October 8 2020

Ankunft im Hafen von Homer, Alaska

Seit Monaten lastet ein Problem auf unseren Schultern, dessen Lösung wir noch intensiv am austüfteln sind. Nicht nur du bist von der SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung betroffen 🙂  (auf google.de gefunden.) Die Verwirrung ist ja schon im unmöglich langem Wort zu erkennen. Selbst im hintersten Winkel der Erde verändert Covid19 so manches im Alltag. Doch mit Blick in andere Länder gerichtet, geht es uns in Alaska super gut! Die Grenzen sind zu, doch Alaska ist ein riesiges Seegebiet. Doch wie lange wir in den USA bleiben dürfen, ist noch nicht klar.

Erst soll die Robusta im sicheren und eisfreiem Hafen von Homer einen Platz finden. Hafengebühren sind in Alaska sehr teuer. 60 Dollar für 38 Fuss.  Jahresraten sind im Vergleich günstig. Geht auch für ein halbes Jahr. Den 6 Fuss langen Bugspriet konnten wir noch runterhandeln, was sich aber entsprechend negativ auf die Parkplatzgrösse auswirkte. Ab und zu muss die Robusta mal für Wasser an die Tankstelle. Wenn das nur gut geht mit Ablegen und wieder reinquetschen. 

Der Hafen von Homer ist riesig! An die 1500 Boote liegen hier. Sowas habe ich noch gar nie gesehen! Irgendwie eindrücklich. Doch alles ist so hektisch und laut. Die grossen Kutter liegen an der Nordseite und brummen ohne Unterbruch mit laufenden Generatoren vor sich hin. Da wird gehämmert und mit der Flex Stahl bearbeitet. Ich bekomme eine Krise. Schon bei der Überfahrt vom idyllischen Kachemak State Park nach Homer war ich etwas wehmütig drauf. Alles flach, wo sind die Berge? Sofort sehne ich mich an die schönen Plätze der letzten Monate, ja gar Jahre zurück. Thomas freut sich auf Homer und die Winterpause. Eine weitere Enttäuschung, wir sind die einzigen die hier auf dem Boot leben werden. Langsam ahne ich auch warum. In jedem Krümelhafen der Welt existiert eine Möglichkeit sich zu duschen. Sei es nur mit einem an einen Baum gebundenen Eimer. Doch nicht in Homer! im zwölf Kilometer entfernten Dorf hat es einen Waschsalon mit  öffentlicher Dusche. Für  stattliche acht Dollar kannst du dich dort für eine halbe Stunde, inklusive Frottierwäsche,  renovieren. Für Segler die keine Dusche an Board haben, reicht eine halbe Stunde nicht. Jedenfalls mir nicht. In Alaska will ich definitiv erst mit furztrockenen Haaren wieder aus der Duschkammer raus. Nach 12 Kilometer Fussmarsch zurück zum Hafen, ruft schon bald die nächste Dusche. Per Anhalter in der Corona Epoche irgendwo hin zu kommen, ist schlicht nicht möglich. Fahrrad mit fetten Reifen und Stollen für den Schnee und das ganze Eis, wäre eine Möglichkeit. Doch nicht so optimal wegen der Winterstürme, den Blizzards. Ohne Auto bist du  in den USA aufgeschmissen. Das Wort Fussgängerzone existiert in Alaska nicht!

Der Hafenmeister nimmt meine Enttäuschung wahr. In den nächsten Tagen  brechen die grossen Fischkutter für die Krabbenfangsaison in die Bering Sea auf, tröstet er mich. Viele Fischerboote sind über den Winter in einer Werft.  Oder sie stehen irgendwo in der Landschaft. Alle in fette weisse Plastikfolien eingeschweisst. Geologisch gesehen ist der über sieben Kilometer lange Sandstreifen, an dessen Ende der Hafen liegt, ein Wunder. Verschiedene Theorien bestehen zur Entstehung. Entweder ist die Erhebung durch den Rückzug der Gletscher oder durch die enormen Tiden geformt.

Nächste Woche reisen wir mit Josh und Vick nach Anchorage um das versprochene Auto zu holen. Das trifft sich perfekt, denn die Langstreckenbusse fahren wegen Corona nicht. Fliegen geht auch nicht. Ich nehme nochmals Kontakt mit dem Immigration Officer von 5786 Kilometer entfernten Hafen in Nome auf. Der ist für uns zuständig. Ich diskutiere mit ihm die Idee, ob wir als Segler auch am Flughafen von Anchorage einklarieren könnten. Bald sind drei Monate verstrichen und wir sind noch immer nicht ordentlich in den USA  einklariert! “Deferred Entry” nennen die Behörden diesen Zustand. Was uns immerhin knapp eine Stufe besser stellt, als die illegalen Einwanderer. Nicht unser Fehler. In den Aleuten Inseln ist der einzige zuständige Beamte vor unserer Ankunft gestorben. Der Mann von Nome mailt alle Papiere nach Anchorage und werde veranlassen, dass die Immigration  gleich  noch die Crewsing lisence für Segler ausstellen. Echt nett wie er mitdenkt und behilflich ist, alle nötigen Schritte in dieser aussergewöhnlichen Situation zu begleiten. 

Nächste Woche sausen wir nach Anchorage…..

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October 1 2020

Kachemak Bay State Park

Die Robusta liegt nun gut gesichert am Steg einer kleinen Siedlung im Kachemak Bay State Park. Doch der Landausflug wird von einer Gruppe Anwohnerinnen abrupt verhindert. Wegen Covid19 sei die Insel geschlossen. Sie bedanken sich jedoch, dass wir beide Masken tragen. Schade. Ein echt traumhafter idyllischer Ort! Die hohen Berge tragen bereits weisse Schneekappen. Der Wald leuchtet in der Abendsonne in frischen Goldtönen. So verziehen wir uns frustriert  zur Robusta, um die Seekarten zu studieren. Kaum wieder in der Zivilisation, realisieren wir wie Covid19 die Welt regiert. Speziell als Reisende gelten wir als morbiphor. Die Sichtweise ist einigermassen nachvollziehbar. So bleibt nichts anderes übrig, als die Regeln der Kommune zu respektieren. Die Sonne ist bereits hinter den Bergen ins Meer getaucht. Zu riskant im Licht der Dämmerung  zwischen den Bojen der Austernzucht, aus der Bucht zu navigieren. Morgen zischen wir bei Hochwasser ab.

Jemand klopft  an die Robusta. Erschreckt gucke ich raus. Hole schon mal tief Luft, um eine Erklärung auszuspucken, warum wir noch immer da sind. Da steht ein Mann von beachtlicher Statur. Trotz Kälte trägt er kurze Hosen und keine Schuhe. In seinem Garten habe er ein Feuer gemacht. Er und seine Frau wollen uns auf einen Drink einladen. Schnell packe ich einen kleinen Snack und frisch gebackenes Brot und Bier und warme Kleider  in den Rucksack. Was für spannende Leute. Unglaublich. Die beiden engagieren sich für den Explorersclub, 1904 von führenden Forschern der Welt mit dem Ziel der Unterstüztzng von Erforschung von Land, Meer, Atmosphäre und Weltall gegründet. 

Wie sich herausstellt, ist dies wieder einmal eine super wertvolle Begegnung!  Die beiden stellen uns  für den ganzen Winter ihr Auto zur Verfügung. Ist das nicht toll? Diese Leute haben uns gerade eben kennengelernt und schenken so viel Vertrauen. Es ist uns ein Anliegen, uns in irgend einer Form erkenntlich zu zeigen.

