{"id":11072,"date":"2020-03-07T12:08:44","date_gmt":"2020-03-07T12:08:44","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=11072"},"modified":"2020-03-28T10:51:38","modified_gmt":"2020-03-28T10:51:38","slug":"zamami-islands","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=11072","title":{"rendered":"Zamami Islands"},"content":{"rendered":"<p>Grosses Gewinke und bald schon verschwindet Okinawa im Dunst. Daf\u00fcr erscheinen bereits die Berge von Zamami Islands am Horizont. Das ganze Gebiet geh\u00f6rt zum Keramashoto Nationalpark.<\/p>\n<p>Der Blick auf Berge erf\u00fcllt mich mit grosser Freude. Wecken Erinnerungen aus der Kindheit. Skifahren mit meinen Eltern, Mami mochte den Schnee jedoch \u00fcberhaupt nicht. Papa daf\u00fcr umsomehr. Bei jedem Wetter sind wir los, wie die Wahnsinnigen jede Piste oder im Tiefschnee runtergesaust. Knochenbr\u00fcche mussten in Kauf genommen werden. Egal, sowas h\u00e4rtet ab. Keine Herausforderung war zu krass. Oder im Sommer wandern, die Aussicht nach einem anstrengendem Aufstieg ist einfach das gr\u00f6sste aller Hochgef\u00fchle.&nbsp;<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderNach f\u00fcnfst\u00fcndiger \u00dcberfahrt ist die Robusta im \u00f6stlichen Teil des Hafens, mit Auto- und Motorradreifen gepolstert, l\u00e4ngsseits an der Hafenmauer festgemacht. Doch nun kommt jemand und weist uns mit Zeichensprache an, am Schwimmsteg anzulegen. Ja umso besser, perfekt! Dankesch\u00f6n, das ist reinster Luxus. Ein- und Aussteigen ohne an der Hafenmauer rumzuklettern. Das kleine Dorf ist in zehn Minuten ausgekundschaftet. Nun schl\u00fcrfen wir Awamori, Reislik\u00f6r mit viel Eis serviert, im fast leerem Guesthouse. Viele Reisende haben die Buchung wegen Coronavirus storniert. Japan hat die Grenzen zu China und der Republik Korea dicht gemacht. Aktuell sind knapp 200 Personen positiv getestet, die meisten davon in Hokkaido, der n\u00f6rdlichsten Pr\u00e4fektur Japans. Die Regierung hat als erste Massnahme s\u00e4mtliche Schulen, Museen und Theater im ganzen Land geschlossen. In den Medien h\u00e4ufen sich die Berichte \u00fcber die Ausbreitung in der ganzen Welt!<\/p>\n<p>Wie ernst die Lage tats\u00e4chlich ist, muss erst mal in unseren K\u00f6pfen ankommen. So abgelegen und doch nur einen Katzensprung von China und der Republik Korea entfernt, k\u00f6nnen wir die Lage noch nicht ganz einordnen. In Italien spitzt sich die Lage dramatisch zu. Ich sorge mich um meine Eltern. Was ist mit meinem Sohn? Wie geht es allen Freunden? Kann es sein, dass wir auf einmal nicht mehr auslaufen d\u00fcrfen und somit in einem Hafen festsitzen? Reisepl\u00e4ne \u00e4ndern? Was wird aus Alaska? Ja ja ja jaaaaaaa ich weiss, das ist Gejammer auf hohem Niveau. Exg\u00fcsi! Doch wir machen uns auch Sorgen und Gedanken \u00fcber die Folgen einer Pandemie.&nbsp;<\/p>\n<p>Momentan ist alles ruhig. Jedenfalls auf Zamami.&nbsp; Fragen \u00fcber Fragen. Doch erstmal wird Corona positiv verdr\u00e4ngt.&nbsp;<\/p>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholderEs dauert nicht lange, formiert sich eine lustige Clique. Sergey ist mit seiner Yacht f\u00fcr ein paar Tage von Okinawa nach Zamami gesegelt. Er kennt hier viele Leute. Thomas hat ihm beim Anlegen geholfen. Sp\u00e4ter klopfte er an die Robusta und brachte Salzgeb\u00e4ck und Bier. Wir verstehen uns auf Anhieb bestens. Er fragt ganz vorsichtig, ob ich gerne koche. Er hasse das, doch er w\u00fcrde gerne ein paar Freunde einladen. Ich k\u00f6nne ihm eine Liste geben, er gehe dann einkaufen. Das ist doch ein Deal. Wir begleiten ihn zum Laden, denn es gibt bestimmt einiges zu Schleppen mit all den Getr\u00e4nken. Ein kr\u00e4ftiger Regenguss unterbricht die Aktion erstmal. Sergey l\u00e4dt uns in ein Restaurant zum Mittagessen ein. Die Wirtin r\u00fcstet uns mit drei Regenschirmen aus.