May 11 2020

SETO NAIKAI oder Seto Inland Sea

Das Kllima ist mit dem im Mittelmeerraum vergleichbar. Doch über der bezaubernden bergigen Landschaft um den Seto Naikai, mit seinen tausenden Buchten und Inselchen, traditionellen Orten und Kulturstätten, hängt derzeit eine dunkelgraue fette Wolke. Für die Golden Week Feiertage, an denen jeder Japaner üblicherweise Urlaub macht, bittet die Regierung die Bevölkerung inständig, wegen Corona zu Hause zu bleiben. Sämtliche Touristenattraktionen sind eh seit Monaten geschlossen. Nun wird es aber auch für uns kompliziert. Auf die Feiertage haben die Gemeinden am Meer, die Seestationen geschlossen. Es handlet sich dabei um kostenpflichtige Bootsanlegestellen mit Toiletten und Duschen. Oft gehört auch noch eine Art Clubhaus dazu. Schade, gerade während dieser Woche haben wir gehofft, lokale Segler kennen zu lernen. Touristen sind nirgends mehr willkommen. Alle fürchten sich vor dem Virus. Drei mal täglich werden über die Tsunamiwarnlautsprecher Verhaltensregeln zu Covid19 durchgegeben. Wir fühlen uns echt fehl am Platz. Wir passen uns an. Tragen in der Öffentlichkeit Masken und halten Abstand. Einmal musste ich niessen, der Typ auf der anderen Strassenseite, rannte in vollem Garacho davon. Die Ansteckungszahlen bleiben im weltweitem Vergleich, trotz ähnlichem Modell wie in Schweden, eher niedrig. Ein Unterschied zu Schweden ist jedoch noch anzumerken: Alle tragen konsequent Maken und die Küsserei und das Pratzenschütteln gehören nicht zum Japanischen Begrüssungsritual.

Ankern ist in Japan nicht üblich. Schlechter Halt wegen Kelp, einer üppig wuchernden Wasserpflanze und weil die geschützten Buchten oft mit Aquakulturen belegt sind. Für die Japaner dient der Anker nur für Notsituationen. So fragen wir wie bis anhin, die Fischer ob wir irgendwo festmachen können. Diese Männer waren stets hilfsbereit und wiesen uns immer irgendwo einen Platz zu. Doch eine gewisse Distanz war dennoch zu vernehmen.
Statt Besuche in Touristenorten, Kurtrustätten, Museen und Bars, spazieren und wandern wir durch Wälder und in die Berge. Entlang von Reisfelder und betörend duftenden Ziftusfruchtplantagen. Besuchen schmucke kleine Dörfer mit liebevoll gepflegten Blumen- und Gemüsegärten und auch schräge schroddelige Städte und halb verlassene Käffer. Die Unterschiede sind frappant.

Ganze Obstplantagen liegen brach und die Früchte verrotten am Boden. Ein trauriges Bild, in anbetracht dessen, eines der wertvollsten Geschenke in Japan Früchte darstellen. Sie werden in den Geschäften, stets aufwändig verpackt, schon fast zum Preis von Goldvreneli verkauft. In den Fischerhäfen liegen Boote, deren Ende der Lebensdauer weit überschritten ist. Vermutlich weil der Besitzer keine Nachkommen hat, die ins Geschäft einsteigen wollen. Auffallend ist, dass fast keine Kinder auf den Strassen rumtoben. Statt Kinderwagen sind vor den Geschäften Rollatoren geparkt. Japans Bevoelkerung ist total überaltert und schrumpft. Die jungen Leute zieht es in die Ballungsgebiete der pulsierenden Grossstädte wo es gute Jobs gibt und das glamouröse Leben lockt. Die Entwicklung in der westlichen Welt, geht übrigens in die selbe Richtung.

Seto gehoert von den Windverhältnissen her nicht zu den Top Segeldestinationen. So kommt immer wieder mal der Dieselverbrater zum Einsatz. Total spannend sind zwischen den Inseln die Stömungsverhältnisse die beachtet werden müssen. Die Krönung ist der Naruto Strudel am südöstlichen Ausgang des Seto Naikai. Je nach Tidenhub strömen die Wassermassen bis zu neun Knoten unter dem gigantischen Bauwerk der Naruto Brücke hindurch. Bei Stillwasser herrscht hier reger Frachtschiffverkehr.
Bischen Strömung muss ja sein, damit es Spass macht. So zischt die Robusta mit 12 Knoten Speed unter der Brücke durch! (o.k das ist ja wohl fast ein wenig dick aufgetragen. Da war kein Wind gegen Strom, sonst wäre sowas nicht zu empfehlen!)

Und siehe da, im Pazifik weht auch schon wieder eine anständige Brise mit um die 25 Knoten.

 

 



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Posted May 11, 2020 by robusta in category "Japan

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