September 20

Ankunft in Fiji, Savusavu

Die Überfahrt von Tonga nach Fiji dauerte fünf Tage. Schönes Segeln mit nur einem Tag Flaute. Wir  schlafen und lesen viel, durchforsten Reiseführer und Segelbücher.  Schade war halt schon, dass wir an all den schönen Inseln der Lau Group vorbei segeln mussten. Ohne Crusing Permit irgendwo zu ankern wird von Fiji Kennern abgeraten. Ein Port of Entry muss also zwingend angelaufen werden um den Crusing Permit zu beantragen. Hier wird der ganze Behördenkram sehr ernst genommen. Mal sehen.

Am dritten Tag der Überfahrt machen wir den absoluten Rekordfang: Der Fisch kämpft wie ein Wahnsinniger an der Leine. Schwimmt im vollem Tempo nach links um gleich darauf wieder in die andere Richtung zu sausen. Plötzlich schwimmt er sogar an der Backbordseite. Hoffentlich verdüddelt sich nun die Angelleine nicht in der Windsteueranlage. Hoffentlich hält die Leine das ganze Gezerre aus! Der Fisch scheint riesig zu sein. Thomas schafft es ihn ins Süll zu hieven.  Dort zappelt er mit seinem ganzen Körper und klopft mit der Schwanzflosse heftig auf den Stahl. Ich reiche Thomas das Messer, damit er ihn mit einem Kiemenschnitt killen kann. Nicht einfach da der Fisch nicht stillhalten will. Grauenhaft, nun spritzt das Blut in alle Richtungen. In solchen Momenten schwöre ich, dass ich ab morgen nur noch vegetarisch essen werde. Es ist ein Mahi Mahi! Thomas sieht aus, als komme er direkt vom Schlachtfeld. Nachdem der Mahi Mahi zerlegt ist, müssen wir beide erstmal ein Bad nehmen. Aber erst wenn das ganze Blut vom Deck gespült ist und die Robusta etwas weiter gesegelt ist. Wollen ja keine Haie, die zufällig nach uns schnappen weil wir gerade die Mahi Mahi Resten ins Meer geschmissen haben.

Savusavu laufen wir gegen Mittag mit der gelben Quarantäneflagge gehisst an. Über Funk melde ich bei der  Marina Copra Shed, das wir einklarieren wollen. Sie werden uns benachrichtigen, wenn die Beamten da sind. Jemand muss sie abholen. Die haben kein Boot!

Das Dinghi ist seit längerem immer wieder mal Patient.  Luft entweicht immer noch trotz der professionellen Reparatur in Nuku Hiva in den Marquesas. Die ganze Reparatur ist natürlich zwecklos, wenn ein Loch nicht geflickt wird weil es schwer zugänglich ist…. Seit geraumer Zeit dringt auch noch Wasser durch den Boden ein.  Nun, ausgerechnet wo Thomas die Beamten abholen muss, ist es ganz schlimm geworden. Innert Kürze stehen zwanzig Zentimeter Wasser im Dinghi! Der Motor bockt auch. Trotz neuem Impeller zirkuliert das Kühlwasser nicht zufriedenstellend. Erst holt Thomas die Beamten von der Health Inspection ab. Sie tragen’s mit Fassung, dass sie mit einer fahrenden Badewanne transportiert werden.

Über Coca Cola und die Pop-Corn mit Curry freuen sich die beiden Indisch stämmigen Beamten sehr.

Alle Papiere füllen sie selber aus. Angaben zum Gesundheitszustand, Menge an frischem Gemüse, Milchprodukte, Fisch und Fleisch oder Tiefkühlprodukte werden im Formular aufgelistet.  Dürfen aber alles behalten. Hatten auch nicht mehr viel. Nur noch etwas gefrorenen Fisch. Den haben wir aber nicht deklariert und die Kräuterpflanzen habe ich versteckt. Der Kefir hat auch in der Bilge warten müssen. Nach einer Stunde ist die Prozedur überstanden. Wo bleiben nun die anderen Beamten? Kurz vor fünf kündigt die Copra-Shed über Funk an, dass sie nun abgeholt werden könnten. Wenn die nun Überzeit verrechnen wehren wir uns aber.

Zehn Minuten später ist Thomas mit der noch halbwegs schwimmenden Badewanne, nun mit zwei Beamtinnen beladen, wieder bei der Robusta. Socken und Schuhe mussten sie am Steg deponieren und die Uniform ist bis zu den Knien hochgerollt. Da sie wegen dem schlappen Dinghi grosse Mühe hatten an Board zu klettern, zog ich von oben am Hemdkragen und Thomas hat von unten  geschoben…. „Sorry we are to big“ entschuldigt sich die eine. Beide hocken nun Tränen lachend im Cockpit. Ist uns überhaupt nicht recht. Ich reiche ihnen ein Badetuch, damit sie ihre Füsse trocken können. Nun biete ich Kekse und Coca Cola an. “Nein danke” ist nur eine Höflichkeitsfloskel die ich gleich mal ignoriere um nach ihrem Verständnis freundlich zu sein. Schenke Cola ein und stelle die Kekse vor ihnen auf den Tisch. Als sie sich nun von der Lachattacke erholt haben, gehen sie zum ernsten Teil über und füllen die Papiere ebenfalls für uns aus. Sehr nett. Doch  sie haben ein Formular vergessen mitzubringen. Somit muss ich am nächsten Tag Customs nochmals aufsuchen, um den Rest auszufüllen und ebenfalls um sämtliche Gebühren zu bezahlen. Health, Biosecurity und Customs. War gar nicht einfach, diese Stellen zu finden. Ich war sicher einen Nachmittag lang in der kleinen Stadt rumgelaufen. Waren insgesamt über 200 US$.

So und nun dauert es ein bis drei Arbeitstage bis der Crusing permit ausgestellt ist und wir dürfen an Land!

