September 8 2019

Port Denarau, Segler-Community

Oft ist von der “Segler-Community” die Rede. Nun habe ich das Wort Community mal gegoogelt. Nun bin ich über den Wortgebrauch doch etwas irritiert.

“Gemeinschaft, Gruppe von Menschen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen, gemeinsame Interessen pflegen, sich gemeinsamen Wertvorstellungen verpflichtet fühlen”

Was wir jedoch gestern erlebt haben, hat uns zu denken gegeben. 

Sind mit unseren Freunden an Bord gerade in Port Denarau angekommen. Ankern vor der Hafeneinfahrt. Hier liegen so einige Yachten bei über zwanzig Knoten auflandigem Wind. Nun driftet plötzlich eine unbesetzte Yacht Richtung Land und rammt dabei eine andere. Thomas und Jonas hechten ins Dinghi. Claudi und ich brüllen um Hilfe. Zwei weitere Personen eilen zum Unglücksort. Mit dem Fernglas kann ich erkennen, dass die vier Helfer auf den heftig stampfenden Yachten am Ankergeschirr hantieren. Jetzt knallen die beiden Yachten immer wieder seitlich aneinander. Die Masten sind nun in grosser Gefahr. Ich setze per Funk einen Notruf ab. Niemand antwortet! Bei fast allen umliegenden Yachten ist ein Dinghi festgezurrt. Also muss jemand an Bord sein. 

Verzweifelt rufe ich den Katamaran, der gerade angekommen ist. Ein Mann antwortet. Er hätte aber leider gerade keine Zeit, weil er dringend zum Segelmacher müsse. Sein Dinghi lag bereits einsatzbereit im Wasser. 

Die gerammte Yacht kann mit Mühe wieder in tieferes Wasser in Sicherheit gebracht werden. Doch wer kümmert sich nun um die zweite Yacht?

Thomas und Jonas sind zurück. Sie berichten, dass sie den Motor der abgedrifteten Yacht nicht starten konnten. Da war kein Schlüssel. Nur so ein gebasteltes Metallteil steckte im Zündschloss. Dies ist zu allem Elend in dieser brenzligen Situation abgebrochen. Die Yacht sitze jetzt im Schlick fest. Glücklicherweise bei Ebbe. In ein paar Stunden schwimmt sie wieder.

Während dem Geschehen habe ich Fotos von den umliegenden Yachten gemacht. Zu meinem Entsetzen erkenne ich darauf Leute, die mit dem Fernglas das Geschehen untätig begaffen! 

Ist das Seemannschaft ? ? ? Ich bin geschockt. Entsetzt über das unsolidarische Verhalten der sogenannten Community. 

Tage später, zurück in Musket Cove, läuft eine Oyster Yacht unter Motor auf’s Riff. Wasser ablaufend. Jetzt muss alles schnell und doch überlegt angegangen werden. Innert kürzester Zeit eilen einige Segler mit ihren Beibooten herbei und helfen. Alles geht recht chaotisch zu und her. Niemand koordiniert. Der Skipper der Yacht stand verständlicherweise unter Schock. Ein Bulabootfahrer mit fettem Motor, schnappte sich das Fall (Leine die über die Mastspitze läuft um das Segel zu setzen). So wird die Yacht in Schräglage gezerrt, damit der Kiel wieder frei kommt. Das Fall hat sich bei der Übergabe im Geräteträger verfangen. Jemand legt eine Leine mit Anker vom Heck der Yacht um zu verhindern, dass das Ruder auch noch aufs Riff kommt. Die gespannte Leine birgt jedoch eine Gefahr für die Propeller. Mehrere Leute stossen gleichzeitig die Yacht mit ihren Dinghis vom Riff weg. Mit all den helfenden Händen kam die Yacht mit paar Kratzern wieder frei. Das nenne ich Solidarität!

Wieder zurück zur Seemannschaft, Solidarität und Community. Ich frage mich wie viele Segler das Funkgerät am Ankerplatz überhaupt eingeschaltet haben. Oft erlebe ich, dass es wie ein Telefon benutzt wird. Mal schnell auf Notkanal 16 den Nachbar für eine Verabredung zum Bier rufen….. Das ganze Gequatsche kann am Ankerplatz schon ganz schön nerven. Wir stellen darum auch oft ab wenn wir in Ruhe pennen wollen. Das darf doch eigentlich nicht sein?! 

Ja und wie es so oft im Leben spielt, begegnen wir später dem Mann aus der sogenannten Segler Community, der so dringend sein Segel zur Reparatur bringen musste. . . Früher oder später werde ich auch noch die Fernglas Gaffer antreffen. . .

wünsche allen  S A F E   S A I L I N G

 

 



Copyright 2019. All rights reserved.

Posted September 8, 2019 by robusta in category "Fidschi

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *