May 22

Stress-Käfer

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Cool, so hoffen wir doch auf sonnige Tage, damit die Stromversorgung mit den Solarpanelen aufrechterhalten werden kann. Wäre schon blöd wenn der Motor nicht mehr anspringt. Auf kaltes Bier verzichten wir schon seit längerem. Den Kühlschrank zu betreiben ist für die altersschwachen, acht Jahre alten Batterien schlicht zu viel. So reist nun unser Fleisch ein Weilchen im Kühlschrank der Sy Kama durch’s Atoll.

Der Crew von der Kyory und Kama danken wir echt, dass sie uns immer mit ihrem Dinghi mitnehmen und wir nicht dauernd paddeln müssen!

Im Südpass ist nun auch noch die Segelyacht Maya eingetroffen. Wieder mal Schwiizerdütsch zu quasseln ist echt cool!

Ihr Dingi ist durchlöchert! Im Dunkeln sind sie pflichtbewusst mit Licht durch die Lagune getuckert. Dabei sind einige Hornhechte, durch das Licht angezogen, ins Dinghi gehopst und haben mit ihren spitzen Zähnen Löcher reingebohrt! Unglaublich.

Fazit: Wir haben ein dichtes Dinghi und sie einen funktionierenden Motor.

Erst reagiere ich auf Herberts Vorschlag, das Dinghi und den Motor zu teilen, genervt.

Haben eben gerade irgendwelche Käfer im Mehl entdeckt! Sorry, waren gerade dabei, das Ausmass der Katastrophe zu eruieren.

Das Weissmehl, welches in Ua Pou angeschafft wurde, war voller kleiner schwarzer Käfer. Drei weitere Packungen aus Chile waren auch bereits kontaminiert. Im leckeren Kunstmann Mehl krabbelt es auch schon…. Das wären zehn Kilo versautes Mehl! Die Fische freuen sich über die ersten zwei Kilo. Verdammt das ist Mist! Ich fülle die lebendigen sieben Kilo Mehl in PET-Flaschen. Backe einen leckeren Kuchen und ein Kilo Brot. Die Krabbeltierchen lese ich so gut es geht heraus.

Das bisschen Eiweiss kann nicht schaden!

Wer kommt zum Kaffee und Kuchen? Die mutigen sind herzlich eingeladen!

May 20

Ersatzteile

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Nach weiteren Schnorchelaktionen, segelt die Robusta in den Norden des Atolls, nach Rotoava. Dort soll es einen Yacht-Service geben. Der Aussenborder ist ja noch immer defekt! Die Lieferung der Antriebswelle dauert vier bis sechs Wochen!

Beim Yacht-Service wurde uns nach anfänglichen Schwierigkeiten kompetent geholfen. Wir wurden erst mal angemeckert, für das Durcheinander mit den Nachfragen bei Suzuki. Logisch wende ich mich an verschiedene Stellen wenn ich ein Ersatzteil brauche! Kann ich doch nicht wissen, dass sich alle nach Tahiti immer an den selben Suzuki-Heini wenden.

Jochen kann die Welle und noch anderen Kleinkram zum halben Preis direkt in den USA bei Suzuki bestellen. Er bezahlt die Rechnung über sein Konto und wir geben ihm den Betrag in Bargeld. Die Lieferung soll in eins bis zwei Wochen in Fakarava eintreffen.

Wir werden’s sehen.

Verbraucherbatterien mussten auch gleich zwei Stück aus Tahiti bestellt werden. Die kommen mit dem nächsten Versorgungsschiff. Bis alles eingetroffen ist, beleibt noch Zeit. So segeln wir zusammen mit den Schweizern von der Segelyacht Kyory und mit Andreas von der Kama nochmals zum Südpass zum Fische gucken. Mouss ist unter Zeitdruck. Sie ziehen nach Tahiti weiter um ihren Besuch rechtzeitig zum Flughafen zu bringen. Mouss treffen wir später wieder! Wohl in Tahiti, denn auch sie müssen Wartungsarbeiten vornehmen.