Der erste Landgang führt uns an sehr einfachen Indischen und Chinesischen Esslokalen und kleinen Läden vorbei. Im Zentrum liegt der grosse Gemüsemarkt. Die Düfte der Indischen Gewürze bringen den Magen zum knurren. Auffallend sind die vielen Secondhand Kleidergeschäfte. Alles Klamotten aus Hilfslieferungen von Australien. Neue Kleider kann sich offenbar hier niemand leisten. Fiji ist das meist Mulitkulturelle Land in der Südsee heisst es im Reiseführer. Hier leben nebst den Melanesierviele Inder, Chinesen und Europäer und weitere Nationen.

Savusavu gefällt uns sehr gut!

Am Abend treffen wir Freunde in der Bar der Copra Shed Marina. Sie hatten weniger Glück beim Einklarieren: Die beiden Ladies nahmen ihren Job sehr ernst. Öffneten Schränke und entdeckten dabei Schnaps und Wein. Der Schnaps war ihnen egal da die Flaschen noch zu sind. Aber für den Wein, der ja auch noch verkorkt war, kassierten sie 100% Alkoholsteuer! Der Wert wurde ausgehandelt. Doch weniger als 4 US Dollar pro Flasche konnte nicht runter gehandelt werden. Da kann sich schon eine Summe zusammenläppern…

Am Wochenende stand ein Besuch im lokalen Tanzschuppen an. Frauen bezahlen keinen Eintritt. Neben der Kasse, auf einem rostigen Oelfass, steht eine grosse Holzschüssel mit Kava, ein beruhigendes Getränk das aus den Wurzeln einer pfefferartigen Pflanze hergestellt wird. Alle durchlaufen nun das Sevusevu Ritual in Kurzform: Sich vor die Schüssel stellen, ein mal in die Hände klatschen, Kokosschale mit Kava ex austrinken und danach drei mal in die Hände klatschen. Das Kava-Kava ist um 11 Uhr bestimmt schon ein echter Bakteriencocktail, denn die Partie hat bereits um sechs Uhr begonnen. Aline jedenfalls leidet die nächsten zwei Tage an heftigem Durchfall.

Drinnen ist es recht duster. Das Lokal ist etwa 40 Quadratmeter klein. Lauter Hip-Hop dröhnt aus den Boxen. In einer Ecke ist eine Bar gut vergittert eingerichtet. Das Publikum besteht zu 99 Prozent aus Männern. Einige von ihnen stürzen sich gleich auf uns Frauen und wollen tanzen. Nicht mal als unsere Partner uns eng umschlungen festhalten, hören sie auf. Echt mühsam. Sogar Thomi wird begrabscht. Dabei waren wir alle super gesittet gekleidet! Nach einer halben Stunde verlassen wir die Bude fluchtartig. Die verbliebenen Gäste veranstalten nun aus irgend einem Grund einen Boxkampf.

Wir dachten Kava hat eine beruhigende Wirkung………………….

 

Category: Fidschi
September 10

Spannendes aus Tonga

Während unseren zahlreichen Erkundungstouren durch die Natur und kleine Siedlungen, erfahren wir in Gesprächen mit den sehr offenen Menschen so einiges Spannendes und auch Dinge die uns fremd sind und uns irriteren.

Bevor wir die kleine Siedlung erreichen, schlinge ich ein Tuch um meine Hüften das bis über meine Knie reicht. Frauen mit kurzen Hosen und ohne bedeckte Schultern, das geht gar nicht. Am Landesteg sitzen einige Frauen mit ihren kleinen Kindern. Wir begrüssen sie und fragen ob es in Ordnung ist, in ihrer Siedlung zu spazieren. Aber erst mal setzen wir uns auch auf die Hafenmauer und plaudern mit ihnen. Fahinas T-Shirt trägt die Aufschrift “Domestic violence is a crime” (häusliche Gewalt ist ein Verbrechen). Meine Fragen über ihre Lebensweise hier im Dorf, beantwortet sie kurz und prägnant folgender massen:

“wir leben hier noch immer wie vor hundert Jahren, mit dem Unterschied, dass die meisten Häuser eine Toilette mit Spülung haben”.

Na ja, diese Aussage scheint mir nun doch etwas übertrieben. Vor hundert Jahren gab es hier jedenfalls noch keine Autos oder Landmaschinen und auch keinen Strom und schon gar kein Internet.

Das Gesprächsthema  landet schnell mal beim Glauben. Ob wir eine Bibel an Board haben und welches denn unser Lieblingsparagraph ist? Oder wie werden die Dinger in der Bibel schon wieder genannt? Können wir als Atheisten natürlich überhaupt nicht beantworten. Nun sind die Frauen sichtlich irritiert. Sie besuchen die Kirche jeden Morgen um 5 Uhr! Mit etwas würgen, schaffe ich es das Gespräch aufs Thema Kochen umzuschwenken.

Religion scheint in ihrem Leben einen enorm hohen Stellenwert einzunehmen. In jeder kleinen Siedlung sind  immer mehrere Kirchengemeinden vertreten. Die schnellst wachsende Kirche der 16 offiziellen Religionen in Tonga sind die Mormonen. Gefolgt von der  Free Wesleyan Church, Katholiken und Free Church of Tonga. Die Kirche hat hier auch grossen Einfluss auf die Politik. Die Mormonen sammeln von ihren Jüngern Unmengen an Geld, welches in Kirchenbau und gut ausgerüstete Schulen investiert wird. So mancher Bürger hat auch schon einen Kredit aufgenommen um mit wohlhabenden Spendern mithalten zu können. Viele Familien treten der Mormonen bei, bevor ihre Kinder das Schulalter erreichen. Dabei hat Tonga ein sehr gutes kostenloses Bildungssystem, das sogar Studien im Ausland mit Stipendien unterstützt.

Von der jungen Rachel kaufen wir Gemüse. Sie wird demnächst nach Kalifornien reisen. Die Mormonenkirche finanziert die Reise und den Aufenthalt von 18 Monaten, den sich die Familie sonst niemals leisten könnte. Sie wird dort in einem Mormonenzentrum leben. Was Rachels Aufgabe im Ausland sein wird, ist genau das was ich an so manchen Sonntagen in der Schweiz erlebt habe: Gerade mal knapp nach Sonnenaufgang polterte es an meiner Wohnungstür. Ich träume wohl. Aber nein! Ich bin so blöd und öffnete im Halbschlaf die Tür da mein Hund nicht aufhört zu kläffen. In Anzug und Kostüm, schwarz-weiss gekleidet, wollen zwei junge Leute mir das Buch Mormon persönlich näher bringen. Ich bekunde mehr oder weniger freundlich mein Desinteresse. Nächsten Sonntag wieder der selbe Terror und die nächsten Sonntage auch. Nicht mal die Drohung mit der Polizei hat geholfen. Erst als Bello vor der Haustüre pennt, kehrt die sonntägliche Ruhe wieder ein.

