April 24 2020

Saiwaki und Beppu

Echtes Geknorze um wieder aus dem Hafen von Ibusuki zu kommen! Der Wind bläst mit um die 25 Knoten aus Nordost und drückt die Robusta voll an die Mauer. Die Steuerbordseite ist am Heck mit fünf Autoreifen gepolstert. Nicht mal mit Vollgas in die Spring eindampfen, ist der Bug von der Mauer wegzubekommen. Naoya, der liebenswürdige Mann von der kleinen Bootswerkstatt, eilt herbei. So wird eine Leine vom Bug an die im rechten Winkel verlaufende Hafenmauer gespannt. Der kräftige kleine Mann zerrt wie wahnsinnig. Endlich dreht die Robusta mit dem Bugspriet, knapp an den Fischkuttern vorbei, schwerfällig durch den Wind. Im dritten Reff, stampft nun der Stahlkutter durch die aufgewühlte See. Am Kapp Satamisaki, welches wir grossräumig umsegeln, schwappen Wellen aus allen Richtungen über’s Deck und bis ins Kockpit. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie wertvoll das Deckshaus jetzt wäre. Diese nasskalte Erfahrung gibt den entscheidenden Ansporn, die Reparaturarbeiten schnellst möglich fertig zu stellen. Ich klemme mich hinter den Tisch und versuche zu nähen. Halte immerhin ein paar Stunden durch und schmeisse mich danach mit einem Genickkrampf in die Koje. Thomas segelt die ganze Nacht durch und findet es total spannend, zwischen den Frachtschiffen durchzusegeln. Was nicht mal so doof ist wie es sich anhört. Denn mit dieser Strategie kannst du dir sicher sein, nicht mit Fischernetzen in Konflikt zu geraten. Frachtschiffe sind auch bei Dunkelheit deutlich zu erkennen, was bei den Netzen oft nicht mal bei Tageslicht möglich ist.

Bei Saiwaki stellt der Wind ab und zwingt zu einer Pause. In der Mündung vom Fluss Mimi, übernachten wir beim kleinen Fischerhafen an der Aussenmole.

Ich nähe den ganzen folgend Tag am Deckshaus bis es fertig ist Einige Männer fangen Fische an der Mole. Einige kommen mal schnell auf einen Schwatz vorbei. Wir offerieren Kekse und Kaffee den sie gerne einfach schwarz trinken. Eine sehr alte Frau plappert in Japanisch auf uns ein. Sie zupft energisch an meinem Arm, weil ich sie nicht verstehe. Thomas bringt nun das Tablet mit der google translate app. Versuche der Frau klar zu machen, da rein zu reden. Sie kapiert nicht was sie tun soll. Jetzt zupfe ich auch mal am Arm und zeige ihr dabei wo sie reinreden muss. Es klappt und sie ist begeistert. Später kommt sie wieder. Bringt Früchte und zwei Gesichtsmasken.

Gegen Abend schlendern wir noch durch das kleine nette Zentrum und am Strand entlang. Die Gegend war vom zweiten Weltkrieg weitgehend verschont geblieben. Im Zentrum existieren noch Häuser, sogenannte Minkas, die um die 100 Jahre alt sind. Die meisten sind frisch renoviert und sehr gepflegt. Vor einem kleinen Haus bewundern wir den hübschen Garten. Der Besitzer weiss bereits, dass wir mit der Yacht gekommen sind. Er sei auch Segler. Und schon sitzen wir in seiner gemütlichen Stube bei einem Bier. Morgen ist er bei uns zum Frühstück eingeladen. Er kommt nicht alleine. Seine Nachbarn sind auch dabei. Sie bringen Früchte und Wein. So sind sie, die Japaner! 

Die nächste Station ist Beppu.

Da ist eine Marina. Die Preise hauen uns aus den Socken. Für 38 Fuss 45 Euro pro Tag! Keine Stunde später liegt die Robusta im Fischerhafen, kunstvoll verschnürt, mit Autoreifen gepolstert, an einer hohen Mauer. Hier gefällt es uns wesentlich besser! 

Beppu ist ein beliebtes Reiseziel mit diversen Attraktionen. Thermalbäder, Geysire, Pärke, Naturzoo, Museen und ein riesiger Spasspark mit einer Achterbahn aus Holz gebaut. Doch fast alles ist wegen Corona geschlossen. Das Zentrum ist Menschenleer.

So macht segeln in Japan auch keinen Spass! Da kommt erneut die Frage auf, wie es aktuell mit der Einreise nach Alaska für Yachten steht. Thomas schreibt ein Email an die zuständige Behörde des Custom and Border Control Info Center der USA. Im Anhang eine Kopie unsere Pässe und den B1/B2 Visas. Er steht auch noch mit Seglern im Kontakt, die er irgendwie per Zufall im Facebook gefunden hat. Diese schildern die Lage in Alaska folgendermassen: Jedesmal wenn wir ein Kaff anlaufen, müssen wir auf der Yacht zwei Wochen Quarantäne absitzen, bevor der Landgang erlaubt wird. Es ist aber möglich, Lebensmittel in den Hafen liefern zu lassen. Dann verkrümeln sie sich wieder in die Wildnis bis alles aufgefuttert ist.

👍🏾😂, na ja in dieser Situation bringt dich nur noch Humor über die Runden…… Bären gucken und Beeren sammeln als Kompensation oder dann halt Bier trinken, etwas schlaueres kommt mir dazu auch nicht in den Sinn 

 

 

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April 18 2020

Festland Japan, Ibusuki und Kagoshima

Sind schon ganz gespannt wie das Festland sich anfühlt. Soll ja nochmal total anders sein als die südliche Inselwelt. 

Das Zentrum von Ibusuki erscheint geisterhaft. Viele Liegenschaften stehen leer. Das Onsen ist immerhin ganz nett. Ibusuki soll eine beliebte Touristengegend sein? Äh, schräg. Wir haben kein einziges Foto gemacht!

Das Visum läuft aus und muss verlängert werden. Mit dem Zug ist Kagoshima, wo sich das regionale Immigration Büro befindet, in knapp einer Stunde zu erreichen. Nun sind wir etwas in der Zwickmühle. Sämtliche benachbarten Länder haben ihre Grenzen wegen Corona geschlossen. Sollten die Grenzen demnächst wieder aufgehen, wird die Taifunsaison zum Problem. So haben wir uns folgende Strategie ausgedacht: Stellen gleich einen Antrag um das Visum für ein ganzes Jahr zu verlängern. 

Seitenweise Papiere haben wir bereits online ausgefüllt und ausgedruckt. Schieben nun den Stapel über die Theke in den mit Plastikfolie geschützten Bereich. Zusätzlich wird nun noch eine Liste mit sämtlichen Häfen die wir angelaufen sind verlangt. Was für eine Idiotie. Die Beamten gehen nur auf eine Verlängerung von weiteren 90 Tagen ein. Denn 180 Tage sind die maximale Aufenthaltsdauer pro Jahr in Japan (für einige Staatsangehrige gelten andere Regeln.) Oh wie schrecklich, Mist! Falls Corona in drei Monaten noch immer Thema ist, kann ein erneuter Antrag auf Verlängerung gestellt werden, so lauten die tröstenden Worte der Beamten.   