May 8

Tuamotus – Fakarava – Südpass

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Gab es Verletzte?

Wie viele Menschen wurden schon aufgefressen?

Ist ja unglaublich!

Und das kann ich dir glauben?

Hollywood hat die Burschen seit Jahren als böse, gefrässige Monster dargestellt. Filme wie OPEN WATER, DEEP BLUE SEA und JAWS, die wohl bekanntesten Filme, haben mich und viele Menschen sichtlich geprägt.

Wie ist das bei dir? Würdest du im Meer baden gehen, wenn die berühmte Dreiecksflosse das Wasser durchschneidet?

Ist die Angst vor den bösen, gefrässigen Monster gerechtfertigt wenn gewisse Regeln eingehalten werden?

Forscher sind da eindeutig anderer Meinung: Haie sind keine Menschenfresser. Sie sind für die Weltmeere von elementarer Bedeutung. Wo Haie verschwinden, gerät das marine Ökosystem aus dem Gleichgewicht. Haie stehen zu oberst der Nahrungskette, kontrollieren den Fischbestand und eliminieren vor allem kranke Fische.

Den Haien wurden in Französisch Polynesien, wie auch in Asien, für die traditionelle Delikatesse Haifischflossensuppe, die Finnen abgetrennt. Die verletzten Tiere wurden nicht verwertet, sondern wieder ins Wasser geschmissen, wo sie an den Grund sinken um dort qualvoll zu verenden. Nach Eingang von 40 tausend Unterschriften, beschloss der Ministerrat von Französisch Polynesien  im Jahr 2006,  das Abschlachten von Haien zu verbieten.

Im Südpass vom Atoll von Fakarava soll es eine unglaubliche Vielfalt tropischer Fische geben. Dazu kommen um die 700 graue Riffhaie und Schwarzspitzen-Riffhaie, die sich dort gerne in der Strömung aufhalten. Taucher aus der ganzen Welt reisen an, um dieses Spektakel zu bewundern. Zur Zeit ist allerdings nur ein einziger Tourist in der Pension. Am Flughafen in Tahiti wird gestreikt.

Die Polynesierin Liaisa erklärt mir, es gebe viel zu viele Haie.  Ein Hai fresse vier Fische pro Tag. Jetzt rechne mal aus, wie viele das auf eine Population von tausend Haien sind. Da bleibt ja kein Fisch mehr für die Bevölkerung übrig! Wenn ein Hai am Strand vor ihrem Haus auftaucht, killt sie diesen. Nein sie esse ihn nicht. Sie habe Angst um ihre kleinen Enkel. Aber sie verbuddelt ihn im Garten, sozusagen als Düngemittel .

Die Franzosen hätten so vieles verändert. Hunde dürften sie auch nicht mehr verspeisen. Jetzt hat es so viele streunende kranke Hunde in den Atollen. Liaisa und ihr Mann haben eine Hündin mit vier Welpen. Sind die Welpen grösser, werden sie und die Hündin geschlachtet und in ein leckeres Ragout verwandelt. Sie sei böse, habe schon nach Gästen geschnappt.

Was die Französische Regierung verordnet, schert die beiden nicht. Sie tun was sie für klug halten und was sie von ihren Vorfahren gelernt haben.

ADVISORY: folgender Text ist nicht für Eltern und Verwandte geeignet.

Unsere Freunde von der Segelyacht Mouss sind nun auch in Fakarava beim Südpass eingetroffen.