Ist ja schon krass was die Missionare aus Europa und den USA in der Südsee und in manchen anderen Länder der Welt bewirkt haben.

Was ich noch so alles im Netz und aus den Reiseführern über Tonga gefunden habe ist wirklich spannend. Dazu eine kurze Zusammenfassung was mich beeindruckt hat:

Die Männer stehen über den Frauen. Doch in der Familie sind Schwestern angesehener als Brüder. Den grössten Respekt gehört den alten Menschen. Der jüngste Sohn hilft in der Landwirtschaft mit. Das Land auf dem die Menschen Leben und bewirtschaften, gehört entweder der Königsfamilie oder dem Staat. Der Königsfamilie wird als Gegenleistung bei Beerdigungen oder Hochzeiten Gemüse geschenkt. Diejenigen die auf Staatsboden leben, bezahlen Steuern. Land kann in Tonga nicht verkauft werden. Nur verschenken ist möglich. Dafür wird aber ein Gegengeschenk erwartet, das auch in Form von Geld entrichtet werden kann. In Tonga wird fast alles geteilt. Vor allem die Ernte.”Mein und Dein” scheint hier nicht zu existieren. Wer etwas braucht leiht es sich. Wenn es wieder gebraucht wird, muss es halt wieder zurück geliehen werden.

Immerhin haben die Missionaren den Kanibalismus abgeschafft. Vor rund 100 Jahren landete der letzte Eindringling Tongas in einem „Umu“ (Traditionelles Gericht das im Erdofen zubereitet wird). Kannibalismus wurde nicht um den Proteinmangel auszugleichen betrieben. Vielmehr galt diese Tradition als Machtdemonstration gegenüber Angreifer und Feinde.

Tonga ist ein spannendes Land. Gerne würden wir hier mehr Zeit verbringen und die Kultur näher kennen lernen. Doch die Zeit drängt und wir müssen weiter ziehen.

Category: Tonga
September 5

Ha’apai Group und die Buckelwale

Nach der Entwicklung vom “Whalecatching” über “Whalewatching” kommt wohl nun die endgültige Steigerung: “Swimming with the whales”. Aus diesem Grund reisen viele Touristen nach Tonga. Vom Juli bis August gebären die Buckelwale in den warmen und durch Riffe geschützten Gewässer von Tonga ihre Kälber. Im November ziehen sie dann wieder zurück in den Süden, in die nährstoffreichen Gewässer der Antarktik.

Die Angebote “Swimming with the whales” sind trotz horrender Preise für mehrere Wochen im Voraus ausgebucht. Für ein paar Stunden Ausflug in einem kleinen Boot, inklusive Picknick und Kotztüte, blätterst du rund 220 US Dollar pro Person hin. Für so viel Geld muss ja schon etwas geboten werden. Ob sich die Riesen mit ihren frisch geborenen Kälber nicht gestört fühlen, bezweifeln wir. Jedes Muttertier, eine Kuh, Hund oder Schaf würde seine Jungen verteidigen. Die Anbieter solcher Touren absolvieren einen zweiwöchigen Kurs. Dann erst kann eine Bewilligung vom Staat beantragt werden. Wieviel Schmiergeld und Beziehungen nebst dem Kurskosten noch dazu kommen, wissen wir nicht.

Die Touristenboote, meist mit  zwei mal 150 PS Motoren ausgerüstet, jagten nach unserer Beobachtung den Tieren förmlich hinterher. Zumindest das Motorengeräusch muss doch für die Wale unangenehm sein.

Thomas hatte da ein Erlebnis, das ich als Fotografin miterleben durfte. In einer einsamen Bucht lag die Robusta vor Anker. Thomas erkundete gerade mit Schnorchel und Taucherbrille das Riff als ein Buckelwal mit seinem Kalb ganz dicht an ihm vorbeidriftete. Das Kalb schwamm Thomas sogar neugierig hinterher.

Also eine Begegnung  der freiwilligen Art?

Oder kann schon das Ankern in einem Gebiet mit Walen kritisiert werden? Was haben denn Experten dazu für eine Meinung?

Trotzdem finden wir, die sanften Riesen haben ihre Ruhe verdient und stehen dem Angebot “Schwimmen mit den Buckelwalen” erst mal  kritisch gegenüber.

Und übrigens ist Schwimmen mit Walen auf eigene Faust, in ganz Tonga strengstens verboten!

Category: Tonga
September 1

Neiafu

Frisch ausgeschlafen, besuchen wir alle Bekannten der in der Bucht liegenden Yachten. Das grosse Wiedersehen muss gefeiert werden. Zur Happy Hour zwischen 16 und 18 Uhr im Mangos. Doch als erstes soll ein Segelmacher gefunden werden. Auf Kanal 26 findet jeden Morgen um 08:30 eine Quasselrunde statt. Hier werden alle Infos durchgegeben was so in Neiafu und Umgebung los ist. Fragen können auch gestellt werden. Aber da stehen einem schon mal auch die Haare senkrecht zu Berge, was da so alles gefragt wird. Na ja, um acht Uhr dreissig hat offensichtlich noch nicht jedes Hirn seine Höchstleistung erreicht.

Jedenfalls erfahren wir wo sich der Segelmacher befindet. Doch er scheint unerreichbar zu sein. Jemand kennt Segler die eine Nähmaschine an Board haben. Wir besuchen sie und die Frau. Doch mir ihrer Nähmaschine komme sie nicht an die Stelle wo unser Segel gerissen ist, nämlich genau in der Mitte. Sie gibt uns aber einen tollen Tipp, wie wir das Segel selber reparieren können. Mit Kleber! Wie bitte? Ja mit 5200 von 3M. Eine Kartusche kostet an die 50 US Dollar. Mit der Ware können sogar Unterwasserreparaturen ausgeführt werden. In der neuen Werft findet Thomas tatsächlich den Wunderkleber! Kurz später entdecken wir auch gerade den optimalen Ort um das Segel in voller Grösse auszulegen. Unterhalb des Hotel Paradise befindet sich eine Art Landungssteg aus Beton. Beim genaueren Hinschauen merken wir, dass es sich um einen abgesoffenen Frachter handelt der mit Beton aufgefüllt wurde. Muss mal so eine Art überdachte Kneipe gewesen sein. In stundenlanger Arbeit werden nun passende runde Flicken aus Segelstoff zugeschnitten. Jede nur kleineste Scheuerstelle die zum Beispiel durch das viele Reffen entstanden ist, soll verstärkt  werden. Für den zirka 50 Zentimeter langen Schlitz, mitten im Grosssegel, werden zwei Flicken zugeschnitten. Diese werden beidseitig, etwas versetzt angeklebt. Damit der überschüssige Kleber nicht unkontrolliert unter den Flicken hervorquellen kann, wird erst mit Klebband eine Abgrenzung geschaffen.

Das frisch verpflasterte Produkt sieht vorerst mal toll aus. Trockenzeit: sieben Tage. So wird das Segel auf dem Landungssteg festgebunden und mit einer Plane überdeckt. Hoffentlich bappen die Plane und das Segel später nicht zusammen!

Das Dock würde sich eigentlich perfekt für eine Geburtstagsparty eignen! So gehe ich mal zum Hotel hoch um zu fragen ob das möglich wäre. Alles sieht sehr gespenstisch und zerfallen aus. Paradiesisch sieht die Anlage eindeutig nicht mehr aus. Der Garten ist mit Unkraut überwuchert. Keine Menschen, nur Hühner sind da. Der Swimmingpool ist halb leer aber dafür halb mit Laub gefüllt. Ein Teil des Hotels ist sogar abgebrannt. Von irgendwoher höre ich eine Glotze. Gehe dem Geräusch nach und komme zu einer offenen Tür. Hello! Nun hallen schlurfende Schritte aus dem Innern. Der fette Beamte der sich beim Einklarieren so unsportlich mit dem Teppich über die Reling gestemmt hatte, erscheint im Türrahmen! Seine Frau, die gesprächige Chefin, die mich nicht mehr gehen lassen wollte, erlaubt das Vorhaben. Sie werde auch kommen um mir zu gratulieren. Sie kommt dann aber nicht. Ist wohl auch viel zu fett um sich noch die steile Treppe runter zu quälen.

Zum Geburtstag bringen alle etwas zum Essen und Trinken mit. Paul schleppt sogar einen Grill an. Die Party war super cool. So viel leckeres Essen! Vertreten waren Amis, Bermuda, Deutschland, England, Schwiiz, Tasmanien und Tunesien!

Also ein echt bunter Haufen!

Danke für das super lustige tolle Fest mit euch allen und die schönen Zeichnungen der Kinder und die Geschenke!!! Ist mir fast schon peinlich so verwöhnt zu werden!

Category: Tonga
August 28

Einklarieren in Tonga

Mit Nicole und Vlad segeln wir nun nach Neiafu, um ordnungsgemäss einzuklarieren. Die gelbe Quarantäneflagge ist gehisst. Das hatten wir ja in Suwarrow vergessen. Solche Unzuverlässigkeiten mögen Beamten überhaupt nicht! Montag sei der übelste Tag zum einklarieren. Warum weiss ich nicht genau. Brauchen die Beamten nach dem Wochenende eine gewisse Anlaufzeit um nicht allzu mürrisch zu sein? Es hat offensichtlich einen Stau wegen dem Wochenende gegeben. Ich bin erst mal geschockt, wie viele Yachten in der optimal geschützten Bucht von Neiafu liegen. Beim genaueren Hinsehen, entdecken wir auch zahlreiche Bekannte. Aber eben, erst mal steht die staatliche Pflicht an: Der Steg ist total vollgepackt. Vlad und Nicole melden per Funk, dass sie Ankern und dann mit dem Dinghi zum einklarieren kommen. Das geht so natürlich nicht. Sie müssen später doch noch mit der Yacht an den Steg kommen. Der Skipper von einem Katamaran gibt uns zu verstehen, dass er mit der Prozedur durch ist und in zehn Minuten ablegen wird. Perfekt.

Nun liegt die Robusta an der Hafenmole festgezurrt und ein Mann in Uniform mit einer Art Teppich um die Hüfte gewickelt, schreitet nicht gerade zackig daher. Bevor er in die Robusta steigt, zieht er seine Schuhe aus und deponiert sie auf der Mole. Nun sind seine Füsse genau auf meiner Nasenhöhe. Krass, der Mann trägt in diesen Temperaturen Socken! Ja und das Muster der Socken ist ja noch besser für einen Zollbeamten: grüne und blaue Hanfblätter auf schwarzem Grund! Er ist schliesslich der Beamte für die Agrikultur (Officer Quarantine).

Alles klar.

 