Die nächsten Tage geht uns so einiges durch den Kopf. Wir sind beide gereizt und gifteln uns immer wieder mal an. Aus Verzweiflung fliessen bei mir die Tränen. Um uns abzulenken, wird die Tuwasliste abgearbeitet. Denn durch die grosse Beanspruchung einer Langfahrtenyacht, fallen immer jede Menge Wartungsarbeiten an. Thomas klopft mit dem Hammer Rost weg, versiegelt, grundiert, überpinselt die Stellen mit roter, schwarzer und weisser Farbe. Am Motor werden Schrauben, Kabel, Oel und Wasser kontrolliert, der Keilriemen nachgespannt und Filter gewechselt. Die Solaranlage kränkelt auch immer wieder mal. Eventuell ist der Regulator altersschwach. Und das Klo will auch immer wieder mal seine Zuwendung. Ich widme mich gerade dem Deckshaus aus Lastwagenplane. An etlichen Stellen ist der Faden gerissen. Ein Reissverschluss ist total korridiert. Ausgerechnet bei den beiden extra langen, ist das Stoffband entlang der Zähne eingerissen. So müssen eigentlich alle vier zwei Meter langen Reissverschlüsse ersetzt werden. Nur schon das Heraustrennen dauert enorm lange. Salzwasser und die krasse UV Strahlung setzen dem Material krass zu!

Nach einer Woche Arbeit sieht die Robusta wieder so richtig gepflegt aus! Nur ich komme nicht vom Fleck. Kämpfe mit der Plane, Reissverschlüssen, Faden und Nadel. Erst im Cockpit, dann wegen Sturm drinnen auf dem kleinen Tisch auf engstem Raum, was super nervig ist. Nach einer Woche täglich Stunden von Hand nähen, brauche ich eine Pause. Meine Finger sind wund. Die nächste Etappe wird mal ohne Deckshaus gesegelt. 

Ich gehe mal an den Strand um Müll einzusammeln. 

 

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April 10 2020

Iōjima Island

Irgendwie rennt uns die Zeit davon. Bis Juni ist die beste Periode um von Hokkaido nach Alaska überzusetzen. Doch sind bis dann die Grenzen wieder offen? COVID19 löste eine Art Fortbewegungslahmheit in uns aus. Wir sind recht deprimiert und wissen nicht so recht wie es weiter geht. Noch können wir uns innerhalb von Japan frei bewegen. Was bedeutet COVID19 für die Japanische Bevölkerung? Die Regierung setzt, ähnlich wie das Schwedische Konzept, auf “Soft Government Directives” und appeliert somit an die Vernunft jedes Einzelnen. Zu Hause bleiben, Hände waschen, Schutzkleidung tragen und Physical Distancing (ich weigere mich den Ausdruck Social Distancing zu verwenden!)

Viele Langfahrtensegler stecken zur Zeit auf der ganzen Welt, in teils prekären Situationen fest. Dürfen nun seit fünf Wochen nicht die Yacht verlassen. Unverständlicherweise auch nicht nach einer Quarantänezeit von zwei Wochen. Lebensmittel und Wasser besorgen ist oft nur mit einer amtlichen Bescheinigung möglich, oder muss sogar über Drittpersonen organisiert werden. Die Angst ist allgegenwärtig. Touristen bringen Corona und so schnell verwandelt sich ein Virus in ein Schimpfwort. In vielen Regionen der nördlichen Hemisphäre beginnt die Zeit der Wirbelstürme. Einige Regierungen haben bereits angedroht, dass die Segler verschwinden müssen. Aber wohin denn bitte? Die Weltmeere sind keine Strassen die in jede Richtung nach Belieben befahren werden können. Je nach Saison sind Wetter, vorherrschende Windrichtungen und deren Stärke zu berücksichtigen. 

Corona ist ein echtes Desaster. Ist das Virus wirklich so gefährlich? Oder sind die Empfehlungen der WHO und die Entscheidungen der Regierungen schlussendlich das grössere Übel? Ich persönlich zolle all diesen Entscheidungsträgern grossen Respekt. Egal wie entschieden wird. Kritik wird es immer hageln. Mit dem Lockdown geraten viele Menschen in drastische finanzielle Schwierigkeiten. Da lese ich doch gerade in einem Artikel folgendes: das Welternährungsprogramm geht davon aus, dass sich durch die Corona Pandemie der Welthunger verdoppeln wird.

Zur Zeit komme ich mir echt blöd vor über unsere Weltumsegelung zu berichten. Ich möchte helfen. Irgend etwas sinnvolles tun, statt über die Weltmeere zu schippern. Nun poste ich einfach noch ein paar Bilder und ich habe mir vorgenommen, jedes mal wenn ich spazieren gehe, eine Tüte mitzunehmen um angeschwemmten Müll einzusammeln. 

Wer auch Gutes tun will, hier ein Link von unseren Freunden Claudi und Jona, die zur Zeit in Thailand sind. Weil der Tourismus ausbleibt, fällt auch der Verdienst weg.

INFOS FÜR SEGLER

Hafen von Nagahamaura Bay (siehe Foto google maps)

Wir konnten am Schwimmsteg liegen. Jemand von der Gemeinde wollte wissen ob wir Fieber haben.

Keine Kosten

Ob das eisenhaltige braune Wasser den weissen Rumpf einer Yacht verfärbt, kann ich nicht sagen. Robusta hat einen schwarzen Rumpf.

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April 5 2020

Yakushima Island

Gegen Abend sind wir auf der Insel Yakushima angekommen und die Robusta ist im im kleinen Hafen von Yudomari festgemacht. Da sind bei Ebbe nur wenige Zentimeter unter dem Kiel. Der Hafen ist total ungeschützt und wird bei Südwind bestimmt zur Hölle. Schade, der Ort wäre super nett gewesen. Sobald es hell wird, hauen wir hier wieder ab. Laut Prognosen wird die Nacht windstill bleiben. Nun weichen wir uns erstmal in der heissen Naturquelle ein. Etwas genialeres gibt es nach einer Passage nicht. Es ist kühl beim Segeln. So um die 15 Grad und nachts fällt das Thermometer schon mal auf fünf Grad.

Yakushima ist eine Insel mit über vierzig Berggipfel die über tausend bis fast zweitausend Meter aus dem Pazifik ragen. Im subtropisch bis subarktischem Klima gedeihen eine Vielzahl von Pflanzen.  Hier soll es die ältesten Zedern von ganz Japan geben. Tausend Jahre und wenige Exemplare sind sogar siebentausend Jahre alt. Wie spannend! Hingegen der ganzjährige Niederschlag von über 35 Tage pro Monat, so beschreiben es die Leute hier, klingt nicht gerade reizvoll! Die Berge laden zum Wandern ein. Doch ich habe ein Problem. Meine super bequemen Schuhe sind gestorben. Beide Sohlen lösen sich vom Leder! Alles ist am zerbröseln. Doch ich habe Glück. Im Sportgeschäft kann alles ausgeliehen werden. Von Bergschuhen, über Rucksäcke, Zelte, Kochutensilien, warme Jacken, Schlafsäcke und so weiter. Meine zarten, weiblichen europäischen Durchschnittsflossen, passen nur in die grösste Männerlatsche! Im Sportgeschäft lassen wir uns beraten. Besprechen mit den Profis die Routen. Einen Führer lehnen wir entschieden ab. Ach ihr kommt aus der Schweiz, alles klar, kein Problem! Ha, auch unter den Eidgenossen existieren eine Menge Wanderpappnasen die sich nur zu oft in den Alpen verirren oder abstürzen. Die Routen sind simpel bis anspruchsvoll. Mehrere einfache Schutzhütten zum Übernachten stehen zur freien Verfügung. Eine freiwillige Gebühr von rund zwanzig Franken bezahlst du am Eingang zum Nationalpark. 