Die beiden überlegen sich etwas. 

Am nächsten Morgen poltert jemand mit einem Stock an die Robusta. Durch den Stahlrumpf tönt das sehr aggressiv. Kurzer Zank wer von uns Beiden die Birne raushält.  Aus einem kleinen Aluminiumboot, streckt mir ein sehr alter Mann  einen Karton mit frischen Eier entgegen. Schon fast im militärischen Ton dirigiert er uns in sein kleines Boot. Inselrundfahrt! Stunden später schlürfen wir in seiner Stube zum Aufwärmen heissen Tee. Logisch haben das alle von der Siedlung mitbekommen. Das kleine Abenteuer löste anscheinend einen Tumult aus. Der unglaublich gut erhaltene 96 Jährige ehemalige Berufsfischer und Oberhaupt der Kommune, ist weit über die Grenzen von Alaska hinaus berühmt. Er hat viel erlebt und ist ein hervorragender Erzähler. Alle wollen ihn vor Corona schützen. Er winkt ab. Alles übertrieben! Das Angebot hier an seinem Steg zu überwintern, kommt nach allem was war total überraschend. Eine Bedingung wäre, einen negativen Covid19 Test vorzuweisen.  So seien alle zufrieden – was wir ernsthaft bezweifeln. . .    

In zwei Wochen werden  Studenten der Pacific University of Alaska ihre Projekte zum Klimawandel der Gegend um Anchorage und den Brooks Range präsentieren. Unsere neuen Freunde und Autosponsoren spannen uns ein, während dem mehrtägigen Anlass mitzuhelfen. Vor dem Anlass stochert eine Krankenschwester mit einem unendlich langem Stäbchen in unseren Nüstern. Dabei dringt sie gefühlsmässig bis fast ins Hirnareal vor. Nein, es handelt sich nicht um einen Intelligenztest sondern um einen Covid19 Test der von allen Teilnehmenden verlangt wird.

Bis voraussichtlich im Frühjahr 2021 wird an der Uni per Zoommeetings unterrichtet. Für die aufgestellte Truppe ein trauriger Fakt. So zu lernen sei sehr unbefriedigend. Die wertvollen Diskussionen untereinander bleiben aus. Etwas unerwartet wollen die Studenten eine Präsentation über unsere Reise sehen. Doch so ein Vortrag ist nicht so schnell aus dem Ärmel geschüttelt. Sechs Jahre Abenteuer knackig zusammenfassen, ist eine echte Überforderung! Doch wir sagen zu auf Morgen etwas vorzubereiten. Alle sind vorgewarnt, dass dies eine absolute Spontanaktion sein wird.

Logisch hat alles mit einer Panne angefangen. Die auf meinem  PC sortierten Fotos wurden vom Mac der Universität in unerklärlicher Willkür durcheinander gemischt. War für uns eine lehrreiche Erfahrung, von Studenten der Umweltwissenschaften und  Outdoor-Studien Vorträge reinziehen und danach selber ausprobieren. Durch die Reaktionen und vielen Fragen der Gruppe, ist uns so richtig bewusst geworden, was für eine Leistung unser Abenteuer in anderer Augen sind. Ich hoffe zumindest die Botschaft ist durchgedrungen, dass sie  mit ihrer Arbeit im Bereich Natur und Umwelt einen wertvollen Beitrag leisten. Durchs Reisen mit einer Segelyacht erleben wir tagtäglich wie dreckig die Meere sind. Wie zum Beispiel Korallenriffe sich rapide ändern, Ozeane Atolle verschlucken und sogar an den abgelegensten Orten der Welt Müll anzutreffen ist. 

Es ist kalt geworden! Ein eindrücklicher Herbststurm fegt schonungslos über den Bay. Ein Entscheid ist nun tatsächlich in aller letzter Sekunde gefällt. Nächste Woche verspricht der Wetterbericht den ersten Schneesturm.

Der Hafen von Homer wird für die nächsten sechs Monate unser neues Zuhause sein.

 

 

 

 

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September 12 2020

Wo überwintern in Alaska?

Die Fischerei stellt in Alaska ein grosser  Einkommenszweig dar. Um das Überleben der Arten und das Ökosystem zu sichern, gelten für den Fang aus dem Wasser strenge Regeln. Dieses System stellt weltweit einen sehr hohen Standart dar. Ich habe mir vorgestellt, wer eine Lizenz hat, darf eine bestimmte Menge fangen. Nein, alles ist viel komplizierter. Ist die Fangquote für eine Art erreicht, so endet die Saison exakt zu diesem Zeitpunkt. Dies bedeutet für die Seeleute viel Stress mit langen Arbeitsschichten, Schlafentzug und dazu noch in schroffen Bedingungen. Die riesige Gedenktafel mit all den eingravierten Namen von Menschen die ihr Leben in der See verloren haben, lässt mich erschaudern. Viele sind im Alter von meinem Sohn. Fischen in Alaska ist eindeutig nur ein  Job für die ganz Hartgesottenen. Warum setzen sie ihr Leben auf’s Spiel? Ist eine Crew gut eingespielt, lockt das grosse Geld. Der moderne Goldrausch von heute? Ein paar Schiffe im Hafen kommen uns bekannt vor. Ach ja, von der Serie “The Deadliest Catch”. Diese Filme habe ich mir reingezogen, um eine Vorstellung der See von Alaska zu bekommen. Durch Josh lernen wir Scott von der Seabrooke kennen.  Trotz Umbaustress für die Königskrabben Fangsaison findet Scott Zeit  uns jeden Winkel des berühmten Kutters zu zeigen. Zum Abschied schenkt er ein Buch über sein Leben und der Seabrooke. Ich bin beeindruckt über seine Lebensgeschichte und dem Einblick in die Fischerei.

Kodiak ist ein wildes Kaff. Treffen Fischer in der Bar auf die Crew der Küstenwache, artet dies regelmässig in Schlägereien aus. Dass wir unbewaffnet sind, kann auch niemand glauben. Josh, mit ihm verbringen wir viel Zeit, will uns überreden für den Winter in Kodiak zu bleiben. Die Zeit rennt nur so. Es ist bereits anfangs September und wir haben uns noch immer  nicht entschieden, wo die harten Wintermonate abzuwettern. Eines ist klar. Ende September schlägt das Wetter rapide um. Die Tiefdrucklagen ziehen heftiger und öfter durch und bringen Kälte, Schnee und Eis.

Zur Auswahl steht einerseits die Insel Kodiak, wo wir gerade sind. Hier ist der Winter etwas milder. Seldovia ist ein kleiner netter Ort. Jedoch ohne Anschluss ans Strassennetz. Im Winter ist der Fährbetrieb eingestellt. Homer ist Top raten alle.  Ein Nachteil, der Hafen liegt 12 Kilometer vom Dorf entfernt.

In Kodiak endet vorerst leider das Karavanensegeln mit John und Jeniffer von der Segelyacht Caro Babbo. Ihr Auswasserungstermin in Homer rückt näher. Wir werden die Beiden vermissen. Haben schliesslich eine extrem nette Zeit miteinander verbracht. Umärmel, sehen euch im Frühling wieder, freuen uns darauf.

