{"id":7205,"date":"2016-12-27T15:49:42","date_gmt":"2016-12-27T14:49:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sy-robusta.ch\/?p=7205"},"modified":"2016-12-27T15:49:42","modified_gmt":"2016-12-27T14:49:42","slug":"puerto-montt-nach-valdivia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=7205","title":{"rendered":"Puerto  Montt nach  Valdivia"},"content":{"rendered":"<p>Genau jetzt, am 26. Dezember 09.06 Uhr Local Time, \u00fcbersegeln wir den 40 Breitengrad S\u00fcd! So sind wir raus aus den &#8220;br\u00fcllenden Vierzigern&#8221;. Ausser kleiner Sch\u00e4den alles bestens \u00fcberlebt! Gl\u00fcck gehabt.<br \/>\nCiao Patagonien, bis vielleicht gerne ein andermal! Im Club Nautico verabschiedeten wir uns und setzten morgens um sechs Uhr Segel und ziehen zum ber\u00fcchtigtern Canal Chacao.<br \/>\nDie Weihnachtsfeier durften wir mit Franco, Kate, Marianne und Jean Loup auf der Kalibu mit Birgit und Thomas mit ihren beiden Kindern feiern. Jeder fasste Tage zuvor einen Auftrag etwas zu kochen. So entstand ein buntes, \u00a0super leckeres, \u00a0internationales Weihnachtsmahl. Ja und auch Thomi und ich waren vollgefressen. (Wir beiden sind die unangenehmen G\u00e4ste, die meist mehr essen als der Durchschnittsb\u00fcrger.)<br \/>\nAuch heisst es in dem Moment Abschied nehmen von Jean Loup und Marianne. Sie segeln nach Valparaiso. Kate und Franco und die Kalibu Crew werden wir in Valdivia \u00fcbermorgen wieder treffen.<br \/>\nLeider muss ich auch Abschied von Happy und Cabezon nehmen, mit denen ich mich eigentlich zu sehr angefreundet habe. Die Story \u00fcber die beiden folgt in einem sp\u00e4teren Blog, aber erst will ich das aktuelle Ereignis schildern.<br \/>\nAb 11 Uhr kann es losgehen. Dann kippt der Strom und das Wasser l\u00e4uft durch den Canal Chacao zwischen der Insel Chiloe und dem Festland in den stillen grossen Ozean hinaus. Dies mit 5 bis 8 Knoten Strom. Gespannt laufen wir unter Motor auf den Kanal zu. Der von Rasmus versprochene S\u00fcdwind hat noch nicht eingesetzt. Das ist auch gut so, denn mit Wind gegen Strom geht da draussen die Post ab. Der Schwell vom Pazifik dr\u00fcckt in den Canal Chacao w\u00e4hrend der Ebbstrom sich durch die Enge zw\u00e4ngt. Da entstehen gewaltige Seen.<br \/>\nW\u00e4hrend ich am Kartentisch auf dem Plotter nochmals die Strecke \u00fcberblicke, bl\u00e4rrt aus dem Funkger\u00e4t eine Securitemeldung. Tsunamiwarnung! 70 Seemeilen nord-westlich von Melinka gab es ein Erdbeben mit der Magnitude von 7.7. Auch auf dem Handy \u00fcberdeckt prominent eine Meldung den ganzen Bildschirm: Warnung vom Pr\u00e4sidenten: Tsunami. Nun ist uns klar, was wir gerade gesp\u00fcrt haben. Ein deutlicher Rums war durchs ganze Schiff vernehmbar.<br \/>\nAlle Schiffe werden von der Armada gebeten die K\u00fcste zu verlassen und sich in Wassertiefen \u00fcber 50 Meter in Sicherheit zu begeben. Im Kanal dreht ein fetter Tanker um und kommt auf uns zu. Also tun wir unmittelbar das selbe. Zum Gl\u00fcck waren wir noch nicht in der Str\u00f6mung. Gegen 5 Knoten und mehr, h\u00e4tten wir keine Chance mehr gehabt zur\u00fcck gegenan zu motoren. Nun sind acht Schiffe im Golfo de Ancud mit einem guten Abstand von der K\u00fcste in \u00fcber 50 Meter tiefem Wasser versammelt, \u00a0mit geb\u00fchrendem Abstand zueinander am gebannt warten was nun geschieht. Vom Land sind die Tsunamisirenen zu h\u00f6ren. Ert\u00f6nen diese, muss die Bev\u00f6lkerung alles stehen und liegen lassen und sich in sogenannte tsunamisichere Zonen begeben. Chile hat ein echt ausgekl\u00fcgeltes Tsunami Sicherheitskonzept nachdem 1960 beim letzten grossen Erdbeben so viele Menschen durch den Tsunami umgekommen sind und viele D\u00f6rfer an der K\u00fcste total verw\u00fcstet wurden. Chile liegt in einer seismisch sehr aktiven Zone.