July 15 2019

Fiji Time

In die Vorfreude auf die Reise nach Fiji, mischt sich wie dunkle Schatten auch Traurigkeit. Ob ich meine Eltern das letzte Mal umarme, tut mir grauenhaft weh. Ich weine während den ersten Stunden im Flugzeug. Doch bald bin ich mit einer neuen Situation konfrontiert. Der Reisende vor mir legt seinen Sitz zurück. Toll. Meine Stimmung schwappt in Unmut um. Dammi nomol (Schweizer Fluch). Nun muss ich meine Sitznachbarn wecken, damit ich aus dieser Sardinenposition komme. Auch mit geleerter Blase passe ich nicht besser in den Sitz. Meine Knie berühren die vordere Sitzreihe. Nach dem gruseligen Swissfood platzt mir der Kragen. Ich verlege mich mit einer Decke und Kissen zum Notausgang. Nein ich steige nicht aus. Will ja nach Fiji. Aber ich bleibe dort hocken. Sobald sich das Flugpersonal nähert, fauche ich. Sie lassen mich bis kurz vor der Landung in Ruhe.

Mein Vater hat recht: Seit nach dem Grounding der Schweizer Fluggesellschaft „Swiss Air“ die neue nationale Airline  „Swiss“ gegründet wurde, ist die Luft wirklich draussen!

Flughafen Singapur ist toll. In der Transitzone gibt es allerlei zu sehen. Enteckte kostenlose Fuss- und Wadenmassagegeräte. Echt genau genial. Schade fand ich nichts dergleichen für den Hintern. Der Flug nach Sydney dauert wieder über zehn Stunden. Mir graut’s. War aber alles easy. Viel Raum für die Beine. Essen auch absolut lobenswert. So nun aber genug Werbung. Der Flug Sydney – Fiji, zum Abschluss noch die volle Krönung vom Gau. Schulferien in Australien! Ohweh. Lauter quengelnder kleiner verwöhnter Rotzlöffel. Normalerweise mag ich Kinder. Doch nach nahezu 40 Stunden Sardinenbox nicht mehr. Da wird Geschrei und in den Sitz treten zu viel. Die Eltern scheinen alle mit Valium oder sonst wie gedopt zu sein.

Der Pilot kündet vor der Landung eine Lufttemperatur von 28 Grad bei 9000 % Luftfeuchtigkeit an. Voll treffend ausgedrückt! Das tropische Klima haut mich die ersten zwei Wochen fast um. Dabei war es doch in der Schweiz die letzten Wochen noch viel heisser!

Bei der Ankunft in Fiji war es den Beamten wohl zu heiss um in Aktion zu treten. Kann ich gut verstehen. Ersatzteile, um die es vor der Reise noch Wirbel von wegen Sondertransport gegeben hat, gingen locker durch jede Kontrolle. Meine Empfehlung, so gut wie möglich die Regeln der Fluggesellschaften lesen und zu seinen Gunsten interpretieren. Keinesfalls Schlafende Hunde wecken! Alles in den Koffer stopfen und das Thema ist gegessen – meistens jedenfalls.

So und nun endlich, nach sieben langen Monaten sind Thomi und ich wieder ganz nahe zusammen…

Erst mal Erholung und den Thomi geniessen. Bin total kaputt.

 

Nun wieder an Fiji Time angleichen.

“Leben ist da um gelebt zu werden und nicht zum rumstressen” 

so lautet die Lebensphilosophie der Fijis. 

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May 11 2019

Suva

So nun liege ich schon zwei Wochen in Suva. Eine interessante Stadt mit vielen Märkten und Shops, extrem günstige Preise für Stoffe. So hatte ich während der Wartezeit auf das USA Visa und den Zahnarzt die Aufgabe, schöne Fixleintücher für unsere Vorderkoje nähen zu lassen. Auch das Sofa hat einen neuen schönen Bezug.

Hier noch eine Kleine Umschau, was da so alles um mein Ankerplatz auf Reede ist.
Auf dem Dreimastschooner durfte ich Fotos schiessen, ein fast hundertjähriges norvegisches Stahlschiff, wunderschön aber auch bisschen heruntergekommen. Der Eigner starb kurz nach Ankunft in Suva. Er vermachte das Schiff nun dem Skipper, ein junger Fijianer, der wahrscheinlich bisschen überfordert ist mit diesem Schiff. Vieleicht auch nicht, konnte er einem Filmteam für drei Monate das Schiff verchartern. Vieleicht eine neue Episode von Pirates of Caribean ? Klickt Euch durch die Bilder, ist wirklich eine Augenweide…
Morgen gehts weiter auf die Kavandu Island, mal bisschen frische schöne Meeresluft und tolle Riffe zum schnorcheln. Ich fahre zusammen mit Piourluit, tolle Belgier, die ich schon von Whangarei her kenne.

