{"id":9582,"date":"2018-12-10T11:12:21","date_gmt":"2018-12-10T10:12:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sy-robusta.ch\/?p=9582"},"modified":"2018-12-10T11:12:21","modified_gmt":"2018-12-10T10:12:21","slug":"abschied-von-der-robusta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sy-robusta.ch\/?p=9582","title":{"rendered":"Abschied von der Robusta"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left; padding-left: 30px;\">Der Tag der Abreise r\u00fcckt rasend schnell n\u00e4her. Ich bin schon ganz nerv\u00f6s. Meine Gef\u00fchle waren die letzten Tage so unglaublich durchmischt. Mal \u00fcberschlug es mich vor Vorfreude, dann brach ich beim Gedanken, f\u00fcr die n\u00e4chsten sieben Monate ohne Thomas zu sein, wieder bitterlich in Tr\u00e4nen aus.&nbsp;Gespannt studieren wir mehrmals t\u00e4glich den Wetterbericht. Der Wind ist endlich perfekt um von Great Barrier Island nach Auckland zu segeln. Gl\u00fcck gehabt, denn langsam wurde es eng und ich begann schon nach Alternativen zu suchen, wie ich auf den Flughafen komme. Die Marinas in Auckland sind extrem teuer und eh alle voll belegt. Also ankern wir die Robusta vor dem F\u00e4hrterminal im Stanley Bay mit bester Aussicht auf die gesamte Skyline von Auckland. Vor dem Flug w\u00fcrde ich gerne noch ausgiebig duschen. Doch das wird uns in der Marina nicht erlaubt weil wir ja draussen vor Anker liegen. Also dackeln wir wieder ab und fragen einen Segler, der gerade von seiner in der Marina liegenden Yacht kommt. Er \u00f6ffnet uns mit seinem Schl\u00fcssel die Dusche der Marina. Erst wollte Thomas mich zum Flughafen begleiten. Doch wir sind beide so dermassen traurig und finden es besser uns jetzt sofort, kurz und b\u00fcndig zu verabschieden.&nbsp; Noch eine letzte innige Umarmung und nun brause ich mit der Schnellf\u00e4hre an der Robusta vorbei. Wehm\u00fctig winke ich auch ihr zu&#8230;<\/p>\n<p>Ciao Thomi, ciao Robusta, auf Wiedersehen. Wo wir uns erneut treffen ist nicht klar.&nbsp; Neuseeland wird es jedenfalls nicht sein&#8230;.<br \/>\nSo und nun stehe ich am Flughafen vor dem Self Check In. Gucke erst mal zu, wie die anderen Reisenden das bewerkstelligen. Die dr\u00fccken aber schon bald den roten Hilfeknopf. Nun leuchten auch schon s\u00e4mtliche roten Lampen am Self Check In. Keines dieser Ger\u00e4te funktioniert. Auch eine Angestellte des Flughafens schafft es nicht sie zu bedienen. Also m\u00fcssen alle Reisenden doch in die enorm lange Reihe anstehen. Dann Zollkontrolle. Die Handgep\u00e4ckst\u00fccke werden aussen und innen mit einem Indikatorpapier nach Sprengstoffspuren untersucht. Die Drogen- und Sprengstoffbellos scheinen ausgemustert zu sein. Irgendwann sitze ich dann doch noch im Flugzeug. Nach einer Stunde weiss ich schon nicht mehr recht wie sitzen und empfinde die n\u00e4chsten zwei mal 13 Stunden langen Fl\u00fcge als die reinste Folter. Schon krass, unter Segeln um die halbe Welt, 27 Tausend Seemeilen, hat via Patagonien 3 1\/2 Jahre gedauert. Zugegeben es ginge aber auch etwas scheller.<br \/>\nSo und nun bin ich gelandet und f\u00fchle mich etwas fremd in der alten Heimat. Ich habe niemanden gesagt, wann ich ankomme und mit welcher Fluggeselschaft ich reise. Mich hat es ja fast aus den Schlappen gehauen. Meine zwei besten Freundinnen Iris und Mirjam und meine Eltern begr\u00fcssen mich am Flughafen mit Gipfeli und Rosen. Die beiden hockten seit sechs Uhr morgens am Flughafen um auf mich zu warten. Ist das nicht unglaublich lieb?