{"id":11598,"date":"2020-08-01T04:03:07","date_gmt":"2020-08-01T04:03:07","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=11598"},"modified":"2020-12-12T04:45:01","modified_gmt":"2020-12-12T04:45:01","slug":"segeln-in-einer-karawane","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=11598","title":{"rendered":"Segeln in einer Karawane"},"content":{"rendered":"<p lang=\"de-CH\">So und nun grabe ich in meinem Hirn zur\u00fcck nach Dutch Harbor. Zur\u00fcck, weil bereits einige Zeit vergangen ist und wir bereits in Homer angekommen sind.<\/p>\n<p lang=\"de-CH\">Ablegen von Dutch Harbor war wie vermutet der Horror. Daran erinnere ich mich noch bestens. Mit dem Langkieler r\u00fcckw\u00e4rts \u00fcber eine l\u00e4nger Distanz man\u00f6vrieren, ist nahezu unm\u00f6glich. Obwohl sich die Robusta beim Ablegen ungewollt um 180 Grad gedreht hat, blieb der Steg unversehrt, kein Fischkutter ist gesunken und das Seezeichen steht auch noch an der selben Stelle. In brenzligen Situationen funktionieren Thomas und ich recht gut.<\/p>\n<p lang=\"de-CH\">Der Plan ist gemeinsam mit unseren neuen Freunden, bis in das 650 Seemeilen entfernte Homer zu segeln. Dort werden wir mit der Robusta, oder besser formuliert, in der Robusta, im Hafen von Homer \u00fcberwintern. John und Jenifer stellen ihre Yacht <a href=\"http:\/\/carobabbo.com\/\">Caro Babbo<\/a> in einer Werft an Land. Die beiden werden den Winter in ihrer Heimat Port Townsend, in Washington verbringen.<\/p>\n<p lang=\"de-CH\">John und Jenifer sind noch nie in einer Karawane gesegelt. Dies ist aus diversen Gr\u00fcnden auch nicht ganz simpel.<\/p>\n<p lang=\"de-CH\">Jede Yacht verh\u00e4lt sich anders. Die einen segeln viel schneller, laufen h\u00f6her am Wind, vertragen grobe See besser. Ein weiterer Faktor ist die Crew. Welches ist die sicherste Route? Und ganz wichtig, wo liegt die Grenze des Ertr\u00e4glichen von jedem Einzelnen. Menschen sind verschieden. R\u00fccksicht auf unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse sind auch hier essenziell. Was heisst nun R\u00fccksicht aufeinander nehmen? Diese Frage k\u00f6nnte schon ein ganzes Kapitel f\u00fcllen. Ungereimtheiten ansprechen ist jedenfalls immer ein guter Weg.<\/p>\n<p lang=\"de-CH\">Reisen mit anderen Seglern lieben wir. Optimal waren Erlebnisse mit bis drei Yachten. Oder wenn eine bis zwei Personen mit der Robusta mitsegelten. Eine gr\u00f6ssere Crew ist vor allem auf l\u00e4ngeren Passagen eine grosse Entlastung bei den Wachen oder der Essenszubereitung. Im Fall einer Panne, die eben immer in den unm\u00f6glichsten Situationen auftreten, ist es doch einfach nett noch jemand Vertrauten an der Seite zu wissen.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p lang=\"de-CH\">In Alaska m\u00fcssen Passagen sehr sorgf\u00e4ltig geplant werden. Das Wetter wechselt rapide. Starker Wind und enorme Str\u00f6mungen zaubern aus dem Nichts eine gef\u00e4hrlich hohe ungest\u00fcme See. Die Region z\u00e4hlt zu den gr\u00f6sseren Schiffsfriedh\u00f6fen der Erde. Der US-Coast Pilot Nummer 9 ist ein unverzichtbares Hilfsmittel. Mit den lokalen Fischer besprechen wir unser Vorhaben ebenfalls. Sie geben wertvolle Ratschl\u00e4ge und verraten bei einem Bier die besten Ankerbuchten, um sich bei Sturm in Sicherheit zu bringen. Sie legen uns nahe, bis sp\u00e4testens Mitte September in einem sicheren Hafen f\u00fcr die Wintermonate zu sein. Ups, das kommt jetzt etwas \u00fcberraschend. Bleibt f\u00fcr die 650 Seemeilen nicht gerade viel Zeit! Nur gerade mal knapp zwei Monate.