Robusta liegt nun  sicher vertäut im kleinen Fischerhafen von Ambo. Das Wetter ist perfekt um sie mehrere Tage alleine zu lassen. Der Rucksack ist schwer bepackt. Leider nicht mit Schoggi, Käse und Cervelat. Die typische Schweizer Wurst, ohne die ein anständiges Picknick undenkbar ist fehlt. Stattdessen Instant Nudelsuppen.  Zehn Packungen wiegen nur gerade mal wenige Gramm. Auch etwas gesundes ist dabei. Früchte Nüsse und Haferflocken und ein deftiges selbst zubereitetes Vollkornbrot, welches später von einem Bergführer in der Hütte mit grossen Augen bestaunt und getestet wird. Das Japanische Alpenklo ist was ganz spezielles: Im Sportgeschäft erwirbst du Plastiktüten, die über ein Gestell gestülpt werden. Dann weisst du selber was zu tun ist. Danach nimmst du das fertige Paket, gut zumachen nicht vergessen und nun ab damit in deinen eigenen Rucksack! Und schon ist dein Beitrag zum Naturschutz vollführt. Die Vorstellung, ich muss meine Kacke während mehreren Tagen über Stock und Stein schleppen, ist schon sehr befremdend. Und was ist mit der Pisse? Oder muss nur der Cervelat aufgefangen werden? 

Stunden latschen, nein das ist untertrieben, klettern wir über mächtige Wurzeln von gigantischen Zedern. Überwinden Schluchten und Bäche, klettern an Fixseilen immer höher. Quirlige Affen turnen in den Bäumen und der innere Schweinehund grunzt fies aus dem Unterholz. Einige Vogelstimmen kommen uns bekannt vor. Den ganzen Tag, begegnen wir keinem einzigen Menschen! In der kleinen einfachen Berghütte wo wir übernachten,  ist nur ein weiterer Gast und einige Mäuse. 

Die Landschaft wird karger. Es ist kalt. Wollpullover, Mütze und Windjacke kommen zum Einsatz. Ein Hochmoor liegt vor uns. Mount Miyanoura ist nicht zu sehen. Ueberall tolles Wetter, ausser in den Bergen von Yakushima. Statt das Picknick mit atemberaubender Fernsicht zu geniessen, schneit es. So verkrümeln wir uns weiter unten in dichtes Bambusgestrüpp. Nach acht Stunden Marsch, kommt endlich die Hütte in Sicht. Drinnen riecht es unglaublich gut nach Zedernholz! Die Nacht wird zum Horror. Kalt und die Regel bestätigt sich, eine Gruppenunterkunft ist erst heimelig, wenn auch das Schnarchmonster anwesend ist. Der ganze Holzboden vibriert! Sogar Thomas nervt sich. An Schlaf ist trotz Ohrstoepsel nicht zu denken. Ich versuche mich durch Meditation ins Lot zu bringen. Irgendwann packe ich die Taschenlampe und zünde dem Monster damit voll ins Gesicht.. . . .

Am nächsten Morgen verfüttert seine Frau allen  edle Schokolad. Die Arme, so ein Mann ist doch nicht auszuhalten! Er hat sich bereits in Sicherheit gebracht.

Die Zeit in den Bergen zu verbringen, hat gut getan. Beim Segeln ist der Kreislauf ganz und gar nie gefordert. In Fiji war ich das letzte mal im Gebirge. So bezaubernd Atolle auch sind, geniessen wir beide die Berge ganz besonders.

Die Robusta ist auch noch da und ich freue mich auf einen tiefen, ruhigen Schlaf in der warmen Koje.

Da liegt eine Visitenkarte im Cockpit. Von Org und Silvia. Was für eine Überraschung.  Bevor die beiden weiter ziehen, reicht es gerade noch für ein kurzes Treffen. Wir haben uns in Polynesien kennen gelernt. Nun fliegen sie für längere Zeit nach Deutschland.

So verabschieden auch wir uns von der Insel Yakushima und den Menschen die wir hier kennen gelernt haben. Besonders von Naoka durfte ich viele spannende Dinge über dieses faszinierende Land erfahren! Der Hafenmeister, der uns in ein Onsen mitgenommen hat, bringt zum Abschied eine Flasche Reiswein und Gemüse aus seinem Garten. 

INFOS F!R SEGLER:

Hafen von Yudomari ist sehr klein, ungeschützt und aus diversen Gründen gefährlich.

Hafen von Ambo

Im Fischerhafen längsseits festmachen. (Foto google maps) In die Mauer ist eine Treppe eingebaut. Keine Kosten. 

Hafen von Miyanoura 

Im Fischerhafen längsseits festmachen. (Foto google maps). Sehr hohe Hafenmauer. Du brauchst eine Strickleiter. Keine Kosten.

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March 22 2020

Nakanoshima Island

 Verzweifelter Versuch Gesichtsmasken auf den Bäumen zu züchten??? 

Wir sind geschockt. Ausser Stande einzuordnen, was zur Zeit abgeht.

Die WHO gibt Empfehlungen raus, Regierungen tagen und sie wursteln einzeln und uneinig aneinander vorbei. Da werden Tatsachen unter den Teppich gekehrt, oder Beschlüsse sind je nach Situation der einzelnen Länder schlicht nicht anwendbar. Klar ist jedenfall, die Angst beherrscht die ganze Welt! Ausnahmezustand – Lockdown – Shutdown: Immer mehr Länder schliessen ihre Grenzen. Seit Dezember 19 grassiert ein neuartiges Coronavirus und breitet sich rasant über den ganzen Globus aus. In China, auf dem Markt von Wuhan, so wird jedenfalls behauptet, soll alles begonnen haben. Die Medien sind voll von Schauernachrichten. Die Zahl der Infizierten schnellen vielerorts in die Höhe. Todesfälle durch Ersticken wegen Lungenentzündung häufen sich. Überquellende Spitäler, das Personal ist völlig am Anschlag und es mangelt an Intensivpflegeplätzen und Schutzkleidung für das Personal. Verschwörungstheoretiker haben Hochkonjunktur. Einige Szenarien erscheinen uns durchaus plausibel. Gab’s da nicht mal so einen Science fiction Film? “Contagion” hiess der doch. Ähnliche Szenarien sind nun Realität geworden.  Jetzt sind Ausgangssperre, geschlossene Schulen und Geschäfte und leere Städte zur Realität geworden. Viele unserer Freunde müssen zu Hause bleiben. Einige sollen auf Home-Office umstellen. Daneben noch die Kinderbetreuung managen, die ohne Auslauf immer wilder werden…. Ich wette, nach dieser Krise wird die Scheidungsrate in den Himmel schnellen. Andere wiederum, die im Gesundheitsbereich und der Lebensmittelbranche oder Reinigung tätig sind, schuften im niedrigsten Lohnsegment für das Wohlergehen der Gesellschaft. 

Wir beneiden niemanden in dieser Situation.

Ich trau mich sowas fast nicht zu tippsen. Doch es gehört zum Thema eines Segler Blogs. Verglichen mit der Situation, mit der nun viele konfrontiert sind, handelt sich es um ein absolutes Luxusproblem! Die Fahrtensegler auf der ganzen Welt, hängen auf ihren Yachten, meist bei bratender Hitze fest. Aber uns geht es gut! Wir erleben in Japan noch keine Einschränkungen. Doch auch unsere Reisepläne geraten durcheinander. Zumal der nicht zu den intelligentesten Kreaturen gehörende Präsident, nun doch noch eingesehen hat, dass die Lage auch für die USA mehr als ernst ist.