Er will wissen ob wir Gemüse, Fisch, Fleisch und Milchprodukte dabei hätten. Fast alles ist bereits aufgegessen. Aber nicht alles. Die Topfpflanze, meine Küchenkräuter, interessieren ihn nicht gross. Vor allem das Sprayzertifikat (Certificate of pratique) will er sehen. Er notiert die Informationen. Guckt sich die Papiere die wir in Suwarrow erhalten haben an. Er scheint zufrieden zu sein. Nun will er unseren Müll haben. Wirft einen Blick in die getrennten Säcke und stopft nun alles in einen Sack. Dabei weiss ich, dass in Tonga Glasflaschen, Dosen, Plastik separat gesammelt werden. Der Restmüll kann nur gegen Bezahlung von 2 US Dollar im Restaurant Aquarium entsorgt werden. Im Müll findet er eine total zerzauderte Fischerleine. Er fragt ob er diese für sich haben könne. Ja klar doch! Nach Bezahlung von 11 US Dollar ist die erste Hürde bestanden. Nun dürfen wir das Schiff verlassen aber nur um uns zum Zoll und Immigration (Costums) zu begeben. Das Büro befindet sich in der grossen Lagerhalle hinter den aufgestapelten Container, direkt hinter dem Hafen. Sechs Formulare müssen ausgefüllt werden. Dann geht es noch zum Gesundheitscheck. Die Beamtin fragt nach dem Befinden der Mannschaft und will dafür 50 US Dollar. Bezahlt werden kann nur in der lokalen Währung. Der Geldautomat ist ein paar Minuten vom Hafen entfernt. In der Zwischenzeit hat eine hübsche grüne Yacht an der Robusta festgemacht. Ich sehe gerade noch, wie sich ein total fetter Beamte, ebenfalls mit dem Teppich um die Hüfte gekleidet, über die Reling von der Robusta zu der grünen Yacht balanciert. Sein Schritt wird dabei arg gedehnt und er landet tatsächlich nicht im Wasser! So müssen wir nun warten, bis die grüne Yacht mit dem einklarieren fertig ist bis wir ablegen können.

Dafür können wir noch auf den Gemüsemarkt und decken uns mit frischer Grünkost ein. Das Gemüse ist in kleinen Häufchen im Wert von jeweils 3 Pangas aufgestapelt. Zum Beispiel eine Pyramide Tomaten beinhaltet immer von ganz reif bis noch grüne Früchte. Du kannst aber auch selber nach Bedarf aussuchen. Toll und alles ist nicht teuer. Machen auch noch einen Rundgang durch Neiafu um die ersten Eindrücke zu sammeln. Die Kinder tragen Schuluniformen. Jungs tragen schwarze Röcke mit dem uns bereits bekannten Teppich um die Hüften gewickelt. Die Autos fahren auf der falschen Seite! Also links statt rechts. Ist das komisch.

Wau und hier gibt es auch mehrere nette Bars! Oh wie haben wir sowas in Französisch Polynesien vermisst!

So nun aber zurück zur Robusta um noch bei Tageslicht in dem Gewimmel der zirka 30 Yachten zu ankern. In der Bucht sind auch Bojen zu haben. Diese kosten rund 7 US Dollar pro Tag. Wir trauen unserem Anker mehr als den Bojen. Nun sind wir erst einmal hungrig und wollen kochen und früh in die Kojen kriechen.

Category: Tonga
August 27

Überfahrt nach Tonga

Schon wieder Blogeintrag ohne Fotos! Ja die Kamera ist nicht defekt. Es liegt wiedermal am Internet. Dies ist  hier in Tonga verfügbar, aber wenn 10 Touristen gleichzeitig das WIFI benützen, ist das eben zu viel des Guten. Eine e-mail öffnen dauert dann über eine Stunde!

(Jetzt, vier Wochen später, in einer einsamen Buch, ist es doch noch möglich Fotos in den Blog zu laden. Haben eine SIM Card mit nur Daten von Digisel angeschafft. Alles sehr super langsam….. Viel Geduld ist jedenfalls gefragt die ich ja in Sachen Informatik überhaupt nicht habe.)

Etwas traurig verabschiedet sich die Robusta Crew nun von Katu und Harry.  Die Reise soll nach West von Suwarrow weiter nach American Samoa gehen. Die Ausreiseformulare sind erledigt. Wieder viele Fragen waren zu beantworten.  Doch nun kann es endlich losgehen. Thomas lichtet den Anker und die Robusta gleitet in Richtung Pass. Die Strömung schiebt mit zwei Knoten mit, was das Steuern erschwert. Ausserhalb vom Atoll kocht die Bucht vor Suwarrow wieder unheimlich. Nach einer Stunde, sobald sich die Robusta in der Abdeckung der Insel befindet, geniessen wir schönstes Segeln unter besten Bedingungen. Die Windrichtung ist aber nicht ganz optimal um nach American Samoa zu gelangen. Gerade habe ich noch im Reiseführer etwas von der stinkenden Fischfabrik in Pago Pago gelesen. Die Entscheidung fällt schnell. – Neuer Kurs: Tonga!

Hinter der Abdeckung von Suwarrow dreht der Wind auf und der Seegang ist enorm. Regenschauer und Sonnenschein wechseln alle paar Stunden. Nach dem Regen bleibt der Wind mindestens für eine halbe Stunde aus. Der Seegang beruhigt sich aber nicht so schnell. Die Robusta tanzt ungezähmt in den Wellen. Die Segel schlagen. Das tut ihnen nicht gut, also müssen sie geborgen werden. Die nächsten Tage sollen so weiter gehen. Zwischen Null und 35 Knoten Wind. Wir werden beide so faul und liegen nur rum und mögen uns knapp aufraffen um mal etwas zu kochen oder wenigstens ein leckeres Brot zu backen. Doch wenn der Seegang es zulässt, kommt die neue Angelrute von der Tanda Maleika (verunglückter Katamaran) mit dem kleinsten Köder in Einsatz.  Erst beisst ein Barracuda. Ihn zu töten ist nicht so ganz einfach, denn der Raubfisch ist mit langen scharfen spitzen Zähnen ausgestattet. Der dünne lange Fisch schmeckt sehr lecker. Am zweiten Tag beisst wieder mal irgend so ein riesen Vieh, das mit der ganze Leine mitsamt Köder abhaut. Was für ein Frust. Wir sind nicht die besten Fischer. So viele Köder wie wir schon verloren haben, ist echt unglaublich! Aber jetzt, wo eine Angelrute mit Rolle eingesetzt wird und nicht mehr die aus Gummihandschuhen selber gebastelten Köder, klappt es viel besser! Bald rauscht die Angelschnur schon wieder mit sirrendem Geräusch aus. So wie sich die Angelrute durchbiegt muss er Fang gross sein. Hoffentlich hält das die Leine aus. Um ihn einzuholen muss die Robusta aber wesentlich langsamer fahren. Sonst verlieren wir ihn. Also schnell auf die Bremse und Segel reffen! Das Tier erst müde machen und eine Zeit hinterher schleppen, finde ich fies. Unserer Ansicht nach muss er schnellstmöglich eingeholt werden und mit einem Kiemenschnitt getötet werden.