<\/p>\n<p lang=\"de-CH\">Bei starkem Kaffee und Kuchen wird ausgiebig geplant. Wann die n\u00e4chste M\u00f6glichkeit Internet zu empfangen ist nicht klar. Seekarten studieren, Gezeiten und Str\u00f6mungen berechnen, Reiseberichte von anderen Segler lesen, Wetterprognosen vergleichen. Weiter \u00f6stlich, soll das Wetter etwas freundlicher sein. So \u00fcberreden wir John und Jenifer schon mal f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Schlag mit Nachtfahrt. Einfach mal um dieser \u00fcblen Nebelsuppe der Aleuten Inseln zu entfliehen. East Anchor Cove liegt 134 Seemeilen von Dutch Harbor entfernt. Sollte das Wetter umschlagen, so werden weitere Alternativen f\u00fcr einen Nothalt ausgearbeitet. Hier in gesch\u00fctzte Ankerbuchten einlaufen, ist wegen der starken Gezeitenstr\u00f6me nur zu bestimmten Bedingungen m\u00f6glich und Zeiten m\u00f6glich. Somit ist eine Alternative nicht immer die optimale L\u00f6sung zum Abwettern.<\/p>\nngg_shortcode_1_placeholder\n<p lang=\"de-CH\">Wie und wann wir in East Anchor Cove ankommen, ist jeder Crew selber \u00fcberlassen. Klar ist, morgens um sechs Uhr geht`s los. Proviant ist bereits mit dem Handkarren vom Hafen angeschleppt. Um sieben Uhr ist ein Termin bei North Pacific Fuel zum Diesel tanken ausgemacht. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Termin zum Tanken vereinbare. Doch die Fahrt von der Bering Sea in den Nord Pazifik f\u00fchrt durch den Unalga Pass, einem Durchgang in der Aleuten Inselkette. Dies ist an diesem Tag nur gerade um 11.07 Uhr m\u00f6glich. Das Zeitfenster ist klein. P\u00fcnktlichkeit ist empfehlenswert. Dann ist Stillwasser und die starke Str\u00f6mung kippt zu unseren Gunsten. Im Pazifik angekommen, schlafft der Wind schon bedenklich ab. Ich begutachte schon mal einen alternativen Ankerplatz. Doch der kann unm\u00f6glich angelaufen werden. Die Str\u00f6mung l\u00e4uft dort gegen den Wind. Eine Kondition die Tide Rips, hohe steile, gef\u00e4hrliche Wellen verursacht. Also auf die Z\u00e4hne beissen und weiter ziehen. So versuchen wir vom Land entfernt auf st\u00e4rkeren Wind zu treffen. Diese Taktik klappt. Mitten in der Nacht, verh\u00e4lt sich die Robusta eigenartig. Die Segel flappen, obwohl der Wind mit \u00fcber 25 Knoten weht. Die Geschwindigkeit \u00fcber Grund betr\u00e4gt 16 Knoten!!! Krass. Absoluter Rekord. Offensichtlich ist da eine starke Str\u00f6mung vom Akutan Pass. Dieser liegt jedoch sechs Seemeilen n\u00f6rdlich. Eine Meile entfernt k\u00e4mpft sich Jenifer, dick eingeh\u00fcllt in Schwerwettermontur bei K\u00e4lte und Regen, im offenen Cockpit von Caro Babbo durch die Fluten. Mich schauderts beim Gedanken an Jenifer. Alles etwas unheimlich. Ich hocke gem\u00fctlich im geheizten Schiffsbauch der Robusta oder im gesch\u00fctzten Deckshaus. Ein kurzer Funkkontakt per VHF tut gut. Selbst bei Tageslicht in solchen Str\u00f6mungen zu segeln, ist schon ein echter Kick. Im Akutan Pass treten zur Spring Tide Str\u00f6mungen bis zu zehn Knoten auf. Diese Wellen mit Wind dagegen, wage ich mir schon gar nicht vorzustellen. Das alles ist nicht neu f\u00fcr uns. Patagonien hat von uns einiges abverlangt und nun profitieren wir von diesen wertvollen Erfahrungen. Ein wesentlicher Unterschied zu Patagonien, damals hatten wir keine Informationen betreffend Str\u00f6mungen oder Gezeiten. Die Seekarten wiesen teilweise beachtliche Abweichungen von bis zu mehreren Seemeilen auf. In Alaska stehen die sehr detaillierten Seekarten von der NNOA kostenlos zum Download zur Verf\u00fcgung. Doch aufgepasst, durch die hohe seismische Aktivit\u00e4t, \u00e4ndert sich die Wassertiefe dauernd.&nbsp;<\/p>\n<p lang=\"de-CH\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So und nun grabe ich in meinem Hirn zur\u00fcck nach Dutch Harbor. Zur\u00fcck, weil bereits einige Zeit vergangen ist und wir bereits in Homer angekommen sind. Ablegen von Dutch Harbor war wie vermutet der Horror. Daran erinnere ich mich noch bestens. Mit dem Langkieler r\u00fcckw\u00e4rts \u00fcber eine l\u00e4nger Distanz man\u00f6vrieren, ist nahezu unm\u00f6glich. 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