Bei Stillwasser brausen wir gemeinsam mit dem Dinghi aus dem Pass, bis kurz bevor sich die Wellen am Riff brechen. Alle spucken wir in die Taucherbrille damit sie nicht anläuft und so die Sicht frei bleibt. Mit Flossen an den Füssen stürzen wir uns in die dreissig Grad warme Badewanne. Toll! Gelbe, gestreifte, gepunkte, ja alle Variationen von Fischen. Als Einzelgänger oder in ganzen Schwärmen schwimmen sie zwischen den Korallen. Die Sicht ist recht klar. Ich bin hin und weg von der Unterwasserwelt der Südsee. Das ist wie Fernsehschauen. Langsam schnorcheln wir erst dicht beieinander mit doch noch etwas flauem Gefühl in der Magengegend der Riffkante entlang. Das Dinghi zieht Manon an einer Leine hinterher. Alle vier Sekunden gucke ich nach allen Seiten um sicher zu sein, dass sich kein Hai von hinten anschleicht.

Aus der Ferne kommt einer direkt auf uns zu. Ich beisse beinahe den Schnorchel ab. Beruhige mich aber augenblicklich wieder. Will die Biester ja nicht irritieren. Mit eleganten gemächlichen Bewegungen gleitet der etwa anderthalb Meter lange Grauhai an uns vorbei. Weitere folgen, auch einige Schwarzspitzen-Riffhaie. Hammerhaie sind keine zu sehen. An fast jedem von ihnen hat sich ein blinder Passagier, ein Saugfisch am Bauch festgeheftet.

Nach drei Stunden, völlig durchgefroren aber absolut begeistert vom Schnorcheln, steigen wir aus dem Meer. Mit der Dämmerung beginnt die Jagdzeit der Haie. Dann wollen wir nicht mehr mit ihnen schwimmen. Morgen wird die Aktion jedenfalls wiederholt. Marc vom Tauchcenter verrät uns, dass die meisten Grauhaie im Pass anzutreffen sind, wenn die Strömung am stärksten ist, sprich drei Stunden nach Tiefwasser!

 

May 1

Tuamotus, Makemo

Endlich ist er da! Der Passat! Mit 15 Knoten bläst er stetig aus Ost. Doch in der ersten Nacht ziehen fünf Squalls mit heftigen Regenschauer und 30 Knoten Wind über die Robusta. Für Hartgesottene die in Argentinien und Chile gesegelt sind, ist das nichts tragisches. Wir reffen nicht einmal, sondern geniessen die Rauschefahrt. (Segelfläche verkleinern)

Nach 88 Stunden Amwindkurs erreichten wir das Atoll von Makemo. Im Pass können Strömungen bis zu acht Knoten auftreten. Die beste Zeit um ins Atoll zu gelangen, ist bei Stillwasser. Hoffentlich stimmen die Informationen und unsere Berechnungen. Haben die letzten Stunden die Robusta auch noch richtig getrieben. Unglaublich, aber wir sind genau zum richtigen Zeitpunkt angekommen! Sonst hätten wir sechs Stunden vor dem Pass warten müssen.

Wo ist die Mouss? Zwei Tage nach uns immer noch nicht angekommen? Dann kommt mir in den Sinn mal das Handy einzuschalten. Tatsächlich da ist eine Nachricht von ihnen. Sie seien in einem anderen Atoll gelandet. Wollten nicht so hart am Wind segeln. Wir treffen uns in Fakarava. Grüsse Mouss

Das bedeutet Robusta hat die Regatta gewonnen! Cool.

Endlich im Paradies! So wie du dir das aus einem Reiseprospekt vorstellen kannst. Türkis Wasser, weisse lange Sandstrände mit Palmen und bis jetzt hat mich auch noch kein einziger Moskito gestochen, denn sie mögen keinen Wind!

Der Dinghimotor hat schlapp gemacht. Das heisst der Motor läuft noch, aber der Propeller dreht sich nicht mehr. Weder rückwärts noch vorwärts.  Thomas trieb gegen das Riff. Blöderweise hatte er die Paddel nicht mitgenommen. Herbert von der Segelyacht Maya rettet ihn und das Dinghi. Im Cockpit wird der Suzuki zerlegt. Die Welle ist beim Impeller gebrochen. Wie ist denn sowas möglich? Da muss doch jemand im Dorf sein der diesen Stengel schweissen kann. Für drei Bier wird der Stengel am 1. Mai geschweisst. Doch das Resultat ist schlicht unbrauchbar. Das Bier hat der Mann aber trotzdem für seine Bemühungen bekommen. Er schenkt uns Kokosnüsse.

