{"id":8780,"date":"2017-12-03T02:57:25","date_gmt":"2017-12-03T01:57:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sy-robusta.ch\/?p=8780"},"modified":"2017-12-03T02:57:25","modified_gmt":"2017-12-03T01:57:25","slug":"uberfahrt-von-fiji-nach-neuseeland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=8780","title":{"rendered":"\u00dcberfahrt von Fiji nach Neuseeland"},"content":{"rendered":"<p>Der Zahn ist noch drin. Jedoch mit einem schrillen Bohrer bis fast in die linke Hirnh\u00e4lfte ausgefr\u00e4st. Der Wurzelkanal wurde mit einem Medikament behandelt und wieder provisorisch verschlossen. Das halbe Gesicht h\u00e4ngt schief. Der Sabber l\u00e4uft raus. Kein sch\u00f6ner Anblick. Nachts leidet Thomas unter Schmerzen. In dreieinhalb Wochen steht eine weitere Behandlung an.<br \/>\nNoch so lange warten bis die Reise nach Neuseeland angetreten werden kann? Das w\u00fcrde bedeuten, dass wir Weihnachten alleine auf See feiern w\u00fcrden. Es ist schon genug schlimm diese Zeit ohne meinen Sohn Sascha und der Familie und Freunden zu verbringen.<br \/>\nVor zwei Tagen sind drei Yachten losgesegelt. Das Wetterfenster w\u00e4re f\u00fcr eine \u00dcberfahrt perfekt gewesen. Durchgehend Wind aus Ost. Das Hoch hat sich seit vorgestern keinen Millimeter verschoben.<br \/>\nDie Entscheidung f\u00e4llt nicht ganz leicht, denn zwei Tage sind nun schon verstrichen. Das Wetter wird sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter verschlechtern. Wer nach Neuseeland runter f\u00e4hrt, muss mit mindestens 5 Knoten unterwegs sein um von Petrus keines auf die M\u00fctze zu bekommen.<br \/>\nEine Stunde sp\u00e4ter steht Thomas in Lautoka beim Ausklarieren. Ich mache derweil Klarschiff. Was f\u00fcr ein Stress. Das ist mir jetzt alles ein bisschen gar zu spontan. Was wenn der Zahn sich nicht beruhigt? Die \u00dcberfahrt wird etwa 10 Tage dauern. Eine lange Zeit um Zahnschmerzen auszuhalten.<br \/>\nDiesel und Wasser m\u00fcssen noch gef\u00fcllt werden. In der Vuda Point Marina ist der optimale Ort um dies zu erledigen und das Dinghi muss auch noch gr\u00fcndlich von Bewuchs befreit werden. Eigentlich muss Fiji nach dem Ausklarieren sofort auf direktem Weg verlassen werden. Die Strafen sind horrend. Die Zahnbehandlung w\u00e4re die perfekte Ausrede!<br \/>\nAm n\u00e4chsten Mittag geht es los. Die ersten Meilen mit Motorunterst\u00fctzung. Ich sitze im Schatten vom Grosssegel um mich von der feucht tropischen Hitze der Marina abzuk\u00fchlen und verbrate mir dabei den R\u00fccken. Unerkl\u00e4rlich wie sowas m\u00f6glich ist!<br \/>\nKurz vor dem Pass, der Ausfahrt aus dem Riff, wehen heftige Fallb\u00f6en von den Bergen. Das Grosssegel ist bereits im ersten Reff. Wir Anf\u00e4nger h\u00e4tten gem\u00fctlich in der Marina den grossen Kl\u00fcver gegen den kleinen auswechseln k\u00f6nnen.<br \/>\nEine halbe Stunde sp\u00e4ter legt sich die fette Robusta auf Amwindkurs dermassen auf die Backe, dass das Cockpit mit Wasser voll l\u00e4uft. Noch mehr Reffen! 20 Knoten war doch die Ansage! Jetzt sind es 30. Das Bullauge im Bad ist auch nicht mehr dicht. Der Klogang erfolgt in Kombination einer erfrischenden Dusche. Aus einer Baumwollschnur drehe ich eine etwa zwei Millimeter dicke Kordel. Thomas muss raus und dr\u00fcckt eine Isomatte gegen das Fenster. Nun \u00f6ffne ich es von innen, pople die Gummidichtung in Rekordzeit raus und lege die Kordel unter den Gummi ein.<br \/>\nPerfekt, alles wieder voll dicht &#8211; Thomas total nass! Der Zahn wurde auch nicht weggeschwemmt.<br \/>\nngg_shortcode_0_placeholder<br \/>\nKochen ist die ersten drei Tage unm\u00f6glich. Vor der Abreise hatte ich noch einen etwas \u00fcberdimensional geratenen Zopf gebacken und einen grossen Linseneintopf zubereitet, da diese ja nicht nach Neuseeland eingef\u00fchrt werden d\u00fcrfen. Eigentlich w\u00e4ren wir gerne am liegen. Doch Thomas entdeckt Wasser in der Bilge! Viel Wasser. Wo kommt das her? Da war noch nie Wasser!!! Es ist rabenschwarz!? Wie denn das? Es ist Diesel der den Bitumen, mit der die Bilge ausgegossen ist, aufl\u00f6st. Die Br\u00fche schwappt wild umher. Das Klopapier ist da unten gelagert. Der Stressfaktor steigt nun in den roten Bereich. Erst wird das Leck gesucht, dann der Diesel in Kanister gepumpt. Daf\u00fcr muss auch noch ein Trinkwasserbeh\u00e4lter herhalten. Vor der Abreise hat Thomas ein neues Spielzeug montiert. Eine neue Tankanzeige die dann leckte. Bei der alten war voll leer und leer voll. War doch eigentlich gar kein Problem.