Nur in Japan scheint alles anders zu sein. Der anfangs Februar in Yokohama eingelaufene Kreuzfahrteimer, mit über 700 positiv getesteten Passagieren, soll unter Kontrolle sein. Ruhe vor dem Sturm? Die Regierung schliesst vorsorglich im ganzen Land sämtliche Schulen und Museen etc. Leute tragen bei der Arbeit Masken und oft auch auf der Strasse. Und die ganz panischen, sogar wenn sie alleine im Auto sitzen. Ansonsten läuft das Leben normal weiter.  Nachdem die Olympischen Spiele in Tokyo nun doch noch um ein Jahr aufgeschoben wurden, häufen sich auch in diesem, so nahe an China gelegenen Land, die COVID19 Fälle. Alles etwas sehr irritierend. Immerhin hat es die Olympische Flamme am 21. März gerade noch bis zum Bahnhof von Sendei geschafft. Dort wurde sie von einer, angeblich stundenlang, diszipliniert wartenden, maskierten Horde von 50-tausend Menschen bestaunt!

Alaska bleibt somit für uns vorerst mal ein Traum. 

Wir wünschen allen von Herzen alles Gute! Bleibt gesund und munter, es kann nur noch besser kommen. Freuen wir uns alle auf das Fest, welches die Normalität zurückbringt.

Vielleicht nutzen wir in der Zwischenzeit alle mal die momentane Situation positiv, um mal nachzudenken.

Kann denn alles wie bis anhin so weiter gehen?

INFOS FÜR SEGLER

Hafen

Anlegen ist etwas kompliziert. Siehe Foto aus google maps : 

Sehr hohe Hafenmauer. Ankunft bei Hochwasser damit du auf die Mauer klettern kannst. Achtung, diverse Mooringleinen sind durch den Hafen gespannt! 

Auf der Mauer, die mit rotem Pfeil markiert ist, liegen Schwimmleinen. Diese an einem Poller festbinden und nun  begib dich mit der Leine im Schlepp an die Mauer im Osten in eine Lücke zwischen den Fischkutter. Die Leine dient als Mooringleine, nur ist sie an einer Mauer statt am Grund befestigt. Mit Anker geht nicht, felsiger Grund.

Achtung: an der rot markierten Stelle sind Felsbrocken! Nicht dort anlegen!

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March 13 2020

Amami-Oshima Island

Die 160 Seemeilen lange Passage nach Amami geht gegen Abend los. Das nach einer weiteren ausgiebigen Fahrradtour. Mein Göppel war so rostig, dass ich das quietschende Ding erstmal zur Robusta beförderte, wo es eine kräftige Dusche mit Schmiermittel verpasst bekam. Blöderweise triefte der Saft aus der Spraydose auch noch in die Trommelbremse. Ehrlich gesagt ich dachte es handelt sich um die eine Nabenschaltung. Doch das Velo hatte nur einen Gang! Es musste nun nicht nur den Berg hochgeschoben werden, sondern auch wieder runter. Beim ersten Aussichtspunkt fragte ein junger Student aus China, ob Thomas ihn fotografieren könne. Ich dachte ich verhöre mich. Da existieren noch Kreaturen, die keine Selfies von sich schiessen? Fu studiert an der Uni in Tokio Japanisch. Der schlaue junge Mann, hat sich ein E-Bike ausgeliehen. Er sei am Reisen, weil wegen Corona alle Schulen geschlossen sind. Bald schlägt das Wetter um und ein heftiger Regenguss geht nieder. Es ist kalt und wir drei sind klatsch nass. Fu laden wir auf die Robusta ein. Dort kann er sich abtrocknen und wir trinken gemeinsam heissen Tee, denn seine Fähre legt erst in drei Stunden nach Okinawa ab. Paar Tage später bedankt sich Fu in einem Email für die Einladung. Thomas sei jedoch ein mieser Fotograf, denn das halbe Bild ist mit seinem Finger abgedeckt. Das sind eben die Vor- und Nachteile von Selfies, aber dafür durfte er einen netten Tag in Gesellschaft verbringen.

Am nächsten Morgen segelt die Robusta nach einer Rauschefahrt bei im Schnitt von 25 Knoten Wind, der Südküste von Amami-Oshima entlang. In Koniya existieren mehrere kleine Häfen. Thomas meint, hinter den Bäumen an Land, einen Mast erblickt zu haben. In der Seekarte muss das in dem kleinen Einschnitt direkt bei der Flussmündung sein. Ich bezweifle ob das klappt. Da passen wir niemals rein! Mit Bootshaken und Leinen bewaffnet, stelle ich mich für einen besseren Ausblick auf den Bugspriet. Das passt! Los rein in den Schlitz. Ein Mann von der Yacht eilit herbei und nimmt mir die Leinen ab. Eine Freundin aus Zamami hätte ihn informiert, dass wir kommen. Ach wie lustig. Tani bietet Charterfahrten mit seiner freakigen Yacht an. Mit ihm verbringen wir eine nette Zeit. Er kennt all die schönen Ankerplätze. In Japan ist es unüblich zu Ankern. Oft ist der Grund mit Felsen oder Korallen durchsetzt, oder in einer geschützten Bucht triffst du auf eine Muschelfarm. Die vorbeiziehenden Tiefs bringen starken Wind, nicht selten weit über 35 Knoten. Für die Japaner dient der Anker nur für Notsituationen.

Da kommen auch schon zwei Personen in Uniform angedackelt.  Sie verlangen nach den Schiffspapieren und dem Naikosen. Sie fotografieren die Papiere und das war’s dann auch schon. Das sei der Gästeplatz der Gemeinde. Der Schlüssel um Wasser zu tanken, kann auf der Gemeinde abgeholt werden. Nach einer Erkundungstour im Dorf und der Suche nach Milch für den Kefirpilz, steht eine Tasche mit Blumen im Cockpit. Welcome to Japan, steht auf einem Kärtchen geschrieben. Ich bin total gerührt!

Das Rätsel, wer wohl die Blumen gebracht hat, löst sich am nächsten Morgen in aller Frühe. Als ich aufwache, ist Thomas verschwunden. Stunden später kommt er von einer Inselrundfahrt mit “Dreamy Boy” zurück. Sein Traum ist es, eines Tages eine Marina für Segler zu eröffnen. Doch der rüstige, total schwerhörige Mann, ist bereits 75 Jahre alt und er arbeitet immer noch im Gartenbau! Unglaublich. Auf Amami-Oshima hat ja auch die Altersrekordhalterin, Tajima Nabi von 1900 bis 2018 gelebt.

Ein grosser Teil der Insel und Küste stehen seit 2017 unter Naturschutz. Die bergige Insel ist mit dichtem subtropischen Wald überwuchert. Wir sollen aufpassen, denn da sind viele giftige Habuschlangen. Nach einem Biss der bis zu bisc2 Meter langen Vipernart, die nur auf dieser Insel lebt, muss dringend medizinische Hilfe beigezogen werden. Das berichten die drei angeheiterten Männer, von denen wir nach einer Wanderung, in den Garten einer total abgelegenen Farm, zitiert werden. Sie haben gerade einen Eintopf gekocht. Wir müssen essen und Bier trinken. Thomas ist nass und friert, ich habe einen Wanderschuh voll Wasser, denn der im Maps Me App angegebene Wanderweg, führte voll kriminell durch’s Gestrüpp. Viel zu gefährlich mit den vielen Habus. Nach einem Bergrutsch war eh Ende der Tour angesagt. Wir versuchen noch im Bergbach weiter ins andere Tal vorzudringen. Aus purer Vernunft kehren wir wieder um. Wer weiss was da noch kommt. Die Nächte sind hier kalt. 