Müssen wir halt Paddeln..

 

 

 

April 27

Wo bleibt der Wind?

 

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Bei der ITCZ (Intertropische Konvergenz Zone) handelt es sich um ein Gebiet zwischen den nördlichen und den südlichen Passatwinden. Das Wetter ist dort unbeständig. Kurze teilweise heftige Gewitter mit Windböen entwickeln sich in der normalerweise nördlich des Äquators ligenden ITCZ.
Doch dieses Jahr ist alles anders. Laut verschiedenen Quellen haben wir ein La Niña Jahr, das meistens auf auf ein El Niño Jahr folgt. Auch La Niña verändert das Wetter: Die ITCZ befindet sich nun über den Marquesas, südlich des Äquators. Laut Aussagen der lokalen Bevölkerung ist diese Situation sehr ungewöhnlich. Es regnet täglich, zum Teil stark und anhaltend, mit Blitz und Donner. Die Flüsse schieben Geröll und Sedimente und hunderte Kokosnüsse und ganze Palmen in die Buchten, die danach braun gefärbt sind. Soviel zum schönen türkis Meer im Südseeparadies! Und wenn es nicht regnet, ist es heiss und schwül. Die Natur hingegen liebt dieses Wetter. Alles wuchert üppig grün. Jedoch vieles kultiviertes Gemüse ist im Schlamm ersoffen. Normalerweise beginnt die Regenzeit erst ende Mai.

Eine weitere Auswirkung sei eine verlängerte Zyklonsaison in der Südsee. Noch bis Ende April ist weiter westlich von uns mit Zyklonen oder tropischen Stürmen (Depressionen) zu rechnen. Uns raten gebietserfahrene Segler, bis ende April hier in den Marquesas zu bleiben und erst danach weiter in die Tuamotus weiter zu ziehen. Die aktuellen Wetterprognosen für dieses Gebiet sind nicht gerade angenehm: viel Wind aus Ost, mit sehr viel Niederschlag. Da bleiben wir doch noch ein bisschen hier, auch wenn wir mit diesem Klima kämpfen.

Thomas

April 25

Ua Pou

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Wo sind nun die 15 Knoten Wind??? Die Segel schlagen. Auf halbem Weg zu der Insel Ua Pou schaukelt die Robusta unkoordiniert in den Wellen. In drei Stunden wird es dunkel! Also wird wohl oder übel der Motor gestartet. Hinter dem Breakwater liegen einige Yachten. Ob sie schwojen oder einen Heckanker verwenden, ist in der Dunkelheit nicht zu erkennen. Also fällt der Anker wohl oder eher übel im Schwell und wir verbringen eine unangenehme rollige Nacht.

Beim ersten Licht wird die Robusta hinter die Hafenmole gequetscht, wo sie nun mit Heckanker ruhig liegt.

Für die 490 Seemeilen lange Überfahrt zu den Tuamotus brauchen wir nur noch Früchte. In den Läden werden sie nicht verkauft. Die Lebensmittel in den Geschäften bestehen hauptsächlich aus Dosenfutter. Alles ist super teuer. Dinge mit den roten Etiketten für den Grundbedarf sind vom Staat subventioniert. Doch etwas erstaunt bin ich über die fettig triefenden Chips mit der roten Etikette. Die zwei Sorten Gemüse sind im Kühlschrank gelagert, was bedeutet, dass sie in der warmen Segelyacht sofort verderben.