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November 21 2017

Schleichender Abschied vom Barfussleben

Ein Wetterfenster für die Überfahrt nach Neuseeland zeichnet sich in den nächsten zehn Tagen auch nicht wirklich ab. Wir wollen Fiji möglichst spät verlassen. Beobachten jedoch aufmerksam das Wetter. Das im Osten sehr trockene Fiji, verändert sich nun rapide. Noch vor kurzem hat das trockene Steppengras oft gebrannt. Ein Grund dafür ist unter anderem, das Abfackeln der Zuckerrohrfelder, um die Ernte zu erleichtern. Diese Feuer geraten öfters ausser Kontrolle. Bereits nach den ersten Regenfällen nach der Trockenzeit erscheinen die Hügel in einem sanften grün.  Wäre doch schade schon in den Süden zu ziehen, gerade jetzt wo alles zu blühen beginnt!
Im Norden von Viti Levu soll es einen perfekten Ort zum Windsurfen geben. Am nächsten Tag dümpelt die Robusta mit sehr wenig Wind nach Nananu-i-Ra Island. Die Strecke ist von Riffen gespickt. Ich weiss nicht wie viele Yachten in Fiji Grundberührung hatten.  Aber es waren schon einige die das Ruder demoliert haben. Es heisst unter  Seglern; Aufgepasst, Fiji frisst Boote. Die Seekarten sind ungenau. So navigieren wir nur am Tag und bei guter Sicht. Google Maps als overlay in die Seekarte ist dabei eine grossartige Hilfe.


In der Safari Lodge leihe ich mir für eine Woche Windsurfmaterial aus. Mein eigenes habe ich in Buones Aires wegen Platzmangel verschenkt. Sause im türkis blauem Wasser bei 4 – 6 Bf hin und her und übe Manöver. Der Adrenalinkick beim Windsurfen ist halt schon geil! Der Ort ist auch perfekt zum Kitesurfen! Wir fühlen uns sehr wohl bei Warren,  Caroline und Sala. Die kleine einfache Lodge, mit dem hübsch angelegten Garten, ist eine tolle Abwechslung zum Seglerleben. Pennen tun wir immer noch auf der Robusta die im Südwesten von Nananu-I-Ra absolut geschützt vor Anker liegt.
Die lustige Zeit vergeht viel zu schnell. Die Zwiebelsocken gegen Warrens Erkältung, die er natürlich nicht anziehen wollte, wahrscheinlich da diese im Bett unsexy aussehen, wurden zum running gag.
Doch dann erwischte es Thomas. Akute Zahnschmerzen. Genau jetzt wo ein  Zahnarzt am weitesten entfernt ist. Auch er wollte die sexy Socken nicht anziehen. (Ehrlich gesagt bin ich auch froh, dass kein Stinker neben mir im Bett liegt).  Zwiebel soll ja ein Wundermittel gegen allerlei Beschwerden sein. An den Fusssohlen angebracht, zieht sie krankmachende Giftstoffe aus dem Körper.
 
