{"id":14148,"date":"2022-07-27T03:05:36","date_gmt":"2022-07-27T03:05:36","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=14148"},"modified":"2024-12-10T00:27:30","modified_gmt":"2024-12-10T00:27:30","slug":"wie-fuhlt-sich-die-heimat-an","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=14148","title":{"rendered":"Wie f\u00fchlt sich die Heimat an?"},"content":{"rendered":"<p>Wieder in der Heimat, acht Jahre nach in See stechen, fragen mich viele wie mir die Schweiz nach so langer Abwesenheit reinkommt:<\/p>\n<p>Als erstes fiel mir sofort auf, alles ist sauber. Nirgends liegt M\u00fcll rum, was ich sehr sch\u00e4tze. Die H\u00e4user sind in einem guten Zustand, auch wenn sie schon mehrere hundert Jahre alt sind. Die Autos sehen wie neu aus. Doch die Menschen, die am Steuer sitzen, mutieren oft zu unfreundlichen Kreaturen. Da wird gehupt und geschimpft. Auto gleich Mittel, um Stress abzubauen?? Keinesfalls m\u00f6chte ich behaupten, ich h\u00e4tte mich nie so verhalten. Ich verstehe nur zu gut, dass bei so viel Verkehr die Nerven blank liegen. Da bewege ich mich doch lieber, mit den vollen \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln fort und quassle mit anderen Reisenden. Wobei die einen mit Blick aufs Handy gerichtet, mir nonverbal vermitteln, dass sie nicht ansprechbar sind. Hat der Zug nur paar Minuten Versp\u00e4tung, werden die Passagiere unruhig. Als absoluter Wahnsinn empfinde ich die Bedienung im Restaurant. Ich ertappe mich, wie ich mich entschuldige, dass ich jetzt etwas trinken und eine Kleinigkeit essen m\u00f6chte. Kaum ist der letzte Bissen verschluckt, kommt die gesalzene Rechnung, ohne danach gefragt zu haben. Der Tisch sei f\u00fcr weitere G\u00e4ste reserviert!<\/p>\n<p>Einen Arm angewinkelt, den Blick stets im 39 Grand Winkel nach unten gerichtet wo das Handy mit der Hand fest verwachsen zu sein scheint, pfl\u00fcgen sie, immer wieder mal mich anrempelnd durch die Stadt. Erkundige ich mich nach einer Strasse, statt einer freundlichen Hilfestellung werde ich gefragt, ob ich denn kein Handy habe!?<\/p>\n<p>Ich vermisse die Passanten, die stets ein L\u00e4cheln oder zumindest etwas Fr\u00f6hlichkeit ausstrahlen.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>Dass ohne Handy vieles nicht mehr m\u00f6glich ist, lerne ich schnell. Billette f\u00fcr den Zug kaufen, daf\u00fcr gibt es eine App. Diese verspricht stets den g\u00fcnstigsten Preis zu verrechnen. Klappt aber nicht immer. Klemmt die App mal fest, rechne bloss nicht mit Kulanz! Im Supermarkt musst du nun sogar noch Arbeiten; denn die teuren Produkte musst du selbst einscannen! Ich frage mich was mit all den Kassierer*innen geschehen wird.&nbsp; Sogar am Selbstbedienungsstand beim Bauern steht keine Schachtel mehr in der Scheune, um das Geld einfach reinzulegen. Den leuchtend roten Erdbeeren kann ich nicht widerstehen. So lege ich Bares an die Stelle wo ich die Fr\u00fcchte entnommen habe. Was f\u00fcr eine schr\u00e4ge Entwicklung. Doch ich lebe mich unerwartet schnell wieder in die voll durchorganisierte Gesellschaft ein.<\/p>\n<p>Ansonsten gef\u00e4llt mir die Schweiz sehr gut. Beim Reisen habe ich einige Meinungen von Leuten die dort Urlaub gemacht haben oder dort mal gearbeitet haben geh\u00f6rt. Zu meiner \u00dcberraschung sind es durchwegs positive Aussagen! Durch diese vielen Gespr\u00e4che betrachte ich nun einiges von einem neuen Blickwinkel. Verkehrsfreie Innenst\u00e4dte mit ihren schmucken Gesch\u00e4ften in mittelalterlichen Geb\u00e4uden, Schl\u00f6sser und Burgen, oder dass sich auf jeder Bergspitze eine Kneipe befindet, die Sauberkeit, die guten Anstellungsbedingungen, die direkte Demokratie und sogar die Beh\u00f6rden werden gelobt.&nbsp;<\/p>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholderVerglichen mit dem Bootsleben empfinde ich so einiges als besonderen Luxus wie zum Beispiel einen Wasserhahn aufdrehen und es fliesst reichlich Wasser, welches ich sogar ohne Sorge trinken kann! Auf der Robusta muss ich eine Fusspumpe bet\u00e4tigen damit kaltes Wasser fliesst. Auf diese Weise wird viel gespart. 450 Liter reichen vier bis f\u00fcnf Wochen f\u00fcr Trinken, Kochen und den Abwasch. Geduscht wird mit Meerwasser. Viele tun das nicht, weil sie das Salzwasser auf Haut und Haaren unangenehm empfinden. Dabei trocknet Salzwasser die Haut viel weniger aus. Fris\u00f6re verkaufen Meerwasser Sprays, um feine Haare zu festigen. Wir haben gelernt, Wasser als wertvolles Gut zu sch\u00e4tzen. Wasser kommt zu uns entweder von einer Tankstelle oder vom Himmel in Form von Regen, welches wir sammeln. Doch nicht so in Mexikos W\u00fcste. Eine saubere Dusche, aus der reichlich heisses Wasser auf den K\u00f6rper prasselt oder gelegentlich ein heisses Bad, geniesse ich jetzt ganz besonders. K\u00f6rperhygiene bedeutet, wie zu Omas Zeiten, sich mit einem Waschlappen abschruppen oder sich einen Eimer Meerwasser \u00fcber den K\u00f6rper sch\u00fctten. Sind die Bedingungen zu strub, wird schon mal einfach eine neue Lage Deo aufgetragen. Eine eigene Waschmaschine, nach deren Benutzung die Klamotten tats\u00e4chlich sauber sind, vermisse ich auch. Beim Kochen kann ich ganz entspannt, ohne mich irgendwo festzuhalten vor dem Herd stehen. Das geschnittene Gem\u00fcse wird nicht unkontrolliert durch die Bude fliegen. Am Ankerplatz spontan Landgang zu t\u00e4tigen, um nach Bedarf eine dringend ben\u00f6tigte r\u00e4umliche Distanz zum Geliebten geniessen, denn wir sind an Board maximal 10 Meter voneinander entfernt, vertraute Gespr\u00e4che mit dicken Freunden f\u00fchren, Wintersport, Reiten, einen Begleiter auf vier Pfoten zu haben, vermisse ich besonders. Doch noch ist das unstetige Zigeunerleben ohne Luxus, anstrengenden \u00dcberfahrten, sich st\u00e4ndig auf neue Gegebenheiten einlassen, nach-wie-vor reizvoll.<\/p>\n<p>Doch irgendwann hat alles mal ein Ende, darum geniessen wir jeden Tag in der Ferne ganz besonders.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: hast du heute schon jemandem ein L\u00e4cheln geschenkt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder in der Heimat, acht Jahre nach in See stechen, fragen mich viele wie mir die Schweiz nach so langer Abwesenheit reinkommt: Als erstes fiel mir sofort auf, alles ist sauber. 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