{"id":15239,"date":"2023-05-15T23:10:13","date_gmt":"2023-05-15T23:10:13","guid":{"rendered":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=15239"},"modified":"2025-04-05T07:39:45","modified_gmt":"2025-04-05T07:39:45","slug":"kurzbeschreibung-der-werft-staubig-stinkig-heiss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=15239","title":{"rendered":"Kurzbeschreibung der Werft: staubig \u2013 stinkig &#8211; heiss"},"content":{"rendered":"<p>Die Robusta ist auf dem Trockenen geparkt. Der Platz ist nicht schlecht. Wasserhahn, Strom, und sch\u00f6n am Rand mit recht viel Raum um uns herum. Toiletten sind auch nicht weit entfernt. Alles scheint in Ordnung.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_0_placeholderBereits am ersten Abend, bei Sonnenuntergang \u2013 breitet sich aus der N\u00e4he Fr\u00f6hlichkeit aus. Bei einer Art Wagenburg aus Yachten geformt, hat sich eine Illustre Truppe, alle mit einem Campingstuhl &#8211; diese mit Bierhalterung &#8211; um ein riesiges Feuer mitten in der Werft versammelt. Jemand bringt uns zwei Hocker und ein anderer reicht uns je ein Bier. So hocken wir die n\u00e4chsten zwei Monate fast jeden Abend zusammen, um den Tag ausklingen zu lassen. Alle bringen etwas essbares zum Teilen und dann geht\u2019s los mit lustige Stories erz\u00e4hlen, fachsimpeln \u00fcber Reparaturen, tauschen uns aus wo Ersatzteile anschaffen und in welchen Gesch\u00e4ften Material f\u00fcr die Wartung erh\u00e4ltlich ist.<\/p>\n<p>Die ersten drei Wochen sind die Arbeiten flott angelaufen. Ben hat uns mit seinem Auto oft in die Stadt mitgenommen, um Essen vom Supermarkt zu holen oder um Material f\u00fcr die anstehenden Arbeiten einzukaufen. Er kennt sich hier aus. In den Strassen der Stadt patrouillieren Milit\u00e4rfahrzeuge auf deren Ladefl\u00e4che vermummte Soldaten mit Maschinengewehren stehen. Die Sicherheitslage ist nach wie vor angespannt. Ben erkl\u00e4rt das ist wegen der Konflikte zwischen Sicherheitskr\u00e4ften und den Kartellen. Wir halten uns immer nur kurz in der Stadt auf. Vor allem nachdem Thomas auf dem Markt von einem Irren beinahe abgestochen wurde. Ja Guaymas ist echt eine krasse Stadt. Die Aussagen aus dem Mail von unserem Kollegen best\u00e4tigen sich tats\u00e4chlich. Er hat wahrhaftig nicht \u00fcbertrieben. Ob wir uns jemals mit Guaymas anfreunden? Ich denke niemals.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_1_placeholderNat\u00fcrlich haben wir auch am Boot gearbeitet.<\/p>\n<p>Ich beginne am Rumpf mit dem Antifouling abkratzen. Doch mir schmerzen immer noch die Rippen vom Ereignis als der Buckelwahl uns mit samt Dinghi in die Luft katapultiert hat. Thomas w\u00fchlt im Schiff und bringt s\u00e4mtliche Segel und Leinen in einen Lagerraum der Werft. Um den Rumpf zu bearbeiten und malen, br\u00e4uchten wir ein Ger\u00fcst. Bisher konnten wir sowas mieten oder bestenfalls lag immer genug Holz, Bretter und B\u00f6cke rum um selber etwas zu bauen. In dieser Werft gibt es sowas nicht. Jedoch gegen etwas Trinkgeld treibt einer der Marineros garantiert auf was du brauchst. Nun ist die Robusta einger\u00fcstet. Nicht ganz nach den Normen einer Unfallversicherung &#8211; aber zweckm\u00e4ssig.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_2_placeholderEines Tages haben Dale und Ben ein stattliches totes Schweinchen aufgetrieben. Dieses soll am Wochenende gebraten werden. Bis dann liegt es in einer Wanne im frisch gepressten Orangensaft eingeweicht. Wer zum Oxxo Kiosk l\u00e4uft, darf nicht vergessen Eisw\u00fcrfel mitzubringen, um die K\u00fchlung des Schweichens sicherzustellen. Wer mitessen will, bringt eine Beilage und legt 10 US-Dollar in den Pot neben dem Grill. Wir sollen erraten, wie hoch die Kosten f\u00fcr das Schwein und die Holzkohle die es braucht um es 16 Stunden lang zu braten. Die beste Wette erh\u00e4lt den Pot minus der Kosten.