 

Da liegt er nun mit seinen schönen grossen Augen an Deck und zappelt wild. Ein schöner Gelbflossentunfisch! Eine Delikatesse!! Doch jetzt wo er da so in der riesigen Blutlache liegt, vergeht mir der Appetit. Aber nur für einen kleinen Moment habe ich Erbarmen. Das Tier ist gross! Ich weiss nicht wieviele Kilo. Aber er reicht vom Boden bis zu Thomis Bauchnabel und wir essen die nächsten fünf Tage davon.  Erst Sushi mariniert in Sojasauce mit Chilischoten und Ingwer. Unglaublich wie das rohe Fleisch auf der Zunge vergeht! Am nächsten Tag gibt es gerade nochmals Sushi. Diesmal mit Zitronensaft mariniert. Die nächste Portion wird nur ganz kurz angebraten. Dann brauch ich mal einen Vegetarischen Tag und der Rest des Thunfisches wandert in die Gefrierbox.

Tonga ist nach sechs Tagen bei Sonnenaufgang in Sicht und leider auch ein 50 Zentimeter langer Riss im Grosssegel. Die Landschaft sieht hier wieder ganz anders aus. Schroffe kubische Felsblöcke, bis ans Wasser überwuchert,  ragen aus dem Meer. Wir Dödel haben vergessen, dass wir auf dieser Strecke die Datumsgrenze übersegelt haben! Also sind wir schon am Sonntag in Tonga angekommen. Das ist schlecht: da für  Einklarieren am Sonntag neben den 60 US Dollar noch 100 US Dollar extra verrechnet werden.  Also verstecken wir uns in einer kleinen gemütlichen Bucht. Und siehe da, wer liegt da ebenfalls versteckt mit der gelben Q Flagge gesetzt?

Unsere Freunde Nicole und Flad von der Yacht All Day! Bevor einklariert wurde, ist es nicht erlaubt eine andere Yacht zu besuchen oder einen Fuss an Land zu setzten. Ist uns aber alles egal. Wir grillieren gemeinsam einen weiteren Thunfisch den wir gefangen haben und gehen für eine Entdeckungsreise an Land. Nach sechs Tagen auf See lässt sich der ersehnte Landgang leider durch keine Regeln mehr aufzuschieben!

Category: Tonga
August 20

Suwarrow

Fotos hochladen ist leider wiedermal unmöglich! Also müsst ihr euch vorerst lesend durch eine Bleiwüste kämpfen… ich werde sie bei der nächsten Gelegenheit hochladen.

Die GRIB Wetterdaten sind via SSB (Kurzwellenfunk) geladen. 25 Knoten im Schnitt für die nächsten vier Tage. Es regnet immer noch. 25 Grad empfinden wir so dermassen kalt, so das gestern Abend die Heizung zum Einsatz kam.

Thomas und Robin stehen am Steg von Bora Bora und schauen besorgt in die Bucht hinaus. An  Robins Yacht hat es bereits eine Klampe durch den Seegang abgerissen. Also nichts wie weg hier! Wenn der Wind noch einen Zacken mehr nach Süd dreht, ist hier der Teufel los. Motor an, eindampfen in die Vorspring und das Heck bewegt sich vom Steg weg. Doch eine heftige Böe drückt die Robusta gefährlich nahe gegen die Segelyacht Monark. Nun hüpft Robin sichtlich noch nervöser umher.  Mit viel Schub manövriert Thomas die Robusta gekonnt aus dem kleinen Hafenbecken.

Bei der Marina wollen wir für ein paar Stunden an einer Boje festmachen. Frisches Gemüse muss noch besorgt werden. Das Dinghi ist aber schon weggepackt, liegt für die Überfahrt ohne Luft in eine Tasche gepackt an Deck. Dachten der Einkauf könnte heute Morgen gemütlich vom Steg aus erledigt werden.

Nun braust Herbert von der Segelyacht Maya und Pesche von der Pandora im Dinghi heran um sich zu verabschieden. Herbert und seine Familie wollen nach Palmerston segeln. Er habe dort jemanden per Mail angefragt, was die Leute auf der kleinen Insel brauchen könnten. Die Antwort kam prompt: Alkohol und Tabak wurde gewünscht. Schulbücher und Hefte für Kinder seien unnötig.

Was bringen wir den beiden Ranger von Suwarrow mit? Ist dort überhaupt noch jemand der in diesem Atoll lebt?

Die Überfahrt ist heftig. Der Schwell kommt aus Süd und verursacht auf diesem Kurs somit total unangenehme Schiffsbewegungen. Seekrankheit kennen wir zum Glück nicht. Aber ich verkrampfe beim Schlafen meinen Nacken dermassen, dass ich die ersten zwei Tage unter Kopfschmerzen leide. Thomas wird für zwei Tage zum Einhandsegler, worüber ich sehr dankbar bin.

 

Nach sechs Tagen und nach 685 Seemeilen kommt das Atoll Suwarrow in Sicht. Doch der Plan geht nicht auf. Der Pass ins Atoll soll nicht bei Dunkelheit  und nur bei mässigen Konditionen passiert werden.  Was heisst hier mässig? 25 Knoten aus Ost, geht das nun noch unter mässige Verhältnisse? 30 Seemeilen vor Suwarrow wird beigedreht. Die Robusta driftet nun mit 1.5 Knoten stabil nach Süd-West. Bei Sonnenaufgang sind die Palmen von Suwarrow nun deutlich zu erkennen. Doch aus Ost verdunkelt sich der Himmel bedrohlich und schon fallen die ersten fetten Regentropfen. Innert weniger Minuten ist die Sicht gleich null! Ich versuche mit den Ranger per VHF Funk, Kontakt aufzunehmen. Schon beim zweiten „Ranger Station“ verzwasple ich mich beim Sprechen. Das ist ja ein unmöglicher Zungenbrecher! Kein Wunder antwortet niemand. Oder werden wir etwa doch alleine sein? Wir freuen uns schon auf die unbewohnte Insel auf der noch Anarchie herrscht! Cool! Doch müssen wir hier am Paradies vorbeidriften? Bei diesem Sauwetter ist an eine Passage nicht zu denken!