Thomas kann mit Warren nach Lautoka zum Zahnarzt fahren. „Zahnschmerzen? O.k, in dem Fall kommst du zum Zahnziehen“ meint die Assistentin. NEIN! Bitte reparieren… Fluchtartig sucht Thomas einen anderen Zahnarzt auf. Diagnose: Entzündung am Wurzelkanal. Das könne er nicht reparieren. Er verschreibt Antibiotika und Schmerzmittel. Für die Behandlung muss Thomas zu einem Zahnarzt in Suva auf der anderen Seite des Festlandes. Bravo. Mit dem Bus dauert die Reise dort hin knapp sechs Stunden. Doch da sind auch noch die kleinen Busse. Meist Toyotas mit 15 Sitzplätzen. Sehen recht gut aus. Alle voll aufgepimpt. Doch die Einheimischen meinen, wir sollen nicht mit denen reisen. Die sind oft in Unfälle verwickelt. Kein Wunder, die müssen im Schnitt mit 100 km/h an der Küstenstrasse entlang brausen. Nur so kann die versprochene Fahrzeit von 3 Stunden eingehalten werden. Auf dem Weg zum Busbahnhof ereignete sich ein Unfall in dem ein grosser Reisebus verwickelt ist. Wir entscheiden uns für die Minibusse. Gleicher Preis – doppelt so schnell. Der Fahrer sieht vielversprechend aus. Doch die rote Schrift „Lautoka – Suva – Lautoka“ im Zombie – Blutstyle, lässt Zweifel aufkommen.  Irgendwie kommt Thomas eine Stunde zu spät beim Zahnarzt an. Nein nicht weil der Fahrer anständig gefahren ist. Sondern weil der Bus erst losfährt wenn er voll ist. Thomas regt sich auf. Hey, mach dich locker. Hier geht alles nach „Fijitime“. Der Zahnarzt hat jedenfalls nicht gemotzt. Er hat trotzdem echt perfekt gearbeitet. Super moderne Praxis. War teuer aber gut. In einem Monat, Mitte Dezember, steht der zweite Teil der Behandlung an. Das ist jetzt aber blöd. 

Die offizielle Zyklonsaison dauert von 1. November bis 30. April. Die meisten Stürme sind jedoch im Februar zu verzeichnen. Eigentlich wollten wir mit dem nächsten Wetterfenster los. Jedenfalls wäre es schön, Weihnachten in Neuseeland mit Freunden zu feiern.

Die Route nach Neuseeland ist etwas spezieller und kann eine echte Herausforderung darstellen. Winde aus verschiedenen Richtungen, Stürme und Flauten sind keine Seltenheit. Zu früh lossegeln ist auch nicht gut. Im Südpazifischen Frühling ist es in Neuseeland noch empfindlich kalt und stürmisch. Also so gilt es den exakt besten Zeitpunkt zu wählen. Da ist der Wetterbob ein Experte. In seinem Bob Blog  kommt jeden Sonntag eine ausführliche Analyse zum Wetter im Südpazifik raus. Bob informiert die Segler welches Wetter zu vermeiden ist.  Er bietet auch Hilfe während einer Passage gegen Bezahlung an. Bis anhin haben wir das Wetter jeweils selber analysiert. Beide bilden für sich eine Meinung zur Lage. Danach vergleichen wir die Routenplanung und treffen gemeinsam eine Entscheidung.  So kann niemand beschuldigt werden, falls trotz moderner Wettervorhersage alles anders kommt. Bob’s Devise zur Wetterprognose:
“Wetter ist ein Gemisch aus Muster und Chaos; diese Ideen stammen aus einer strukturierten Welt”.
 
 

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October 16 2017

Gerüchteküche

So nun heisst es wieder mal von Freunden Abschied nehmen. Das stimmt mich immer sehr traurig. Franziska und Pesche wünschen wir alles Gute für den Neustart in der Schweiz! Grossen Dank nochmals für alles was ihr uns vermacht habt!! Vlad und Nicole sind nach Australien gesegelt. Aline ist in Fiji hängen geblieben. Der lustige Etienne segelt irgendwie gegen den Wind nach Tahiti…… Ob wir sie alle jemals wieder sehen? Vermissen euch schon jetzt! Jedenfalls denke ich in alle Ewigkeit an all die intensiven Erlebnisse! Dank Internet ist ein weiterer Kontakt nicht unmöglich.
Fiji ist eben wieder mal so ein Ort wo sich die Routen der Segler teilen. Für die einen endet hier das Abenteuer und sie verkaufen ihre Yacht. Andere segeln vor der Zyklonsaison nach Neuseeland oder Australien. Wenige weichen in den Norden aus und da sind sogar einige Verrückte die in Fiji bleiben! Sie stellen ihre Yacht in der Vuda Point Marina an Land, in ausgebuddelte Löcher, oder lassen sie im runden Hafenbecken liegen. Nähert sich ein Zyklon, werden zusätzlich alle Anker in der Mitte des Beckens an einer zentralen Boje fixiert.
In einem Fluss, in den Mangroven bei den Moskitos wäre eine weitere Möglichkeit einen Zyklon mehr oder weniger heil zu überstehen. So tun es die Leute mit ihren Fischkuttern.
Das grösste Problem bei einem Zyklon sind die Gegenstände die durch die Gegend fliegen, die Sturmflut und die Wellen.
Die Robusta wird für die Zyklonsaison nach Neuseeland gesegelt.


