{"id":7403,"date":"2017-02-16T23:36:33","date_gmt":"2017-02-16T22:36:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sy-robusta.ch\/?p=7403"},"modified":"2017-02-16T23:36:33","modified_gmt":"2017-02-16T22:36:33","slug":"pazifik-tag-34-36","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=7403","title":{"rendered":"Pazifik Tag 34-36"},"content":{"rendered":"<p>Hitze, 34 Grad, kein L\u00fcftchen. Nun schon der vierte Tag Flaute. Die Segel sind gegen die bratende Sonne mit der Persenning gesch\u00fctzt und eingerollt. Was ich trinke, l\u00e4uft direkt wieder aus den Poren. Robusta rollt unkontrolliert in den Wellen. Thomas hat einen Ausschlag am R\u00fccken. Am n\u00e4chsten Morgen sehe ich ebenfalls wie eine Auss\u00e4tzige aus. Rote geschwollene Pickel! Weitere Stunden sp\u00e4ter, stellen wir mit Entsetzten fest, dass es sich um die selben Insektenstiche handelt, von denen wir bereits vor dem Auslaufen in Chile geplagt wurden! Was f\u00fcr ein Gau. Genau 30 Tage Ruhe. Keine Stiche, kein Insekt oder auch nur Spuren davon sind zu entdecken. Ich bin verzweifelt. Ist das alles peinlich.<br \/>\nWas tun? Sind noch immer 1143 Seemeilen vom Land entfernt. Bei den vielen Flauten, bedeutet das nochmals etwa zwei bis vier Wochen auf See, dies mit Ungeziefern die juckende Sticke verursachen.<br \/>\nNicht auszuhalten. So beschliessen wir nach langem Hin und Her die chemische Keule einzusetzen.<br \/>\nZwei Mittel stehen zur Auswahl: Eines in Pulverform vom Supermarkt und das andere als Fl\u00fcssigkeit, die mit Wasser verd\u00fcnnt werden muss, vom Landwirtschaftsladen. Auf beiden Produkten stehen Warnhinweise mit Totensch\u00e4delsymbol. Schutzkleidung, Handschuhe und Maske tragen! Aber nicht ein Wort wie die Chemie wieder aus dem Bettzeug und Textilien raus kommt.<br \/>\nDer Wetterbericht verspricht einen weiteren Tag Flaute. Perfekt. So wird erst mal s\u00e4mtliches Bettzeug aus den Kojen der Achter- und Vorkabine an Deck gewuchtet. S\u00e4mtliche Klamotten wandern in schwarze grosse M\u00fcllt\u00fcten und bekommen eine Hitzebehandlung &#8211; ebenfalls an Deck. Das Gem\u00fcse wird im Cockpit verstaut und zugedeckt. Die warmen Decken, die wir nun eh nicht mehr brauchen, werden mit dem Pulver behandelt und ebenfalls in M\u00fcllt\u00fcten zwischengelagert. Thomas fuchtelt mit der Puderdose gegen den Wind, wobei ich eine Ladung direkt in die Luftr\u00f6hre abbekomme. So doof, pissen w\u00fcrde er auch niemals gegen den Wind. Es ist wohl einfach zu heiss so nahe beim \u00c4quator.<br \/>\nWie ein Taliban Krieger eingeh\u00fcllt, nehme ich den Kampf mit einer giftgr\u00fcnen Spr\u00fchflasche gegen die Biester in der Vorkabine auf. Der Giftgasangriff bringt mich sofort fast zum Kotzen. Das Gebr\u00e4u stinkt bestialisch! Thomas muss nun ran, w\u00e4hrend ich an Deck nach frischer Luft japse.<br \/>\nWie kann es auch anders kommen, am Horizont t\u00fcrmt sich eine bedrohliche Wolkenwand auf! Wohin mit den frisch behandelten stinkenden Matratzen? Alle aufeinander geschichtet und mit einer Plane zugedeckt, \u00fcberstehen sie nun einen ergiebigen Squall. Meine Nerven liegen blank. Eine weitere unruhige Nacht folgt. Schlaf versuchen wir in der Dinette zu finden \u2013 ohne Decken und Kissen.<br \/>\nDer letzte Tag Flaute mit Sonnenschein, wird genutzt um die kontaminierten Matratzen auszul\u00fcften. Als sich nun eine unbehandelte Decke unter die frisch gegen Ungeziefer behandelte Ware mischt, bekomme ich die ultimative Krise und ein Streit entfacht sich. Muss erb\u00e4rmlich heulen&#8230;<br \/>\nNichts kann mich mehr tr\u00f6sten, nicht einmal die super leckeren selbst eingemachten Gem\u00fcse oder ein St\u00fcck Kuchen mit Fruchtkompott.<br \/>\nSegeln ohne Wind ist einfach brutal! Wer sich da eine spiegelglatte, bleierne See vorstellt, liegt falsch!<br \/>\nAnja<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hitze, 34 Grad, kein L\u00fcftchen. 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