<br \/>\nngg_shortcode_0_placeholder<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nDie n\u00e4chsten Tage verbringe ich damit, mich wieder ans Schweizer Landrattenleben zu gew\u00f6hnen. Mein Handy habe ich seit 4 1\/2 Jahren nicht mehr gebraucht. Eine neue SIM Karte muss her. Hilfe, ich bin heillos \u00fcberfordert aus all den Angeboten eine Auswahl zu treffen. Also w\u00fchle ich mich die erste Woche durch Berge von Prospekten und lebe erstmal ohne Telefon und Internet. Wohnen tue ich bei meinen Freunden Nora und Dieter mit ihren zwei Kindern Milla und Ari in Schaffhausen. Die Kinder haben f\u00fcr mich auf ihr Spielzimmer verzichtet und lassen mich in diesem h\u00fcbschen Zimmer schlafen. Danke ihr Lieben. In einem Bett zu schlafen das einfach bock still am Boden steht und nicht sanft schaukelt, ist sehr gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Die Zeitverschiebung von 12 Stunden macht mir auch zu schaffen. Die erste Woche liege ich nachts hellwach im Bett und denke an Thomas und am Tag bin ich schlapp und erschlagen und k\u00f6nnte im Stehen einschlafen.&nbsp;<br \/>\nngg_shortcode_1_placeholder<br \/>\nEine Agenda muss auch sofort angeschafft werden f\u00fcr den Ueberblick f\u00fcr Besuchstermine mit Familie und Freunden. Da ich kein Auto habe, besorge ich mir ein Generalabonnement. So kann auch kein Konflikt mit den stets so grummeligen Kontroll\u00f6ren im \u00f6ffentlichen Verkehr aufkommen. Der Aerger mit den Billetautomaten deren Tuch screen bei mir selten funktioniert bleibt k\u00fcnftig auch aus. Nun kann ich Zug, Bus, Schiff, Tram in der ganzen Schweiz unbegrenzt nutzen. Ich sause ins Tessin, dann wieder in die Berge, ins Engadin, kreuz und quer durch die Schweiz und geniesse wie noch nie die atemberaubend sch\u00f6ne verschneite Winterlandschaft.&nbsp;<br \/>\nngg_shortcode_2_placeholder<br \/>\nDie Schweizer kommen mir echt gut rein. H\u00e4tte ich sie doch vor der Zeit meiner grossen Reise nicht noch als unfreundliche Grummels bezeichnet? In den Gesch\u00e4ften werde ich freundlich und sehr kompetent bedient, im Zug habe ich nette Gespr\u00e4che mit den Reisenden, nur in Z\u00fcrich geht mir das hecktische Treiben sofort auf den Wecker. Im Tram w\u00e4re ich froh um einen R\u00fcckenpanzer. An die so stark geschminkten Frauen muss ich mich auch erst gew\u00f6hnen. Im n\u00e4chsten Gesch\u00e4ft erstehe ich einen knall roten Lippenstift um mich wenigstens ein wenig an die \u00f6rtlichen Gegebenheiten anzugleichen.&nbsp;<br \/>\nSo genug geschrieben, jetzt will ich endlich mal meine Freunde sehen.<br \/>\nFreue mich auf euch alle. Meine neue Telefonnummer lautet:<br \/>\n+41 77 942 40 43<br \/>\nAnja<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tag der Abreise r\u00fcckt rasend schnell n\u00e4her. Ich bin schon ganz nerv\u00f6s. Meine Gef\u00fchle waren die letzten Tage so unglaublich durchmischt. Mal \u00fcberschlug es mich vor Vorfreude, dann brach ich beim Gedanken, f\u00fcr die n\u00e4chsten sieben Monate ohne Thomas zu sein, wieder bitterlich in Tr\u00e4nen aus.&nbsp;Gespannt studieren wir mehrmals t\u00e4glich den Wetterbericht. 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