October 18 2019

Passage Fiji nach Tuvalu

Segelyacht Inti ist in Sichtweite. Kontakt besteht über VHF-Funk mit etwa 20 Seemeilen Reichweite. Entfernen wir uns zu weit voneinander, geht nur noch e-mail, was mit der vorhandenen Technologie nur sehr beschränkt möglich ist. 

Den Text, den ich vorgestern schrieb, habe ich bewusst wieder gelöscht. Mir fehlte der Mut meine wirklich unschönen Gefühle und Gedanken zu veröffentlichen. Sobald das Ziel erreicht ist, verfliegt das Negative trotz Flaute, in Windeseile.
Die letzten 650 Seemeilen waren einer der härteren Abschnitte. Schönstes Segeln löste sich schon bald mit Flaute und Hitze ab.

Liegen auf mit Schweiss getränkten Bettlaken festgeklebt. Robusta wogt unkontrolliert in der Dünung. Wo die Fotos in Zeitschriften vom spiegelglattem Pazifik herstammen, würde mich mal interessieren. Der Hunger muss sehr gross sein bevor einer von uns zu kochen beginnt. Die Steigerung, der neue Wetterbericht verspricht Flaute für die nächsten Tage! Dem Teppich mit den Bimssteinen ist glücklicherweise keiner von uns auf der ganzen Strecke begegnet!

Mit der Segelyacht Inti, die jetzt wieder in Reichweite dümpelt, beraten wir uns. Die Konvergenzzone bringt unbeständige Winde aus allen Richtungen mit den gefürchteten Squalls. Das zermürbende Spiel mit flappenden Segel – Segel bergen – Segel setzen – reffen – heftiges Schaukeln und dabei wie ein Rollkeks durchgenudelt werden, nimmt kein Ende. Alles ist anstrengend. Das Boardklima steht auf dem Tiefpunkt.
Mit Einsatz vom „Arabischen Wind“ wäre das Ziel in etwas mehr als 30 Stunden erreicht. Ich hasse motoren! Der Krach zerrt an den Nerven und die Robusta muss unter Motor von Hand gesteuert werden. Wir besitzen keinen Autopiloten und denken auch nicht daran etwas zu ändern.
Wir sind Segler – auch in den Kalmen!


So hängt Thomas nun, alle paar Minuten den Kurs korrigierend, am Steuer. Wir schreien einander an, weil die Ohren mit Stöpseln gegen den Krach geschützt sind. Nachts pennen wir, wechseln uns für den Ausguck ab. Thomas scheint es nicht viel auszumachen, Stuuuuuunden zu steuern.
Danke Schätzi!!!!!

Wie viele Tage und Nächte vergangen sind, müsste ich im Logbuch nachschauen. Tuvalu haben nun beide Yachten fast gleichzeitig erreicht. Liegen ganz ruhig im Atoll von Funafuti vor dem Dorf Vaiaku. Funafuti wird Funafutzi ausgesprochen! Wie schrecklich. Dann erst mal ausgiebig im pisswarmen Wasser baden und vergebens auf Abkühlung hoffen. Niemand denkt daran, die Port Control über unsere Ankunft zu informieren.

October 12 2019

Stressiger Aufbruch in den Norden

Robusta ist vollgepackt mit Lebensmittel. Wann und wo ein Grosseinkauf wieder möglich ist, wissen wir nicht. Japan soll ja teuer sein. Dann eventuell erst wieder in Alaska.

Das frische Gemüse und die Früchte werden sich bei dieser Hitze nicht lange halten. Einiges davon habe ich bereits eingemacht. Die Gläser mit dem Sauerkraut sind in einer Wanne im Cockpit zwischengelagert. Der Prozess der Säuerung ist noch nicht ganz abgeschlossen. Es brodelt und zischt immer wieder aus den Weckgläsern. Durch die Gummidichtungen kann das Gas gefahrlos entweichen. In Chile habe ich mal Karotten gesäuert. Wegen der Kälte stellte ich die Schraubgläser direkt an die Sonne um den Prozess zu beschleunigen. Die Blechdeckel wölbten sich nach wenigen Tagen bedrohlich. Lucie meinte, das sehe nicht gut aus. Ich solle den Überdruck vorsichtshalber in der Dusche ablassen. Hallelujah, bin froh musste ich nicht mit der Karottenfrisur, triefnass durch die ganze Marina latschen. Das Deckshaus zu reinigen wäre massiv mühsamer gewesen, doch die Dusche der Marina sah auch recht übel aus…

Beschaffung von Trinkwasser wird uns die nächsten Monate auch beschäftigen. Die 550 Liter in den Tanks sind zum Kochen und Trinken gedacht. Für den Abwasch und Duschen wird Salzwasser verwendet. Petrus sei bitte gnädig und spende ab und zu mal einen schönen Regenguss um die Tanks zu füllen! 370 Liter Diesel ist eine ganze Menge, vorausgesetzt Flauten werden ausgesessen. Bis zu den Marshall Inseln geht die Route über den Aequator und somit durch die Kalmen. Unbeständiges Wetter und Windstille werden zur Herausforderung.
Schon beim Start der zirka fünf tägigen Überfahrt in den Norden, weht kein Lüftchen. Doch es eilt. Also ist schon ein Teil vom Diesel bis zum Riff, welches vor Einbruch der Dunkelheit passiert sein soll, sinnlos verbraten. Ankern ist nach dem Ausklarieren nicht mehr erlaubt. Bei Verstoss drohen happige Bussen. Kontrollen werden tatsächlich gemacht. Haben’s zwei mal selber erlebt.

Zu unserer Überraschung weht beim Riff eine leichte Brise. Der Motor ist aus, Grosssegel, Klüver und Fock sind gesetzt. Wie schön diese Ruhe. Thomas und ich bestaunen bei Sonnenuntergang wehmütig und entspannt die schöne Bergkulisse der Yasavas.

Ob wir jemals im Leben wieder mal nach Fiji kommen?