January 4 2021

Neue Freunde finden in der Corona Epoche

Die Robusta liegt unversehrt im Hafen. Doch Drinnen ist es saukalt und nur wenige Grad wärmer als draussen. Die klammen Kojen laden nicht direkt zum Ausruhen ein. Erst mal kräftig lüften und die Dieselstandheizung auf volle Pulle drehen. Decken aufhängen und die Matratzen aufstellen, damit von allen Seiten warme Luft wehen kann. Dann aber nichts wie raus aus diesem Chaos. Nach der langen Fahrt von Anchorage habe ich mich eigentlich, auf gemütliches in der Koje hängen und einen Film auf dem Tablet gaffen, eingestellt. Statt  zu schmollen, flüchten wir in die kleine Hafenbar Salty Dawg. Die Bude befindet sich im alten Leuchtturm. Brennt das Licht im Turm, ist die Bar offen.  Erstaunlicherweise auch trotz Corona. Dort treffen wir auf einen überdrehten Haufen. Alle scheinen sich zu kennen. Wir sind die einzigen Fremden. Ein halbes Bier später, quasseln uns die Anwesenden Löcher in den Bauch. Sie sind völlig verblüfft, dass Schweizer nach Alaska gesegelt sind und den ganzen Winter im Hafen wohnen wollen. Nach dem dritten Bier werden Telefonnummern ausgetauscht. Von den Amis heisst es ja, sie seien super spontan, aber auch entsprechend oberflächlich. Mal schauen was daraus wird. 

Eine Woche später sind sämtliche Bars geschlossen. Das Virus hat sich eine Angestellte vorgenommen. Aus Angst,  die Kunden der betroffenen Bar könnten in die anderen Lokale drängen, schliesst der Salty Dawg ebenfalls seine Türen. Andere Lokale ziehen nach. Alle hocken nun in der Kälte – auf dem Trockenen.

So ein Mist. Wo lernen wir Leute kennen? Ich befürchte uns steht eine einsame Zweisamkeit bevor. Als kontaktfreudige Person stimmt mich die Situation traurig. So suche ich im Netz nach Alternativen. Alle Sportvereine nehmen keine neuen Kunden an. Kursangebote sind zur Zeit annulliert.  Der lokale Segel Club ist ebenfalls im Corona-Modus. Alle sonst üblichen Treffen des Clubs finden nicht statt. Nicht mal ehrenamtliche Arbeit ist zu finden!  

Covid19 sei Dank 

Freundschaften knüpfen während der Pandemie, ist nicht so einfach. Üblicherweise laden wir gerne Leute auf die Robusta ein. Doch in ihrem kleinen Bauch ist Physical Distancing nicht möglich. Ich weigere mich jemals den Ausdruck Sozial Distancing zu verwenden. So ein idiotischer Begriff! Passt doch überhaupt nicht. Sozialkontakte sind ein Lebenselixier. Mit all den technischen Errungenschaften, ist es zum Glück möglich, Kontakte nach wie vor zu pflegen. Einfach auf eine andere Art. Ansonsten läuft hier das Leben fast normal weiter. Unsere Familien und Freunde sind da schon ganz anders gefordert. Lockdown, Home Office, Homeschooling, Job verloren, keine Kohle zum Rechnungen bezahlen und weitere Dramen spielen sich in weiter Ferne ab. Unsere Probleme mit geschlossenen Grenzen und Ersatzteilbeschaffung erscheinen dagegen mickrig. Jedenfalls suggerieren wir uns ein, alles wird schon bald wieder normal. 