Die heiss aufgebrühten Gerüchte der Segler über die ganzen Stürme auf der Strecke nach Neuseeland und die so problematische Einreise treiben uns auf die Palme.
„Das Unterwasser müsse Blitz blank glänzen, keine Muschel oder kein Kraut darf am Rumpf kleben. Die Behörden können einem zwingen direkt in eine Werft zur Unterwasserreinigung zu gehen. Dann werde es aber sehr teuer!“ Blablabla….
Da wir die Robusta ja eh in Neuseeland warten wollen, möchten wir sie hier nicht aus dem Wasser heben nur um das Unterwasser zu reinigen. Die Gebühren für den Kran sind immer sehr kostspielig. Bei dieser drückenden Hitze zu arbeiten, ist doch nicht auszuhalten. So versucht Thomas mit Schnorchel und Taucherbrille den Rumpf selber zu schrubben. Doch das ist bei einem Langkieler mit 1.80 Meter Tiefgang ein Akt der Unmöglichkeit. So suchen wir erfolglos einen Ort zum Trockenfallen. Überall ist der Grund mit Korallenblöcken versetzt.

 
Auch die Regelungen zur Einfuhr von Lebensmittel lässt einem schwindlig werden. Den Vortrag vom Biosecurity Beamten aus Neuseeland haben wir verpasst. Der Mann ist aber noch da und ist bereit uns zu beraten. Wir wollen nicht nur sparen, uns liegt auch viel dran die Umwelt sauber zu halten.
Alles nur halb so wild.
Das neue scharfe Gesetzt betreffend Unterwasser tritt erst ab 1. Mai 2018 in Kraft. Wie das dann durchgesetzt werden soll ist mir ein Rätsel.
Jedenfalls sind in den Marinas in Tonga und Fiji Mappen mit all den Informationen (andere Quelle) kostenlos erhältlich.
 
Kriech- und Flatterviecher mögen sie auch nicht. So räume ich alle Schränke aus, kontrolliere die Lebensmittel nach Ungeziefer. Sortiere sie nach Risikogruppe in einem Schapp. Bis zur Einreise in Neuseeland müssen X Kilo Linsen, Bohnen, Mais Reis und Gerste aufgefuttert werden! Der eine Satz der Zollbestimmungen verpasst mir einen weiteren Schweissausbruch. „Nur Lebensmittel in Originalpackungen dürfen eingeführt werden“. Präventiv habe ich alles in PET-Flaschen umgefüllt! A: damit nichts feucht wird, B: falls irgendwo Käfer drin sind und diese sich nicht ausbreiten können.
Zudem putze die ganze Robusta super gründlich. Dabei dringe ich bis in die Bilge vor. Sämtliche Schuhe werden vom Strassendreck befreit. Zwischen den Winterkleider finde ich sogar noch 8 Liter Cachaca aus Brasilien! Das ist im ersten Moment wenigstens ein angenehmer Trost. Doch nur zwei Liter Schnaps pro Person sind erlaubt.

So nun wäre die Robusta halbwegs reisebereit. Die Zeit vor der Überfahrt, wollen wir im berühmten Yachtclub Musket Cove  verbringen. Doch dort bekommen wir einen Schock. An die 25 Yachten liegen in der Bucht. Club- und Hotelanlage sind echt hübsch. Mit Swimmingpool, Restaurant, Bar, Grillmöglichkeiten und Supermarkt. Die Preise sind schon fast mehr als Unverschämt. Das ist nicht Fiji. Diese künstliche Welt mögen wir nicht. Jedoch geniessen wir es, wieder alte Bekannte und neue Leute zu treffen.
 

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October 4 2017

BULA

Hier noch letzte Eindrücke von der Stadt bevor wir die kleinen abgelegenen Dörfer besuchen:


In Fidji ist alles noch mal etwas spezieller als bis anhin. Da sind drei verschiedene Möglichkeiten mit der Yacht irgendwo zu ankern. Entweder  findest du eine unbewohnte einsame Bucht, oder du ankerst bei einer Ferienanlage, oder in der Nähe eines Dorfes. Im letzteren Fall ist es Pflicht als erstes dem dem Chief of the Village, dem Dorfältesten, einen Besuch abzustatten um um Erlaubnis für dein Vorhaben zu bitten.  Und wage es nicht ohne ein halbes Kilo Kava, als Mitbringsel aufzukreuzen! Kava ist ein Pfeffergewächs aus deren Wurzel ein Zeremonialgetränk zubereitet wird. Kava kann auch in Pulverform gekauft werden. Das mögen sie in den Dörfern nicht.
Das erste kleine Dorf haben wir gemeinsam mit Pesche und Franziska von der Segelyacht Pandora besucht. Es ist schon spät als der Anker in der von Mangroven überwucherten Bucht fällt. Ein kleines Fischerboot, mit zwei Männer und zwei kleinen Kindern besetzt, kommt zur Robusta. Wir werden angefragt, ob wir ins Dorf kommen wollen. Heute nicht mehr, aber morgen gerne! Der eine Mann will doch tatsächlich den Crusing permit sehen (Amtliche Fahrtenbewilligung für Fiji). Hätte ich nie erwartet! Da er natürlich keinen Schreiber und auch keinen Fotokopierer auf seinem Fischerboot dabei hat, notiere ich ihm den Bootsnamen und die Nummer der Fahrtenbewilligung auf einen Fresszettel. Nun tuckern sie zufrieden davon.

Am nächsten Tag paddeln wir zu viert mit dem Dinghi durch das flache Wasser bis zum Dorf. Alle sind wir fast erwartungsgemäss gekleidet. Wir Frauen mit bedeckten Schultern, geschlossenem Dekoltee und Hosen bis über die Knie reichend, die Männer mit T-Shirt und langer Hose. Hut und Sonnenbrille tragen sind in einem Dorf Tabu! Egal wie intensiv die Sonne gerade auf die Birne brennt. Am Strand, im Schatten einer Palme, hockt ein junger Mann der uns gleich erklärt, wo wir den Chief finden. Der fein säuberlich angelegt Weg führt steil an kleinen, bunten Holzhütten mit Wellblechdächer, die auf Stelzen an den Hang gebaut sind vorbei. Nun dringt die so fröhlich klingende Begrüssung „Bula“ aus jeder Hütte die wir passieren! Dieses wohlwollende Wort verzaubert mich jedes mal!
Vor Chief’s Hütte angelangt, die nicht grösser als 20 Quadratmeter ist, legen wir die Schuhe ab. Seine Frau stellt sich mit einem Namen vor, den ich sofort wieder vergesse. Immerhin kann ich mir den Namen ihres Mannes merken! Nun sitzen wir vier Schweizer in Fiji auf einer geflochtenen Matte auf dem Boden, vor dem wichtigsten Mann des Dorfes. Ich bin schon ein wenig nervös. Zu den Benimmregeln gehört nun, dass die Männer im Schneidersitz mit bedeckten Knien am Boden vor dem Chief hocken und wir Frauen mit geschlossenen Beinen, diese auf eine Seite gefaltet. Nichts darf auf dem Kopf sein. Sehbrillen glaub schon, aber keine Sonnenbrillen. Nun überreichen wir die Geschenke. Pro Yacht einen Bündel Kava der immerhin etwa 15 US Dollar kostet, erscheint uns angemessen. So tun es die anderen Yachties auch. Die Übergabe soll auf den Knien erfolgen. Nun klatscht der Chief drei mal in die Hände, was bedeutet, er will reden und alle müssen still sein. Nun rezitiert er eine Art monotones Gebet und fuchtelt mit den Händen über dem Kava, bedankt sich und klatscht schliesslich wieder drei mal in die Hände. Dies ist nun das Zeichen um uns vorzustellen, über die Reise zu berichten und warum wir hierher gekommen sind. Nun holt der Chief eine grosse bunte mit allerlei Tieren verzierte Weltkarte und breitet diese auf dem Boden vor uns aus. Ihn und vor allem die Kinderschar die sich in der Zwischenzeit in der Stube versammelt hat, wollen sehen wo wir hergekommen sind. Alle Kinder sprechen schon super gut Englisch, das sie bereits in der ersten Klasse lernen.

