{"id":12191,"date":"2021-06-20T06:25:54","date_gmt":"2021-06-20T06:25:54","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=12191"},"modified":"2021-07-13T06:42:08","modified_gmt":"2021-07-13T06:42:08","slug":"raus-aus-dem-sound-yakutat-bis-cape-spencer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=12191","title":{"rendered":"Raus aus dem Sound &#8211; Yakutat &#8211; bis Cape Spencer"},"content":{"rendered":"<hr>\n<hr>\n<p>Die folgende Etappe f\u00fchrt \u00fcber&#8217;s offene Meer. Diese 350 Seemeilen (650 km), wollen wir unter keinen Umst\u00e4nden unter Motor bew\u00e4ltigen. Robusta ohne Segel im Schwell des Pazifik, gleicht einer wild h\u00fcpfenden Flaschenpost. Das Wetterfenster muss sorgf\u00e4ltig gew\u00e4hlt sein. Es donnern noch immer heftige Tiefs \u00fcber den Golf von Alaska.&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Einfluss eines Hochdruckgebietes im Golf von Alaska, laufen wir tatsachlich unter Segel vom Prince William Sound aus. Doch das Hoch ist zu mickrig, um uns ans geplante Ziel zu bringen. Schaffen es gerade noch in die auf halber Strecke liegende Icy Bay. V\u00f6llige Wildnis, super sch\u00f6n. Unber\u00fchrte Landschaft mit einer unbeschreiblichen Weitsicht. Mount Saint Elias ragt sozusagen direkt aus dem Pazifik, bis \u00fcber 6000 Meter in den Himmel. Ein lokales Ph\u00e4nomen bringt bei Sonnenschein Westwind. Verursacht werde dies durch den sage und schreibe 75 Kilometer breiten Gletscher. Das moderate Wetter erlaubt ganz nahe an der K\u00fcste entlang zu segeln. Wir sind hin und weg. Glotzen uns die Augen an der Sch\u00f6nheit der Natur wund. Ich denke es ist ein grosses Privileg diesen Abschnitt unter Segel und bei bester Fernsicht zu bew\u00e4ltigen. Zudem wird es nie richtig dunkel. Darum sind wir auch ziemlich aus dem Ern\u00e4hrungs- und Schlafrhythmus gefallen. Kriechen immer sp\u00e4ter aus den Kojen und sind um Mitternacht noch voll aktiv. Moskitos und Bremsen nerven selten. Lange Hosen und Jacken und M\u00fctze sch\u00fctzen gut. Doch die Biester erwischten uns vor allem an der Stirn. Das Problem besteht nur bei Windstille. Im Cockpit glimmt ein R\u00e4ucherst\u00e4bchen, was die Nervt\u00f6ter zuverl\u00e4ssig fern h\u00e4lt. Gegen B\u00e4ren kommt auf den Landgang immer ein B\u00e4rspray mit. Sieht aus wie Omas Drei-Wetter Taft Haarspray. Unm\u00f6glich gross ist diese Tr\u00e4nengaspetarde. Irgendwann, eines regnerischen Tages, geht ein Knall mit folgendem Zischger\u00e4usch los. Wir erstarren. Der B\u00e4rspray! Wo ist der? Im Deckshaus! Ich hechte in die Koje und halte mir mein Kissen \u00fcber&#8217;s Gesicht. Und Thomas, keine Ahnung. Er br\u00fcllt nun.&nbsp; Es sei die Automatik Rettungsweste. die wohl wegen der grossen Luftfeuchtigkeit ausgel\u00f6st wurde. Uffff. 20 Dollar futsch f\u00fcr die neue Patrone.&nbsp;<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderDie Landschschaft erscheint in so vielen Lichtfacetten und wenn es schifft in mehrt\u00f6nigem Grau. Jedenfalls auch super sch\u00f6n!