{"id":12461,"date":"2021-09-10T21:33:55","date_gmt":"2021-09-10T21:33:55","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=12461"},"modified":"2022-02-20T07:30:20","modified_gmt":"2022-02-20T07:30:20","slug":"the-american-dream","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=12461","title":{"rendered":"The American Dream"},"content":{"rendered":"<p>Unter Segel sausen wir ins Ankerfeld vor Port Townsend. Tom und Tatj sind da! Das muss gefeiert werden. Obwohl Covid19 nach wie vor das Weltgeschehen beherrscht, und wie auch anderswo die Grenzen zu sind, gelang es ihnen ebenfalls von Kanada in die USA einzureisen. Es mag dich lieber Leser irritieren, dass es Leute gibt, die sich nicht an Bestimmungen halten. Uns ist bewusst, es ist nicht die richtige Zeit zum Reisen. Doch die Pandemie hat uns am anderen Ende des Globus erwischt. Zehntausende Seemeilen von zu Hause entfernt. Ein Traum, mit jahrelanger intensiver Vorbereitungszeit, die Welt mit einem kleinen Segelkahn, ohne jeglichen Luxus zu umrunden, ist zur Zeit echt erschwert. Nur wenige Regierungen haben die Aufenthaltsgenehmigungen der steckengebliebenen Segler auf Grund der Pandemie automatisch verl\u00e4ngert &#8211; nicht so die USA. Glaub mir, wir tun alles um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. So bitte hab Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Versuch Regeln zu umgehen. F\u00fcr einen Neuanfang in der Heimat, Job finden, Wohnung suchen und so weiter, ist ebenfalls nicht der Ideale Zeitpunkt.<\/p>\n<p>Themawechsel:<\/p>\n<p>Die h\u00fcbsche Kleinstadt ist von einem Fisch-Dosen-Futter-Fabrikanten-Ort zu einem beliebten Touristenziel mutiert. Flanierzone und Strassenkneipen, sch\u00f6ne Gesch\u00e4fte, Museen und die viele gut erhaltene alte Viktorianische H\u00e4user. Wir stromern Stunden rum und sammeln dabei Beeren und mehr. In einigen G\u00e4rten oder an Obstb\u00e4umen sind Schilder angebracht, die einladen sich zu bedienen. Fast in jeder Strasse steht ein h\u00fcbsch gestalteter kleiner Kasten in dem Anwohner bereits gelesene B\u00fccher f\u00fcr die Nachbarn zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderJenifer und John wohnen hier. Wir kennen sie vom Segeln in Alaska. Doch sie kommen erst ende Monat nach Hause. Sie verraten uns jedoch wie wir in ihr Haus kommen. Das Auto stehe auch zur Verf\u00fcgung. Legt euch einfach in unser Bett und f\u00fchlt euch wohl. Unglaublich lieb und unkompliziert! Wir waschen dort unsere W\u00e4sche und weichen uns in der Badewanne ein. Wohnen aber weiterhin auf der Robusta. Wollen sie nicht unbeaufsichtigt am Ankerplatz lassen.&nbsp; Revanchieren k\u00f6nnen wir uns nicht. Es sei alles organisiert. Thomas kehrt das Laub im Garten zusammen.&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Ausflug in die Grossstadt Seattle steht als n\u00e4chstes auf dem Plan. Ankern geht dort nicht. Doch gegen\u00fcber von Seattle, in der Bucht von Bainbridge, ist das m\u00f6glich. (Sehr eng und voller Ankerbojen. Uns ist jedenfalls eine Leine in den Propeller geraten.) Doch der Ort ist perfekt um mit der F\u00e4hre mitten ins Zentrum von Seattle zu gelangen.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholderSchlendern durch die Schluchten von Hochh\u00e4usern mit ihren auf Hochglanz polierten Glasfassaden. Moderne Architektur vom Feinsten. Alles extrem eindr\u00fccklich! Sowas ist f\u00fcr uns Schweizer ein ganz besonderes Erlebnis. Doch die Stadt ist nahezu Menschenleer. Viele Schaufenster sind mit Bretter verrammelt. Davor stehen riesige, muskul\u00f6se, breitschultrige, bewaffnete M\u00e4nner in Uniform. In der Apotheke werde ich von einem Polizisten bedient. Mitten in der Stadt pennen auffallend viele verwahrloste Menschen. Etwas Schutz suchend vor Hauseing\u00e4ngen oder auf einer Bank. Teilweise sind ganze Strassen mit Zelten oder provisorischen Schlafst\u00e4tten geziert. Traurige Menschen sitzen sprachlos mit Kartonschilder auf den Knien da und betteln um Geld oder Essbarem. Extrem fallen mir die vielen psychisch angeschlagenen Menschen auf. Entweder wird laut gestikuliert, gestritten und sie sind arg verwahrlost und offensichtlich von irgend einer oder mehreren illegalen Substanzen zugedr\u00f6hnt. Ich als gestandene Sozialarbeiterin, wechsle sogar die Strassenseite oder nehme einen Umweg in Kauf.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_2_placeholderEine Betroffene vermittelt mir ein grobes Bild der Situation. Ich kam mit ihr in einer \u00f6ffentlichen Toilette ins Gespr\u00e4ch wo sie sich gerade etwas frisch machte. Ihren Job hat sie noch. Doch wegen der Pandemie wurde ihr Pensum gek\u00fcrzt. So konnte sie die Miete nicht mehr bezahlen und lebt nun in ihrem Auto. Ihre kleine Tochter ist bei einer Pflegefamilie untergebracht.&nbsp; So vom Staat verordnet, bis sie ihre Lebenssituation verbessert hat! Durch diverse Medien war ich schon etwas vorbereitet. Doch aus n\u00e4chster N\u00e4he vor Ort das Elend und eben die frappanten sozialen Unterschiede zu sehen, ist nochmal eine andere Nummer. Ich h\u00e4tte alles vor ein paar Monaten sehen sollen. Da standen Zelte und provisorische Behausungen auf jedem gr\u00fcnen Flecken der Stadt.&nbsp;<\/p>\n<p>Und wo sind diese Menschen jetzt? Wie ist alles soweit gekommen?<\/p>\n<p>ngg_shortcode_3_placeholderSind ganz erschlagen von all den intensiven Eindr\u00fccken der Grossstadt.&nbsp;<\/p>\n<p>Vor etwa drei Jahrzehnten lebte ich f\u00fcr ein paar Jahre in Kalifornien. Meine ersten Eindr\u00fccke &#8211; so viele Jahre sp\u00e4ter, stimmen mich sehr nachdenklich.&nbsp;<\/p>\n<p>So viel zum American Dream!&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter Segel sausen wir ins Ankerfeld vor Port Townsend. Tom und Tatj sind da! Das muss gefeiert werden. 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