Wir wollen noch vor Dunkelheit an die Hauptstrasse kommen, denn wir müssen per Anhalter nach Naha zurück. Kommt gar nicht in Frage! Meine Frau wird euch fahren. Die sei noch nüchtern. Und schon kommt die Frau per Auto mit Biernachschub und einer Platte Sushi angebraust. Niemand spricht Englisch. So rufen die lustigen Gesellen einfach einem Freund an, der die Sprache spricht. Er muss per Telefon aus der Ferne übersetzen. Spät in der Nacht werden wir zur Robusta gefahren. Leider ist Ebbe als wir ankommen. Die beiden krümmen sich vor Lachen als wir sie auffordern, die hohe Mauer runter zu klettern. Sie lehnen entschieden dankend ab.

Uns war bekannt, in Japan gehört es zur guten Sitte, bei einer Einladung ein kleines Geschenk mitzubringen. Das darf jedoch nicht in Weiss eingepackt sein, denn das ist die Farbe der Trauer. Die Zahl vier bringt Unglück. Doch was wir hier erfahren, ist nicht wie es im Reiseführer aufgeführt ist. Japan ist einfach einzigartig. Es empfiehlt sich echt sich über die Benimmregeln zu informieren. So vieles ist einfach anders. Zum Beispiel ist es ganz wichtig, sobald es irgendwo eine Stufe hoch geht, müssen Schuhe ausgezogen werden. Auch in der Kneipe! Für den Toilettengang stehen spezielle Schuhe bereit. Das WC ist ein Ort der Unreinheit. Mit den Händen jemanden heranwinken, wie wir es üblicherweise tun, heisst hau ab! Jemandem etwas übergeben oder annehmen, wird immer mit beiden Händen gemacht. Gegrüsst wird indem du wie ein Pinguin, mit dem ganzen Oberkörper etwas nach vorne kippst. Schau selber in den angeführten Links nach. Es ist total spannend! Die Freundlichkeit dieser Menschen haut uns einfach aus den Socken, die für eine Teezeremonie übrigens immer weiss und ohne Löcher sein sollten.

Ich backe eine ganze Kiste voll Guetzli auf Vorrat. Ich will auch freundlich zu diesen netten Menschen sein. Doch jetzt stellt euch mal vor: Wir fragen nach Trinkwasser um die Tanks zu füllen. Sogar in einer Stadt mit 40 Tausend Einwohner, sind die Leute bemüht zu helfen. Dann bringt ein alter Mann Kanister und frische Mandarinen. Unglaublich. Doch wir brauchen 450 Liter. Im Zentrum von Naha ist ein kleiner Hafen. Dort tanken wir. Das wäre der total coole Ort zum Liegen gewesen! Schade. Suku spricht super gut Englisch. Er hat in Thailand gearbeitet und es dort gelernt. Wir laden ihn auf die Robusta zum Kaffee und Kuchen ein. Danach gehen wir noch in einen Recycling Shop den er uns empfohlen hat. Alles ist super spot günstig und es handelt sich dabei meist um neue Ware!?

Als wir zur Robusta zurück kommen, beschenkt uns Suku mit einer halben Tonne Ware. Schnaps, Kekse und Waschtücher. Ich kann nur wieder Unglaublich dazu sagen. Bitte bitte bitte, wenn ihr einem Japaner begegnet, bereitet diesen unglaublich netten Menschen eine Freude! Was wir hier erfahren ist einfach jenseits des Vorstellungsvermögen!

INFOS FÜR SEGLER

Hafen:

Koniya: viel Schwell bei Südwind, Hafenmauer hat unten einen Absatz nach innen. Bei auflaufendem Wasser darauf achten, dass die Fender dort nicht hängen bleiben. Wasser tanken möglich. Schlüssel muss bei der Gemeinde geholt werden. Behörden kontrollierten Schiffspapiere und Naikosen. Keine Kosten.

Naha: Gleiches Problem mit der Hafenmauer wie in Koniya. Die Hafenmauer ist sehr hoch. Bei Ebbe ist die Mauer nur mit einer Strickleiter zu bewältigen. Keine Kosten. Der Liegeplatz im Zentrum  wäre netter gewesen, dort kann Wasser kostenlos getankt werden.

 

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March 7 2020

Zamami Islands

Grosses Gewinke und bald schon verschwindet Okinawa im Dunst. Dafür erscheinen bereits die Berge von Zamami Islands am Horizont. Das ganze Gebiet gehört zum Keramashoto Nationalpark.

Der Blick auf Berge erfüllt mich mit grosser Freude. Wecken Erinnerungen aus der Kindheit. Skifahren mit meinen Eltern, Mami mochte den Schnee jedoch überhaupt nicht. Papa dafür umsomehr. Bei jedem Wetter sind wir los, wie die Wahnsinnigen jede Piste oder im Tiefschnee runtergesaust. Knochenbrüche mussten in Kauf genommen werden. Egal, sowas härtet ab. Keine Herausforderung war zu krass. Oder im Sommer wandern, die Aussicht nach einem anstrengendem Aufstieg ist einfach das grösste aller Hochgefühle. 

Nach fünfstündiger Überfahrt ist die Robusta im östlichen Teil des Hafens, mit Auto- und Motorradreifen gepolstert, längsseits an der Hafenmauer festgemacht. Doch nun kommt jemand und weist uns mit Zeichensprache an, am Schwimmsteg anzulegen. Ja umso besser, perfekt! Dankeschön, das ist reinster Luxus. Ein- und Aussteigen ohne an der Hafenmauer rumzuklettern. Das kleine Dorf ist in zehn Minuten ausgekundschaftet. Nun schlürfen wir Awamori, Reislikör mit viel Eis serviert, im fast leerem Guesthouse. Viele Reisende haben die Buchung wegen Coronavirus storniert. Japan hat die Grenzen zu China und der Republik Korea dicht gemacht. Aktuell sind knapp 200 Personen positiv getestet, die meisten davon in Hokkaido, der nördlichsten Präfektur Japans. Die Regierung hat als erste Massnahme sämtliche Schulen, Museen und Theater im ganzen Land geschlossen. In den Medien häufen sich die Berichte über die Ausbreitung in der ganzen Welt!

Wie ernst die Lage tatsächlich ist, muss erst mal in unseren Köpfen ankommen. So abgelegen und doch nur einen Katzensprung von China und der Republik Korea entfernt, können wir die Lage noch nicht ganz einordnen. In Italien spitzt sich die Lage dramatisch zu. Ich sorge mich um meine Eltern. Was ist mit meinem Sohn? Wie geht es allen Freunden? Kann es sein, dass wir auf einmal nicht mehr auslaufen dürfen und somit in einem Hafen festsitzen? Reisepläne ändern? Was wird aus Alaska? Ja ja ja jaaaaaaa ich weiss, das ist Gejammer auf hohem Niveau. Exgüsi! Doch wir machen uns auch Sorgen und Gedanken über die Folgen einer Pandemie. 

