{"id":12116,"date":"2021-05-15T06:21:16","date_gmt":"2021-05-15T06:21:16","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=12116"},"modified":"2021-06-08T01:44:46","modified_gmt":"2021-06-08T01:44:46","slug":"realitat-oder-aberglaube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=12116","title":{"rendered":"Realit\u00e4t oder Aberglaube?"},"content":{"rendered":"<p>Irgendwie stellt sich das sonst so bekannte Gef\u00fchl einer gewissen Gelassenheit beim Segeln nicht ein. Beide sind wir angespannt. Schnell mal gereizt und bereit f\u00fcr Z\u00e4nkereien um Kleinigkeiten. Was ist anders als sonst?<\/p>\n<p>Thomas freut sich tierisch wieder zu reisen. Ich k\u00e4mpfe mit Abschied nehmen. Von einem Ort, an dem wir immerhin sieben Monate geblieben sind. Eine tolle abwechslungsreiche Zeit der Sesshaftigkeit f\u00fcr uns Fahrende. Nun einfach tsch\u00fcss zu sagen, mit dem Wissen, dass die Wahrscheinlichkeit auf ein Wiedersehen&nbsp; klein sein wird, damit habe ich als sozialfreudige Person zu k\u00e4mpfen. Die n\u00e4chsten Monate werden wir&nbsp; in einer Zweierkiste auf engstem Wohnraum verbringen.<\/p>\n<p>Uns bleiben noch sieben Wochen um nach Kanada zu segeln. Ob die Grenze bis dann offen sein wird, steht in den Sternen. Jeden Monat debattiert Kanada und die USA erneut \u00fcber eine \u00d6ffnung. Der Druck steigt auf die Sommerferien. Im Herbst steht die Pr\u00e4sidentschaftswahl an. Trudeau, der amtierende kanadische Pr\u00e4sident, so denken wir, will sich keinesfalls negativ exponieren. Eine der Bedingungen f\u00fcr Lockerungen ist die Durchimpfung von 75% der Bev\u00f6lkerung. &nbsp;Ein etwas utopisches Ziel bei so viel Impfskepsis? Zudem ist Kanada voll und ganz auf Import des Impfstoffes angewiesen. Aktuell liegt Impfquote bei 35% haben eine Dosis bekommen, voll geimpft sind soweit 3 %. Im Vergleich die Zahlen der USA: 60 % eine Dosis, 49 % voll geimpft. Mit der einhergehenden Krise in Indien, hat Kanada aus Solidarit\u00e4t auf die Lieferung von Impfdosen von dort verzichtet.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6gen gar nicht an die Entt\u00e4uschung denken, nicht nach Kanada einreisen zu d\u00fcrfen.&nbsp; Schon Jahre freuen wir uns auf diesen enorm spektakul\u00e4ren Teil dieser Reise! Noch beschissener ist der Fakt, wenn Kanada nicht \u00f6ffnet, bliebe uns auch die Einreise in die Lower States der USA verwehrt (Washington, Oregon, Kalifornien). Also Alaska &#8211; Mexiko Nonstop, eine Strecke von gerade mal 2600 Seemeilen!<\/p>\n<p>Susia hat die Aufgabe bekommen, die Neuigkeiten per Mail an unseren Kurzwellenfunk zu senden, denn wir werden kein Internet oder Telefon haben.<\/p>\n<p>ES IST WIE ES IST &#8211; THINK POSITIV- ALLES IST SUPER!<\/p>\n<p>So versuchen wir uns auf die Herausforderung der n\u00e4chsten Etappe, aufgestellt und mit Freuden einzulassen. Doch das positiv thinking wird schon schnell arg strapaziert. Trotz traumhafter Prognosen ist da null Wind. Zu allem \u00dcbel noch mit Wellen von der Seite. Vier Stunden unter Motor, ohne Autopilot zu reisen, gef\u00e4llt uns nicht. Beide haben am n\u00e4chsten Tag Muskelkater vom Seegang ausbalancieren. Die Seebeine m\u00fcssen nach dem Winterschlaf erst wieder wachsen.