August 12 2021

USA noch immer zu – was nun?

Von der Hitzewelle ist noch immer nichts zu spüren. Im Gegenteil. Die Sommerklamotten lagern noch immer ganz tief unten in den Schapps und das im August! Bei dichtem Nebel entstand ein sorgfältig ausgearbeiteter Schlachtplan mit den anderen beiden Yachten, die auch über die Grenze müssen. Nach Prüfung aller Infos aus den verschiedensten Quellen, fällt die Wahl für den Versuch in die USA einzureisen, auf Port Angeles. Denn Friday Harbor muss mit Beamten der härteren Sorte bestückt sein. Bekannte sind im letzten Herbst beim Versuch dort einzuklarieren, im Knast gelandet (die beiden sehen nun wirklich nicht kriminell aus). Nach allem Stress endete ihre Story doch noch positiv. Eine andere Yachties mussten 5000 Dollar blechen und ihr B1B2 Visa wurde annulliert. Robusta wird als Versuchskaninchen vorgehen. Dieser Entscheid fiel nicht bei einem Trinkspiel, sondern wir müssen als erstes raus aus Kanada. Die anderen Kollegen werden je nach dem folgen, oder ihr Glück an einem anderen Port of Entry versuchen. Im Noonsite steht geschrieben (Infoseite für Weltumsegler), falls die Einreise nicht klappt, lohnt sich ein Versuch am nächsten Port of Entry. 

Wie durch ein Wunder, funktioniert plötzlich unser Telefon wieder. Perfekt, denn die Einreise auf dem Seeweg soll 96  Stunden zuvor bei CBP (Custom and Border Protection) per Formular angekündigt sein.  Die letzte Nacht in Kanada verbringen wir in Becher Bay, in der Nähe von Victoria. Beide tun wir kein Auge zu. Einerseits  wegen vieler Gedanken die im Kopf rumschwirren falls  es nicht klappt und auch weil wir traurig sind. Ich denke nicht, dass wir jemals wieder die Gelegenheit bekommen an die Westküste von Kanada zurück zu segeln. Dieses Kapitel ist ein für alle Mal abgeschlossen.

Sobald der Anker gelichtet ist, rufe ich mit dem frisch erwachten Handy CBP in Port Angeles an. Was wenn zur Antwort kommt, ihr könnt nicht einreisen? Das würde bedeuten 1300 Seemeilen direkt nach Mexiko zu segeln. Das ohne vorher einkaufen zu dürfen…. Bei dieser Vorstellung verkrampft sich mein Magen. Drei mal hänge ich das Telefon wieder auf bevor eine Verbindung zustande kommt. Nochmals bespreche ich mit Thomas, was ich sagen soll und wie allenfalls zu reagieren. Die Stimme am anderen Ende der Leitung tönt einigermassen freundlich. Bekomme die Anweisung, in der Marina bei der Tankstelle anzulegen. Schiffsdaten und unsere Namen angeben. Das wars. Die gelbe Quarantäne Flagge flattert ja nun schon fast einen Monat am Mast. Der Wind ist perfekt. Über der Strait of San Juan de Fuca liegt Nebel. Das Verkehrstrennungsgebiet ist zu kreuzen. Ein Kapitän bittet über Funk hinter ihm zu passieren, da sein  Gefährt schlecht manövrierbar sei. Wau der Pott der jetzt aus dem Nebel auftaucht, ist echt riesig. Krass. Zwei mal wenden und die Robusta segelt mit gebührendem Abstand an seinem Heck vorbei.  Evergreen? Dieser Pott steckte doch im Winter im Suez Kanal fest und blockierte somit für mehrere Tage den ganzen Schiffverkehr?! Diesem Kapitän wäre ich auch freiwillig ausgewichen…. schade habe ich es nicht vorher realisiert. Hätte mindestens einen Spruch sausen lassen müssen.

Zwei Beamten schreiten die Rampe herunter auf die Robusta zu. Wir, brav mit Covid Schnauzie und Schweizer Bernhardiner Blick, für das Urteil bereit.

Zur Begrüssung schiebe ich folgenden Satz vor: Uns ist bewusst, wir sind zur falschen Zeit am falschen Ort. 

Fünf Minuten später sind wir wieder weg. Nun mit Kurs auf die San Juan Inseln. Und stellt euch vor, das mit einer neuen Crewsing Licence und einer Aufenthaltsgenehmigung von weiteren sechs Monaten. Unendlich erleichtert, freuen wir uns schon tierisch auf den Landgang. Weiss gar nicht ob wir noch laufen können. Motoren und Quarantäne ist schon etwas sehr unsportlich. Die beiden anderen Yachten haben ein paar Tage später die Prozedur ebenfalls überlebt. Warum es geklappt hat, wissen wir alle nicht so recht. Doch der Fakt, dass alle drei Yachten auf Weltumseglung sind und weiter nach Mexiko ziehen werden, mag ein Grund dafür gewesen sein. Offiziell ist die Grenze jedenfalls noch immer zu. Das nun schon seit März 2020.

 

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