<\/p>\n<p>Ich bringe dem Nachtw\u00e4chter einen Teller voll von diesen leckeren Delikatessen. Als ich wieder zur\u00fcckkomme, ist der Pot bereits ausgelost. Thomas kniet vor einem Haufen Geld und z\u00e4hlt Gringo Scheine. Wie viel haben das Schwein und die Holzkohle nun gekostet? Ich mag mich noch genau erinnern was f\u00fcr eine Summe ich gesch\u00e4tzt habe. Das ist meine Zahl! Sp\u00e4ter stellt sich heraus, dass Dale auf seinen Notizen die Wetten von mir und Thomas verwechselt hat. Also w\u00e4re ich die Siegerin gewesen!!! Doch ich mache kein Aufsehen, einerseits um Dale nicht blosszustellen und Thomas soll die Freude \u00fcber seinen Sieg geniessen.<\/p>\n<p>Das Schwein und das Buffet mit all den mitgebrachten Beilagen waren superlecker!!! Ein echt gelungenes Fest welches sich bis in die Morgenstunden hinein zog.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_3_placeholderEines morgens reizt ein bestialischer Gestank die Riechorgane. Irgendwo muss wieder mal die Kanalisation verstopft sein, meint jemand der an seiner Yacht in der Hitze mit Glasmatten und Epoxidharz hantiert. Dann fliesse die Kacke vom nahen Quartier direkt neben der Werft der Strasse entlang. Konkret hinter der Mauer wo die Robusta geparkt ist. Und f\u00fcr wie lange?? Paar Tage. Das komme immer wieder mal vor. Guaymas ist ein echtes Drecksloch inmitten einer bezaubernden Landschaft. \u00dcberall liegt M\u00fcll. Entlang der Strassen, im Park, am Meer und die M\u00fcllkultur macht auch vor der Werft nicht halt. Was da alles rumliegt, ist ph\u00e4nomenal. An manchen Tagen stopfe ich, je nach dem aus welcher Richtung der Wind weht, etliche M\u00fclls\u00e4cke davon voll. Mit dem Wind weht w\u00e4hrend der Sardinensaison zus\u00e4tzlich ein sagenhaftes D\u00fcftchen von der Fabrik \u00fcber das Gel\u00e4nde. Jetzt stellt euch das alles bei 45 Grad Hitze vor!<\/p>\n<p>ngg_shortcode_4_placeholderAb sofort zwingen wir uns noch vor Sonnenaufgang aus den Kojen und beginnen morgens um f\u00fcnf mit der Arbeit. Etwa um 11 Uhr gehen wir ins nahe Restaurant oder zum Kiosk, um ein einfaches Tagesmen\u00fc zu schlemmen. Wenn es so heiss ist, mag ich am liebsten Ceviche. Roher Fisch mariniert in Limettensaft an Rahmsauce mit Tomaten und Gurken. Nach dem Essen legen wir eine Siesta ein um etwa um vier weiterzuarbeiten. So jedenfalls der Plan. Doch in der D\u00e4mmerung sind unvorstellbar viele Stechbiester aktiv. Sie sch\u00e4ren sich einen Dreck um die lang\u00e4rmeligen Klamotten, welche mit diesem russischen 75-prozentigem DEET eingespr\u00fcht sind. Die Stiche jucken und entz\u00fcnden sich und bereiten manche schlaflosen N\u00e4chte, bis jemand diese Rosa Pillen teilt: Benadryl heisst das Wundermittel welches Juckreiz, Allergien und Hautausschl\u00e4ge sowie Schwellungen lindert. Ich finde es k\u00f6nnte aber auch als Schlafmittel verwendet werden.<\/p>\n<p>Die Bedingungen sind hart. Beim Streichen mit der Stirnlampe versaue ich den roten Anstrich. Der Glanz ging wegen zu hoher Luftfeuchtigkeit verloren. Dazu kommt noch, dass nun hunderte Insekten in der frischen Farbe kleben. Es sieht schlimmer aus als zuvor. Nicht genug. Es geschieht mir gleich noch ein Malheur. Ich wollte die tiefen Kratzer und geflickte Stellen ausbessern. Mixe die Zweikomponenten Spachtelmasse zusammen. Einen Pump aus Flasche 1 und zwei Mal pumpen aus Flasche 2. Ganz einfach. Doch mit der einen Pumpe war was nicht gut. Jedenfalls trocknen die perfekt geflickten Stellen nicht! Ich habe mir so viel M\u00fche gegeben. Die eklig klebrige Pampe wieder zu entfernen, dauerte dreimal so lange als das Auftragen. Ich bin frustriert. Laufe davon. Nun sitze ich neben Hugo dem Sicherheitsmann beim Eingang der Werft unter einem Baum und quassle mit ihm. Dieser Mann ist immer so fr\u00f6hlich und bringt mich stets zum Lachen.