Momentan ist alles ruhig. Jedenfalls auf Zamami.  Fragen über Fragen. Doch erstmal wird Corona positiv verdrängt. 

Es dauert nicht lange, formiert sich eine lustige Clique. Sergey ist mit seiner Yacht für ein paar Tage von Okinawa nach Zamami gesegelt. Er kennt hier viele Leute. Thomas hat ihm beim Anlegen geholfen. Später klopfte er an die Robusta und brachte Salzgebäck und Bier. Wir verstehen uns auf Anhieb bestens. Er fragt ganz vorsichtig, ob ich gerne koche. Er hasse das, doch er würde gerne ein paar Freunde einladen. Ich könne ihm eine Liste geben, er gehe dann einkaufen. Das ist doch ein Deal. Wir begleiten ihn zum Laden, denn es gibt bestimmt einiges zu Schleppen mit all den Getränken. Ein kräftiger Regenguss unterbricht die Aktion erstmal. Sergey lädt uns in ein Restaurant zum Mittagessen ein. Die Wirtin rüstet uns mit drei Regenschirmen aus. 

Am Abend sitzen acht Personen in Sergeys Yacht am grossen Tisch, der mit allerlei Häppchen übersät ist. Die Gäste haben auch etwas Leckeres mitgebracht.  Ich habe Arabisches Fladenbrot mit  Hummus und Tomatensalat an Balsamico Sauce,  Kartoffelsalat und einen grünen Salat zubereitet. Ich muss schmunzeln. Japanisches Essen ist in kleinen filigranen hübschen Schälchen, in kleinen Portionen angerichtet. Da kommen die Alpenländler nach Japan und stellen drei fette Schüsseln auf den Tisch, die wie die Faust auf’s Auge ins Bild passen. Bis auf den letzten Krümel ist alles radikal aufgefuttert. 

Die Wassertemperatur ist schon fast kalt verglichen mit den Tropen. Statt 29 nur noch 20 Grad. Wir quetschen uns zum Schnorcheln in die enge schwarze Wursthaut. Kristallklares Wasser, mit bunten Korallen und es wimmelt von Fischen. Sogar eine Schlange von beachtlicher Grösse, schlängelt am Grund unter mir durch. Zwei Stunden vor Hochwasser kommen jeweils die Meeresschildkröten um am Grund Grass zu fressen. Zamami ist wahrhaftig ein Tauchparadies. Vom Strand aus sind manchmal sogar die Buckelwale zu beobachten, wenn diese Kolosse ihre Sprünge vollziehen. 

Am nächsten Abend sind wir im Dorf eingeladen. Die Kollegen, die wir gestern kennengelernt haben, wollen für uns Tintenfische zubereiten. Auf so einer Art Racletteofen, mit speziellem Aufsatz mit kleinen Einbuchtungen, werden die Tintenfischstücke gelegt und mit Bierteig übergossen. Geschickt jonglieren alle mit ihren Stäbchen, mit denen ich mich immer noch nicht angefreundet habe, die Masse in den Kulen zu runden Bällchen. War alles sehr lecker und gemütlich. Andre, ein Deutscher der im Gasthaus arbeitet, will morgen für die ganze Bande ein Indisches Curry zubereiten. Doch obwohl das Gasthaus wegen Corona zu ist, motzt der Boss und äussert Unmut über das Vorhaben. So findet die Aktion auf der Robusta statt. Andre bringt die Zutaten und macht sich in der Pantry zu schaffen. Der arme Kerl ist jedoch etwas zu gross für die Robusta und müht sich darum in gebückter Haltung am Herd ab. Draussen stürmt und regnet es in Strömen. Das Curry ist extrem scharf geraten. Alle beginnen zu schwitzen und die Tränen kullern über die Wangen. Autsch, das war wirklich extrem. Um das Feuer zu löschen wurde die entsprechende Menge Alkohol nachgegossen. Wir haben jedenfalls bis in die Morgenstunden hinein ausgelassen gelacht, getanzt und dabei viel Spass gehabt.

KAMPAI  Alles Gute liebe Zamamis!!

INFOS FÜR SEGLER

Hafen: anlegen am im Osten gelegenen Schwimmsteg 

Papiere: Jemand kam von der Gemeinde, doch wegen Verständigungsblockade geschah nichts. Keine Papiere mussten gezeigt werden, keine Kosten

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February 25 2020

Erste Eindrücke von Japan

Der letzte Stadtbummel ist bereits eine Weile her. Das war vor neun Monaten in Suva auf Fiji. Die Stadt Naha ist jedoch mit ihren rund 320 tausend Einwohner drei mal so gross. Wau, all die Eindrücke, alles in Japan ist für uns so neu, einfach anders. Wir waren noch nie in Asien. Die Autos sind alle so schnuckelig mini klein. Alles ist einfach miniklein. Jedenfalls zu klein für Thomas Füsse – so die Erfahrung beim Schuhe kaufen. Auch die Bars und Kneipen sind klein. Mit fünf Personen ist so ein Schuppen bereits prall voll! Die Esserei mit den Stäbchen treibt mich fast zur Weissglut. Ich bin Linkshänderin, was sich auf den Lernerfolg nicht gerade positiv auswirkt. Einkaufen ist auch so eine neue Herausforderung. Die schönen  Schriftzeichen verraten nicht mal im Entferntesten etwas über den Inhalt der Packung. Aussentüte mit Innentüte, womöglich nochmals mit innerer Plastikhalterung verunmöglichen sogar den Tastsinn einzusetzen. Und dann ist die Schachtel Kekse nach 15 Minuten auspacken, leider in 15 Sekunden verschlungen. Die Google Translate App erleichtert das Reisen in Japan. Das Handy einfach mit der Kamera über einen Text halten und hokuspokus erscheint der in der gewünschten Sprache. Kannst auch einen Text quasseln und dann übersetzt abspielen. Die ältere Generation spricht in Japan selten Englisch. Bei den jungen Leuten sieht die Situation positiver aus. Oft wird gesprochenes Englisch nicht verstanden, doch wird ein Satz aufgeschrieben, dann wird alles klar.

Beim Herumschlendern entdecken wir im monströsen Hafen von Naha eine Einbuchtung, wo kleine Fischkutterli liegen. Vor einer Holzhütte mit langen Tischen, sind einige Personen versammelt. Thomas fragt, ob wir mit der Robusta hier Diesel und Wasser tanken können und ein paar Tage bleiben dürfen. In der Ginovan Marina gibt es nämlich keine Liegeplätze für Gäste.  Ja das geht, meint der  freundliche Mann. Er betreibt eine Whalewatching Firma. Bezahlen müssen wir nichts. Die Robusta passt gerade in die einzig freie Lücke. Im Google Maps als Naha North Marina mit fünf Gästeplätzen für Boote bis 9 Meter eingetragen. Ich habe Kuchen gebacken und offeriere allen Anwesenden davon. Immer mehr Leute gesellen sich am Feierabend an den langen Tisch. Sie bringen Bier und Reiswein und auch Chilenischen Weisswein den wir probieren müssen. Bald sitzt die ganze Bande auf der Robusta. Ein alter Mann übergibt mir eine grosse Papiertüte. Zu meinem Erstaunen, ist diese mit Italienischen Spezialitäten gefüllt! Ein Salami, gleich gross wie mein Oberschenkel, verschiedene Käse, Salatsauce und dazu noch eine wild blinkende Lampe ohne Knopf zum Abstellen. Willkommen in Japan! Ihr müsst unbedingt zu den Zamami Inseln. Zur Zeit sind da viele Buckelwale mit ihrem Nachwuchs. Doch das Naikosen, das Papier vom Zoll (Custom) welches den ganzen Papierkram in den Häfen vermeiden soll, fehlt noch für die Weiterreise.