<\/p>\n<p>Port Chatham ist kein Hafen wie es der Name ausdr\u00fcckt. Die Siedlung ist seit 1949 verlassen. Als wir das erste Mal von diesem Ereignis h\u00f6rten, dachten wir die Erz\u00e4hlerin h\u00e4tte einen Flick weg. Bei der Planung stiess ich erneut auf mysteri\u00f6se Berichte. Fischer und J\u00e4ger schildern \u00e4hnliche Erlebnisse. Doch konkret hat niemand etwas gesehen. Schr\u00e4g. Hat da etwa der Nebel die Phantasie befl\u00fcgelt? War da ein \u00dcberfluss an Alkohol oder etwa ein spezielles Kraut im Spiel? Es ist das \u201eES\u201c. Oder das Nautiinaq, welches \u00fcbersinnliche Kr\u00e4fte und Energien besitzt.<\/p>\n<p>Umso neugieriger sind wir jetzt geworden.<\/p>\n<p>Die K\u00fcste ist zerkl\u00fcftet. Entlang des verzweigten Fjords ragen schneebedeckte Berge zu allen Seiten empor. Zahlreiche Felsbl\u00f6cke ragen bei Ebbe aus der See. Ein absolut sch\u00f6ner Flecken Erde.&nbsp;&nbsp;Scheint ein durchaus lebenswerter Ort zu sein. Als da noch wer war, lebten diese Leute vom Fischfang und der Jagd, betrieben eine Konservenfabrik, oder bauten Chrom in den Minen ab. Doch wenn Menschen auf unerkl\u00e4rliche Weise spurlos verschwinden, oder grob verst\u00fcmmelt, wie es kein B\u00e4r zustande bringt, mit der Flut vor die Siedlung getrieben werden, ist das eindeutig zu gruselig.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderWir bleiben mehrere Tage. Nicht etwa weil wir dringend das Nautiinaq sehen m\u00fcssen. Nein. Zwei Tiefs, bringen um die 35 Knoten Gegenwind. Die letzte Nacht wurden wir regelm\u00e4ssig von Williwaws gebeutelt. Sogar bei ruhigem Wetter. Ich habe schlecht geschlafen. Erster Gedanke, wenn ich durchs das Zerren an der Ankerkette geweckt wurde, war an das Nautiinaq. So wechseln wir den Ankerplatz. Die Wahl f\u00e4llt auf eine weite Bucht, vor einem offenen Tal im Lee, in zehn Meter Wassertiefe. Eigentlich m\u00fcsste der Wind von der Topografie her, hier voll durchdonnern. Doch dort liegt ein Fischkutter und ein Ausflugsboot vor Anker. Also kann diese Stelle nicht all zu bl\u00f6d sein. Besser starker Wind mit viel Platz um viel Kette zu geben, als die Williwaws, die von allen Seiten, mit enorm zerst\u00f6rerischer St\u00e4rke von den Bergh\u00e4ngen runter toben.<\/p>\n<p>GRIB Files versprechen&nbsp; moderaten Westwind. Also los!<\/p>\n<p>Thomas steht am Steuer. Ich lese in der Koje und schlafe dabei ein. Stunden sp\u00e4ter nehme ich wahr, dass der Motor noch immer l\u00e4uft. Es ist laut. Mein Kopf dr\u00f6hnt. Warum ist der verfluchte Motor so laut? Die Prognosen sind schon wieder falsch. Segeln ist so was von angenehmer. Die Windsteueranlage \u00fcbernimmt die Arbeit. Der durch&#8217;s Wasser gleitende Rumpf, kreiert im Innern eine Symphonie aus Pl\u00e4tschern und Gurgeln. Das lieben wir,&nbsp; und dazu erst noch die Kraft der Natur zu sp\u00fcren.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irgendwie stellt sich das sonst so bekannte Gef\u00fchl einer gewissen Gelassenheit beim Segeln nicht ein. Beide sind wir angespannt. Schnell mal gereizt und bereit f\u00fcr Z\u00e4nkereien um Kleinigkeiten. Was ist anders als sonst? Thomas freut sich tierisch wieder zu reisen. Ich k\u00e4mpfe mit Abschied nehmen. 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