Von Kodiak segeln wir in Tagesetappen  nach Seldovia und später in die Halibut Cove. Ankern immer in sehr geschützten Buchten. Die Passage dort hin muss gut geplant sein. Starke Gezeitenströme kreieren gefährliche Seen mit konfusen Wellen. In der Shuyak Island bekommen wir keinen Wetterbericht rein. So bleibt uns nichts anderes übrig wie zu Kapitän Cooks Zeiten den Himmel zu beobachten. Der ist gerade blau und die paar Wolken ziehen gemütlich in die gewünschte Richtung. Eigentlich sind wir vorgewarnt. Jeder Fischer fürchtet dieses Gebiet wegen der starken Strömungen. Ich bestehe darauf, trotz der schlappen zehn Knoten Wind, schon mal das Grosssegel zu reffen. Und tatsächlich, auf Höhe der Barren Islands geht die Post ab! Die See baut sich innert weniger Minuten gewaltig auf. Aus West bläst der Wind nun mit über 35 Knoten! Hier auf offener See ist es wieder möglich, die GRIB Wetterdaten per SSB Funk zu laden. Doch die zeigen nur zehn Knoten Wind aus Nord-West. Hohe Berge können Fallwinde kreieren.

Am nächsten Morgen liegt die Robusta bei schönstem Wetter ausserhalb vom kleinen Hafen von Seldovia vor Anker. So geniessen wir die letzten  warmen Herbsttage mit Wandern und Beerensammeln. Im Abenddunst verdampfen die Gedanken ans Überwintern in den prächtigen Farben mit dem Sonnenuntergang.

 

 

 

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September 2 2020

Knuddeltiere oder Problembär M13?

So viele liebevolle Erinnerungen haften an ihm. Überall war er mit dabei. War er mal nicht da, so bedeutete dies pures Drama. Der beste Freund. Papi hat ihn sogar selbst genäht. Vielleicht nicht ganz freiwillig, denn das war während eines Klinikaufenthalt. Mama musste ihm das Bein wieder annähen. Sein Auge flicken oder seinen struppigen Pelz waschen.

Diese faszinierenden Kreaturen verdienen einen eigenen Blogeintrag.

Um sie zu beobachten, ankern wir die Robusta möglichst nahe am Ufer. Wir kannten sie nur aus dem Zoo. Ich lese viel über ihr Verhalten. Schaue Berichte, rede mit Leuten der Gegend über ihre Erfahrungen mit Bären.

Du brauchst eine Waffe! Wenn ein Bär dich angreift, musst du ihn erschiessen oder du bist tot, oder zumindest fertig gemacht für den Spital. Der Bärenspray, wobei es sich um nichts anderes als Tränengas handelt, ist die Alternative zur tödlichen Waffe. Weht der Wind jedoch ungünstig, landet das Gas schnell mal in der eigenen Nase. Beim Spazieren begegnete ich einer Frau, die einen Revolver im Schulterhalfter trug. Wegen der Grizzly und Schwarzbären,  erklärt sie der naiven Touristin. 

Ich bin verwirrt. Wie gefährlich sind sie nun tatsächlich?

All diese Infos muss ich nun erst mal  einordnen. Jedenfalls ist schon mal klar, Angst ist keine optimale Voraussetzung für eine Wildtierbegegnung. Tiere nehmen deine Angst wahr und reagieren entsprechend. Ich habe Respekt. Ich sehe mich als Eindringling in ihr Revier. Mir ist bewusst, Muttertiere schützen ihre Jungen und dies geschieht nicht sanft. 

 Meinen Mut bekomme ich durch den Ranger Fritz zurück. Er rät beim Spazieren zu singen, oder ein Glöckchen an den Rucksack zu hängen damit die Bären realisieren, dass da jemand ist. Ein überraschter Bär könnte angreifen. Ein hungriger Bär ist ein gefährlicher Bär. Geht mir ähnlich. Kann ich durchaus nachvollziehen. Davonrennen geht gar nicht. Falls du Jogger bist, kennst du die Reaktion der Hunde. Im Gegensatz zu Thomas, der regelmässig Opfer von Hunden wird, hat mich erst einmal ein Dackel gebissen. Dies auch nur weil ich auf ihn raufgetreten bin. (Thomas wehrt sich gerade über diese Aussage). Ich fürchte mich nicht.

Im Sommer kämpfen sich die Lachse gegen tosenden Strom durch enge Schluchten, die Flüsse hoch, bis zu ihren Laichplätzen. Die Bären sind nun wohl genährt und haben für den Winterschlaf bereits einiges an Fettreserven zugelegt. Ich bin zuversichtlich, dass sie mich dünnes Gestell nicht fressen wollen und ihnen die Lachse viel besser schmecken. 

Wie empfohlen wird das Dinghi vor dem Landgang geputzt und von allfälligen Fischduft befreit. Wir paddeln möglichst ruhig am Ufer entlang wo sich Fischotter und viele Seevögel tummeln. Die Flussmündung gleicht einem Massaker. Im zertretenen Gras liegen angekaute Fischkadaver und stinken vor sich hin. Zahlreiche Vögel picken an ihnen rum. Sehr gruselige Szene. Fühlen uns nicht mehr wohl. Oh nein. So ein Gefühl ist jetzt gerade genau nicht angebracht. Die Vögel verziehen sich. Aus dem Gebüsch tapst nun tatsächlich, völlig gemütlich und unbeirrt, eine Bärin mit einem Jungtier in unsere Richtung. 

 

Mit dem Paddle Board und Kamera ziehe ich nun auch alleine an Land. Setze mich an eine übersichtliche Stelle zwischen Baumstämmen in der Nähe des Flusses und warte Stunden. 

Bitte nicht nachmachen! Ich will nicht verantwortlich sein falls du verunstaltet wirst.

Wir sind so stolz auf das Privileg als Segler an nahezu unberührte Orte der Erde sein zu dürfen. Dennoch hinterfragen wir auch unser Eindringen in die Natur kritisch. Vielleicht nicht kritisch genug – wir haben es getan.

 

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August 12 2020

Peninsula von Alaska und Zwischenhalt in der Zivilisation

Corona ist schon fast vergessen. Doch nur bis wir wieder mal in der Zivilisation ankommen.  Seit dem Auslaufen aus Dutch Hoarbor, blieben uns jegliche Nachrichten aus aller Welt erspart. Seit Wochen kein Internet oder Telefon, also null Medien. Die Nachrichten erschlagen uns richtig gehend. Das für unsere Weiterreise relevante Kanada, hat seine Grenzen noch immer dicht. Dies seit Mitte März mit jeweiliger Verlängerung um einen Monat. Das Virus wütet noch immer in der ganzen Welt. Die zweite Welle breitet sich gerade wie erwartet rasant aus. Der noch amtierende Amerikanische Präsident schaut weg. Alle leiden in irgend einer Form. Alte Menschen und Leute mit Vorerkrankungen sollen schon wieder zu Hause bleiben. Meine Eltern tun mir leid. Mein Sohn ebenfalls. Ich wäre in diesem Alter ohne Tanzparties und Kneipenbesuche durchgeknallt. Ist doch alles Kacke. Irgendwann wird auch Covid19 wieder verschwinden. So hoffe ich jedenfalls.

In Alaska bestimmen kleine Gemeinden selber wie sie mit der Pandemie umgehen. Darum informieren wir uns jeweils bei den Seeleuten vor dem Einlaufen in einen Hafen per Funk. Die wenigen Siedlungen sind alle geschlossen. Um abgelegene Regionen zu schützen, sind zur Zeit auch alle Hauptverbindungsstrassen in ganz Alaska geschlossen. Wer auf dem See- oder Luftweg ankommt, muss für zwei Wochen in Quarantäne. In King Cove Harbor und Chignik, wo wir einen Sturm abwettern mussten, war für uns die sonst üblichen 14 Tage Quarantäne kein Thema. Dies weil wir lange genug keinen Kontakt zu anderen Menschen hatten und weder Fledermäuse noch Nerze gegessen haben. Kleiner Spass, wir sind noch nicht verwildert. Der Hafenmeister schenkte uns Masken. Einkaufen ging nur per telefonischer Durchgabe der Einkaufsliste. Die Ware wird an der Ladentür ausgehändigt. Eigentlich ist für die nächsten paar Monate genügend Proviant an Bord. Zudem lasst sich in Alaska in den Spätsommermonaten immer was Essbares aus dem Wasser oder an Land finden.  