Das gewünschte Papier ist bereits ausgestellt und abholbereit! (mehr dazu im letzten Blogeintrag). Ich präsentiere die gewünschte Liste mit zehn aufgelisteten Orten, die wir anlaufen werden. Nur Ort, ohne genaue Angaben, mit Datum. Nach den neuen Bestimmungen entfällt diese Liste eigentlich. Na ja, was soll’s wenn damit die Prozesse endlich abgesclossen ist. Doch die 8 Liter Rum, die Thomas beim Einklarieren in der „Ship Stores Declaration“ angegeben hat, müssen noch verzollt werden. Die Rechnung haut den Thomas aus den zu kleinen neuen Schuhen. 5000 Yen pauschal. Das sind ja fast 50 Franken! Die zweite Variante gefällt uns besser. Zwei Beamte fahren mit uns zur Robusta, um den Alkohol zu versiegeln, was zugleich noch den langen Fussmarsch erspart.

Keine Reise nach Japan ist perfekt, ohne den Besuch in einem Onsen, was so viel wie “heisse Quelle” bedeutet. Davon soll es an die 2300 im Land geben. Dabei handelt es sich um Badehäuser, die durch vulkanische Energie und mit Thermalwasser betrieben werden. Saunas und Dampfbäder und natürlich die Sprudelbecken gehören ebenfalls dazu. Die Anlagen sind nach Geschlechter getrennt.

Die Crew, im Onsen frisch gereinigt, gebadet, durchgeschwitzt und erholt, Robusta mit neuem Wantenspanner am Kutterstag repariert – so ziehen wir nach Zamami weiter. Der Abschied ist sehr herzlich und hinterlässt bleibende positive Eindrücke.

Unter diesem Link ist beschrieben, wie du als Tourist in Japan günstig zu Internet kommst. Wir haben uns für diese Variante entschieden Smash Mobile

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February 24 2020

Okinawa, Einklarieren in Japan

Unser Traum nach Japan zu segeln, ist wahr geworden. Wir sind tatsächlich da!

Doch wir mussten feststellen, nautische Informationen über Japan sind rar. Im Internet sind viele Reiseführer für Landratten zu finden. Doch Infos für Segler sind sozusagen inexistent. Das meiste ist über 10 Jahre alt und ich denke somit von geringer Bedeutung. So haben wir uns eigentlich nur mit Hilfe der Website Noonsite und den unten aufgeführten Links von verschiedenen Seglerblogs orientiert, um einen Vorgeschmack auf Japan zu erhalten. Die Einreise nach Japan war für Segelyachten bis Mai 2018 mit extrem viel bürokratischen Aufwand verbunden. Die neu geltenden Bestimmungen sollen so einiges vereinfachen. Wie sich bei unserer Ankunft jedoch herausstellte, ist längst nicht überall bekannt, dass sich etwas geändert hat. Kein Wunder, denn nur sehr wenige Yachten verirren sich hierher.

Im Hafen von Naha, auf der zwischen Taiwan und dem Festland von Japan gelegenen Insel Okinawa, übergebe ich einem der sechs wartenden Beamten die Leinen, um die Robusta festzubinden. Ein Ding der Unmöglichkeit, ohne Hilfe an der riesigen Hafenmauer, an einen Poller zu gelangen. Die Mauer ist mit scharfkantigen Muscheln bewachsen. Der Tidenhub variiert nur gerade mal um die eineinhalb Meter. Doch wegen der heftigen Winterstürme und Taifune ist der Hafen von riesigen Molen und Mauern geschützt. Zum Glück haben wir in Saipan noch vier alte Motorradreifen als Fender aufgetrieben. Unsere schönen Fender wären nicht lange unversehrt geblieben!

Alle plappern nun Japanische Worte, die nicht mal ansatzweise zu verstehen sind. Englisch löst bei ihnen wiederum fragende Blicke aus. Also kann ich gerade so gut Schwiizerdütsch reden. Die Kommunikation läuft irgendwie durch Zeichensprache. Die ersten zwei Beamten klettern nun mit wackerer Unterstützung an Bord. Den Formularen nach zu urteilen, sind sie von der Quarantäne. Glücklicherweise sind die Formulare zweisprachig, nämlich in Japanisch und Englisch ausgestellt. Ich offeriere Kaffee und Kuchen. Doch erst begutachten sie den Kühlschrank, messen dessen Temperatur und unsere danach ebenfalls, mit einem modernem Gerät an der Stirn. Der Backofen und die Toilette werden auch angeschaut. Thomas füllt stirnrunzelnd die Formulare aus. Die Seiten bleiben an manchen Stellen einfach leer, denn sie sind für die Frachtschiffe ausgelegt. Frisches Gemüse dürfen wir behalten. Fleisch und Fisch hatten wir nicht mehr. Ihre Arbeit ist somit erledigt, doch der Kaffee in den Thermotassen ist noch viel zu heiss und die Männer vom Zoll warten bereits etwas ungeduldig. Weitere Formulare müssen ausgefüllt werden. Aus einem Koffer von beachtlicher Grösse, werden weisse Papierstreifen und kleine Plastiktütchen entnommen. Sowas ähnliches habe ich schon mal in einem Krimi im Fernsehen gesehen. Damit wird über verschiedene Flächen gepinselt. Dies innen wie ausserhalb der Robusta. Sogar am Mast und am Lazy Jack und im Ankerkasten werden Proben entnommen. Was damit genau untersucht wird, verstehen wir nicht. Für Drogen sind doch üblicherweise Hunde zuständig. Doch so einen Bello von der Hafenmauer auf eine Yacht zu bugsieren, könnte echt problematisch werden. Über den Biervorrat lachen die Beamten, denn es handelt sich um Japanisches Bier, welches Ivan uns in Saipan geschenkt hatte. Sechs Liter Rum gibt Thomas im Zollformular an, ohne Bier, was ein Bruchteil der eigentlichen Menge ausmacht. Niemand meckert. Hocheffizient und professionell, mit Checkliste überprüft, wird auch diese Kontrolle abgeschlossen. Nun ist die Immigration an der Reihe. Die warten in einem winzig kleinem Fahrzeug. Im Kofferraum ist sozusagen ein ganzes Büro eingerichtet! Computer mit Drucker und ein Gerät welches Fingerabdrücke scannt und Fotos schiesst, stehen bereit. Ohje, wir sehen für das Fotoshooting völlig durch den Wind aus! Die ganzen Geräte werden mit einem Generator betrieben. Ein Formular wird unglücklicherweise, direkt aus dem Drucker, ins Meer geblasen. Geschickt wird dieses mit einem von den Fischern ausgeliehenem Feumer, wieder ins Büro transportiert. Die Pässe sind nun gestempelt und mit 90 Tagen Aufenthaltsgenehmigung versehen. Nicht alle Staatsangehörige können eine Verlängerung beantragen. Fürs Erste ist das Einklarieren erledigt. Doch nun zückt einer der jungen Beamten sein Handy. Er will mit uns ein Selfie von der Robusta machen. So gehts los und alle posieren unter riesigem Gelächter. Jemand notiert auf einem kleinen Block, alle Länder die wir besucht haben. Irgendwie scheinen wir uns auch ohne Sprachkenntnisse zu verstehen!