<br \/>\nSchlafen ist auch unm\u00f6glich. Die Schiffsbewegungen sind hart. Die See kracht \u00fcber die ganze Robusta. Wasser findet den Weg bis zum Kartentisch und \u00fcberschwemmt die Computertastatur. Die Maus ist auch sofort tot. Immer wieder regnet es heftig.&nbsp;Der Gang auf&#8217;s Klo wird m\u00f6glichst lange rausgeschoben. Mit Pimmel sieht das alles viel einfacher aus. Dank Robustas Deckshaus ist das Oelzeug noch nicht zum Einsatz gekommen. Nachts wird es jedoch merklich k\u00fchler und zum schlafen brauchen wir nun wiedermal eine Kuscheldecke.<br \/>\nKrisensitzung bei einer Dose Bier:<br \/>\nMeine Nerven liegen echt blank. Seekrank sind wir zum Gl\u00fcck wie immer beide nicht. Thomas hat das Segeln auch schon mehr genossen. Der Kurs kann nicht gehalten werden. Dreht der Wind einen Zacken mehr nach S\u00fcd, segeln wir an Neuseeland vorbei. Zwei Optionen stehen offen: Wenden und versuchen nach Fiji zur\u00fcck zu gelangen ohne daran vorbei zu segeln, oder die gem\u00fctlichere Variante, nach Neukaledonien ablaufen.<br \/>\nNach dem Bier sind wir beide wieder etwas lockerer; Beissen auf die Z\u00e4hne und ziehen es durch, mit dem Risiko kurz vor Neuseeland noch auf ein Tief zu stossen.<br \/>\nAngela und Reto, die uns mit der Grosswetterlage beratend zur Seite stehen, melden, dass sich ein Tief nur sehr langsam auf Neuseeland zubewegt. Die Prognosen versprechen, der Wind werde in ein paar Tagen auf Nord drehen. Da k\u00f6nnten wir einen gem\u00fctlicheren Kurs einschlagen und etwas abfallen. Doch wir bleiben auf Kurs. Wie sich sp\u00e4ter herausstellt war diese Entscheidung super, denn der Winddreher blieb aus!&nbsp;<br \/>\nDas ist doch eine Ansage die uns freut! Ab dem f\u00fcnften Tag wird es etwas gem\u00fctlicher. Sind nun auch wieder auf der direkten Kurslinie. Der Wind und somit auch die See, haben sich etwas gelegt. Segeln aber noch immer m\u00f6glichst hart am Wind. Die n\u00e4chsten vier Tage l\u00e4uft die Robusta wie von selbst. M\u00fcssen weder an den Segel noch an der Windsteueranlage etwas fummeln. Kochen ist auf diesem Kurs nach wie vor reinste Akrobatik, aber immerhin m\u00f6glich. Eigentlich werden beide H\u00e4nde zum festhalten gebraucht. Das Gem\u00fcse rollt vom K\u00fcchenbrett. Nur im gut verschlossenem Dampfkochtopf bleibt das Essen auf sicher drin.<br \/>\nngg_shortcode_1_placeholder<br \/>\nNach neun Tagen gleitet die Robusta mit 1150 Seemeilen mehr unter dem Kiel, genau bei Ebbe gem\u00e4chlich in die Flussm\u00fcndung vom Whangarei.&nbsp; Beim Segel bergen, stellen wir fest, dass die Halterung des Kutterstg am Mast gebrochen ist.<br \/>\nDie K\u00fcstenwache konnte per VHF Funk nicht erreicht werden. Erst kurz vor dem Port of Entry meldet sich jemand. Das Neuseeland Englisch ist kaum zu verstehen! Auf welchen Kanal wechseln kapieren wir beide nicht. Auch nach dem zehnten mal noch nicht. Der Mann repetiert immer ganz genau gleich doof. Egal, wir haben uns wie vorgeschrieben angemeldet. Hoffen er hat sich den Schiffsnamen gemerkt und leitet den Zollbeh\u00f6rden weiter, dass wir einklarieren wollen. Es ist bereits Abend, denken die werden erst morgen kommen um die Robusta durchzuw\u00fchlen!<br \/>\nErst mal kr\u00e4ftig in Ruhe ohne Seegang ausschlafen.&nbsp;<br \/>\nAngela und Reto, grossen Dank f\u00fcr die aufheiternden Mails und die t\u00e4glichen Wetterinfos! Freuen uns euch bald wieder zu sehen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Zahn ist noch drin. Jedoch mit einem schrillen Bohrer bis fast in die linke Hirnh\u00e4lfte ausgefr\u00e4st. Der Wurzelkanal wurde mit einem Medikament behandelt und wieder provisorisch verschlossen. Das halbe Gesicht h\u00e4ngt schief. Der Sabber l\u00e4uft raus. Kein sch\u00f6ner Anblick. 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