Ua Pou muss zum Wandern toll sein. Na ja, das ist uns ja in den Marquesas bis jetzt total verleidet. Die Moskitos lauern schon wieder hinter jedem Gebüsch. Lange leichte Hosen und Hemd und vom Repellente wie eine Speckschwarte glänzend, schleppe ich mich gemeinsam mit der Crew der Mouss zu fünft bei einer Affenhitze morgens den Berg hoch. So lange wir in Bewegung sind, geben die Moskitos Ruhe. Doch wer will schon ohne Pause wandern? Mein innerer Schweinehund ist fast nicht zu bezwingen. Ich schwitze in meinen langen Klamotten.

Zurück im Dorf führt der Weg an hübschen und liebevoll angelegten Gärten vorbei. Wir schnuppern an so manchen Blumen und kommen so mit einer Frau ins Gespräch. Wenig später lädt sie uns alle in ihrem Garten ein. Als sie erfährt, dass unsere Reise zu den Tuamotus geht, wo es ja nur noch Kokosnüsse geben soll, eilt sie ins Haus, holt Säcke raus und beginnt diese mit ihren Kindern mit Pampelmusen, Bananen, Mangos, Kokosnüssen, Ingwer, Zitronen und Paprika zu füllen. Die ganze Ladung bringt ihr Mann später mit dem Auto zum Steg!

Francoise schenkt ihnen zum Dank einen Stapel ausgedruckter Fotos.

Im Garten der Kirche dürfen wir Granatäpfel und Mangos pflücken. Der Pfarrer war nicht anwesend, aber eine Nachbarin gab grünes Licht für die Aktion. Sie verkündete noch, um fünf beginne die Messe. Wie meinte sie das? Dann kommt der heilige Priester und wir müssen verschwunden sein? Oder war das eine Einladung zur Messe?

Mouss und Robusta stampfen unter Segel mit Motorunterstützung aus dem Hafen in den enormen Schwell. Irgend etwas klackert im Motor! Also wird er sofort abgestellt. Zwei Stunden später, auf der Westseite von Ua Pou, im Schwell vor Anker liegend, kontrolliert nun Thomas den Propeller. Shit, der ist locker! Was für ein Mist wenn dieser abgefallen wäre! Die Sicherheitsmutter hat sich gelöst. Kevin hilft ihm diese rund anderthalb Meter unter Wasser liegende Mutter wieder anzuziehen.

So und nun sind die Mouss und Robusta für die Regatta zu den Tuamotus zum Atoll Makemo bereit.

Wer wird das Rennen gewinnen?

April 20

Hakaui (Nukuhiva)

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Endlich scheint Wind aufzukommen! Für die nächsten fünf Tage 10 bis 15 Knoten aus Ost. Der Passat meldet sich zurück.

Morgens um sechs Uhr sollen die Segel gesetzt werden. Es wird dann aber doch sieben. In Hakaui wollen wir das gute Quellwasser tanken. In den Atollen der Tuamotus wird es nur noch Wasser aus Zysternen in begrenzter Menge geben. Regenwasser sammeln wird da wohl auch eher seltener möglich.

Über der wunderschönen Bucht von Hakaui liegt jedoch sprichwörtlich eine fette dunkle Wolke. Einerseits ist da der Paul über den eine Menge übler Stories kursieren. So haben wir uns mal präventiv bei der Gendarmerie über die rechtliche Lage erkundigt. Der von oben bis unten mit Tattoos geschmückte langhaarige Beamte verrührt die Hände! Ohje, ja wir stellen gerade ein fettes Dossier über meinen Cousin zusammen. Viele Segler haben sich beschwert. Demnächst werden wir Paul einen Besuch abstatten. Doch der Weg über die Berge ist beschwerlich und ein Boot haben wir nicht. Dann war da noch so ein Vorfall. Vor sechs Jahren wurde der Mann eines Deutschen Seglerpaares  während der Ziegenjagd aufgefressen. So in etwa lauteten damals die Schlagzeilen in den Deutschen Zeitungen.

Nein, der Paul frisst keine Touristen. Seine Aufgabe ist es für eine Kooperative umgerechnet acht Euro von jedem der an Land geht einzukassieren.

