June 26 2015

Die Schere

Cool, endlich wieder unterwegs zu sein! Robusta ist nach Sturz vom Kran wieder einigermassen zusammengeflickt. Einige Kleinigkeiten müssen wir noch selber nachbessern. Die Geduld um dies von der Bahia Marina einzufordern, bis alles wieder tip top in Ordnung ist, wäre absolut sinnlos und wohl in zehn Jahren noch nicht zu erreichen gewesen. Ein Kampf gegen Windmühlen hat sich noch selten gelohnt. Einfach los und weg von hier. Den Bugspriet justieren wir später. An einem netteren Ort als Salvador. Zum Segeln passt es jetzt mal. Ein Schäkel mehr zwischen Furlex und Bugspriet, alle Stagen gespannt und ab die Post! Kleine Panne beim Grosssegel setzen. Ist am Grossbaum ausgefädelt. Sonst mit netten fünfzehn Knoten gegen den Wind kreuzen, was auch bedeutet gegen Strömung und Wellen zu stampfen. Daniel, ein absolut sportlicher Typ, Windsurflehrer und Gleitschirmflieger, kämpft gegen das Ungeheuer Seekrankheit. Mist. Hätten wir niemals gedacht, dass es ausgerechnet ihn trifft. Es kann offensichtlich alle treffen. Auch die grössten Seebären. Niemand kann etwas dafür. Es ist wie es ist. Sich in die Koje legen und dabei die Augen schliessen hilf. Ich fordere die Patienten auf sich hinzulegen und sich dabei zu entspannen. Nur schon um mal rein psychologisch die Erfahrung zu machen, dass sie der Situation nicht total ausgeliefert sind, wirkt beruhigend. Seekrankheit kann einem schon zum Wahnsinn treiben. So die Erzählung einer Freundin von einem Karibiktörn: Ein Crewmitglied ist fast durchgedreht, weil er die Seekrankheit nicht mehr aushielt. Wollte nur noch über Bord springen um dem ganzen Elend ein Ende zu bereiten. Mit kleiner Crew kann so eine Situation dann schon krass werden. Wenn es schon drei kräftige Kerle braucht, um das Vorhaben über Bord zu springen zu verhindern. Die Lösung in diesem betreffenden Fall war, den Herren in Fahrtrichtung blickend, an den Mast zu fesseln, bis er hoch und heilig versprach, keinen Terror mehr zu machen. Oje wie brutal! Übrigens, sowas haben wir noch nie getan.


Wir wollen möglichst weit nach Süden kommen. Doch früher als vorhergesagt, setzt die Flaute ein. Wir dümpeln einen ganzen Tag rum, baden und Daniel, jetzt wieder fit und offensichtlich hungrig, aktiviert hoch motiviert die Angelrute. Irgendwann nervt das Geschaukel. Wir entscheiden nach einem hin und her Gezanke den Motor doch anzuschmeissen. Batterien müssen eh geladen werden. Ohne Sonne und  Wind liefern die Salarpanelen und der Windgenerator kein Strom.
Doch da regt sich aber nichts! Nicht mal ein Zizizizi… Einfach gar nichts. Mein Magen zieht sich zusammen. Nein, nicht schon wieder was futsch! Ich krieg erst mal eine mittelmässige Krise. Thomi und Daniel starren in den Motorraum und blättern im Motorhandbuch. Die Kiste muss kurzgeschlossen werden. Mit einem Schraubenzieher sagt das Handbuch. Doch das geht so nicht. Da ist eine Stange im Weg um die beiden Stutzen  zu überbrücken. Was nun? Bis nach Rio de Janeiro liegen die meisten Orte an einem Flusslauf mit unmarkierten Sandbänken und Riffs. Nicht auszudenken so eine Einfahrt ohne Motor zu bewältigen. Weit und breit kein Schiff das angefunkt werden könnte.
In der Küche finden wir das optimale Werkzeug um den Motor kurzzuschliessen:
Eine Schere!
Die GRIB Files künden auf‘s Wochenende über 25 Knoten Südwind an. Genau von da wo wir hin wollen. Im Reiseführer forschen wir nach Orten um abzuwettern. Porto Seguro erreichen wir wohl kaum mehr. Mit Entsetzen stellen wir fest, dass wir vergessen haben die Gezeiten im Internet rauszusuchen. Auf hoher See gibt’s kein Google der helfen könnte. Wie doof! Ilheus ist der einzige Ort, der unabhängig vom Wasserstand angelaufen werden kann. Dort sind wir vor ungefähr 24 Stunden daran vorbeigesegelt.
Also drehen wir um und steuern Ilheus an.
Daniel will die Angelrute versorgen. Doch die Kurbel geht so streng. Alles verhockt oder was ist da los?
Nein ein Thunfisch hängt dran!


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Posted June 26, 2015 by robusta in category "Brasilien

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