 

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August 8 2020

East Anchor Cove

Salmonberries

Am Mittag, treffen beide Yachten fast gleichzeitig in East Anchor Cove ein. Das ist ja schon mal ein grosses Plus für das Karawanensegeln. Wir alle haben noch nie so viele ankernde Fischkutter in einer Bucht gesehen. Dieser Fakt stellt sich jedoch schnell als gar nicht mal so negativ wie erst empfunden heraus. John und Jenifer haben von einem Fischer bereits zwei Lachse bekommen. Schade, wegen Sturm konnten wir den Mann nicht zum Abendessen einladen.

Thomas und ich erforschen die Insel. Das zart lila leuchtende Feuerkraut steht in voller Blüte. Weiter oben am Berghang, wachsen niedrige Büsche, die kleine blaue Beeren tragen. Ich probiere. Sie schmecken total lecker. Ähnlich wie Holunder. Wir verbringen den ganzen Nachmittag sie zu sammeln. Ich beherrsche mich, keine davon zu naschen, denn wir haben keine Ahnung ob sie ungiftig sind. Die Sonne scheint fast schon warm. So fällt die Anspannung der anstrengenden Passage schnell ab. Hier soll der letzte Ort sein, wo die Bären die Beeren nicht streitig machen. So dachten wir jedenfalls. Am nächsten Tag entdeckt John Kacke am Strand. Welches Tier hinterlässt solche Spuren? Dass hier Bären leben, erfahren wir erst später. In den Aleuten gibt es keine Bären habe ich doch gerade erst gelesen. Ist ja eigentlich unlogisch, denn Bären sind gute Schwimmer. Die Peninsula, das Festland von Alaska, ist nur gerade mal 300 Meter von der letzten Aleuten Inseln entfernt.

John ist ein leidenschaftlicher Koch. Thomas angelt gerne. In Alaska brauchst du eine Lizenz dafür. So entstehen gemeinsam die tollsten Abendessen. Heute mit Lachs, frischem selbstgebackenem Brot, Kohlsalat und einem Dessert aus Krümelkuchen mit den frisch gesammelten Krähenbeeren. Habe ich mit Hilfe des Buches „essbare Pflanzen Alaska“ herausgefunden!

Schon bald müssen wir feststellen, dass Alaska nicht gerade das optimale Segelgebiet ist. Das Wetter wechselt enorm schnell. Wind ist da nur bei miesem Wetter. Und wenn der dann mal bläst, geht buchstäblich die Post ab. Ein Vorsegel ist bereits zerschreddert. So werden wir bei leichtem Wind gar nicht mehr vorwärts kommen. Und schon steht die erste Herausforderung im Karavanenselgeln an. John und Jenifer ziehen es vor, bei ruhiger See unter Motor zu reisen. Wir warten stur auf Wind, so wie wir es bis anhin immer getan haben. Nur diesmal warten wir sogar auf stärkeren Wind.

Die Kommunikation in der Wildnis ist nicht ganz einfach. E mail schreiben per SSB Funk, ist nicht zu jeder Zeit möglich. Entweder stören die Berge oder weitere kosmische Faktoren interferieren das Senden der Mails an Caro Babbo’s Sattelitentelefon. GRIB Files Wetterdaten laden per SSB klappt auch nicht perfekt. Internet kannst du vergessen. Doch wir finden uns irgendwie immer wieder. Sozusagen instinktiv. Das ist echt toll!

Alaska gefällt uns sehr gut. Die Natur ist derart faszinierend. Im Pazifik habe ich einfach die Berge vermisst. Alles ist gross in Amerika, doch in Alaska ist alles noch viel grösser!

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August 1 2020

Segeln in einer Karawane

So und nun grabe ich in meinem Hirn zurück nach Dutch Harbor. Zurück, weil bereits einige Zeit vergangen ist und wir bereits in Homer angekommen sind.

Ablegen von Dutch Harbor war wie vermutet der Horror. Daran erinnere ich mich noch bestens. Mit dem Langkieler rückwärts über eine länger Distanz manövrieren, ist nahezu unmöglich. Obwohl sich die Robusta beim Ablegen ungewollt um 180 Grad gedreht hat, blieb der Steg unversehrt, kein Fischkutter ist gesunken und das Seezeichen steht auch noch an der selben Stelle. In brenzligen Situationen funktionieren Thomas und ich recht gut.

Der Plan ist gemeinsam mit unseren neuen Freunden, bis in das 650 Seemeilen entfernte Homer zu segeln. Dort werden wir mit der Robusta, oder besser formuliert, in der Robusta, im Hafen von Homer überwintern. John und Jenifer stellen ihre Yacht Caro Babbo in einer Werft an Land. Die beiden werden den Winter in ihrer Heimat Port Townsend, in Washington verbringen.

John und Jenifer sind noch nie in einer Karawane gesegelt. Dies ist aus diversen Gründen auch nicht ganz simpel.

Jede Yacht verhält sich anders. Die einen segeln viel schneller, laufen höher am Wind, vertragen grobe See besser. Ein weiterer Faktor ist die Crew. Welches ist die sicherste Route? Und ganz wichtig, wo liegt die Grenze des Erträglichen von jedem Einzelnen. Menschen sind verschieden. Rücksicht auf unterschiedliche Bedürfnisse sind auch hier essenziell. Was heisst nun Rücksicht aufeinander nehmen? Diese Frage könnte schon ein ganzes Kapitel füllen. Ungereimtheiten ansprechen ist jedenfalls immer ein guter Weg.

Reisen mit anderen Seglern lieben wir. Optimal waren Erlebnisse mit bis drei Yachten. Oder wenn eine bis zwei Personen mit der Robusta mitsegelten. Eine grössere Crew ist vor allem auf längeren Passagen eine grosse Entlastung bei den Wachen oder der Essenszubereitung. Im Fall einer Panne, die eben immer in den unmöglichsten Situationen auftreten, ist es doch einfach nett noch jemand Vertrauten an der Seite zu wissen.

In Alaska müssen Passagen sehr sorgfältig geplant werden. Das Wetter wechselt rapide. Starker Wind und enorme Strömungen zaubern aus dem Nichts eine gefährlich hohe ungestüme See. Die Region zählt zu den grösseren Schiffsfriedhöfen der Erde. Der US-Coast Pilot Nummer 9 ist ein unverzichtbares Hilfsmittel. Mit den lokalen Fischer besprechen wir unser Vorhaben ebenfalls. Sie geben wertvolle Ratschläge und verraten bei einem Bier die besten Ankerbuchten, um sich bei Sturm in Sicherheit zu bringen. Sie legen uns nahe, bis spätestens Mitte September in einem sicheren Hafen für die Wintermonate zu sein. Ups, das kommt jetzt etwas überraschend. Bleibt für die 650 Seemeilen nicht gerade viel Zeit! Nur gerade mal knapp zwei Monate.