In der Bucht ankern zur Zeit zwei Yachten. Hohe spitze kegelförmige grün überwucherte Berge ragen aus dem Meer. Zwei Sandstrände, Palmen und ein gigantischer Wasserfall. Ein echtes Paradies, wären da nicht die Moskitos und Nonos!

Beim ersten Schuppen, links am Ufer des kleinen Flusslaufes, landen wir an und finden tatsächlich einen Schlauch aus dem frisches kaltes Quellwasser sprudelt. Paul scheint nicht da zu sein. Am Strand sitzt ein Fischer. Den fragen wir ob wir Wasser haben können. So füllen wir die sechs Kanister und die erste Ladung wird zur Robusta gebracht. Ich will nicht alleine dort warten. Bei der vierten und letzten Fahrt taucht plötzlich Paul aus dem Nichts auf. Mir gefriert das Blut – seines scheint aber überhaupt noch nicht zu kochen. Er freut sich sichtlich über die Marquesische Begrüssung: “Kao’ha Nui“. Paul, der in Gummistiefel, langer Hose und dicker Jacke gekleidet ist, scheint Hitzeresistent zu sein. Heute ist er wohl mit dem rechten Fuss aus dem Nest geklettert. Er plaudert freundlich. Erzählt wie er hier lebt, dass er einige Jahre weg war und im Tourismus als Barkeeper gearbeitet habe. Als sein Opa gestorben ist, kehrte er in seine  Heimat zurück. Während er sein Erbe renovierte, habe er 50 Kilo abgenommen! Also muss Paul ein echter Schrank gewesen sein.

Im letzten Herbst hat die Kooperative beschlossen, für den Unterhalt und Pflege des Trampelpfades zum Wasserfall von den Touristen Geld einzukassieren. Der Eintritt ist ein Jahr gültig. Er bekomme von dem Geld nichts. Dies werde für die Anschaffung von Motorsägen, Benzin und deren Wartung aufgewendet. Er erzählt auch etwas traurig, dass er sich schon oft mit Touristen gestritten habe ohne genau auf die Details einzugehen. Sie hätten sich geweigert zu bezahlen.

Wir bekommen fünfzig Prozent Rabatt und Früchte aus seinem Garten.

April 15

Mantas

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Seit wir in Polynesien sind, wache ich oft sehr früh auf. Mal ganz was neues. Thomas entwickelt sich dagegen zum echten Langpenner! Es ist bereits hell, aber die Sonne ist noch nicht hinter den von Wolken behangenen üppig grünen Bergkämmen aufgetaucht. Was hat mich eigentlich aus dem Tiefschlaf gerissen? Da war doch ein Geräusch durch die Bordwand wahrzunehmen. Mein Blick schweift über das golden glitzernde nur leicht bewegte Wasser der Bucht. Etwa dreissig schwarze dreieckige Finnen durchschneiden die glatte Wasseroberfläche. Haie! Ich wecke sofort Thomas damit er ebenfalls an diesem Schauspiel teilnehmen kann. Nun sind sie direkt neben der Robusta. Das sind keine Haie. Es sind Mantas! Jetzt aber schnell Taucherbrille, Schnorchel und Flossen an. Ich lasse erst mal Thomas ins Wasser springen, um zu sehen ob er die Aktion überlebt.

Am Nachmittag brausen wir mit dem Dinghi weiter zu den Felsen raus, um in klarem Wasser nach den Mantas zu suchen. In der Bucht ist das Wasser vom Regen ganz braun. Doch sie scheinen eine Siesta zu halten. Liegen faul auf dem Grund und ruhen sich von der morgendlichen Jagd aus. Der Mensch steht nicht auf ihrem Speiseplan. Mantas sind die grössten Rochen und erreichen locker eine Spannweite von fünf Meter. Auch sind ihre Stachelschwänze nicht giftig.