<\/p>\n<p>Yakutat, eine Native Siedlung, nur \u00fcber die Luft oder auf dem Wasserweg erreichbar, wird wegen dem leidigen Thema Windmangel zum n\u00e4chsten Zwischenstopp. Ich erkundige mich telefonisch bei der Gemeindeverwaltung, ob wir in die kleine Siedlung einlaufen d\u00fcrfen. Kein Problem. G\u00e4ste sind wieder willkommen. Im kleinen Hafen lernen wir sofort Leute kennen. Fischer und solche die mit ihren Wassergef\u00e4hrten auf Durchreise sind. Ex-Eigner und neuer Eigner eines Kutters sind gemeinsam f\u00fcr eine \u00dcberf\u00fchrung von S\u00fcd nach Nord unterwegs. Das Gef\u00e4hrt ist fast abgesoffen. Die beiden Kapit\u00e4ne konnten sich in letzter Sekunde noch in den Hafen retten und warten nun auf Ersatzteile. Mit dem selben Kahn sind wir gemeinsam fischen gegangen. War toll! So haben wir von echten Profis so einige Tricks gelernt, wie in diesen Gew\u00e4ssern Steinfische und Hailbutt gefangen werden. Solche Sozialkontakte sind in der Wildnis eine willkommene Abwechslung.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholderMit der GCI Telefon SIM Karte, hatten wir konstant keinen Empfang! Am Fresswagen oberhalb des Hafens, gibt es WIFI. Kanada und die USA werden dieses Wochenende erneut \u00fcber eine Grenz\u00f6ffnung entscheiden. Bef\u00fcrworter und Gegner liegen sich in der M\u00e4hne. Die Nachricht ist niederschmetternd. Wie seit 14 Monaten bleibt die Grenze, f\u00fcr mindestens einen weiteren Monat geschlossen. Dabei sind die Ziele f\u00fcr eine schrittweise \u00d6ffnung erreicht!? Was soll das? Trudeau steht auf der Bremse! H\u00f6rt nicht auf seine Berater. Doofer weise ist jetzt auch noch seine Partnerin Covid19 positiv getestet. Ein kleiner Lichtblick in die Zukunft in Richtung \u00d6ffnung: F\u00fcr voll geimpfte Kanadier, die vom Ausland zur\u00fcckkehren, entf\u00e4llt die Quarant\u00e4ne. Was genau der Unterschied zwischen voll geimpften Kanadier oder Ausl\u00e4nder ist, k\u00f6nnen viele nicht verstehen.&nbsp;<\/p>\n<p>Wir nehmen Kontakt mit Hansueli und Paul auf, um einen Schlachtplan auszuarbeiten. Die beiden sind mit ihren Yachten letzten Herbst diese Strecke gesegelt. Beide hatten so ihre echt schr\u00e4gen Erfahrungen mit den Beh\u00f6rden machen m\u00fcssen. Auch nach diesen Gespr\u00e4chen bleiben wir ziemlich ratlos. Alles ist doof. Die optimale L\u00f6sung erscheint dermassen absurd, dass es sogar peinlich ist sie hier zu erw\u00e4hnen. Ich tu es trotzdem: Schiff in Alaska stehen lassen \u2013 nach Mexiko fliegen \u2013 erneut in die USA einreisen und schon ist das Problem f\u00fcr den Aufenthalt um weitere sechs Monate gel\u00f6st.<\/p>\n<p>Kanada bleibt ein sich in Dunst aufl\u00f6sender Traum.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die folgende Etappe f\u00fchrt \u00fcber&#8217;s offene Meer. Diese 350 Seemeilen (650 km), wollen wir unter keinen Umst\u00e4nden unter Motor bew\u00e4ltigen. Robusta ohne Segel im Schwell des Pazifik, gleicht einer wild h\u00fcpfenden Flaschenpost. Das Wetterfenster muss sorgf\u00e4ltig gew\u00e4hlt sein. 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