Bei starkem Kaffee und Kuchen wird ausgiebig geplant. Wann die nächste Möglichkeit Internet zu empfangen ist nicht klar. Seekarten studieren, Gezeiten und Strömungen berechnen, Reiseberichte von anderen Segler lesen, Wetterprognosen vergleichen. Weiter östlich, soll das Wetter etwas freundlicher sein. So überreden wir John und Jenifer schon mal für einen längeren Schlag mit Nachtfahrt. Einfach mal um dieser üblen Nebelsuppe der Aleuten Inseln zu entfliehen. East Anchor Cove liegt 134 Seemeilen von Dutch Harbor entfernt. Sollte das Wetter umschlagen, so werden weitere Alternativen für einen Nothalt ausgearbeitet. Hier in geschützte Ankerbuchten einlaufen, ist wegen der starken Gezeitenströme nur zu bestimmten Bedingungen möglich und Zeiten möglich. Somit ist eine Alternative nicht immer die optimale Lösung zum Abwettern.

Wie und wann wir in East Anchor Cove ankommen, ist jeder Crew selber überlassen. Klar ist, morgens um sechs Uhr geht`s los. Proviant ist bereits mit dem Handkarren vom Hafen angeschleppt. Um sieben Uhr ist ein Termin bei North Pacific Fuel zum Diesel tanken ausgemacht. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Termin zum Tanken vereinbare. Doch die Fahrt von der Bering Sea in den Nord Pazifik führt durch den Unalga Pass, einem Durchgang in der Aleuten Inselkette. Dies ist an diesem Tag nur gerade um 11.07 Uhr möglich. Das Zeitfenster ist klein. Pünktlichkeit ist empfehlenswert. Dann ist Stillwasser und die starke Strömung kippt zu unseren Gunsten. Im Pazifik angekommen, schlafft der Wind schon bedenklich ab. Ich begutachte schon mal einen alternativen Ankerplatz. Doch der kann unmöglich angelaufen werden. Die Strömung läuft dort gegen den Wind. Eine Kondition die Tide Rips, hohe steile, gefährliche Wellen verursacht. Also auf die Zähne beissen und weiter ziehen. So versuchen wir vom Land entfernt auf stärkeren Wind zu treffen. Diese Taktik klappt. Mitten in der Nacht, verhält sich die Robusta eigenartig. Die Segel flappen, obwohl der Wind mit über 25 Knoten weht. Die Geschwindigkeit über Grund beträgt 16 Knoten!!! Krass. Absoluter Rekord. Offensichtlich ist da eine starke Strömung vom Akutan Pass. Dieser liegt jedoch sechs Seemeilen nördlich. Eine Meile entfernt kämpft sich Jenifer, dick eingehüllt in Schwerwettermontur bei Kälte und Regen, im offenen Cockpit von Caro Babbo durch die Fluten. Mich schauderts beim Gedanken an Jenifer. Alles etwas unheimlich. Ich hocke gemütlich im geheizten Schiffsbauch der Robusta oder im geschützten Deckshaus. Ein kurzer Funkkontakt per VHF tut gut. Selbst bei Tageslicht in solchen Strömungen zu segeln, ist schon ein echter Kick. Im Akutan Pass treten zur Spring Tide Strömungen bis zu zehn Knoten auf. Diese Wellen mit Wind dagegen, wage ich mir schon gar nicht vorzustellen. Das alles ist nicht neu für uns. Patagonien hat von uns einiges abverlangt und nun profitieren wir von diesen wertvollen Erfahrungen. Ein wesentlicher Unterschied zu Patagonien, damals hatten wir keine Informationen betreffend Strömungen oder Gezeiten. Die Seekarten wiesen teilweise beachtliche Abweichungen von bis zu mehreren Seemeilen auf. In Alaska stehen die sehr detaillierten Seekarten von der NNOA kostenlos zum Download zur Verfügung. Doch aufgepasst, durch die hohe seismische Aktivität, ändert sich die Wassertiefe dauernd. 

 

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July 23 2020

Schreibfaul

Ich war faul. Präziser ausgedrückt – schreibfaul. Die Tage sind in den hohen Breiten Alaskas gegen zehn Stunden lang. Die Natur ist zu schön um in den Computer zu glotzen. Lange Streifzüge durchs Gestrüpp, Tiere beobachten und die irre schönen Sonnenuntergänge bestaunen, Kräuter und Beeren sammeln, Fischen und Leckereien aus der Natur konservieren riss uns derart in Bann. Nun nehme ich mir wieder mal Zeit, um den Blog zu füttern. Bin hoch motiviert. Denn im Hafen von Homer, wo es bereits November ist, pfeift der Wind mit gegen 50 Knoten und das Thermometer ist auf unter null Grad Celsius gefallen. So ist mein ausgeprägter Bewegungsdrang schleichend in eine Art Winterschlaf verfallen.

Bin nun gemütlich vor dem Laptop installiert. Doch ausgerechnet die Ö-Taste funktioniert nicht. Toll! Simone Hilfe, wie kann ich das Ö reparieren? Google weiss das nicht! So pople ich mal vorsichtig den Buchstaben von der Tastatur weg. Dabei bricht ein Fingernagel ab. Deswegen habe ich verpasst, die Flugbahn der Taste zu verfolgen. Die Motivation schliddert schon wieder in den ähnlichen Bereich der Aussentemperatur. Und übrigens bleibt die Taste für immer verschollen. Thomas hat für den Laptop eine neue Tastatur bestellt. Ich bin über diese Lösung höchst erstaunt. Dachte schon, wegen paar Buchstaben ist der ganze Laptop für die Tonne. Endlich ist fast alles wieder perfekt. In den USA gabs leider keine Deutsche Tastatur.  

Liebe Lesende, gebt mir doch wieder mal paar Anregungen was ihr gerne in diesem Blog erfahren möchtet. 

 

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July 20 2020

Dutch Harbor

Wie lange segeln wir jetzt schon? Wie doof bin ich nur, gerade diesen Parkplatz gewählt zu haben? Da kommen wir nie mehr raus! Ich sah diese eine Segelyacht. Wie durch Magnetismus angezogen, quetschte ich die Robusta in den engen Kanal, zwischen Felsen und Steg. Mist. Per Funk ist vom Little Boat Harbor niemand zu erreichen. Es dauert jedoch nicht all zu lange und da taucht ein Mann in Uniform auf. Sein Gesicht ist verhüllt. Mit einer Maske aus einer bunten Unterhosege gebastelt. Da müssen wir erst mal lachen. Zur Zeit ist Einklarieren in Dutch Harbor nicht möglich. Die zuständige Person sei gestorben. Das weitere Prozedere ist unklar. Jedenfalls dürfen wir ohne Quarantäne an Land, da wir fünf Wochen auf See verbracht hatten. Und schon sitzen wir, in so einem richtig überdimensional grossem Amerikanischem Pick Up Truck vom Hafenmeister. Bald ist auch klar warum. Alles ist echt weit entfernt. Zu Fuss hätte der Rundgang Stunden gedauert. Die Duschen sind im zwei Kilometer entfernten neuen Hafen vom South Cannal. Internet ist mega teuer. WIFI Hotspot, 1GB für 25 USD. Im Dorf, welches ebenffalls zwei Kilometer entfernt ist, gibt es in der Bibliothek freies WIFI. Jedoch nur an der kalten frischen Luft, auf vandalensicheren Bänken aus Stahl. Wegen COVID19 darf das Gelände der Fischfabrik nicht betreten werden. Was soviel bedeutet, dass der Weg zu den Geschäften um ein Vielfaches länger ist. Die Abkürzung über’s Fabrikgelände ist mit Wachpersonal gesichert. Diese Massnahmen sollen das Virus aus der Fabrik halten.