Die Bucht vor dem Pass kocht förmlich. Wellen schlagen wild durcheinander. Hätten gerne Informationen, ob die Seekarte genau ist und ob der Pass nun befahrbar ist. Nun meldet sich doch noch jemand am Funk. Marianne von der Segelyacht Begonia. Sie hat begriffen, dass wir mit der Ranger Station nicht kommunizieren können. Also vermittelt sie im Gespräch. Die Einfahrt in den Pass ist ohne Regen machbar. Müssen jedoch mit bis zu vier Knoten Gegenstrom rechnen.  Ja dann hoffentlich bis später!  Langsam wird es brenzlig. Wir befinden uns an einer Luv Küste. Geht irgendwas mit den Segeln schief oder sollte der Motor nicht anspringen, würde die Robusta innert Kürze am Riff kleben! Was für ein Glück! In letzter Sekunde klart der Himmel doch noch auf und die Sonne leuchtet die Riffe aus, so dass sie gut erkennbar sind. Vier Yachten liegen im Atoll. Keine die wir kennen.

Kaum ist der Anker in sieben Meter tiefem Wasser gefallen, rauschen auch schon die beiden Ranger mit ihrem Boot zu uns raus. Ihre Funkantenne sei kaputt. Sie stellen sich mit Dirty Harry und James Bond vor. Dirty Harry zückt  aus seinem Koffer eine rostige Spraydose mit Totenkopfemblem. Eine Massnahme, um zu verhindern, dass in das, seit 1978 unter Naturschutz stehende Atoll, invasive Spezien eingeschleppt werden. Bevor ich realisiere was nun geschieht, sind meine Küchenkräuterpflanzen schon eingenebelt! Weiter geht die Prozedur im ganzen Boot. Jeder Raum bekommt im Verhältnis zu den Küchenkräuter einen kleinen Spritzer verpasst. Dafür bekommen wir ein Zertifikat, damit in Tonga die kostenpflichtige Prozedur nicht wiederholt werden muss.

Leicht benebelt werden nun die Formulare für die Einreise in die Cooks Inseln zu der Suwarrow gehört, direkt auf der Robusta erledigt. Kosten von 50 US-Dollar pro Yacht fallen an. Weiter erläutern uns die beiden Beamten worauf zu achten ist. So viele strenge Regeln. Von wegen Anarchie! Keine Küchenabfälle ins Wasser schmeissen, keine Fische fangen, keine Lebensmittel an Land bringen und so an….mit Ausnahme wenn wir am Strand ein „Pot Luck“ organisieren wollen. Eine der wichtigsten Regeln dabei ist, dass dazu die Ranger eingeladen werden. So ein Pot Luck findet gerade heute Abend am Strand statt (jeder bringt Getränke für sich mit und einen Topf Essen zum Teilen). Harry und James haben Fische gefangen die sie braten werden.

Harry ist schon die sechste Saison jeweils von Juni bis November in Suwarrow. James, der in Wirklichkeit Katu heisst, ist das erste Mal in der Abgeschiedenheit fern von Familie und Freunden. Die einen fanden er spinne doch sowas zu tun. Andere waren begeistert und würden seine Erfahrung gerne teilen. Jedenfalls ist Katu motiviert und hat viele Ideen für die nächste Saison um Suwarrow für Besucher informativ zu gestalten. Die Liste ist schon gross.

Die Grillabende, die während unseres Aufenthaltes fast  jeden Abend stattfanden, werden ausschliesslich von den Seglern organisiert. Nach fünf Tagen hatten wir aber schon genug von Suwarrow. Die Unterwasserwelt war nicht so spektakulär wie erwartet. Die Klimaerwärmung macht den Korallen zu schaffen und so ist die Lebensgrundlage für Fische und andere Meeresbewohner nicht mehr atraktiv. Aber irgend etwas ist halt doch speziell an Suwarrow. Ich kann es nicht ausdrücken. Doch dieser Ort hinterlässt bei mir einen ganz besonderen Eindruck.

Bevor die Ranger da waren, hat der Neuseeländer Tom Neale als Einsiedler auf dieser Insel gelebt. Er hat das Buch „An Island to Oneself“ geschrieben.

Und übrigens worüber sich die beiden Ranger als Mitbringsel freuen sind Alkohol und Tabak!

 

Category: Cooks Inseln
August 3

Bora Bora

Hier hin wollte Thomas eigentlich gar nicht. Ich hatte auch meine Bedenken. Eine Hotelanlage neben der anderen, Strassen voller Touristen, alles privat, alles noch viel übler als in Raiatea. Doch Bora Bora ist nicht so übel wie wir es uns vorgestellt haben. Die Lagune ist echt noch leuchtender blau als überall sonst. Schöne Ankerbuchten, Rochen, bunte Fische.

Der Berg Hue, das Wahrzeichen Bora Bora’s, da wollen wir rauf. Doch der blöde Berg ist so dermassen steil! Ich habe noch nie so geschwitzt. Das schwarze Vulkangestein ist von der Sonneneinstrahlung so heiss, dass die Hände brennen. Ja auf allen Vieren sind wir da hochgekrochen, oft an morschen Fixseilen steile Passagen überwunden. Ich frage mich die ganze Zeit wie wir da jemals wieder heil runter kommen. Der Ausblick von oben ist gewaltig und lässt die ganzen Strapazen vergessen!

Bora Bora ist für uns die letzte Station in Französisch Polynesien. Also steht ein Besuch bei der Gendarmerie an um auszuklarieren. Wir sind immer noch nicht sicher wie lange Schweizer Staatsbürger in Polynesien bleiben dürften. Im Netz sind verschiedene Informationen zu finden. Alle undatiert, so ist nicht zu erkennen was nun gilt. Der Gendarme hat auch keine Ahnung. Der Franzose weiss nicht mal, dass die Schweiz gar nicht zur EU gehört. Das Formular wird nach Papeete geschickt und soll am Montag abholbereit sein.