Jetzt aber zurück zum für euch verständlicherweise absurd klingendem Problem, “Freunde finden”:

Mittlerweile ist ein enger kleiner Kreis an Freundschaften entstanden. Doch wie ist es dazu gekommen? Was ist anders während der Pandemie als üblich? Hier paar nette Beispiele, die uns um die einsame Zweisamkeit brachten. Vielleicht hätte es der Beziehung auch mal gut getan sich ganz und gar aufeinander zu konzentrieren…

Spaziergänger haben die Schweizer Flagge an der Robusta flattern gesehen. Sie haben angeklopft. Alle haben in irgend einer Form Bezug zur Schweiz. Sind dort aufgewachsen, ein Schüleraustausch um Deutsch zu lernen absolviert, oder die Grosseltern sind bereits nach Alaska ausgewandert. Auf Reisen in Homer hängen geblieben, sind auch einige. Daraus sind mittlerweile super nette Freundschaften gewachsen. 

Die Leute die hinter den Telefonkontakten vom Abend im Salty Dawg stecken, gehören offensichtlich zu der mutigeren Sorte. Mit ihnen kochen wir nette Abendessen in der engen Robusta, musizieren und spielen Karten, oder haben es einfach lustig miteinander. Oder hocken draussen, trotz Kälte gemütlich um ein grosses Feuer. In die Bar gehen wir nur wenn wenig los ist.  Alle wollen gesund bleiben. So vertrauen wir einander, dass die Covid19 Regeln ernst genommen werden. Hier im ländlichen Bereich, wird schnell bekannt wenn sich jemand angesteckt hat. Dieses Verhalten birgt ein Restrisiko, mögen die einen jetzt denken.  Egal, auf alles wollen wir nicht verzichten. Viel Zeit verbringen wir mit Freunden für einen Spaziergang oder zum Schneeschuhlaufen und Langlaufen.  Material für diese Aktivitäten haben uns all die netten Menschen von Homer ausgeliehen. Grossen Dank!!! Aufenthalt an der frischen Luft ist wegen der kurzen Tage von gerade mal 5 Stunden, für die Gesundheit besonders von Bedeutung. Cabin Fever wird der Zustand von Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit im Winter in Alaska genannt.

Was ich jedoch sehr irritierend finde und auch vermisse, ist das Hände schütteln oder Umarmen. Die Küsserei kann von mir aus für immer verschwinden. Doch irgendwie möchte ich mehr Herzlichkeit zeigen. Doch wie? 

 

 

 

 

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November 1 2020

Anchorage

Fotos sind diesmal keine dabei. Das Thema ist zu brisant. Diese Menschen verdienen Achtung und Persönlichkeitsschutz.

Zu Fuss streifen wir durch das Zentrum von Anchorage. Viele Lokale und Läden sind geschlossen. Bäume und Sträucher tragen Blätter die in allen Farben in der Sonne leuchten. Trotzdem erscheint alles etwas gespenstisch. Nur wenige Autos fahren herum. Die Parkplätze sind fast leer. Im Zentrum fallen mir die vielen verwahrlosten Menschen auf. Jede Altersgruppe scheint vertreten. Auch Kinder sind unter ihnen und auffallend viele Frauen und Natives. Durchaus keine homogene Gruppe. Entlang der Uferpromenade im Wald und sogar im Park, stehen Zelte oder aus Ästen und Planen gebaute provisorische Behausungen. Eine schmutzige Hand mit schwarzen Fingernägeln, zeigt in unsere Richtung. Sie gehört der Frau, die auf einem Stück Karton auf dem kalten Boden sitzt. Ein freundliches God bless you entgegnet sie für die paar Dollarscheine. An Strassenkreuzungen wird gebettelt oder versucht mit Scheibenreinigen etwas Kleingeld zu verdienen. Dass viele von ihnen ein Alkoholproblem haben, ist offensichtlich. Doch auch harte Drogen wie Heroin, Crack und anderes, fanden ihren Weg in den hintersten Winkel der Erde.  

Nun steht auch noch der Winter vor der Tür. Wie soll das gehen? Im Zelt pennen, bei Temperaturen weit unter null Grad Celsius? Mich beschäftigen diese Schicksale und es beelendet mich sehr zu sehen, wie dieses wunderschöne Land aus diversen Gründen leidet. 