Das Kava trinken  bleibt uns erspart. Schade! Wir sind nun etwas enttäuscht. Immerhin sind wir nun willkommen und dürfen uns im Dorf frei bewegen. Lag es daran dass wir Frauen in Hosen aufkreuzten? Später erfahre ich in einem Dokumentarfilm, dass normalerweise jeder Gast ein Bündel Kava mitbringt. Die Frauen sollten in einem Dorf statt Hosen ein Tuch das bis über die Knie reicht um die Hüften tragen.
Doch ganz so frei bewegen geht auch wieder nicht. Eine Eskorte von Kinder begleitet uns! Eines von ihnen trägt meinen Hut, eines meine Tasche und ein weiteres hält meine Sonnenbrille ganz vorsichtig in seinen Händen.
Da liegt mitten im Dorf ein Gebäude völlig platt am Boden. Das war die Schule, erzählen die Kinder. Die wurde im Februar 2016 von Winston, dem stärksten Zyklon aller Zeiten, mit samt den anderen 25 Häusern des Dorfes zerstört. Nur die Kirche und das Gemeinschaftshaus haben den Zyklon mehr oder weniger unbeschädigt überlebt. Die kleine Vitiana und Nasil führen uns an den Ort wo alle 90 Dorfbewohner über Stunden gemeinsam ausgeharrt haben. Der Lärm den Winston mit seiner tobenden Kraft verursacht hat, muss immens gewesen sein. Viele hätten geweint und gebetet.

Schlimm hätte es danach ausgesehen. Alles war an einem anderen Ort. Alles war nass. Auch die Lebensmittel die nicht rechtzeitig in einen Plastikcontainer gerettet werden konnten. Alles und auch die Gemüsegärten waren zerstört berichtet Sahira mit erstickter Stimme.
Die Neuseeländische Regierung hat schnell reagiert. Innert drei Tagen seien Lebensmittel und Baumaterial ins Dorf gebracht worden. Ganz Fiji wurde in Mitleidenschaft gezogen. Winston zog mit Windstärken von bis zu 325 Stundenkilometer über das Südseeparadies.
Hast du schon mal versucht den Kopf bei 150 Km/h aus dem fahrenden Auto zu halten? Alles unvorstellbar!
Am nächsten Tag segeln wir bei angenehmsten Passatwinden  zu der Yassava Group weiter. Eine Inselkette ganz im Westen Fijis.

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September 25 2017

Navigation in Fiji

In Fiji ist wieder alles anders als bis anhin! Fiji ist ein Archipel im Südpazifik mit 322 Inseln auf einer Gesamtfläche von rund 18`000 Quadratkilometer. Navigatorisch ist Fiji eine echte Herausforderung. Durchwegs genaue Seekarten scheint es nicht zu geben! Einige Regionen sind nur sehr grob oder gar nicht kartographiert! Vor allem zwischen der Hauptinsel Viti Levu und der Yasawa Group wagen wir es nicht nachts oder in der Dämmerung zu segeln. Die Sonne muss hoch am Himmel stehen oder die Einstrahlung soll von hinten erfolgen. Polarisierende Brillen helfen echt gut die Untiefen zu erkennen. Wo das Wasser hellblau wird ist Vorsicht geboten und kommt dann noch braun dazu, dann ist da ein Riff! Manchmal sind auch brechende Wellen zu erkennen. Also dann wird es höchste Zeit um voll auf die Bremse zu treten!
Undenkbar hier mit dem Sextant rumfuchteln zu müssen.
Was sich  als Navigationshilfen bewährt hat, ist das Navionics in Kombination der OPEN CPN Seekarten mit einem Overlay von Google Maps. Doch auch hier wo im Google Maps der Himmel nicht wolkenlos ist und die Sonne somit einen Schatten auf die Erdoberfläche wirft, wird die Robusta sorgfältig um diese Flecken herum navigiert. Denn was sich unter einer Wolke verbirgt, ist schlicht nicht zu erkennen! Achte darauf, dass du wirklich ganz gezoomt hast!!!  Du wist staunen was da plötzlich noch alles aus dem Meer auftaucht!
Eine weitere wichtige Navigationshilfe sind nun einmal auch die Augen:
„Lappi tue d’Augä uf“!
“Narr, mach die Augen auf“ ein Spruch der 1935 ans Schaffhauser Schwabentor eingraviert wurde, ist hier in Fiji absolut wichtig.
Unsere Freunde die wir wieder treffen wollten, haben mit ihrer Yacht das Ruder an einem Korallenkopf beschädigt. Zum Glück ist das ganze in der Nähe der Vuda Marina geschehen. Pech war allerdings, dass es genau nach einem zweiwöchigen Aufenthalt in der Werft geschah!