Wasser und frische Früchte müssen auch noch besorgt werden. Beides nicht sehr einfach. Dazu verlegen wir die Robusta an den Steg am Hafen, mitten im Dorf Vaitape. Im Supermarkt sind die Früchte gekühlt und somit nicht haltbar. Die Preise heben uns auch aus den Latschen. Eine Melone kostet umgerechnet 10 Euro, fünf Mangos auch 10 Euro! So decken wir in den nächsten Wochen den Vitaminbedarf ausschliesslich mit Zwiebeln und selbst gezogenen Sprossen. Auch die Seefahrer von heute sind nicht von Skorbut verschont.

Abends ab 18 Uhr treffen die Roullotes auf dem Dorfplatz ein. Das sind mobile Küchen. Plasikstühle und Tische werden aufgestellt, Grills entfacht und im nu werden leckere Gerichte gezaubert. Sonst sind da keine Kneipen im Dorf. Die Touristen hocken in ihren halbleeren Ferienknästen. Nach Sonnenuntergang ist ein Gewusel am Hafen. Hier ist was los. Aus den Autos scheppert laute Musik aus potenten Anlagen und der Alkohol fliesst diskret aus dem Kofferraum da es nicht erlaubt ist im öffentlichen Raum zu saufen.

Wasser auffüllen kostet rund 20 Euro. Menge egal. So nutze ich die Gelegenheit nochmal Wäsche zu waschen. Frauen die am Steg an der Robusta vorbei spazieren haben Mitleid mit mir. Ob wir denn keine Waschmaschine hätten? Und bald schon hockt eine Schar Kinder und Frauen auf der Robusta. Sie fotografieren, posieren hinter dem Steuer, gucken alles genaustens an und stellen hunderte Fragen. So geht es bis fünf Uhr morgens weiter und immer schrillere Gestalten treffen sich im Cockpit der Robusta.

Was für ein schöner Abschied von Französisch Polynesien!

August 1

Tahaa

Der erste August gibt wieder mal Anlass eine Party zu feiern. Reto und Angela laden alle Schweizer Yachten zum Nationalfeiertag ein. Doch würden Mi Corazon und wir lieber am Strand ein grosses Feuer entfachen und grillen. Diese Nachricht erreicht She San und Pandora jedoch viel zu spät. Sie sind bereits nach Bora Bora unterwegs. Voll blöd. Entschuldigt das Durcheinander, wir hätten wirklich gerne mit euch allen gefeiert!!!

Hast du schon mal versucht mitten in einer protzigen luxuriösen Hotelanlage am Strand ein Feuer zu entfachen? Wir befürchteten, dass dies in Bora Bora eben genau nicht möglich sein wird. Also suchen wir den optimalen Strand in Tahaa, was wie sich herausstellt, auch nicht ganz einfach ist. Entweder ist es zu tief zum Ankern, oder da ist zu viel Schwell, oder der Anker hält schon gar nicht. Jeder Strand gehört irgend jemandem in Polynesien. Doch wir treffen hier wieder mal, wie so oft in Polynesien, ausser im touristischen Raiatea, auf super nette Menschen.

Die angefragte Familie willigt sofort ein. Sie schleppen mit dem Auto sogar einen Grill zum Strand und bringen auch noch Holz mit. Wir offerieren ihnen allen ein Bier und laden sie zum Essen ein. Das Bier nehmen sie gerne an, doch dann fahren sie nach Hause. Am folgenden Tag wollen sie uns mit ihrem Pick- up die ganze Insel zeigen.

In Tahaa schaffen wir es endlich einmal eine Perlenfarm zu besichtigen. Die Führung durch die Farm war echt informativ. Der Prozess um eine schöne Südseeperle zu produzieren ist aufwendig und zu kompliziert um ihn hier genauer zu beschreiben. Der sehr geschmackvolle Schmuck war allerdings für unser Budget weitaus zu exklusiv! So reisen wir wohl ohne Perlen von Polynesien weg. Schöne Perlen musst du in den Gambier Inseln kaufen.

July 29

Raiatea

Keine zwanzig Meilen ist die Insel Raiatea entfernt. Mi Corazon ist bereits am vereinbarten Ankerplatz eingetroffen. Der sei Mist. Auch von der Bucht südlich der Stadt Uturoa wird er verjagt. Privé. Seit wann ist das Meer privat?? Also wieder Planänderung. In einer Stunde wird es dunkel. Am Quai in der Stadt wollen wir nicht anlegen. Bei viel Wind kommen wir da nicht mehr weg. Schliesslich schnappen wir uns zwei Bojen, weit ausserhalb der Stadt. Auch privé, Yachtcharter. Egal. Ich mag gar nicht so viel über diese Insel schreiben. Es wird nicht besser. Schlecht gelaunt verlassen wir früh morgens die privaten Bojen. Erneut werden wir von irgendwem angebellt. Nun reicht es. Hier müssen schon zu viele Segler vor uns gewesen sein, die nicht wussten wie sich zu benehmen. Nichts wie weg hier. Doch einige Kleinigkeiten wollen wir noch auf dem Markt besorgen. Mit dem Dinghi rasen wir nun vom extrem weit entfernten Ankerplatz in die Stadt. Auf halber Strecke steigt beissender Qualm in unsere Nasen. Der Motor! Mit meiner Mütze schütte ich erst mal aus Reflex Salzwasser über den Schaft um diesen blitzartig zu kühlen. Ob das eine gute Idee war, wird sich noch herausstellen. Der Ganghebel ist blockiert. Neeeeeiiiin und wir doofen haben die Paddel nicht mitgenommen. Was nun? Paddeln mit den Flip Flops? Schwimmen? Die Strömung und der Wind sind perfekt. Es treibt uns genau optimal zum Steg.

Eine Stunde später springt der Suzuki wieder an und läuft tip top, wie wenn nichts gewesen wäre. Und siehe da, aus dem Kontrollstrahlloch der Wasserkühlung, sprudelt das erste Mal anständig Wasser. Seit Jahren hat sich ein kleines Steinchen, das sich weiss der Geier wie ins System verirrt hat, nun endlich befreit und somit kurz die Kühlung blockiert.

Nun aber nichts wie weg von hier!