Dutch Harbor ist der grösste Fischereihafen in Alaska. In der Glotze habe ich mal vor Jahren, auf D Max Männer TV, eine Sendung über die härtesten Jobs der Welt, gesehen. Da war eine Reportage über die Fischer von Dutch Harbor. Hartgesottene Männer, auf kurzen klumsig wirkenden Stahlkuttern (lizenzbedingt), in monströser eisiger See mit dickem Nebel und Schneegestöber, gegen Seekrankheit kämpfend. Die Männer hievten Fischkadaver in riesigen Netzen an Deck. Damals wusste ich noch nicht, dass ich jemals nach Alaska segeln werde. Die Arbeit in den Fabriken erscheint mir wegen des enormen Gestank auch nicht gerade angenehmer. Vlado, Drago Isabella, Jorge, Vhuan, kommen von Osteuropa, der Ukraine, Philippinen und der Karibik. Ich komme mit ihnen vor der Bibliothek ins Gespräch. Sie sind nicht wegen der bezaubernden Landschaft hier. Pedro teilt freudestahlend und etwas gar überdreht mit, er hätte in den letzten zwei Tagen 1500 Dollar verdient. Ein Fischkutter musste entlanden werden. Doch dazu fehlte Personal. So hat Pedro tatsächlich 36 Stunden durchgearbeitet und dabei hunderte schwere Kisten geschleppt. Die ersten acht Stunden zum regulären Lohn. Für die nächsten acht Ueberstunden zum doppelten Tarif und so weiter. Das ergibt einen durchschittlichen Stundenlohn von 41 Dollar. Sein Traum ist, eines Tages in seiner Heimat, ein eigenes Restaurant zu besitzen. Dafür lohne es sich eine Zeit lang hart zu arbeiten. Mirelisa kippt in der Bar beinahe vom Hocker. Nein sie ist nicht betrunken. Sie arbeitet seit neun Monaten 12 Stunden pro Tag. Das an sieben Tagen pro Woche! Sie will ihren Kindern in Rumänien ein besseres Leben ermöglichen. Es ist schon krass. So viele Fragen kommen auf. Wieso haben sich Menschen in so einer unwirtlichen Gegend überhaupt angesiedelt? Wir wollen mehr dazu erfahren. Ein Besuch im Museum ist wegen covid19 nur mit Voranmeldung möglich.

Doch erst kümmern wir uns um die anstehenden Reparaturen. Die Windsteueranlage Pacific Plus benötigt zwei neue Lager. Das Klo verlangt schon wieder nach Zuwendung. Dies obwohl sämtliche Dichtungen noch vor der Überfahrt von Thomas ausgewechselt wurden. Ich denke, es ist wieder mal an der Zeit, alle Schläuche auszubauen und zu reinigen. Durch die Kombination von Harnstein und Salzwasser, lagert sich eine beige weiche Schicht ab, die zum Totalverschluss der Leitungen führen kann. Nicht gerade der Spassjob. Am Kochherd ist die kardanische Aufhängung auf der Fahrt von Japan nach Alaska abgebrochen. Gasflaschen auffüllen ist hier endlich wieder möglich. Und jetzt ist noch ein fetter Adler auf dem Windanzeiger auf der Mastspitze gelandet und hat diesen dabei zerstört. Wäsche waschen ist nur im Hotel möglich. 25 Dollar für eine Maschine! So wasche ich halt wieder mal, wie zu Omas Zeiten von Hand mit eisig kaltem Wasser. Doch in dieser Nebelsuppe trocknet die Wäsche überhaupt nicht. Sie mufft durch die Abgase der Fabrik nach Fisch. Jemand hat Erbarmen und lässt uns bei sich zu Hause sämtliche Wäsche waschen und trocknen. Schon seit langem freuen wir uns auf einen Besuch in einem Restaurant. Auf ein zartes Stück Fleisch, mit leckerer Gemüsebeilage. Doch die Fischer schenken uns jeden Tag einen Lachs. Immer wieder schaut mal jemand bei der Robusta vorbei. Wir freuen uns über diese Besuche. Meistens sind es Fischer die weit weg von der Heimat, mit ihren kleinen Kuttern die Saison verbringen. Sie geben uns die wertvollsten Tipps zu den schönsten Ankerplätzen und bringen uns bei, welche Angelhaken und Köder für diese Gewässer zum Erfolg führen. Und tatsächlich, der nackte Koder badet keine zwei Minuten im Wasser. Schon zappelt, die zu Hause als Lachs bekannte Delikatesse, ein King Salmon, an der Angel! Die Fischer wissen auch welche Beeren wir essen können. Telefonnummern und Adressen von Verwandten und Bekannten, die wir auf unserer Reise durch Alaska kontaktieren sollen, werden ebenfalls ausgehändigt. Ein echt herzlicher Empfang!

Rums und schon ist eine Woche rum.

Heute Nachmittag ist die Amerikanische Segelyacht Caro Babbo eingelaufen. Mit ihnen haben wir auf der Überfahrt von Japan schon fleissig per Mail kommuniziert. Jetzt sehen wir uns zum ersten mal und die beiden sind uns auf Anhieb sympatisch.

Der Unterhosenmann hat neue Informationen wegen dem Einklarieren. Er übergibt eine Telefonnummer. Die Beamtin von der CBD Custums & Border Protection vom Flughafen in Anchorage, nimmt einige Daten telefonische entgegen. Gleich darauf meldet sich der BDP Officer aus Nome per email. Der Status „Deferred Inspection“ ist ausgesprochen, was soviel bedeutet, dass wir weiter ziehen dürfen. Sind jedoch verpflichtet zu melden wenn wir in einen Hafen einlaufen, und im nächsten Port of Entry muss ordentlich einklariert werden. Doch all diese Häfen liegen tausende von Seemeilen weiter im Osten. Hoffen das wird im sonst so strengen Land klappen.

Nach einem netten Grillabend mit paar Leuten, wie kann es anders sein als mit Lachs, sinken wir alle zufrieden in die warmen Kojen. Es ist schon echt sau kalt hier. Es ist Hochsommer. Die Einheimischen latschen mit kurzen Hosen und T-Shirts rum, während wir Weicheier in voller Skimontur eingehüllt sind.

Energisch poltert jemand an die Robusta. Was ist denn das für ein Depp der da mitten in der Nacht nervt? Es ist Jack, der Mann vom kleinen Fischkutter, mit dem wir den Abend verbracht haben. Er weckt alle am Steg. Was soll der Stress? Autos werden gestartet und fahren irgendwo hin. Aus der Fischfabrik eilt eine ganze Karawane von Menschen an die frische Luft. Wir ziehen warme Kleider an und verschliessen die Robusta mit dem Steckschott. Der ganze Tumult ist durch eine Tsunami Warnung ausgelöst. Bitterer Ernst. Erinnerungen an Fukushima und Banda Ace und Thailand werden wach. Unter Schock klettern wir auf den mickrigen Hügel gleich hinter dem Hafen. Von dort glotzen wir nun ungläubig auf den Hafen ob sich das Wasser in irgendceiner Weise bewegt. Hinter uns stürzt ein Adler, der König der Lüfte, ungeschickt ins Gestrüpp. Das ist nun aber eindeutig ein schlechtes Zeichen! In 12 Minuten wird die erste Welle in Dutch Harbor eintreffen. Ein Erdbeben der Stärke 7.8 Magnitude ist der Auslöser. Ist das nun das Ende der Reise? Wie es damals in Fukushima die Segelyacht Freydis versemmelt hat? Es ist erstaunlich wie gelassen und diszipliniert sich alle verhalten. Im Fernsehen wäre doch Rempelei und panisches Geschrei zu sehen. Auch wir bleiben ruhig. Diskutieren fast schon sachlich, was wohl mit dem Schwimmsteg geschieht, wenn sich das Wasser erst zurückzieht und dann die Welle mit voller Wucht eintrifft. Ich wage nicht an einen endgültigen Abschiedskuss zu denken. Tue so, als wäre alles normal. Eine Stunde später kommt die Entwarnung per SMS. Dutch Harbor wurde 1964 von einem Tsunami komplett zerstört. Wie durch ein Wunder, ist dabei niemand ums Leben gekommen. Und schon wieder klopft es an der Robusta. Diesmal ist es der Hafenmeister der besorgt ist, ob alle wieder heil vom nächtlichen Ausflug zurück gekommen sind.

