{"id":7411,"date":"2017-02-28T23:47:29","date_gmt":"2017-02-28T22:47:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sy-robusta.ch\/?p=7411"},"modified":"2017-02-28T23:47:29","modified_gmt":"2017-02-28T22:47:29","slug":"pazifik-tag-46-48","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=7411","title":{"rendered":"Pazifik Tag 46-48"},"content":{"rendered":"<p>168 Seemeilen bis zum Ziel. Mit Segeln ist nun auch nichts mehr. Der Wind ist total eingeschlafen. In der Nacht liessen wir die Robusta treiben. Sieben Seemeilen ist sie alleine in die genau perfekte Richtung getrieben. Brave Robusta! So werden wir die Marquesas mit einem Knoten Strom nach Westen in einer Woche erreichen. Das ist uns nun zu bl\u00f6d. Der Motor wird angeschmissen. Nach einer Stunde tut mir der Hintern vom Steuern weh, da die Wellen quer laufen, rutsche ich auf dem Cockpitbank hin und her. So stehe ich nun am Steuer. Das kann es doch auch nicht sein. Ich bin super dankbar, dass die Windsteueranlage nicht schon fr\u00fcher ausgestiegen ist. Wau, nicht auszudenken, mehrere Wochen mit kleiner Crew von Hand zu steuern! Doch in der Not steigert sich die Kreativit\u00e4t. Irgend etwas mit dem Fock h\u00e4tten wir gebastelt. Dies Back stellen, zwei Leinen via Rollen ins Deckshaus gelenkt und dann ans Steuer geb\u00e4ndselt m\u00fcsste doch theoretisch auch klappen. Probieren wir demn\u00e4chst mal aus. Irgendwo in einer Gegend mit Wind.<br \/>\nDie ersten Delfine begleiten uns! Ein ganzer Schwarm Seev\u00f6gel in der Ferne. Das ist eine tolle Aufmunterung. Haben wir doch auf der ganzen \u00dcberfahrt keine gesehen. Auch keine Wale. Nix. Daf\u00fcr wundersch\u00f6ne Wolkenbilder. Regenschauer, Sternenhimmel, unz\u00e4hlige Sternschnuppen bis mir keine W\u00fcnsche mehr in den Sinn gekommen sind.<br \/>\n50 Seemeilen vor dem Ziel, glaubt Thomas Land auszumachen.<br \/>\nTats\u00e4chlich, nun erkenne ich die Konturen zwischen den Wolken am Horizont auch ganz schwach!<br \/>\nYes! Bald sind wir da! Ob da auch noch andere Yachties sind? Ich bin richtig gierig wieder Menschen zu treffen. Oder sind welche da die wir bereits kennen?<br \/>\nDie Bucht ist von steilen spitzen Bergen, die immer wieder mal in fetten Wolken verschwinden, umgeben. Alles ist \u00fcppig gr\u00fcn! Unglaublich heiss und feucht. Die Sonne grillt senkrecht auf H\u00f6chststufe von oben und treibt den Schweiss aus allen Poren.<br \/>\nNach 48 Tagen auf See f\u00e4llt der Anker neben acht weiteren Yachten in der Bucht von Tahauku bei Atuona auf der Insel Hiva Oa, eine der Marquesas Inseln. Von Valdivia, Chile 5011 Seemeilen versegelt, mit sieben Tage Flaute.<br \/>\nWir fallen uns in die Arme, dankbar und erleichtert es endlich geschafft zu haben!<br \/>\nDinghi aufbauen und sofort an Land! Das ganze Chaos wird alles stehen und liegen gelassen. Die Segel wurden ja schon vorgestern eingepackt. Doch die Gastlandflagge fehlt noch. Eine Franz\u00f6sische Flagge ist keine an Bord. Die Marquesas Inseln geh\u00f6ren zu Frankreich. Mit dem Fernglas glaubt Thomas im Dorf eine rot-weiss-rote Flagge neben der Franz\u00f6sischen zu erkennen. Perfekt. So eine habe ich in der Flaggenkiste! Was die dort zu suchen hat, kann ich mir auch nicht genau erkl\u00e4ren. \u00d6sterreich liegt ja nicht am Meer?! Die gelbe Quarant\u00e4neflagge wird darunter gesetzt. Wieder mal alles nicht so ganz traditionell, aber lieber zu sp\u00e4t als gar nie.