Bei unseren Freunden bekommen wir mal wieder Gelegenheit zum Fernsehen und intensiv das Internet zu durchstöbern. So stossen wir auf einige traurige Fakten im Netz. Doch viele Fragen bleiben unbeantwortet. Die Zahl der Erwerbslosen ist in Anchorage mit Einzug von Covid19 auf über 14 % hochgeschnellt. Viele Menschen kamen in die Stadt um einen gut bezahlten Saisonjob zu finden. Doch für so viele ging dieser Plan nicht auf. Die hier Gestrandeten können sich die weite Heimreise nicht mehr leisten. Flüge sind gestrichen und die Langstreckenbusse verkehren zur Zeit auch nicht. Alles ist im entlegenen Alaska teurer als sonst wo in den Staaten. Wer die Miete oder die Raten für das Haus nicht mehr bezahlen kann, endet in Kürze auf der Strasse ab. Die Gesundheits- und Sozialhilfebehörde sind gefordert. Wird es kalt, werden Menschen erfrieren. So wurde im April die Sullivan Arena in eine Notschlafstelle umfunktioniert. Dort übernachten im Schnitt 350 Personen auf Feldbetten. Durch Covid19 bedingt, mit einem Abstand von gerade mal zwei Metern. In der Eis Arena sind nahezu eben so viele Frauen und Familien untergebracht. 

Am 3. November wird in den Vereinigten Staaten Amerika ein neuer Präsident gewählt. Die Stimmung ist derart aufgeheizt. Die Bevölkerung ist absolut gespalten. Themen wie Gesundheitssystem, Wirtschaft, Ethnische Spannungen, Wahlsystem, Waffen, Abtreibung sind  Reizworte. Schnell wird uns klar, über Politik reden ist heikel.

Verlierer wird es bei den Wahlen 2020 so oder so geben. Die ganze Situation scheint mir ein gefährlicher Nährboden für Konflikte, vor allem wenn das Ergebnis eng ausfallen wird.

Morgen fahren wir wieder nach Homer zurück. Mal schauen, wie es der Robusta geht, denn in der vergangenen Woche sind mehrere heftige Stürme übers Land gefegt und es hat auch schon geschneit.

 

 

 

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October 25 2020

Segler klarieren am Flughafen von Anchorage ein

So könnte die Schlagzeile der Zeitung  Anchorage Daily News lauten. Der Flughafen ist sozusagen menschenleer. Durch Covid19 ist es im Luftraum still geworden. Nur noch Frachtflüge sind erlaubt oder Leute mit spezieller Bewilligung werden befördert. Er ist mindestens so kräftig gebaut wie Arnold Schwarzenegger. Grimmig verhindert er das Eindringen in den Zoll durch die Tür mit dem roten Einbahnschild. Wir müssen zum Zoll. Er will uns dort hin führen wo wir hergekommen sind. Ich versuche zu wiederholen, was uns im ersten Stock gesagt wurde. Wir müssen einklarieren und darum zum Zoll wo die internationalen Flüge ankommen. 

Als Frau alleine wäre ich dem nun sichtlich irritiertem Mann in schwarzer Uniform, nicht durch all die Irrgänge des Flughafens gefolgt. An seinem Gurt baumeln Handschellen, Schlagstock und noch so komische Dinge. Ich nehme an, ein Bärenspray und Taser und weitere Folterinstrumente.  

