nbsp; Gespr\u00e4chsthema&nbsp; Nummer eins ist die Weiterreise. Denn&nbsp; in den Marshall Inseln ist seit August das Denguefieber, eine durch Moskitos \u00fcbertragene Krankheit, ausgebrochen. Einzige Pr\u00e4vention ist das Vermeiden von M\u00fcckenstichen. Die Regierung der Marshall Islands hat ein striktes Reiseverbot zu allen \u00e4usseren Inseln veranlasst. Tausende Leute sitzen seit Monaten in Majuro fest. Dass noch ein weiteres Drama im Anzug ist, erfahren wir erst bei unserer Ankunft in Majuro.<\/p>\n<p>So klarieren wir am Freitag in Kiribati Tarava aus und d\u00fcmpeln Sonntags im Schneckentempo los. 24 Stunden ist eigentlich die Zeitspanne um nach dem Ausklarieren auszulaufen. Aber da ist kein Wind! Und die Beh\u00f6rden haben ja auch kein Boot.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderIch will gar nicht so genau auf die \u00dcberfahrt eingehen. Ein neuer Rekord ist geschafft. Vierhundert&nbsp; l\u00e4ppische Seemeilen in 8 Tagen. Erb\u00e4rmlicher geht es nicht. Die Segelyacht Inti war nach wenigen Stunden nicht mehr in Sicht. Dabei wollten wir doch in der N\u00e4he voneinander bleiben. In jedem Revierbericht&nbsp; wird empfohlen, m\u00f6glichst nach Ost zu halten. Falls sich der Passatwind durchsetzt, besteht so doch noch die M\u00f6glichkeit Majuro so einigermassen gem\u00fctlich zu erreichen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;Kein L\u00fcftchen -Wind &#8211; Hitze &#8211; Squall mit Gewitter &#8211; Reffen &#8211; Segel setzen um sie gleich wieder zu bergen &#8211; halsen &#8211; wenden &#8211; Squall &#8211; Flaute &#8211; heiss &#8211; nass&#8230;&#8230; Von wegen nach Ost heben. Der Wind wehte immer wieder mal aus West! Der Wetterbericht versprach perfekte Bedingungen. Diese Fr\u00f6sche haben keine Ahnung was da draussen abgeht.. . seht selber auf dem Track, sowas ist doch nicht mehr normal!?<\/p>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholderStimmung an Board: friedlich bis angestrengt und \u00fcberm\u00fcdet.<\/p>\n<p>Es ist wieder mal unglaublich. Nun bereits zum dritten mal. Robusta und Inti laufen gleichzeitig aus. Segeln verschiedene Routen und kommen jedes mal zu fast exakt selben Zeit an! Das AIS (automatisches Identifikations System) ist seit heute Morgen ausgeschaltet. Inti tat das selbe. Es ist Samstag und Einklarieren ist nur gegen eine happige Geb\u00fchr m\u00f6glich. So verstecken wir uns irgendwo im Atoll f\u00fcr das Wochenende. Hoppsen ins Wasser, pennen mal richtig aus, aber betreten sch\u00f6n brav kein Land. F\u00fcr Jona und Claudi ist es die letzte \u00dcberfahrt nach sechs Jahren Abenteuer mit ihrer geliebten Inti. Sie ist nach Majuro verkauft.&nbsp;<\/p>\n<p>Montag in der Fr\u00fch, hocken alle im tiefgek\u00fchlten Taxi zu Custom und Immigration (Zoll und Einwanderungsbeh\u00f6rde). Claudi ist traurig und ich bin total schlecht gelaunt, denn Majuro gef\u00e4llt mir auf den ersten Blick \u00fcberhaupt nicht. Beim Gedanken an das Reiseverbot, l\u00f6scht es mir richtiggehend ab.&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der Immigration sind die Beamten hell entsetzt, dass wir an Land gekommen sind. Warum habt ihr euch nicht auf Kanal 16 angemeldet? Im Marshall Compendium steht geschrieben, die hilfsbereiten&nbsp; Segler vom Mieco Yachtclub auf VHF Kanal 68 anzurufen, diese werden die Beh\u00f6rden per Telefon \u00fcber die Ankunft informieren. Sie helfen auch mit der Zuweisung einer Boje. Weitere Infos zum Prozedere folgen auf Kanal 74. Also wie \u00fcberall auf der Welt auf Kanal 16 Port Control anrufen, auch hier in Majuro.&nbsp;<\/p>\n<p>Seit dem 1. Dezember besteht in vielen Pazifischen Inseln f\u00fcr die Einreise eine Impfpflicht gegen Masern-Mumps-R\u00f6teln und Grippe. In Samoa ist die Masern ausgebrochen. Es soll bereits Todesf\u00e4lle gegeben haben. Immigration schickt uns auf direktem Weg ins Spital. Hier treffen wir auf folgendes Szenarium: Hunderte Personen warten geduldig an langen Tischreihen. Zahlreiche Arzte, mit spitzen Nadeln ausger\u00fcstet, impfen unter freiem Himmel Kinder und Erwachsene. Jona hat im Impfpass einen Eintrag. Wir nicht. Claudi Thomas und ich hatten die Masern als Kind durchgemacht. In keinem der zuletzt besuchten Orte sind Masernf\u00e4lle bekannt. Mein Hausarzt zaubert tats\u00e4chlich innert K\u00fcrze per Mail einen Laborzettel mit dem Beweis. Nach kurzer Befragung ist ein Dokument erstellt,&nbsp; welches uns von der Impfpflicht befreit. Alle Europ\u00e4er in unserem Alter, seien garantiert mal mit Masernerreger&nbsp; in Kontakt gekommen. Also besteht f\u00fcr niemanden eine Gefahr. Unser Freund, der paar Tage nach uns von Kiribati angekommen ist, musste 14 Tage Quarant\u00e4ne auf der Yacht absitzen (minus Anzahl Tage der \u00dcberfahrt). Er durfte auch keinen Besuch empfangen. Nachts patrouillierte die Polizei um seine Yacht. &#8220;Measle Man&#8221;, so sein neuer Name, wurde von den Seglern in der Bucht mit Pizza, Bier, Filmen, B\u00fccher, Internetdaten, Gem\u00fcse und was ihm so fehlte versorgt.&nbsp; So empfand er die Quarant\u00e4ne sogar als ganz nett. Wie Urlaub vom Segeln.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_2_placeholderDa kommt das so kontrovers diskutierte Thema Impfen auf. Reisende sind potentielle Gefahrenquellen um Krankheiten zu verbreiten. Speziell in abgelegenen Regionen der Welt, wo weder Apotheken, \u00c4rzte und geschweige denn Spit\u00e4ler existieren, kann eine Krankheit wie die hochansteckende Masern fatale Auswirkungen auf die Bev\u00f6lkerung haben. In Samoa sind bis Weihnachten 79 Kinder unter 5 Jahren gestorben.&nbsp;<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Drama f\u00fcr die betroffenen Familien!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Abaiang haben wir uns schweren Herzens von Lisa und Nick verabschiedet. Die Aufenthaltsbewilligung l\u00e4uft in wenigen Tagen schon wieder aus. Eine Verl\u00e4ngerung um weitere zwei Monate kostet pro Person 60 Australische Dollar. Etappe drei durch die Kalmen steht an. Wir vier studieren seit Tagen die Wetterprognosen. 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