Der besondere Teil steht noch aus. In Japan gibt es offene und geschlossene Häfen. Diese können nur mit einer Genehmigung vom  MLIT (Ministry of Land Infrastructure Transport and Tourism) angelaufen werden. Es ist Freitag kurz vor Feierabend. Hier ist alles in wenigen Minuten klar was wir brauchen. Das Papier wird sobald es fertig ist, per email zugestellt. Mit dieser Genehmigung kann bei Costum /Zollbehörde das sogenannte “Naiko Senpaku” or “Naikosen” beantragt werden, was das Reisen in Japan vom Papierkram in jedem Hafen befreien soll. So wären wir, mit den unter Japanischer Flagge laufenden Yachten gleichgestellt. Ein Nachteil ist da doch noch. Diesel kann nicht mehr zollfrei getankt werden und vor der Ausreise darf nicht vergessen werden, das Naikosen wieder zu löschen. Am folgenden Arbeitstag ist das Closed Port Permit fertig. Doch die Zollbehörde kennt den Ausdruck Naikosen nicht. Ein junger Mitarbeiter spricht ein wenig Englisch. Die Kommunikation läuft nun über das Handy mit Hilfe von Google Translate. Irgendwie werden alle ein wenig bockig. Wir zeigen die Infos aus dem Internet in Japanisch übersetzt. Dann gehen wir und künden an, dass wir in zwei Tagen  wieder kommen werden. Nun fordern sie eine ausführliche Liste mit allen Häfen, mit Daten,  die wir anlaufen werden. Vergebens versuche ich durchzugeben, dass dies nicht möglich ist, da Segler auf den Wind angewiesen sind. Wir einigen uns auf eine Liste, aus der so ungefähr nachvollziehbar ist, an welcher Küste wir  entlang segeln werden. Wir sind gespannt, ob sie das mit dem Naikosen verstanden haben. Mehr dazu im nächsten Blog

Links

SV Pino: Blog und  youtube Clips

Sailing Vessel Tumbleweed Blog

Unter alten Bestimmungen durch Japan geseglet:

Segelyacht SuAn

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February 21 2020

Überfahrt Saipan – Japan, Okinawa

Wie bereits im letzten Blog erwähnt, drängt die Zeit um weiterzukommen. Die Segelsaison in Japan ist kurz. Im Norden herrscht jetzt noch tiefster Winter mit viel Schnee. Desto südlicher, umso milder ist es im Februar. Taifune treten vor allem mitte Juli bis Oktober auf, können aber in allen vier Jahreszeiten vereinzelt über Japan preschen. Die Wetterprognosen sind sehr präzise und Stürme bereits fünf bis zehn Tage im Voraus sichtbar. Sichere Häfen gibts so viele wie Fliegen in einem Kuhstall.  

Das Wetterfenster ist nicht ganz optimal. Doch zumindest die ersten fünf Tage sehen einigermassen locker aus. Über Japan ziehen die Hoch- und Tiefdruckgebiete von Südwest nach Nordost über’s Festland. Wie zur Zeit ersichtlich, im Takt von jeweils einer Woche. Mit dem Team der Ausflugsboote, bespreche ich die lokalen Wind- und Wetterverhältnisse. Die Leute helfen gerne. Wind aus Nord sei immer speziell stark. Um die 25 bis 30 Knoten. Nord, langsam nach Ost drehend, tönt gut. Wir segeln beim Start einer Überfahrt gerne in die Nacht hinein. Vom starken Nordwind ist noch nicht viel zu spüren. Das zweite Reff ist für die Nacht bereits eingebunden. Direkten Kurs nach Nordwest anlegen, geht nicht. Versuchen hart am Wind zu segeln, was mit Zunahme des Windes immer unmöglicher wird. Immerhin West ist nicht schlecht. Nach fünf Tagen herrscht kurz Flaute und dann hämmert der Einfluss vom Tiefdruckgebiet über Japan herein. Die dunkle Wolkenwand nähert sich eindrücklich. In Kürze weht der Wind mit gegen 35 Knoten direkt auf die Nase! So drehen wir bei und die Robusta steht recht ruhig in der wilden See. Doch wir driften schneller als erwartet, mit zwei bis drei Knoten nach Saipan zurück. So segeln wir doch lieber wieder unter Fock und Grosssegel im dritten Reff, mit dem Bug übertrieben spitz zur Welle gestellt. So läuft die Robusta sehr langsam, aber immerhin nicht rückwärts. Angenehm war’s jedenfalls nicht! Rückblickend würde ich diese Strategie nicht mehr so schnell anwenden. Das Kutterstag ist dabei gebrochen. Ist nicht so tragisch, ist kein tragendes Element vom Mast. Das Fock stand dennoch erstaunlich gut nur am Fall baumelnd.

Erst nach dem sich eine Ladung Wasser durch die Dorade-Lüftungen in die Kojen ergoss, kam uns in den Sinn, diese zu verschliessen. Ist doch eh komisch, dass da nicht eine Vorrichtung existiert, mit der die Dinger anständig dicht zu bekommen sind. Immer ist da was zu improvisieren. Beste Lösung war bis anhin, von innen eine bunte Badeschwimmnudel reinzustopfen. Diese passen perfekt in die Löcher.  Mir kam es vor, als daure der Sturm eine Woche. Dabei war nach zwei Tagen alles vorbeigezogen.

Die 1300 Seemeilen lange Strecke ist in zwei Wochen geschafft. Hauptsächlich mit Amwind- oder Halbwindkurs, was die härtere Art des Segelns ist und definitiv nicht zu meinen liebsten Varianten gehört. Kochen und essen ist in diesen Bedingungen nur noch für Hartgesottene möglich. Ich war sogar zu faul zum Lesen, was ich sonst auf Überfahrten sehr gerne tue. Eigentlich wollte ich mir schon die ersten Brocken Japanisch aneignen. Doch die Sprachlern-App funktionierte offline nicht. Habe ich bei der Auswahl nicht geschnallt. Finde es peinlich, wenn es bei der Ankunft nicht möglich ist, die Menschen anständig zu begrüssen und ein klein wenig zu plaudern.

Jetzt muss erstmal der richtige Ort zum einklarieren gefunden werden. Der Hafen von Naha auf Okinawa ist gross. Per email haben wir vor dem Ablegen das Pre Arrival Formular mit unserer Ankunftszeit an die Japan Coastguard losgeschickt und dabei angefragt, wie und wo die Einklarierungs-Zeremonie stattfinden soll. Das müssten wir selber organisieren – so die Antwort der Coastguard. Eine Telefonnummer gaben sie immerhin durch. Doch wir haben kein Telefon, kein Japanisches Geld und an Land dürfen wir ja auch nicht um eine Telefonzelle zu benutzen. Gibt es denn überhaupt noch Telefonzellen? 

Kurz vor der Ankunft meldet sich die Coastguard per Funk. Ich verstehe ihr Englisch nicht! Wahrscheinlich versuchen sie eine Position durchzugeben… Zufällig erblickt Thomas im Fernglas sechs wild gestikulierende Uniformierte Figuren mit weissen Masken. Irgendwie ist die Ankunft doch noch an die Behörden druchgedrungen.  

Im nächsten Blog beschreibe ich das Einklarieren etwas ausführlicher. Denn das ist in Japan alles etwas speziell und die neuen vereinfachten Regeln scheinen noch nicht überall bekannt zu sein.