Keine Leute, kein Warten, dafür viel Zeit für die Beamten um eklige Fragen zu stellen. Fingerabdrücke sind entnommen. Foto mit Alaska-Sturmfrisur geschossen. Na ja, eventuell bleibt mir so ein klein wenig Anonymität erhalten.  Ohne viel Fragerei ist der Prozess abgeschlossen und nun schauen wir etwas irritiert auf die gestempelten Pässe. März 2021! Ich interveniere. Hätte da noch eine Frage! Thomas stupft mich, für mein Empfinden, unsanft in die Rippen. Nun verlange ich erneut nach dem Supervisor. Das Schwarzenegger Duplikat gibt schliesslich nach und ruft den Supervisor.  Der hört sich die ganze Story an warum Segler auf dem Flughafen einklarieren wollen. Und wo um Himmelswillen ist denn jetzt die Yacht? Wo werdet ihr wohnen? – im Hafen von Homer auf der Robusta. Und wie sehen eure Pläne aus? Sobald es die Bedingungen im Frühjahr erlauben, wird die Robusta in die Werft gebracht um einige Überholungsarbeiten vorzunehmen. Dann gehts weiter zum Prince William Sound mit all seinen Fjorden  und Gletscher und weiter runter nach Süd-Ost Alaska bis Kanada. Doch die Grenze zu Kanada ist voraussichtlich bis August 21 wegen Covid19 geschlossen.  Ankern an der Küste wird toleriert, doch einklarieren geht nicht.  So ein winziges Virus verunmöglicht gerade grosse Planung. Die Situation ändert sich von Woche zu Woche. Eine Impfung ist auf November versprochen. Bis Anhin ist noch keine Impfung durch die verkürzte Zulassung gekommen. 

Im Pass ist nun ein Stempel durchgestrichen. Daneben der neue Stempel mit dem Datum vom 20. Juli 2021. Länger als ein Jahr vom Einreisedatum geht nicht. Wir sind zufrieden was wir soweit erreicht haben. Jetzt nur noch die Cruising Licence im Büro vom ersten Stock abholen. Eigentlich kostet das was. Doch niemand weiss  genaueres. Um einen Mehlsack erleichtert, schreiten wir beschwingt aus dem Flughafen.

 Vic und Josh, mit ihnen durften wir nach Anchorage fahren und sogar eine ganze Woche bei ihnen übernachten, können nicht glauben, dass alles so reibungslos über die Bühne ging. Wir auch nicht! Die beiden haben bereits alle möglichen Strategien ausgeheckt, falls wir Probleme bekommen hätten. So bleibt Zeit, um noch ein paar Tage Anchorage zu erforschen. Freuen uns wieder mal seit einer Ewigkeit in einer Stadt zu sein. In Japan waren wir das letzte mal auf einem Stadtbummel, also vor fast einem Jahr!

 

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October 20 2020

Überwintern an Bord, Massnahmen

Bald wird es in Alaska so richtig kalt. So muss die Robusta erst eine Prozedur fürs Einwintern über sich ergehen lassen. Im Hafen von Homer sollte sich im Winter nicht viel Eis bilden. Doch letzten Winter sah es diesbezüglich anders aus. Borddurchlässe im Bereich der Eisdecke sind in Gefahr! Das Meerwasser gefriert bei einer Wassertemperatur von minus 1.9 Grad Celsius. Ein weiteres Problem ist die Feuchtigkeit im Boot. Durch’s Heizen kondensiert die warme Luft an kalten  Oberflächen zu Wasser. Die Robusta ist bis knapp unter die Wasserlinie isoliert. Somit stellen Fenster eine Herausforderung dar die gelöst werden muss.

Folgende Massnahmen haben wir für’s Überwintern im Hafen mit Landstromanschluss getroffen:

-Sämtliche Segel, Leinen, Falle, Rettungsinsel, Dinghi, Windsteueranlage Pacific Plus inklusive Ruder abmontiert und in einem ungeheizten Container in der Werft trocken eingelagert.

-Rigg etwas entspannt. Mussten Stroppen zwischen den Wanten spannen um bei Sturm Vibrationen zu vermeiden.

-Deckshaus  aus Lastwagenplane vor Schneelast schützen: Mit Dachlatten Rahmen über den Baum konstruiert und mit altem Sonnensegel überspannt. 