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_5_placeholderErsatzteile bestellen geht in Mexiko nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sendungen irgendwo verschwinden, ist ziemlich garantiert. Ansonsten gibt\u2019s da jemand der einmal pro Woche mit dem Auto \u00fcber die Grenze f\u00e4hrt, um f\u00fcr wenig Geld Ware aus Arizona nach Guaymas zu transportieren. Und so funktioniert es: Du kannst Ware an eine bestimmte Adresse senden lassen, die von Debbie nach Guaymas geliefert werden. Ich staune nicht schlecht, jemand hat &nbsp;sich Toilettenpapier aus den USA bestellt! Das Toilettenpapier ist das Stichwort f\u00fcr das n\u00e4chste Drama. Durchfall mit Erbrechen. Und ich bin nicht die Einzige die es erwischt hat. Die halbe Werft liegt flach, oder blockiert das Klo in dem du dich eigentlich nicht l\u00e4nger als unbedingt n\u00f6tig aufhalten willst. Die Moskitos lieben dieses \u00d6rtchen. Sie warten darauf dich gen\u00fcsslich in den nackten Hintern zu stechen.<\/p>\n<p>Die Wartungsarbeiten gehen immer schleppender voran. Es ist ein Stadium erreicht, in dem so vieles angefangen ist und aus irgendwelchen Gr\u00fcnden pausieren muss. Entweder weil Farbe trocknen muss, f\u00fcr eine Arbeit Ersatzteile fehlen oder das eine bestimmte Gesch\u00e4ft gerade von einem Kartell in die Luft gesprengt wurde. Die Mexikaner sagen sie trinken jeden Tag zehn Liter Wasser. Wir schaffen gemeinsam nicht mal halb so viel. Es ist so heiss, dass die Farbe direkt vom Roller sich in Form von Spinnweben verfl\u00fcchtigt. Mit einem speziellen Verd\u00fcnner f\u00fcr hohe Temperaturen, geht es besser. Die 3 Gallonen Antifouling sind in nur zwei Anstrichen am Rumpf aufgetragen. Normal sind mit dieser Menge mindestens vier Anstriche m\u00f6glich. Ist das nun gut oder schlecht? Diese Farbe kam auch auf mysteri\u00f6se Weise zu uns. Da ging mal so ein Ger\u00fccht in der Werft rum, es gebe immer wieder mal Gelegenheiten an g\u00fcnstige Farbe zu kommen. \u00abVom Lastwagen gefallen\u00bb. Erst als wir die Ware weit ausserhalb vom Werftgel\u00e4nde abholen sollen, haben wir geschnallt, dass es sich um Diebesgut handelt.<\/p>\n<p>ngg_shortcode_6_placeholderDer n\u00e4chste Ausflug mit der Horde aus der Werft, verschafft uns einen kleinen Einblick in die Machenschaften der korrupten Polizei. Die Idee ist in der Stadt Billard spielen zu gehen. Sechs von uns hocken auf der Ladefl\u00e4che des Pick Up Trucks und der Rest sitzt vorne in die Kabine gequetscht \u2013 jedoch keiner am Steuer. Wer wird den Truck fahren? Wer hat noch kein Bier getrunken?<\/p>\n<p>Ein Freiwilliger ist schnell gefunden. Es dauert nicht lange und der Gringo Truck wird von der Polizei verfolgt. Bei der Suche nach einem Parkplatz, biegt der Fahrer etwas rasant um die n\u00e4chste Ecke und schon heult die Sirene des Verfolgers auf. Nun sitzt ein Polizist am Steuer des Gringo Trucks und unser Fahrer darf Polizeiauto fahren. Nat\u00fcrlich nur als Beifahrer. Der Alkoholtest f\u00e4llt positiv aus. Jetzt wird\u2019s ernst. Knast ist die Ansage bis ein Richter Zeit hat, den Fall zu bearbeiten. Derweil unser Kollege drinnen am Blasen ist, kontaktieren wir unsere mexikanischen Freunde, welche uns raten, mal 500 Pesos gleich etwa 25 Dollar zu bieten, um das Prozedere abzuk\u00fcrzen. Der Gringopreis betr\u00e4gt jedoch 400 US-Dollar!! Was f\u00fcr ein teurer Ausgang. Dabei kamen wir nicht mal zum Billard spielen.<\/p>\n<p>Und wer f\u00e4hrt den Wagen zur\u00fcck in die Werft? Das ist jetzt egal meint die Policia, wir h\u00e4tten ja jetzt bezahlt.<\/p>\n<p>Nach zehn Wochen harter Arbeit sieht die Robusta innen wie aussen supersch\u00f6n aus. Obwohl wir hier eine coole lustige Truppe waren, sind wir nun froh endlich wieder aufs Wasser zu kommen wo es hoffentlich etwas k\u00fchler ist!<\/p>\nngg_shortcode_7_placeholder\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>&nbsp;NICHTS WIE RAUS HIER&nbsp; &#8211; SCHNELL IN SEE STECKEN&nbsp; UND AUF NIMMERWIEDERSEHEN GUAYMAS<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Robusta ist auf dem Trockenen geparkt. Der Platz ist nicht schlecht. Wasserhahn, Strom, und sch\u00f6n am Rand mit recht viel Raum um uns herum. Toiletten sind auch nicht weit entfernt. Alles scheint in Ordnung. Bereits am ersten Abend, bei Sonnenuntergang \u2013 breitet sich aus der N\u00e4he Fr\u00f6hlichkeit aus. 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