<br \/>\nPaddeln Richtung Land. Da bl\u00e4rrt schon jemand aus einer Yacht die vor Anker liegt. Es ist der Spanier Marco. Ob wir was trinken wollen. Einklarieren bei der Gendarmerie k\u00f6nnen wir erst ab halb drei. So nehmen wir die Einladung gerne an.<br \/>\nEine Stunde sp\u00e4ter ist es soweit. Der linke Fuss ber\u00fchrt festen Boden! Toll. Ich falle hin, beinahe r\u00fcckw\u00e4rts ins Wasser. Die Landkrankheit setzt ein. So torkeln wir beide an den Werftarbeitern vorbei, als h\u00e4tten wir einen in der Krone. Per Anhalter zu fahren ist hier \u00fcblich. Doch laufen wir lieber ins Dorf um den Bewegungsmangel zu kompensieren. Klappen jedoch fast zusammen. Es ist so feucht und heiss! Bei der Gendarmerie treffen wir mit hochroten Birnen und total durchgeschwitzten Klamotten ein. Ihr B\u00fcro ist klimatisiert. Toll! Die vier Beamten freuen sich, dass wir beide Franz\u00f6sisch sprechen. P\u00e4sse, Bootspapiere und Ausreiseformular von Chile m\u00fcssen vorgewiesen werden und ein kleines Formular im Vergleich zu den Chilenischen soll ausgef\u00fcllt werden.<br \/>\n\u201eMenge Alkohol, Tabak und Drogen an Bord\u201c lautet eine Frage. Wie viel d\u00fcrfen wir denn einf\u00fchren erkundige ich mich? Eine Yacht wird wie ein Privathaushalt angesehen. Aber nach etwa 200 Liter werde dann schon mal die Alkoholsteuer f\u00e4llig. So viel haben wir nicht eingef\u00fchrt. Dann kommt das Ding mit dem sogenannten \u201eBond\u201c. Die einen die nach Franz\u00f6sisch Polynesien einreisen, m\u00fcssen ein Flugticket f\u00fcr die Ausreise vorweisen. Die Beamten schauen auf einer Liste wie das f\u00fcr die Schweizer ist. Schweiz ist in der EU? Oui, oui, wir sind Nachbarn, ich liebe die Franzosen! Gut, alle aus der Europ\u00e4ischen Union sind vom \u201eBond\u201c ausgeschlossen. Paff und alles ist mit bizeli Schummeln erledigt.<br \/>\nTipps um den \u201eBond\u201c zu umgehen: Buche im Internet einen Flug, pr\u00e4sentiere die Reservation bei der Gendarmerie, vor der T\u00fcr annullierst du den Flug gleich wieder.<br \/>\nSo nun mal testen ob das klappt mit dem 48 Tage lang ersehnten Bier zu stemmen. Schliesslich wurde t\u00e4glich trainiert! Die Bar ist noch nicht offen. Der Supermarkt ist bereits geschlossen. Doch wir d\u00fcrfen doch noch rein. Ein Sixpack Bier kostet 20 Euro!!! Krass.<br \/>\nLeisten uns zur Feier des Tages zwei grosse Flaschen und dazu ein Baguette.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>168 Seemeilen bis zum Ziel. Mit Segeln ist nun auch nichts mehr. Der Wind ist total eingeschlafen. In der Nacht liessen wir die Robusta treiben. Sieben Seemeilen ist sie alleine in die genau perfekte Richtung getrieben. Brave Robusta! So werden wir die Marquesas mit einem Knoten Strom nach Westen in einer Woche erreichen. 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