-Dorade Lüfter: Die sind konstruiert, damit bei Seegang kein Wasser eindringt (hahahahah). Aufgepasst, Schnee findet seinen Weg mit etwas Wind ebenfalls durch die Lüftung ins Innere. Schwimmnudeln passen perfekt von innen in die Öffnung. So bleibt es innen auch schön warm.

-Gummidichtungen mit Silikon gefettet

-Motor Vetus Deutz D4.29: Seewasserkühlungsschläuche mit Frostschutz gefüllt, Seeventil geschlossen. Der Motor selbst ist Ölgekühlt, es gibt keinen Süsswasserkreislauf. Frostschutz aus Propylene Glycol  ist biologisch abbaubar und ungiftig.

-Batterien: Vor Kälte schützen, an einem warmen Ort gelagert

Wohn und Schlafraum: 

-Geheizt wird mit der Webasto Dieselstandheizung.  Morgens und abends für etwa eine halbe Stunde. Zur Erhaltung der Wärme verwenden wir einen elektrischen Ölradiator 1500 Watt mit Thermostat. 

-Boden mit Teppich ausgelegt

-Wassertanks: sollte kein Problem darstellen. In der Bilge liegt ein Thermometer um die Temperatur zu kontrollieren. 

-Bilge regelmässig kontrollieren, da sich dort Kondenswasser ansammelt.

-Bullaugen und Luken doppelt verglasen: Unter die Holzrahmen der Bullaugen durchsichtige Tischtuchplane geklemmt. An die Luken am Holzrahmen  Magnetband geklebt, auf die Folie das Gegenstück geklebt  und fertig. Zum Lüften einfach entfernen. Funktioniert super gegen Kondensation. 

-Borddurchlässe: liegen bei der Robusta einen Meter unter der Wasserlinie. Sollten also kein Problem darstellen. Ansonsten müssten sie von aussen zugestopft werden, Wasser aus den Seeventilen und Schläuchen entfernen.

-Festmachen am Schwimmsteg ohne Schwell: Der Hafenmeister rät, die Festmacherleinen ganz stramm zu binden. Durch Einrucken bei Kälte könnten die Leinen brechen.  40 Knoten Wind sind hier keine Seltenheit. 

Hoffen mal diese Massnahmen ermöglichen einen angenehmen Winter, du wirst später mehr darüber erfahren.

 

 

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October 8 2020

Ankunft im Hafen von Homer, Alaska

Seit Monaten lastet ein Problem auf unseren Schultern, dessen Lösung wir noch intensiv am austüfteln sind. Nicht nur du bist von der SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung betroffen 🙂  (auf google.de gefunden.) Die Verwirrung ist ja schon im unmöglich langem Wort zu erkennen. Selbst im hintersten Winkel der Erde verändert Covid19 so manches im Alltag. Doch mit Blick in andere Länder gerichtet, geht es uns in Alaska super gut! Die Grenzen sind zu, doch Alaska ist ein riesiges Seegebiet. Doch wie lange wir in den USA bleiben dürfen, ist noch nicht klar.

Erst soll die Robusta im sicheren und eisfreiem Hafen von Homer einen Platz finden. Hafengebühren sind in Alaska sehr teuer. 60 Dollar für 38 Fuss.  Jahresraten sind im Vergleich günstig. Geht auch für ein halbes Jahr. Den 6 Fuss langen Bugspriet konnten wir noch runterhandeln, was sich aber entsprechend negativ auf die Parkplatzgrösse auswirkte. Ab und zu muss die Robusta mal für Wasser an die Tankstelle. Wenn das nur gut geht mit Ablegen und wieder reinquetschen. 