&nbsp;<\/p>\n<p>ngg_shortcode_2_placeholderAm Abend sitzen acht Personen in Sergeys Yacht am grossen Tisch, der mit allerlei H\u00e4ppchen \u00fcbers\u00e4t ist. Die G\u00e4ste haben auch etwas Leckeres mitgebracht.&nbsp; Ich habe Arabisches Fladenbrot mit&nbsp; Hummus und Tomatensalat an Balsamico Sauce,&nbsp; Kartoffelsalat und einen gr\u00fcnen Salat zubereitet. Ich muss schmunzeln. Japanisches Essen ist in kleinen filigranen h\u00fcbschen Sch\u00e4lchen, in kleinen Portionen angerichtet. Da kommen die Alpenl\u00e4ndler nach Japan und stellen drei fette Sch\u00fcsseln auf den Tisch, die wie die Faust auf&#8217;s Auge ins Bild passen. Bis auf den letzten Kr\u00fcmel ist alles radikal aufgefuttert.&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wassertemperatur ist schon fast kalt verglichen mit den Tropen. Statt 29 nur noch 20 Grad. Wir quetschen uns zum Schnorcheln in die enge schwarze Wursthaut. Kristallklares Wasser, mit bunten Korallen und es wimmelt von Fischen. Sogar eine Schlange von beachtlicher Gr\u00f6sse, schl\u00e4ngelt am Grund unter mir durch. Zwei Stunden vor Hochwasser kommen jeweils die Meeresschildkr\u00f6ten um am Grund Grass zu fressen. Zamami ist wahrhaftig ein Tauchparadies. Vom Strand aus sind manchmal sogar die Buckelwale zu beobachten, wenn diese Kolosse ihre Spr\u00fcnge vollziehen.&nbsp;<\/p>\n<p>ngg_shortcode_3_placeholderAm n\u00e4chsten Abend sind wir im Dorf eingeladen. Die Kollegen, die wir gestern kennengelernt haben, wollen f\u00fcr uns Tintenfische zubereiten. Auf so einer Art Racletteofen, mit speziellem Aufsatz mit kleinen Einbuchtungen, werden die Tintenfischst\u00fccke gelegt und mit Bierteig \u00fcbergossen. Geschickt jonglieren alle mit ihren St\u00e4bchen, mit denen ich mich immer noch nicht angefreundet habe, die Masse in den Kulen zu runden B\u00e4llchen. War alles sehr lecker und gem\u00fctlich. Andre, ein Deutscher der im Gasthaus arbeitet, will morgen f\u00fcr die ganze Bande ein Indisches Curry zubereiten. Doch obwohl das Gasthaus wegen Corona zu ist, motzt der Boss und \u00e4ussert Unmut \u00fcber das Vorhaben. So findet die Aktion auf der Robusta statt. Andre bringt die Zutaten und macht sich in der Pantry zu schaffen. Der arme Kerl ist jedoch etwas zu gross f\u00fcr die Robusta und m\u00fcht sich darum in geb\u00fcckter Haltung am Herd ab. Draussen st\u00fcrmt und regnet es in Str\u00f6men. Das Curry ist extrem scharf geraten. Alle beginnen zu schwitzen und die Tr\u00e4nen kullern \u00fcber die Wangen. Autsch, das war wirklich extrem. Um das Feuer zu l\u00f6schen wurde die entsprechende Menge Alkohol nachgegossen. Wir haben jedenfalls bis in die Morgenstunden hinein ausgelassen gelacht, getanzt und dabei viel Spass gehabt.<\/p>\n<p>KAMPAI&nbsp; Alles Gute liebe Zamamis!!<\/p>\n<p>INFOS F\u00dcR SEGLER<\/p>\n<p>Hafen: anlegen am im Osten gelegenen Schwimmsteg&nbsp;<\/p>\n<p>Papiere: Jemand kam von der Gemeinde, doch wegen Verst\u00e4ndigungsblockade geschah nichts. Keine Papiere mussten gezeigt werden, keine Kosten<\/p>\nngg_shortcode_4_placeholder\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grosses Gewinke und bald schon verschwindet Okinawa im Dunst. Daf\u00fcr erscheinen bereits die Berge von Zamami Islands am Horizont. Das ganze Gebiet geh\u00f6rt zum Keramashoto Nationalpark. Der Blick auf Berge erf\u00fcllt mich mit grosser Freude. Wecken Erinnerungen aus der Kindheit. Skifahren mit meinen Eltern, Mami mochte den Schnee jedoch \u00fcberhaupt nicht. Papa daf\u00fcr umsomehr. 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