January 2 2022

Abreojos, Bahia Santa Maria

Da mein Sohn Sascha wegen der ganzen Covid19 Situation und den in Europa all Hennenschiss wechselnden Regeln nicht nach Mexiko auf Besuch kommt, lassen wir uns viel Zeit um die am Pazifik gelegene Seite der Baja California zu entdecken. Dass bald eine mega Putzaktion ansteht, damit haben wir mitten im Winter nicht gerechnet!

Auf den ersten Blick scheint diese leblose Wüste nur aus Steinen, Staub und Sand zu bestehen. Der zweite Blick offenbart ein bezauberndes Geheimnis. Die kargen Stachelgestrüppe tragen winzig kleine Blüten. In schattigen Schluchten wächst sogar Grünzeug! Unzählige Vögel tummeln sich darin und zwitschern dabei ausgelassen. Berge, Sanddünen, zahlreiche Pflanzen und natürlich die berühmten Säulenkakteen, die in jedem Western-Film zu sehen sind. Sogar riesige Sanddünen und Mangroven durchziehen die Landschaft. Ein wahres Naturparadies!

Silvester würden wir gerne gemeinsam mit anderen Leuten feiern. So ankern wir in der offenen Bucht vor Abreojos, was so viel wie “öffne die Augen” bedeutet. Zahlreiche vorgelagerte Riffe und Untiefen, sowie starke Strömungen ums Kapp erfordern nebst den weit geöffneten Augen gute sorgfältige Planung bei der Anfahrt. Mit dem Dinghi am Strand in einem Paradies für Surfer anzulanden, sieht vom Schiff auch nicht gerade einfach aus. Mal sehen ob diese Brandung ohne Kentern überwindbar ist. So rudern wir an Land. Der Motor bleibt sicherheitshalber bei der Robusta. Was trocken bleiben soll, ist in einem wasserdichten Beutel verpackt. Immerhin blieb der Oberkörper bei der Strandung trocken. Das Dorf ist total gepflegt. Vor den kleinen Steinhäuser stehen unzählige Töpfe mit Zierpflanzen. An der Strandpromenade laden  lustige originelle Mülleimer geradezu ein sie zu benützen. Es sind schliesslich Schildkröten, Seelöwen, Wale die gefüttert werden müssen.

Mexiko  – kontroverser geht’s wohl kaum.

Die Menschen die wir bis jetzt kennen lernen durften, waren überall sehr nett. Laufen wir durchs Dorf, grüssen wir freundlich und sofort sind sie für einen Schwatz bereit. Spanisch sprechen ist jedoch die Voraussetzung. Ich bin Jose, mein Haus ist am Ende der Strasse. Falls ihr etwas braucht, kommt vorbei. Er und andere Fischer warnen uns später vor dem kommenden Unwetter. Wir seien sicherer auf offener See! Die Wellen in der Bucht werden sich bis weit draussen brechen. Gestern sahen wir es ebenfalls im Wetterbeicht. Doch heute sieht alles ganz und gar nicht mehr so übel aus. Aber wir nehmen den Hinweis ernst. 

35 Seemeilen südlich von der Küste entfernt, wird die See schwerer. Der Wind kommt nun direkt aus Süd wo wir hin wollen und hat schon deutlich an Stärke zugenommen. Zeit um das Schiff auf das kommende Unwetter vorzubereiten. Alle Luken schliessen, die Lüftungen mit Schwimmnudeln zustopfen Die passen wie angegossen in die Dorade Lüfter! Gutes System welches jedoch das Eindringen von Wasser nicht verhindern, wenn Wellen über das ganze Schiff krachen. Das Sturmfock ist gesetzt und ins Grosssegel ist das 3. Reff gebunden, der Klüver ist komplett eingerollt. So liegt die Robusta nun ziemlich stabil und einigermaßen ruhig in der See. Sie driftet dabei langsam gegen die Küste. So essen wir noch was leckeres bevor es wirklich wild wird. 

Thomas schiebt Wache, ich versuche etwas zu schlafen. Gegen Morgen wird es wesentlich ruhiger. Hole mir eine Banane aus der Achterkabine und lasse dabei das Steckschott offen. Der Wind hat schon fast wieder nach Nord gedreht und scheint schwächer zu werden. Beim Gedanken ans Ausreffen, werde ich unsanft von fliegenden Bücher bombardiert. Thomas widerfährt ein Schrei. Versuchen uns ins Cockpit zu kämpfen. Logisch passiert sowas wenn es total dunkel ist. Die Robusta liegt völlig auf der Seite. Reisse das Grossschot los, womit sich das Schiff wieder etwas aufrichtet, wobei sich jedoch  das ganze Wasser vom Cockpit nun in den Salon ergiesst. Bis es Thomas gelingt das Grosssegel zu bergen, steigen weitere Wellen ein. Ich lenze manuell das Wasser raus. Die Achterkabine ist auch gefüllt. 

Was war das denn jetzt???

Gegen Mittag kommt die Baha Magdalena in Sicht. Vier Yachten liegen dort vor Anker. Segeln bei leichtem Wind noch immer gerefft in die Bucht ein. Unter voller Besegelung hat der Holzmast beängstigende Knarrgeräusche von sich gegeben. Dave ist Pilot und erklärt uns das Wetterphänomen von letzter Nacht, welches er aus der Luftfahrt kennt. Das muss es gewesen sein. Denn mit dem Winddreher wurde alles erst ruhiger. Doch dann, von einer Sekunde zu nächsten, stürzte laut tosend massiv viel Regen vom Himmel und eine noch nie so stark erlebte Böe drückte den 14 Tonnen schweren Stahleimer auf die Seite bis das Grossegel mit dem Schothorn ins Wasser tauchte!

Was ist mit dem Mast?? Keine der Wanten ist gebrochen. Paar Rollen durch die die Reffleinen laufen sind zerstört. Alle Segel sind noch ganz. Da innen alles gut verstaut war und die Schapps gesichert waren, sind nur paar Bücher rumgeflogen. Doch die Matratzen im Salon sind nass, das Wasser ist auf der Backbordseite überall reingelaufen.  Am schlimmsten sieht die Achterkabine aus. Dort drin ist alles nass. Das frische Gemüse gleicht einem Komposthaufen. Der Laptop hat den Flug durch die Bude nur halbwegs überlebt. Der Bildschirm hat einen diagonalen Riss abbekommen. Nun leuchtet die obere Hälfte in schillernd blauen Wassertönen! So viel zur Erklärung weil so lange keine Blogeinträge kamen. 

Alle in der Bucht wissen bereits Bescheid. Sie hatten uns am Funk mit Kollegen reden gehört. Na ja – soviel zum Funkgeheimnis ….

Kaum ist das Ankermanöver erledigt, sausen bereits Nachbarn mit ihren Dinghis heran. Jemand bringt eine grosse Tüte voller Lebensmittel zum Trost! Am Abend sind wir zu einem Pot Luck Dinner auf einem riesigen Katamaran eingeladen. 


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Posted January 2, 2022 by robusta in category "Mexiko - Baja California

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