Wir haben nochmals Glück. Kurz vor der Dämmerung tauchen sie direkt vor dem Dinghi auf. Also nochmals rein ins kühle Nass. Elegant mit gemächlichen Bewegungen tauchen sie wenige Zentimeter unter uns durch, strömen mit grossen offenen Mündern direkt auf die Taucherbrille zu um im letzten Moment sich auf den Rücken drehend, den weissen Bauch zeigend abzudrehen, was ehrlich gesagt anfangs schon etwas gfürchig war. Die ganzen Moskitostiche waren da im Nu vergessen!

Ich hätte Stunden mit ihnen schwimmen können, wären da nicht auch noch die ganzen Quallen im Wasser rumgetrieben.

 

March 24

Nuku-Hiva Taipivai

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Sie sind so unvorstellbar fleissig wie kein anderes Volk. Pausenlos an der Arbeit. Die Morgenschicht beginnt mit dem Sonnenaufgang wenn die Nachtschicht der anderen endet. Die blutrünstigen Biester nerven. Sie scheinen überall zu sein. In der Sonne, im Schatten, in den Häusern, am Strand. Nur auf der Robusta sind sie zum grossen Glück nicht! Eine tolle Wanderung von Taipivai zu einem Wasserfall, der tosend über mehrere hundert Meter stiebend eine Felswand herunterstürzt, lässt uns danach mehrere Tage leiden. Die Mücken haben sich an unserem Blut ergötzt! Trotz langer Hose, diese auch noch mit „Antibrumm forte“ eingesprüht (nur schon der Name ist doch ein Witz)?! Teure Produkte aus Europa gegen Moskitos mit dem Vermerk “Tropical forte” oder so ähnlich, kannst du gerade so gut ins Scheisshaus leeren. Hilft gar nix! Die restliche Körperoberfläche mit dem lokalen Produkt „MonoiTiki Tahiti Citronelle“ einbalsamiert, hat immerhin die Nonos (Sandfliegen) auf der oeligen Haut ersticken lassen. Die Moskitos liessen sich jedoch nicht im geringsten von ihren Attacken abhalten. Auf meinen Hintern haben sie es speziell abgesehen. Weiss nicht mehr wie sitzen.

Eine Krankenschwester erklärt uns, dass wir Neuankömmlinge besonders attraktiv für die Biester sind. Nach sechs Monaten Ernährung mit den lokal typischen Lebensmitteln, werden die Monster uns in Ruhe lassen. Bravo, das sind ja tolle Aussichten. Die Situation ist bestimmt auch noch verschärft da der Wind seit Wochen ausbleibt und es oft in Strömen regnet.

In der Bucht liegen zwei Yachten vor Anker. Es ist zu heiss um einander zu besuchen. So treffen wir uns alle in Simons kleinem Laden zu einem Bier. Dort sind wir einigermassen vor den Moskitos sicher. Mit Simons Familie verbringen wir etliche Stunden und erfahren von ihnen sehr viel über das Leben und Kultur der Menschenfresser.

Ein sehr empfehlenswertes Buch dazu: Abenteuer in der Südsee, Taipi von Hermann Melville. (Version mit 628 Seiten).

 

March 16

Marquesas – Tahuata

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Die Regenzeit hat viel früher als üblich begonnen. Dafür blüht schon alles! Die letzten Tage hat es in Atuona Unmengen geregnet. Luken zu! Es regnet! Dann entwickelt sich in der Robusta innert Kürze eine dampfende Hitze, die echt schweisstreibend sein kann und kaum auszuhalten ist. Nachts hechten wir mehrmals aus den Kojen, um alle Bullaugen und Luken zu schliessen. Irgendwie muss etwas gebastelt werden, damit diese auch bei ergiebigen Regenschauern offen bleiben können. Aus einem alten Segel wird eine Abdeckung über die Luken montiert, die gleichzeitig frische Luft in die Kabine führen soll. Die arme Nähmaschine freut sich gar nicht den dicken Stoff zu bearbeiten.