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September 20 2017

Ankunft in Fiji, Savusavu

Die Überfahrt von Tonga nach Fiji dauerte fünf Tage. Schönes Segeln mit nur einem Tag Flaute. Wir schlafen und lesen viel. Durchforsten Reiseführer und Segelbücher.  Schade war halt schon, dass wir an all den schönen Inseln der Lau Group vorbei segeln mussten. Ohne Crusing Permit irgendwo zu ankern wird von Fiji Kennern abgeraten. Ein Port of Entry muss also zwingend angelaufen werden um erst den Crusing Permit zu beantragen. Hier wird der ganze Behördenkram sehr ernst genommen. Mal sehen.


Am dritten Tag der Überfahrt machen wir den absoluten Rekordfang: Der Fisch kämpft wie ein Wahnsinniger an der Leine. Schwimmt im vollem Tempo nach links um gleich darauf wieder in die andere Richtung zu sausen. Plötzlich schwimmt er sogar an der Backbordseite. Hoffentlich verdüddelt sich nun die Angelleine nicht in der Windsteueranlage. Hoffentlich hält die Leine das ganze Gezerre aus! Der Fisch scheint riesig zu sein. Thomas schafft es ihn ins Süll zu hieven.  Dort zappelt er mit seinem ganzen Körper und klopft mit der Schwanzflosse heftig auf den Stahl. Ich reiche Thomas das Messer, damit er ihn mit einem Kiemenschnitt killen kann. Nicht einfach da der Fisch nicht stillhalten will. Grauenhaft, nun spritzt das Blut in alle Richtungen. In solchen Momenten schwöre ich, dass ich ab morgen nur noch vegetarisch essen werde. Es ist ein Mahi Mahi! Thomas sieht aus, als komme er direkt vom Schlachtfeld. Nachdem der Mahi Mahi zerlegt ist, müssen wir beide erstmal ein Bad nehmen. Aber erst wenn das ganze Blut vom Deck gespült ist und die Robusta etwas weiter gesegelt ist. Wollen ja keine Haie, die zufällig nach uns schnappen weil wir gerade die Mahi Mahi Eingeweide ins Meer geschmissen haben.

Savusavu laufen wir gegen Mittag mit der gelben Quarantäneflagge gehisst an. Über Funk melde ich bei der  Marina Copra Shed, das wir einklarieren wollen. Sie werden uns benachrichtigen, wenn die Beamten da sind. Jemand muss sie abholen. Die haben kein Boot!
Unser Dinghi ist seit längerem immer wieder mal Patient.  Luft entweicht immer noch trotz der professionellen Reparatur in Nuku Hiva in den Marquesas. Die ganze Reparatur ist natürlich zwecklos, wenn ein Loch nicht geflickt wird weil es schwer zugänglich ist…. Seit geraumer Zeit dringt auch noch Wasser durch den Boden ein.  Nun, ausgerechnet wo Thomas die Beamten abholen muss, ist es besonders schlimm geworden. Innert Kürze stehen zwanzig Zentimeter Wasser im Dinghi! Der Motor bockt auch. Trotz neuem Impeller zirkuliert das Kühlwasser nicht zufriedenstellend. Erst holt Thomas die Beamten von der Health Inspection ab. Sie tragen’s mit Fassung, dass sie mit einer fahrenden Badewanne transportiert werden.
Über Coca Cola und die Pop-Corn mit Curry freuen sich die beiden Indisch stämmigen Beamten sehr.
Alle Papiere füllen sie selber aus. Angaben zum Gesundheitszustand, Menge an frischem Gemüse, Milchprodukte, Fisch und Fleisch oder Tiefkühlprodukte werden im Formular aufgelistet.  Dürfen aber alles behalten. Hatten auch nicht mehr viel. Nur noch etwas gefrorenen Fisch. Den haben wir aber nicht deklariert und die Kräuterpflanzen habe ich versteckt. Der Kefir hat auch in der Bilge warten müssen. Nach einer Stunde ist die Prozedur überstanden. Wo bleiben nun die anderen Beamten? Kurz vor fünf kündigt die Copra-Shed über Funk an, dass sie nun abgeholt werden könnten. Wenn die nun Überzeit verrechnen wehren wir uns aber.

