Gegen Wind und Wetter in die Werft

Gegen Wind und Wellen in die Werf
Unsere Pläne betreffend die Robusta in einer Werft in Mazatlan zu warten, gehen nicht auf. Schade. Nur zu gerne wären wir noch in den grünen Süden Mexikos gereist. Wie unsere Bekannten uns bereits empfohlen haben, liegen die einzigen noch bezahlbaren Werften im Norden. Puerto Peñasco, San Carlos oder in Guaymas. Dort wird auch toleriert an der eigenen Yacht zu arbeiten.
Der Wetterbericht bestätigt eindeutig, dies ist die falsche Jahreszeit für unser Vorhaben. Der Wind pustet konstant aus Nord. Doch wir haben grosses Glück: Die nächsten Tage besteht die Möglichkeit, dass sich am Festland Gewitterfronten bilden könnten welche Wind aus der optimalen Richtung bringen. Nicht ganz ungefährlich, denn solche Fronten bringen Wind mit unberechenbaren Böen mit sich. Die komplexen Strömungsverhältnisse die einerseits von Gezeiten, Wind und saisonalen Unterschieden beeinflusst sind, können die See innert Kürze in eine brodelnde Suppe verwandeln. Doch die Robusta ist für solche Bedingungen nahezu perfekt gebaut. Ihr Gewicht, ihr fetter Bauch, ein Langkieler mit angehängtem Ruder, beeinflussen ihr Seeverhalten absolut positiv. Egal wie strub die Bedingungen sind, wir beide sind noch nie seekrank geworden.
Während ich das Schiff aufklariere, hastet Thomas auf den Markt, um frisches Gemüse für die Reise einzukaufen. Wenige Stunden später sind wir mit der auslaufenden Strömung unterwegs. Bei Sonnenuntergang türmen sich bereits Wolken bedrohlich am Horizont auf. Weisse Schaumkronen schmücken die See. Aus dem Wetterbericht geht hervor, dass die Front am Festland entlang ziehen wird. Zeit zum Reffen und Luken schliessen. Blitze zucken immer nervöser am Himmel und erhellen dabei die Wolken. In der Dunkelheit sieht alles sehr unheimlich aus. Ganz wohl ist mir nicht dabei. Eine Stahlyacht mit Edelstahlwanten bietet einen relativ guten Blitzschutz. Das Steuerrad und die Innenauskleidung sind aus Holz gefertigt, was den Kontakt mit Metallteilen verhindert. Nur die Elektronik bleibt ein Schwachpunkt. Solange die Front am Festland entlang zieht, treffen wir keine weiteren Massnahmen wie die Batterie und die Funkantenne vom Netz zu trennen. Die Front schiebt die Robusta flott voran.
Doch für die nächsten Tage ist absolute Flaute angesagt. Die Bucht Agua Verde ist ein guter Ort, um eine Pause einzulegen und uns vom wilden Trip zu erholen. Doch aus der erhofften Erholung wird Aufregung, denn der SSB Funk spuckt eine Email mit folgendem Inhalt aus:
Hallo Anja und Thomas,
… Guaymas ist eine krasse Stadt. Die Werft liegt in direkter Nachbarschaft zu einem Gebiet, in das nicht mal die Polizei rein will. Kartelle kämpfen um Macht und Kontrolle. Die attackierten diese Zone letzten Monat mehrmals. Dabei wurde ein Mann direkt vor der Werft vor unseren Augen erschossen! Ansonsten ist Guaymas ein guter Ort um eine Yacht zu warten…..
Nun machen wir uns ernsthafte Sorgen zur Sicherheitslage. in der Wüste ist wiet und breit kein Internet. Um an weitere Infos zu kommen, fragen wir unsere Nachbarn, das obwohl wir Elon Musk nicht mögen, ob wir uns in ihr StarLink- einloggen dürfen. Nach und nach bröselt sich zusammengefasst folgendes heraus:
Das EDA hat eine Reisewarnung für Sinaloa herausgegeben. Anhaltende Bemühungen der Mexikanischen Strafverfolgungsbehörden haben im Januar zur Festnahme von El Chapito Guzman geführt. einem von neun Söhnen des in den USA inhaftierten Bosses des des Sinaloa Kartelles, führte zu erheblichen Spannungen und Gewalt in der Region. Beim Versuch ihn vor zwei Jahren einzubuchten, genügte ein Telefonanruf, um eine schwer bewaffnete Truppe in Aktion zu setzen. Nach heftigen Schiessereinen beschloss die Regierung, ihn des Friedens willen wieder laufen zu lassen. Auch diesmal kam es zum Schusswechsel mit Todesopfern. Darunter befanden sich auch Zivilisten. Wer als Unbeteiligter zur falschen Zeit zwischen die Fronten gerät, hat echt Pech gehabt. Auf solch ein Pech haben wir echt keine Lust!
Und jetzt? Was sollen wir tun? Zeit bringt Rat. In den nächsten Tagen entscheiden wir uns für eine andere Werft in Guaymas, eine die möglichst weit von der Kampfzone entfernt liegt.