Der Hafen von Homer ist riesig! An die 1500 Boote liegen hier. Sowas habe ich noch gar nie gesehen! Irgendwie eindrücklich. Doch alles ist so hektisch und laut. Die grossen Kutter liegen an der Nordseite und brummen ohne Unterbruch mit laufenden Generatoren vor sich hin. Da wird gehämmert und mit der Flex Stahl bearbeitet. Ich bekomme eine Krise. Schon bei der Überfahrt vom idyllischen Kachemak State Park nach Homer war ich etwas wehmütig drauf. Alles flach, wo sind die Berge? Sofort sehne ich mich an die schönen Plätze der letzten Monate, ja gar Jahre zurück. Thomas freut sich auf Homer und die Winterpause. Eine weitere Enttäuschung, wir sind die einzigen die hier auf dem Boot leben werden. Langsam ahne ich auch warum. In jedem Krümelhafen der Welt existiert eine Möglichkeit sich zu duschen. Sei es nur mit einem an einen Baum gebundenen Eimer. Doch nicht in Homer! im zwölf Kilometer entfernten Dorf hat es einen Waschsalon mit  öffentlicher Dusche. Für  stattliche acht Dollar kannst du dich dort für eine halbe Stunde, inklusive Frottierwäsche,  renovieren. Für Segler die keine Dusche an Board haben, reicht eine halbe Stunde nicht. Jedenfalls mir nicht. In Alaska will ich definitiv erst mit furztrockenen Haaren wieder aus der Duschkammer raus. Nach 12 Kilometer Fussmarsch zurück zum Hafen, ruft schon bald die nächste Dusche. Per Anhalter in der Corona Epoche irgendwo hin zu kommen, ist schlicht nicht möglich. Fahrrad mit fetten Reifen und Stollen für den Schnee und das ganze Eis, wäre eine Möglichkeit. Doch nicht so optimal wegen der Winterstürme, den Blizzards. Ohne Auto bist du  in den USA aufgeschmissen. Das Wort Fussgängerzone existiert in Alaska nicht!

Der Hafenmeister nimmt meine Enttäuschung wahr. In den nächsten Tagen  brechen die grossen Fischkutter für die Krabbenfangsaison in die Bering Sea auf, tröstet er mich. Viele Fischerboote sind über den Winter in einer Werft.  Oder sie stehen irgendwo in der Landschaft. Alle in fette weisse Plastikfolien eingeschweisst. Geologisch gesehen ist der über sieben Kilometer lange Sandstreifen, an dessen Ende der Hafen liegt, ein Wunder. Verschiedene Theorien bestehen zur Entstehung. Entweder ist die Erhebung durch den Rückzug der Gletscher oder durch die enormen Tiden geformt.

Nächste Woche reisen wir mit Josh und Vick nach Anchorage um das versprochene Auto zu holen. Das trifft sich perfekt, denn die Langstreckenbusse fahren wegen Corona nicht. Fliegen geht auch nicht. Ich nehme nochmals Kontakt mit dem Immigration Officer von 5786 Kilometer entfernten Hafen in Nome auf. Der ist für uns zuständig. Ich diskutiere mit ihm die Idee, ob wir als Segler auch am Flughafen von Anchorage einklarieren könnten. Bald sind drei Monate verstrichen und wir sind noch immer nicht ordentlich in den USA  einklariert! “Deferred Entry” nennen die Behörden diesen Zustand. Was uns immerhin knapp eine Stufe besser stellt, als die illegalen Einwanderer. Nicht unser Fehler. In den Aleuten Inseln ist der einzige zuständige Beamte vor unserer Ankunft gestorben. Der Mann von Nome mailt alle Papiere nach Anchorage und werde veranlassen, dass die Immigration  gleich  noch die Crewsing lisence für Segler ausstellen. Echt nett wie er mitdenkt und behilflich ist, alle nötigen Schritte in dieser aussergewöhnlichen Situation zu begleiten. 

Nächste Woche sausen wir nach Anchorage…..