<br \/>\nUnsere Anspannung wird durch eine weitere Securit\u00e9-Meldung unterbrochen. Die Zeiten werden durchgegeben, \u00a0wann die Welle wo eintreffen soll. F\u00fcr den Golfo de Ancud ist sie auf 13.48 angek\u00fcndigt. Also in 23 Minuten ist es soweit. Was ist dann soweit? Was ist da zu erwarten? Bilder aus den Nachrichten vom grossen Tsunami in Asien kommen in Erinnerung. Wie sollen wir uns verhalten? Ein Beben von 7.7 ist ganz sch\u00f6n stark! Wir schnallen uns mal die Schwimmwesten um und glotzen einander ungl\u00e4ubig, ja zugegeben etwas entsetzt an. M\u00fcssen wir uns jetzt auf einen Salto vorbereiten? Die Fenster werden alle mal zugeschraubt, die Steckshotts geschlossen. Mit dem Fernglas guckt Thomi, \u00a0was auf den anderen Schiffen so los ist. Ui auf den Passagierschiffen, \u00a0ist da wohl der B\u00e4r los? Panik? Und wir? M\u00fcssen wir nun zum letzen Kuss ansetzen? Uns verabschieden?<br \/>\nAch was! Panik bringt nichts. Ich schreibe in aller Ruhe noch ein Weihnachts SMS, ohne was gerade los ist. In dem Moment erreicht mich eine Nachricht von Alejandro, \u00a0mit dem wir letztes Jahr in Buenos Aires Weihnachten gefeiert haben. Ich antworte ihm, dass wir gerade auf den Tsunami im Gofo de Ancud warten. Ich habe ihn wohl erschreckt. Das wollte ich nicht. Aber er hat verstanden, dass ich jetzt keine Zeit zum chatten habe.<br \/>\n13:45 startet Thomi den Motor und dreht die Robusta mit dem Bug in Richtung Canal de Chacao wo wir vermuten, dass die Welle herkommen wird&#8230;.<br \/>\nGespenstische Ruhe, keine Seev\u00f6gel, keine Kormorane, nichts ausser knisternde Anspannung in der Luft. Auf Kanal 16 h\u00f6ren wir ein Gespr\u00e4ch mit, wie jemand der Armada meldet, dass draussen an der K\u00fcste mehrere Wellen hintereinander mit ungew\u00f6hnlicher H\u00f6he an der K\u00fcste aufgetreten sind. Noch ein Funkspruch von einer schlecht englisch sprechenden Person an die Armada. Was er tun m\u00fcsse, er liege mit seinem Tanker zwischen den Inseln vor Anker. Was f\u00fcr eine Pappnase! Was soll er wohl tun? Ein Tankerkapit\u00e4n wird wohl wissen wie er sich zu verhalten hat? Oh jemineee. Was sich da alles auf dem Meer herumtreibt, \u00a0ist ja nicht zu fassen.<br \/>\n14:15 wird von der Armada Entwarnung gegeben. Die Fahrt in den Canal Chacao kann nun eine Stunde versp\u00e4tet in Angriff genommen werden. Wieder mal ins offene Meer raus, lange Strecken einfach geradeaus segeln, \u00a0mit Nachtfahrt und tollem Sternenhimmel, das alles liegt nun schon fast ein Jahr hinter uns. Doch wir sind noch nicht draussen! Der Tanker \u00fcberholt und die ganze Crew winkt mit beiden Armen von der Br\u00fccke uns zu, \u00a0wohl ebenfalls erleichtert, \u00a0dass keine Wellen kamen!<br \/>\nDie Robusta saust mit gegen 10 Knoten durch den Kanal auf den stillen grossen Ozean zu. Von wegen sill! Der S\u00fcdwind bl\u00e4st nun mit 15 Knoten. Der Schwell verwandelt die Bucht in ein Chaos aus Wellen die leider wegen einer n\u00f6rdlich liegenden Inseln nicht flacher geschnitten werden k\u00f6nnen. Krass hopst die schwer beladene Yacht durch die Wellen. Eine nach der anderen kracht \u00fcbers Deck, Geschirr scheppert in den Schapps, ein Bild fliegt durch die Bude. Erstaunlicherweise geht es nicht in Br\u00fcche &#8211; &#8220;LOVE Anja und Thomi&#8221;. \u00a0Zwei Stunden dauert der Spass und dann endlich beruhigt sich die See und die Robusta gleitet friedlich auf langezogenen D\u00fcnungswellen gegen Norden &#8211; nach Valdivia.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genau jetzt, am 26. Dezember 09.06 Uhr Local Time, \u00fcbersegeln wir den 40 Breitengrad S\u00fcd! So sind wir raus aus den &#8220;br\u00fcllenden Vierzigern&#8221;. Ausser kleiner Sch\u00e4den alles bestens \u00fcberlebt! Gl\u00fcck gehabt. Ciao Patagonien, bis vielleicht gerne ein andermal! 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