{"id":12328,"date":"2021-08-02T01:13:13","date_gmt":"2021-08-02T01:13:13","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=12328"},"modified":"2021-09-28T03:02:37","modified_gmt":"2021-09-28T03:02:37","slug":"transit-durch-kanada","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=12328","title":{"rendered":"Transit durch Kanada"},"content":{"rendered":"<p>Auf der Seekarte sieht alles extrem spannend aus. Hunderte Inseln und Kan\u00e4le kreieren zusammen mit den mehr oder weniger fetten braunen Str\u00f6mungspfeilen, welche in unterschiedlichste Richtungen zeigen, ein echtes Kunstwerk. Doch momentan ist die Landschaft nur mit viel Fantasie durch fette Nebelschwaden zu erahnen. Von der extremen Hitzewelle in Kanada sp\u00fcren wir&nbsp; rein gar nichts. Jetzt regnet es auch noch. Egal. Spielt ja unter Quarant\u00e4ne keine Rolle. D\u00fcrfen eh nicht vom Boot oder auch keinen Besuch empfangen. Quarant\u00e4ne ist wie eine lange Ozeanpassage, nur noch etwas spannender und anspruchsvoller. Jede einzelne Seemeile muss sorgf\u00e4ltig geplant werden. Segeln in Kan\u00e4len bedeutet Gezeitenstr\u00f6mungen nutzen und viele Male wenden und halsen &#8211; das alles in bezaubernd wilder Natur.&nbsp;<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderAm ersten Ankerplatz poltert es energisch am Boot. Was ist denn jetzt los? K\u00fcstenwache? Schon jetzt? Haben doch noch gar nichts verbrochen! Sind wir nun unter voller Kontrolle? Ich werde paranoid. Erschreckt hechten wir in einem Satz aus den Kojen ins Cockpit. Das kann doch jetzt wirklich fast nicht m\u00f6glich sein! Dazu muss ich erstmal ein wenig ausholen. Vor einigen Monaten, berichtete eine Kollegin aus Deutschland, sie kenne Segler die zur Zeit in Kanada sind. Ist mir exakt vor wenigen Minuten in den Sinn gekommen und so schrieb ich ihnen eine Mail. Nun d\u00fcrfte es nicht mehr schwer&nbsp; zu erraten sein, wer da grinsend aus einem Dinghi glotzt. Was f\u00fcr ein Zufall! Kanada ist ja wirklich nicht klein. Die beiden wollen, oder pr\u00e4ziser ausgedr\u00fcckt, m\u00fcssen in wenigen Wochen aus Kanada ausreisen und sind somit ebenfalls in Richtung S\u00fcden unterwegs. Was f\u00fcr ein Mist. Ihre Situation ist \u00e4hnlich. Ich platze fast vor Aufregung. Bin total neugierig was f\u00fcr einen Covid19 &#8211; Schlachtplan sie ausgearbeitet haben. Sp\u00e4ter lernen wir noch Segler aus Holland kennen. Die m\u00fcssen auch bald aus Kanada raus. Ich liebe auf einmal den Nebel. Wir f\u00fchlen uns wie kleine Kinder, die heimlich unter der Bettdecke Schoggi verschlingen.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholderF\u00fcr den Transit durch Kanada hat Thomas in Alaska eine neue Prepaid SIM Karte gekauft. Diesmal&nbsp; von AT&amp;T. Geht auch f\u00fcr Kanada und Mexiko. Doch das bl\u00f6de Teil funktionierte nach einem Tag bereits nicht mehr. Auf einer langen Passage \u00fcber den Ozean ist klar, da ist kein Empfang. In der Wildnis geht logischerweise auch kein Handy. Aber selbst in Shearewater ging nix. Ankern gleich hinter dem riesigen Tr\u00fcmmerhaufen aus Stahl, Beton und Armierungseisen, in denen sich Baumst\u00e4mme verfangen haben. Der ganze Schrotthaufen ist nicht in der Seekarte vermerkt! Ganz schwach bekommt Thomas eine Verbindung zu einem offenem Wifi. So wende ich mich per Chat an AT&amp;T. Stunden sp\u00e4ter kam zur Antwort, bitte der Hotline anrufen. Wie denn wenn das Telefon nicht geht?<\/p>\n<p>In ein paar Tagen k\u00f6nnte sich&nbsp; an der Grenze etwas \u00e4ndern. Wie kommen wir an diese Infos? Das ist nun wirklich doof. Vor allem m\u00fcssten wir uns t\u00e4glich melden. Die elektronische Krankenschwester, oder die Schwester unter Strom oder wie auch immer, vom Arrive Canada App, erwartet t\u00e4glich Auskunft, ob Covid19 schon ausgebrochen ist. Hoffentlich verpetzt die Stromschrulle uns nicht, wenn keine Antwort kommt. Jetzt w\u00e4re ich zum ersten Mal gerne stolze Besitzerin eines Satellitentelefon.<\/p>\n<p>Am Tag 6 kam die Aufforderung&nbsp; f\u00fcr einen Covid19 Test. Tag 7, erste Mahnung, Tag 8 zweite Mahnung, Tag 9 Bussandrohung in schwindelerregender H\u00f6he von bis einer Million Kanadischen Dollar. Doch diese Nachrichten konnten wir erst Wochen sp\u00e4ter abrufen, n\u00e4mlich als das Telefon pl\u00f6tzlich wieder funktionierte. Alles ohne b\u00f6se Folgen. F\u00fcr den Transit wird weder Test noch Impfung verlangt.&nbsp;<\/p>\n<p>ngg_shortcode_2_placeholderDringt die Sonne durch den Nebel, erscheint die Landschaft in einem ganz besonderen Licht. Rosa, Orange, Blau, ja das ganze Spektrum ist vertreten. Es ist ein Jammer so schnell vorbeiziehen zu m\u00fcssen. Ich liebe den Nebel.<\/p>\n<p>Von wegen die Hoffnung stirbt zuletzt; Zum Erstaunen vieler, bleibt die US-amerikanische Grenze zu. Kanada \u00f6ffnet hingegen nur f\u00fcr voll geimpfte US-B\u00fcrger. F\u00fcr uns, wo wir nun schon \u00fcber drei Wochen unter Quarant\u00e4ne sind, \u00e4ndert sich nichts. Denken wir an unsere Familien und Freunde zu Hause, f\u00fchlen wir uns hingegen echt gut. Covid19 ist bei Telefongespr\u00e4chen zum absoluten Reizwort mutiert. Mit den einen diskutiere ich schon gar nicht mehr dar\u00fcber. Das Thema ist zu explosiv und manche Haltungen kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin auch nicht zu Hause im Alltag.<\/p>\nngg_shortcode_3_placeholder\n<p>Auf halbem Weg der Passage, baut sich&nbsp; das perfekte Wetterfenster auf. Statt unter Motor durch die Kan\u00e4le zu tuckern, segeln wir an Vancouver Island auf dem Pazifik aussen rum. Nicht zu wissen, was an der geschlossenen US-Grenze geschehen wird, belastet unser Gem\u00fct.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Seekarte sieht alles extrem spannend aus. Hunderte Inseln und Kan\u00e4le kreieren zusammen mit den mehr oder weniger fetten braunen Str\u00f6mungspfeilen, welche in unterschiedlichste Richtungen zeigen, ein echtes Kunstwerk. Doch momentan ist die Landschaft nur mit viel Fantasie durch fette Nebelschwaden zu erahnen. Von der extremen Hitzewelle in Kanada sp\u00fcren wir&nbsp; rein gar nichts. 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