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October 1 2020

Kachemak Bay State Park

Die Robusta liegt nun gut gesichert am Steg einer kleinen Siedlung im Kachemak Bay State Park. Doch der Landausflug wird von einer Gruppe Anwohnerinnen abrupt verhindert. Wegen Covid19 sei die Insel geschlossen. Sie bedanken sich jedoch, dass wir beide Masken tragen. Schade. Ein echt traumhafter idyllischer Ort! Die hohen Berge tragen bereits weisse Schneekappen. Der Wald leuchtet in der Abendsonne in frischen Goldtönen. So verziehen wir uns frustriert  zur Robusta, um die Seekarten zu studieren. Kaum wieder in der Zivilisation, realisieren wir wie Covid19 die Welt regiert. Speziell als Reisende gelten wir als morbiphor. Die Sichtweise ist einigermassen nachvollziehbar. So bleibt nichts anderes übrig, als die Regeln der Kommune zu respektieren. Die Sonne ist bereits hinter den Bergen ins Meer getaucht. Zu riskant im Licht der Dämmerung  zwischen den Bojen der Austernzucht, aus der Bucht zu navigieren. Morgen zischen wir bei Hochwasser ab.

Jemand klopft  an die Robusta. Erschreckt gucke ich raus. Hole schon mal tief Luft, um eine Erklärung auszuspucken, warum wir noch immer da sind. Da steht ein Mann von beachtlicher Statur. Trotz Kälte trägt er kurze Hosen und keine Schuhe. In seinem Garten habe er ein Feuer gemacht. Er und seine Frau wollen uns auf einen Drink einladen. Schnell packe ich einen kleinen Snack und frisch gebackenes Brot und Bier und warme Kleider  in den Rucksack. Was für spannende Leute. Unglaublich. Die beiden engagieren sich für den Explorersclub, 1904 von führenden Forschern der Welt mit dem Ziel der Unterstüztzng von Erforschung von Land, Meer, Atmosphäre und Weltall gegründet. 

Wie sich herausstellt, ist dies wieder einmal eine super wertvolle Begegnung!  Die beiden stellen uns  für den ganzen Winter ihr Auto zur Verfügung. Ist das nicht toll? Diese Leute haben uns gerade eben kennengelernt und schenken so viel Vertrauen. Es ist uns ein Anliegen, uns in irgend einer Form erkenntlich zu zeigen.

Die beiden überlegen sich etwas. 

Am nächsten Morgen poltert jemand mit einem Stock an die Robusta. Durch den Stahlrumpf tönt das sehr aggressiv. Kurzer Zank wer von uns Beiden die Birne raushält.  Aus einem kleinen Aluminiumboot, streckt mir ein sehr alter Mann  einen Karton mit frischen Eier entgegen. Schon fast im militärischen Ton dirigiert er uns in sein kleines Boot. Inselrundfahrt! Stunden später schlürfen wir in seiner Stube zum Aufwärmen heissen Tee. Logisch haben das alle von der Siedlung mitbekommen. Das kleine Abenteuer löste anscheinend einen Tumult aus. Der unglaublich gut erhaltene 96 Jährige ehemalige Berufsfischer und Oberhaupt der Kommune, ist weit über die Grenzen von Alaska hinaus berühmt. Er hat viel erlebt und ist ein hervorragender Erzähler. Alle wollen ihn vor Corona schützen. Er winkt ab. Alles übertrieben! Das Angebot hier an seinem Steg zu überwintern, kommt nach allem was war total überraschend. Eine Bedingung wäre, einen negativen Covid19 Test vorzuweisen.  So seien alle zufrieden – was wir ernsthaft bezweifeln. . .    

In zwei Wochen werden  Studenten der Pacific University of Alaska ihre Projekte zum Klimawandel der Gegend um Anchorage und den Brooks Range präsentieren. Unsere neuen Freunde und Autosponsoren spannen uns ein, während dem mehrtägigen Anlass mitzuhelfen. Vor dem Anlass stochert eine Krankenschwester mit einem unendlich langem Stäbchen in unseren Nüstern. Dabei dringt sie gefühlsmässig bis fast ins Hirnareal vor. Nein, es handelt sich nicht um einen Intelligenztest sondern um einen Covid19 Test der von allen Teilnehmenden verlangt wird.