Endlich kommt wieder mal Wind auf! Die Hitze legt sich etwas und die Segel werden nach zwei Wochen Ruhepause wieder mal gesetzt. Robusta stampft im Kanal Bordelais mit rund zwei Knoten Strom und mit Wind aus Ost gegen West. Die Wellen im Kanal sind beachtlich, doch harmlos gegen das was wir im Südatlantik und Südpazifik angetroffen haben.
Nachmittags fällt der Anker in der Bucht nördlich von Hapatoni. Üppig grün bewachsene, steil abfallende Bergkämme umgeben die Bucht. Vogelgezwitscher statt Gockelgeschrei dringt in meine Ohren!
Die Kette lege ich vom Land weg. Doch das war falsch stellt sich bald heraus. Laut Reiseführer bläst der Wind in der Bucht immer zum Land. Hier soll es toll zum Schnorcheln sein. Doch das Wasser ist durch die ungewöhnlich heftigen Regenfälle nicht ganz so klar wie erwartet. Da kommt im besagten Südseeparadies doch etwas Enttäuschung auf. Von der Karibik kenne ich die Unterwasserwelt als sehr bunt und habe hier eine viel grössere Artenvielfalt erwartet.
Joshua der junge Kanadier paddelt vom Dorf kommend zur Robusta. Ihn haben wir in Atuona kennen gelernt. Er ist verletzt. Wollte einen Pulpo fangen. Doch er hat sich mit seinen acht Beinen an seinem Arm festgesaugt und sich auch noch mit beissen heftig gewehrt. Den Pulpo habe er im Dorf verschenkt. Die Lust ihn selber zu essen, ist ihm vergangen.
Im Dorf werde drei Tage gefeiert. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Dass es sich um einen religiösen Anlass handelt, wusste Joshua nicht.
Etwa eine Stunde gucken wir uns, die doch etwas sehr langweilige Kirchenzeremonie mit den schönen Gesängen an. Dann schleichen wir uns davon.
Am nächsten Tag frage ich eine typisch füllige ältere Polynesierin, wo ich Früchte sammeln dürfe. Thomas und ich sind beide froh, dass wir recht gut Französisch sprechen. Etwas eingerostet, aber durch fleissiges Bücherlesen kommt der Wortschatz schnell wieder in Erinnerung. Teliua führt uns zu ihrem Haus in dem sie aufgewachsen ist. Einige Jahre hat sie in Papeete gearbeitet. Doch das einfache Leben auf dem Land gefällt ihr wesentlich besser. Zu viel Hektik und Stress in der Stadt. Von ihr erfahren wir, dass die Leute im Dorf vom „Kopra“ und „Noni“ leben. Kopra sind getrocknete Kokosstücke die für die Herstellung von Oel und auch zur Produktion von Kosmetikprodukten verarbeitet wird. Aus Noni wird ein gesundheitsfördernder Trunk hergestellt. In Europa darf dieser Fruchtsaft allerdings nicht als solches angepriesen werden.
Im Nachbarhaus spielen einige Frauen und Kinder Bingo.  Weitere Frauen aus der Nachbarschaft gesellen sich zu uns auf die grosse schattige Terrasse.  Teliua verschwindet ins Haus. Kurz darauf erscheint sie mit zwei kitschig bunten Plastikteller, gefüllt mit verschieden zubereiteten rohen Fischstücken und gebratener Banane.

Probiert! Polynesische Spezialitäten.

Die Geschmäcker sind total fremd – doch unglaublich lecker!

Etwas später und etwa zwei Kilo moppeliger, klettert Thomas nun gut genährt auf Teliuas Avocado Baum. Bananen klaut sie in Nachbars Garten und stopft diese verschmitzt lächelnd in meinem Rucksack.

Beim Verlassen der Terasse, stolpern wir über eine beachtliche Ansammlung von Plastiksandalen und FlipFlops. So peinlich, wir haben unsere Schlappen nicht ausgezogen wie es offensichtlich hier üblich ist!

Am folgenden Tag bringen wir Teliua zum Dank einen  Kuchen, selber gebackenen – mit den geklauten Bananen.