So uns juckt es endgültig von hier weg zu kommen. Jeniffer kommt mit dem neuen Wetterbericht. Morgen könnten wir los! Bei starkem Kaffee studieren wir intensiv die Route. Die Passagen von der Bering Sea in den Pazifik sind echt nicht einfach. Starke Strömungen mit Wind dagegen, führen zu gefährlichen hohen sogenannten Tide Rips. Im Akutan Pass wurden schon Wellen von 15 Meter Höhe dokumentiert.

Morgen um sechs Uhr in der Früh geht’s los zum Unalga Pass! Wird sich zeigen, ob wir richtig gerechnet und geplant haben.

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July 15 2020

Passage von Japan nach Alaska

Da war dauernd so ein flaues Gefühl in der Magengegend. Wirre Gedanken zogen wie schwarze Wolken am Horizont durch meine Seele. Öfter als üblich, schweift mein Blick über die sich immer aufgewühltere See. Jetzt, einen Monat nach der Ankunft in Alaska, kann ich diese abgründigen Gefühle einordnen. 

Es gibt einfachere Reviere. Segeln in der Westwindzone bedeutet mit dem schlechten Wetter zu ziehen. Regen und starker Wind, mit entsprechend hoher See, werden unsere Begleiter sein. In den höheren Breiten wird Nebel und Kälte zu einer weiteren Herausforderung. Ist echt schräg bei 30 Grad Hitze im Hafen die Schwerwetterkleidung an der Reling auszulüften. 

Vor der Abreise achten wir besonders darauf, alles sicher zu verstauen. Die Schapps sind zusätzlich noch mit Bettwäsche oder Klamotten vollgestopft, damit nichts rumrutscht und klappert. „Less mess ,, less stress“ ist die einfachste Formel auf See. So optimal wie sich’s anhört, ist’s dann aber auch wieder nicht. Das fällt spätestens auf, wenn keine Socken mehr im Kleiderfach zu finden sind, die nämlich gerade irgendwo als Polsterung im Einsatz sind. 

Mit unseren Freunden, die wenige Stunden vor uns in See gestochen sind, werden wir alle Tage die Position und die Befindlichkeit per Mail austauschen. Unser Ziel ist Dutch Harbor in Alaska (3300 Seemeilen). Pino segelt nach Victoria in Kanada, wo ihre Reise auch begonnen hat (4300 Seemeilen). Robusta ist mit VHF und Kurzwellenfunkgerät (SSB) ausgerüstet. Mails und Wetterbericht kann nur zu bestimmten Tageszeiten über das Pactor Modem gesendet werden. Dazu stehen 90 Minuten Sendezeit pro Woche zur Verfügung. Der Wetterbericht geht ebenfalls auf dieses Konto. Senden oder empfangen einer einfachen Email, dauert mehrere Minuten. Pino kommuniziert per Iridium Go, einem Satellitentelefon, welches zu jeder Zeit einsatzbereit ist.  Zusammengefasst.. die Kommunikation zwischen Pino und Robusta beschränkt sich auf Emails. So haben wir uns das jedenfalls vorgestellt. Doch die Seeregion östlich von Japan liegt nicht im Abdeckungsbereich. Die eine Betreiberstation liegt in Brunei, die andere in Hawaii. Beide sind zu weit entfernt.

Der Wetterbericht ist bereits sechs Tage alt. So feuert Thomi den altbewährten Wetterfax an. Nach einigen Minuten, taucht wie von Zauberhand das Bild mit den Isobaren auf. Ein weiteres kräftiges Tief zieht aus Ost heran. Kursänderung nach Südost ist angesagt. Nächster Wegpunkt liegt auf 32 Grad Nord. Der Wettlauf mit der Zeit beginnt. Schaffen wir es dem Tiefdruckgebiet auszuweichen? Jimmy Cornells Faustregel zu dieser Strecke lautet..südlich von 35 Grad Nord bis 165, 170 Grad Ost segeln. Von dort direkten Kurs nach Dutch Harbor anlegen. Doch dort wo Jimmy empfhielt, sieht es ganz und gar nicht gemütlich aus. (mehr dazu im Abschnitt “Gedanken zur Überfahrt”)

Pino, wo bist du? Wie geht es euch? Seit ihr seekrank? Könnt ihr essen? Seit ihr trocken?  Wo seit ihr???

Eurybia, Göttin der Beherrschung der Meere, ist eindeutig am pennen. Robusta taucht immer heftiger in die See. Ins Grosssegel ist das dritte Reff gebunden, der Klüver ist eingerollt. Die Fock steht noch. Die Windsteueranlage Pazific Plus arbeitet perfekt. Bei gegen 40 Knoten Wind, haut es den kardanisch aufgehängten Kochherd aus der Verankerung. Ist zum Glück nicht während dem Kochen geschehen. Mit Draht und aus Weinzapfen geschnittenen Keilen, sitzt der Herd wieder in der Nische fest. Doch er ist nicht mehr beweglich und der Inhalt der Töpfe wird bei Krängung garantiert rausflutschen. Fliegende Pfannen hinterlassen im neu renovierten Boden schon wieder deftige Hicke. Im Motorraum steht Wasser in der Bilge. Dort ist es sonst immer total trocken! Der Seegang war die letzten Tage immer wieder mal krass. Wellen schäumen über’s Deck. Jedes Tiefdruckgebiet beschert viel Regen mit minimaler Sicht. Doch zum Regenwasser für Trinkwasser sammeln, ist die See viel zu wild. Also ist sparen angesagt. 450 Liter Wasser müssen für mindestens vier Wochen ausreichen. Der Abwasch wird im Cockpit mit Seewasser vollzogen. Jede kleinste Tätigkeit ist anstrengend. Bin ich wirklich hungrig? Was ist eher auszuhalten? Sich in Schräglage am Herd abmühen oder vom Knurren des Magens wach gehalten zu werden? Muss ich wirklich pissen? Nein doch nicht. Ich nutze den Harndrang positiv zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur. 