Zehn Minuten später ist Thomas mit der noch halbwegs schwimmenden Badewanne, nun mit zwei Beamtinnen beladen, wieder bei der Robusta. Socken und Schuhe mussten sie am Steg deponieren und die Uniform ist bis zu den Knien hochgerollt. Da sie wegen dem schlappen Dinghi grosse Mühe hatten an Board zu klettern, zog ich von oben am Hemdkragen und Thomas hat von unten  geschoben…. „Sorry we are to big“ entschuldigt sich die eine. Beide hocken nun Tränen lachend im Cockpit. Ist uns überhaupt nicht recht. Ich reiche ihnen ein Badetuch, damit sie ihre Füsse trocken können. Nun biete ich Kekse und Coca Cola an. “Nein danke” ist nur eine Höflichkeitsfloskel die ich gleich mal ignoriere um nach ihrem Verständnis freundlich zu sein. Schenke Cola ein und stelle die Kekse vor ihnen auf den Tisch. Als sie sich nun von der Lachattacke erholt haben, gehen sie zum ernsten Teil über und füllen die Papiere ebenfalls für uns aus. Sehr nett. Doch  sie haben ein Formular vergessen mitzubringen. Somit muss ich am nächsten Tag Customs nochmals aufsuchen, um den Rest auszufüllen und ebenfalls um sämtliche Gebühren zu bezahlen. Health, Biosecurity und Customs. War gar nicht einfach, diese Stellen zu finden. Ich war sicher einen Nachmittag lang in der kleinen Stadt rumgelaufen. Waren insgesamt über 200 US$.
So und nun dauert es ein bis drei Arbeitstage bis der Crusing permit ausgestellt ist und wir dürfen an Land!

Der erste Landgang führt uns an sehr einfachen Indischen und Chinesischen Esslokalen und kleinen Läden vorbei. Im Zentrum liegt der grosse Gemüsemarkt. Die Düfte der Indischen Gewürze bringen den Magen zum knurren. Auffallend sind die vielen Secondhand Kleidergeschäfte. Alles Klamotten aus Hilfslieferungen von Australien. Neue Kleider kann sich offenbar hier niemand leisten. Fiji ist das meist Mulitkulturelle Land in der Südsee heisst es im Reiseführer. Hier leben nebst den Melanesierviele Inder, Chinesen und Europäer und weitere Nationen.
Savusavu gefällt uns sehr gut!
Am Abend treffen wir Freunde in der Bar der Copra Shed Marina. Sie hatten weniger Glück beim Einklarieren: Die beiden Ladies nahmen ihren Job sehr ernst. Öffneten Schränke und entdeckten dabei Schnaps und Wein. Der Schnaps war ihnen egal da die Flaschen noch zu sind. Aber für den Wein, der ja auch noch verkorkt war, kassierten sie 100% Alkoholsteuer! Der Wert wurde ausgehandelt. Doch weniger als 4 US Dollar pro Flasche konnte nicht runter gehandelt werden. Da kann sich schon eine Summe zusammenläppern…
Am Wochenende stand ein Besuch im lokalen Tanzschuppen an. Frauen bezahlen keinen Eintritt. Neben der Kasse, auf einem rostigen Oelfass, steht eine grosse Holzschüssel mit Kava, ein beruhigendes Getränk das aus den Wurzeln einer pfefferartigen Pflanze hergestellt wird. Alle durchlaufen nun das Sevusevu Ritual in Kurzform: Sich vor die Schüssel stellen, ein mal in die Hände klatschen, Kokosschale mit Kava ex austrinken und danach drei mal in die Hände klatschen. Das Kava-Kava ist um 11 Uhr bestimmt schon ein echter Bakteriencocktail, denn die Party hat bereits um sechs Uhr begonnen. Aline jedenfalls leidet die nächsten zwei Tage an heftigem Durchfall.
Drinnen ist es recht duster. Das Lokal ist etwa 40 Quadratmeter klein. Lauter Hip-Hop und Reggea dröhnt überlaut aus den Boxen. In einer Ecke ist eine gut vergitterte Bar eingerichtet. Das Publikum besteht zu 99 Prozent aus Männern. Einige von ihnen stürzen sich gleich auf uns Frauen und wollen tanzen. Nicht mal als unsere Partner uns eng umschlungen festhalten, hören sie auf. Echt mühsam. Sogar Thomi wird begrabscht. Dabei waren wir alle super gesittet gekleidet! Nach einer halben Stunde verlassen wir die Bude fluchtartig. Die verbliebenen Gäste veranstalten nun aus irgend einem Grund einen Boxkampf.
Wir dachten Kava hat eine beruhigende Wirkung………………….
 

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