{"id":12178,"date":"2021-06-05T00:58:18","date_gmt":"2021-06-05T00:58:18","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=12178"},"modified":"2021-07-23T04:21:43","modified_gmt":"2021-07-23T04:21:43","slug":"prince-william-sound-und-der-gau-von-vorgestern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=12178","title":{"rendered":"Prince William Sound und der Gau von vorgestern"},"content":{"rendered":"<p>Prince William Sound ist ein nahezu abgeschlossenes Seegebiet. Ungef\u00e4hr so gross wie die Schweiz. Nach dem grossen heftigen Erdbeben von 1964, wird empfohlen, die Wassertiefe stets zu beobachten. Noch heute ist nicht jeder Winkel in Alaska neu kartographiert. Mit Abweichungen von bis zu zwei Metern ist zu rechnen! Zahlreiche Inseln, Gletscher und lauter schneebedeckte&nbsp; Berge s\u00e4umen den Horizont. Dank Covid19 &#8211; diese Saison ohne Kreuzfahrtschiffe.&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist Sommer und es liegt noch immer zu viel Schnee, um mal vern\u00fcnftig zu wandern. Die beliebten Ausfl\u00fcge hoch hinaus, bleiben aus. Im Bereich der K\u00fcste ist Spazieren wegen \u00fcbertrieben viel Regen, nur mit Gummistiefeln und in Oelmontur m\u00f6glich. Vieles erinnert an Patagonien. Nur ist in Alaska alles gross und weit und der wesentliche Unterschied liegt bei den Windst\u00e4rken. Die lokalen Wetterkan\u00e4le \u00fcber VHF Funk, berichten jeden Tag von 10 bis 15 Knoten Wind aus Nord. Doch nicht mal die Wasseroberfl\u00e4che bringen diese Nachrichten zum kr\u00e4useln. Ideale Bedingungen f\u00fcr motorbetriebene Gef\u00e4hrte. Doch nicht f\u00fcr die Robusta. Ich kann diese Stimme aus dem Funk schon gar nicht mehr h\u00f6ren. Dieser D\u00f6del sollte mal seinen Schreibtisch verlassen und sich angucken, was da draussen wirklich los ist.&nbsp;<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>Gletscher gucken ist total genial. Doch f\u00fcr den Hochgenuss muss der Himmel endlich mal blau werden. Die Farbe des Wassers \u00e4ndert sich in einem Gletscherfjord von schwarzblau in milchiges T\u00fcrkis. Im Sommer kalben gewaltige Eismassen ins Meer. Ein Schauspiel der besonderen Art. Doch mich \u00fcberw\u00e4ltigt das alles eher zu Tr\u00e4nen. Jedes St\u00fcck Jahrtausende alte Eis, welches hier gerade abbricht, wird in wenigen Stunden f\u00fcr die n\u00e4chsten Generationen nicht mehr sichtbar sein. Umso mehr \u00e4rgert es, so oft unter Motor durch die Natur zu streifen.&nbsp; Auf Wind warten k\u00f6nnen wir uns nicht erlauben. M\u00fcssen Mitte Juli p\u00fcnktlich aus Alaska ausreisen, sprich in Kanada sein.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholderWo sind die Wale? Die vielen Otter und all die Seev\u00f6gel?<\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Abend, kurz nach dem Auslaufen aus dem Hafen von Valdez, muss der Kurs wegen Drifteis um einige Grad ge\u00e4ndert werden. Irgendwann musste es ja mal so weit kommen. Der Gau war doch absehbar. Alle waren \u00fcberfordert. Menschen standen am Ufer. Sie versuchten mit \u00fcber ihren K\u00f6pfen schwingenden Kleidungsst\u00fccke, die Seev\u00f6gel vom Landen abzuhalten. Fischer sammelten die unter ihnen sonst nicht so beliebten Otter ein und versuchten sie zu reinigen&#8230;<\/p>\n<p>Wer mag sich noch daran erinnern? 32 Jahre ist es her als der Supertanker Exxon Valdez, im Prince William Sound auf das Bligh Riff auflief. Dabei wurden von den elf Kammern sieben aufgerissen. 41 Millionen Liter Rohoel liefen aus. Weder die Pipelinebetreiber Alyeska, noch der Kapit\u00e4n des Tankers waren in der Lage, die Havarie&nbsp; unter Kontrolle zu bringen. Das Wetter w\u00e4re die n\u00e4chsten Tage ruhig gewesen. Doch&nbsp; Oelsperren mussten erst&nbsp; von England eingeflogen werden. So wurde etwas hilflos das umstrittene Dispersionsmittel aus Flugzeugen verspr\u00fcht, damit das Oel&nbsp; schlicht und einfach an den Grund sinkt, wo all die Hailbutt pennen. Seit dem Jahr 2015 gibt es biologische Mittel, die das Roh\u00f6l in seine Bestandteile Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff zerlegen. Bevor die Oelsperren da sind, zieht ein heftiger Fr\u00fchjahrsturm auf und verteilt die Suppe bis an die B\u00e4ume hoch und noch hunderte Kilometer weiter, bis \u00fcber Kodiak hinweg, in den Westen von Alaska. Millionen Tiere verendeten. Hunderte Anwohner versuchten verzweifelt etwas dagegen zu tun. Die bis anno dazumal gr\u00f6sste Havarie der Geschichte, hatte&nbsp; schwerwiegende Folgen f\u00fcr Mensch und Umwelt.&nbsp; Langfristig vergiften Tiere schleichend \u00fcber die Nahrungsaufnahme. In kalten Gew\u00e4sser baut sich das Oel noch viel langsamer ab. Zum einen hat sich die lokale Killerwalpopulation nicht mehr reproduziert. Drehen wir am Strand Steine um, sind die Spuren der Havarie noch immer un\u00fcbersehbar. Trotzdem bleibt Alaska f\u00fcr uns eines der Eindr\u00fccklichsten L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter, durften in den vereinigten Staaten nur noch doppelwandige Tanker H\u00e4fen anlaufen. Bis diese Bestimmungen weltweit eingef\u00fchrt wurden, dauerte es nochmals weitere 25 Jahre!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prince William Sound ist ein nahezu abgeschlossenes Seegebiet. Ungef\u00e4hr so gross wie die Schweiz. Nach dem grossen heftigen Erdbeben von 1964, wird empfohlen, die Wassertiefe stets zu beobachten. Noch heute ist nicht jeder Winkel in Alaska neu kartographiert. Mit Abweichungen von bis zu zwei Metern ist zu rechnen! 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