In den Kojen fläzen und alle 20 Minuten Ausguck halten geht am besten. Wir lesen lustige, leichte Literatur und studieren viele Revierberichte über Alaska. Auf See schaue ich gerne Piratenfilme auf dem Tablet. Sowas soll Unglück bringen! Na ja, bis jetzt sind wir beide noch nicht abergläubisch. Im Motorraum steht schon wieder etwas Wasser. Es schmeckt salzig. Doch wo kommt es her? Wasser in der Bilge, ist auf hoher See eine echte Bedrohung. Thomas checkt mit der Taschenlampe alles nach Spuren ab. Seeventile, Schläuche, Stopfbuchse. Alles scheint dicht zu sein. Wird jedenfalls alle paar Stunden kontrolliert und das Wasser wird regelmässig abgepumpt. Ansonsten ist innen alles trocken. Thomas hat vor der Überfahrt sämtliche Bullaugen mit einer dicken Plastikfolie doppelverglast um Kondensation zu vermeiden. Die Decksluken ebenfalls. An den Rahmen hat er ein schmales Magnetband geklebt. Auf eine dicke Folie ebenfalls. So kann die Folie locker zum lüften entfernt werden und ist in wenigen Sekunden wieder montiert. Funktioniert perfekt! Das Klima in der Robusta ist noch immer angenehm. Keine Feuchtigkeit in den Schränken. Kein Gammelgeruch. 

Endlich kommt am zehnten Tag eine Funkverbindung zustande! Auf hoher See Mails zu erhalten, ist immer eine riesige Freude. Speziell die Mails von meinem Papa sind ein Hochgenuss. Sein Humor ist unübertrefflich und entlockt uns selbst bei verschissensten Bedingungen ein lautes Lachen. Kollegen vermitteln uns mit John und Jeniffer die gerade von Hawaii nach Dutch Harbor segeln. Von Reto sind mehrere Mails eingegangen. Er macht sich Sorgen. Doch er ist ebenfalls Hochseesegler mit jahrelanger Erfahrung. Er weiss, dass eher die Technik bockt, als das ein Schiff absäuft. Reto hat für uns täglich die Wetterlage für den Nordpazifik analysiert und geschickt. Das ist super wenn die Post auch ankommt! Die Entscheidungen zur Taktik liegt bei uns.

„Hatten Knockdown. Viel ist kaputt gegangen. Alles über der Wasserlinie ist zerstört. Alles im Boot ist nass! Liegen nun beigedreht in enormer See.“ Die Position unserer Freunde liegt über 300 Seemeilen nordwestlich von uns. Diese Nachricht versetzt uns buchstäblich in Schockzustand. Per Mail fragen wir nach was sie brauchen. Wie können wir helfen? In meiner Verzweiflung versuche ich etwas lustiges zu schreiben. Es macht mich fix und fertig nicht handeln zu können. Immerhin steht der Mast noch. Auch die Segel blieben unversehrt. Was die beiden im Mail nicht erwähnt hatten, erfahren wir erst später. Rekka wurde beim Knockdown über Bord geschleudert. Sie war vernünftigerweise mit einer Lifeline im Cockpit gesichert. Wir streiten uns manchmal zum Thema Sicherheit. Wir beide bewegen uns auch bei fettem Seegang noch akrobatisch an Deck. Oft schon zu selbstsicher. Über Bord gehen bei Sturm, Dunkelheit oder kaltem Wasser, bedeutet zu 99 Prozent das Todesurteil. Also ist das ganz klar verboten und wird mit lebenslanger Haft bei den Meeresungeheuern bestraft. Oberste Priorität ist sich zu sichern. Dafür ist auf der Robusta an Deck vom Bug bis Heck ein flaches Band angebracht. Wer das geschützte Center Cockpit verlässt, muss sich zuvor in diese Leinen einhaken. Eine Hand ist immer irgendwo festgekrallt. Wanten sind dazu eher geeignet als die Reling.

Robusta ist ein Stahlkutter. Ein Doppelender, was bedeutet das Heck ist gleich wie der Bug geformt. Mit 38 Fuss Länge ist sie eher klein (mit Bugspriet 44 Fuss). Desto kleiner und leichter die Yacht, umso beschwerlicher wird die Reise. Der Langkieler ist mit einer Verdrängung von 14 Tonnen ein fetter Mocken. Sie bewegt sich bei leichtem Wind unter 10 Knoten nicht nennenswert. Der Kutter verhält sich jedoch hervorragend bei schwerer See. Robusta’s Bewegungen sind träge, was sich sehr komfortabel anfühlt. Wir waren jedenfalls beide noch nie seekrank. Das Cockpit liegt nicht wie üblich hinten sondern weiter vorne, schon fast im Zentrum der Yacht. Das Deckshaus kann bei Bedarf ganz geschlossen werden. Auch beim Segeln. In den hohen Breiten, muss eine Yacht isoliert sein und eine Heizung ist für angenehmes Bordklima essenziell. Bei Regen und Nebel steigt die Feuchtigkeit in einer Yacht schnell mal ins unerträgliche. Matratzen und Decken werden schnell mal feucht. Auch die Wände und Polster werden von Schimmelsporen befallen. Die Kleider in den Schapps beginnen zu schimmeln.  Ein unangenehmer muffiger Geruch sind das Resultat. Alles nicht gerade toll für die Gesundheit.

Jedes Gefährt hat allerdings auch Nachteile. Robusta nervt vor allem bei leichtem Wind. Schon kurz nachdem der Kurs Richtung Nordost nach Dutch Harbor anliegt, wird es täglich spürbar kälter. Zäh liegt Nebel über der See.   Segeln in die gewünschte Richtung ist nicht möglich. Der Seegang beruhigt sich einfach nicht. Zum Beidrehen ist der Wind zu schwach. Schlaf zu finden ist unmöglich. Die Nerven liegen blank. Es macht uns nichts aus eine Flaute ohne Wellen auszusitzen. Doch mit dieser chaotischen Restwelle ist es kaum auszuhalten. Der Nacken versteift sich beim liegen, obwohl diverse Kissen und Leebretter ein Herumrollen verhindern. Auch der neue Wetterbericht verspricht kein Wind. Erst in drei Tagen zieht das nächste Tief heran. Nachts fallen die Temperaturen gegen fünf  Grad Celsius. Während einer Flaute bekommt der Klüver einen neuen Flicken. Hoffentlich hält dieses Segel noch bis Alaska. In der Nähe der Aleuten Inseln, tauchen immer wieder mal Frachtschiffe am Horizont auf. Auf Fischkutter treffen wir nicht. Die Passage vom Pazifik in die Bering Sea, durch den Samalgapass der Aleuten Inseln, klappt super. Exakt zum richtigen Zeitpunkt schlafft der Wind ab. Das ist ausnahmsweise mal nicht schlecht. Denn an eine Durchfahrt zwischen den Inseln bei Wind gegen Strom, ist gar nicht zu denken. Der Strom von über vier Knoten schiebt  in die perfekte Richtung. Leider bei dickem Nebel an den als so imposant beschriebenen vier Vulkaninseln vorbei. So bleibt nach 30 Tagen auf See der lang ersehnte Blick auf Land erstmal aus. Der Wettbewerb wer zuerst Land erblickt findet auch nicht statt. Alles erscheint recht unheimlich. Das Radar zeigt keine Schiffe oder andere Hindernisse. In der Hot Spring Cove, einer unbewohnten Insel der Aleuten fällt der Anker. Zum Nebel ist jetzt auch noch Regen dazu gekommen.  Wir sind so gespannt wie es hier aussieht! Vor dem Landgang wird erst mal ausgiebig und in aller Ruhe, ohne Seegang gefrühstückt. Aus einem kleinen Nickerchen wird ein stundenlanger Tiefschlaf. Egal, hier ist es ja bis Mitternacht noch einigermassen hell. Das Wasser in der Bilge ist auch nicht mehr nachgelaufen. Am Anfang der Reise hatten wir die Schrauben nicht im Motorraum Deckel vom Cockpitboden. Dort haben wir immer den Abwasch gemacht und somit muss Wasser in die Isolation gelaufen sein. Jetzt ist jedenfalls alles gut und trocken. Ufffff.