May 4 2021

von Homer nach Seldovia

Gerdy, Susias Hund, rennt aufgeregt dem Steg entlang. Es geht los! Das nach sieben Monaten Pause vom Segeln. Hoffentlich funktioniert alles. Vor allem das von Thomas neu umgebaute Lithium Batteriesystem. Die nächsten Wochen verbringen wir fern ab jeglicher Zivilisation. Ersatzteile bestellen ist unmöglich. Für Reisen in abgelegene Reviere, muss das Gefährt einwandfrei gewartet sein. In der Wildnis bist du auf dich selbst angewiesen. Auch Google fragen funktioniert ohne Internetempfang nicht. Besser geht nichts schief.

Susia und Brad begleiten uns mit ihrem hübschen Holzmotorboot. Sepp fährt mit uns mit. Doch in Seldovia finden wir einander nicht. Alle sind einfach losgebraust. Kein Handyempfang! Voll blöd. So latschen wir drei bei Regen das hübsche Dorf und die Umgebung ab. Sepp sucht nämlich immer noch ein Grundstück. Irgend wann finden wir die Bar. Dort hocken Susia und Brad bereits seit Stunden. Sie hätten uns mit dem Dhingi in den Hafen fahren sehen. Logisch sei doch, sich in der einzigen Bar zu treffen. Bis ans Lebensende gibts immer wieder was zu lernen. So bestellen wir eine richtig riesige Ami Pizza und teilen diese. Susia und Brat übernachten im Dorf bei Freunden, Sepp bei uns.

Morgens um zehn ist ausgiebiges Frühstück auf der Robusta geplant. Ich bin schon früh wach. Das Boot zerrt energisch am Anker. Fallwinde schäumen die Bucht auf. Sowas war nicht in den Prognosen. Doch hätten wir eigentlich erkennen müssen. Zischt im Golf von Alaska ein Tief durch, entstehen an der Nordseite vom Kachemak Gebirge Fallwinde.

Nass und wie ausgepeitscht dreinblickend, tuckern Sue und Brat mit ihrem Boot an. Panik kommt auf. Sie wollen sofort aufbrechen. Zurück nach Homer fahren, bevor noch alles schlimmer wird. Sepp muss,  falls er wieder zurück will, sofort umsteigen. In zwei Sekunden hat er gepackt. Konnten uns nicht mal zum Abschied umarmen, denn alle waren beschäftigt, damit die Boote nicht zu arg aneinander knallen.

Kurzer und schmerzloser Abschied. Nicht so ganz für die drei Homies. Denn sie wurden während der Überfahrt im offenen Boot, ganz schön gebeutelt. Die Wassertemperaturen liegen bei zwei Grad, Luft um die sieben. 

In Alaska ist Hypothermie (Unterkühlung) der grosse Feind der Seefahrer – doch die drei kennen nichts, erstaunlicherweise haben sie überlebt – auch ohne nur einen Bissen Frühstück im Magen!


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Posted May 4, 2021 by robusta in category "Alaska

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