Bis voraussichtlich im Frühjahr 2021 wird an der Uni per Zoommeetings unterrichtet. Für die aufgestellte Truppe ein trauriger Fakt. So zu lernen sei sehr unbefriedigend. Die wertvollen Diskussionen untereinander bleiben aus. Etwas unerwartet wollen die Studenten eine Präsentation über unsere Reise sehen. Doch so ein Vortrag ist nicht so schnell aus dem Ärmel geschüttelt. Sechs Jahre Abenteuer knackig zusammenfassen, ist eine echte Überforderung! Doch wir sagen zu auf Morgen etwas vorzubereiten. Alle sind vorgewarnt, dass dies eine absolute Spontanaktion sein wird.

Logisch hat alles mit einer Panne angefangen. Die auf meinem  PC sortierten Fotos wurden vom Mac der Universität in unerklärlicher Willkür durcheinander gemischt. War für uns eine lehrreiche Erfahrung, von Studenten der Umweltwissenschaften und  Outdoor-Studien Vorträge reinziehen und danach selber ausprobieren. Durch die Reaktionen und vielen Fragen der Gruppe, ist uns so richtig bewusst geworden, was für eine Leistung unser Abenteuer in anderer Augen sind. Ich hoffe zumindest die Botschaft ist durchgedrungen, dass sie  mit ihrer Arbeit im Bereich Natur und Umwelt einen wertvollen Beitrag leisten. Durchs Reisen mit einer Segelyacht erleben wir tagtäglich wie dreckig die Meere sind. Wie zum Beispiel Korallenriffe sich rapide ändern, Ozeane Atolle verschlucken und sogar an den abgelegensten Orten der Welt Müll anzutreffen ist. 

Es ist kalt geworden! Ein eindrücklicher Herbststurm fegt schonungslos über den Bay. Ein Entscheid ist nun tatsächlich in aller letzter Sekunde gefällt. Nächste Woche verspricht der Wetterbericht den ersten Schneesturm.

Der Hafen von Homer wird für die nächsten sechs Monate unser neues Zuhause sein.

 

 

 

 

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September 12 2020

Wo überwintern in Alaska?

Die Fischerei stellt in Alaska ein grosser  Einkommenszweig dar. Um das Überleben der Arten und das Ökosystem zu sichern, gelten für den Fang aus dem Wasser strenge Regeln. Dieses System stellt weltweit einen sehr hohen Standart dar. Ich habe mir vorgestellt, wer eine Lizenz hat, darf eine bestimmte Menge fangen. Nein, alles ist viel komplizierter. Ist die Fangquote für eine Art erreicht, so endet die Saison exakt zu diesem Zeitpunkt. Dies bedeutet für die Seeleute viel Stress mit langen Arbeitsschichten, Schlafentzug und dazu noch in schroffen Bedingungen. Die riesige Gedenktafel mit all den eingravierten Namen von Menschen die ihr Leben in der See verloren haben, lässt mich erschaudern. Viele sind im Alter von meinem Sohn. Fischen in Alaska ist eindeutig nur ein  Job für die ganz Hartgesottenen. Warum setzen sie ihr Leben auf’s Spiel? Ist eine Crew gut eingespielt, lockt das grosse Geld. Der moderne Goldrausch von heute? Ein paar Schiffe im Hafen kommen uns bekannt vor. Ach ja, von der Serie “The Deadliest Catch”. Diese Filme habe ich mir reingezogen, um eine Vorstellung der See von Alaska zu bekommen. Durch Josh lernen wir Scott von der Seabrooke kennen.  Trotz Umbaustress für die Königskrabben Fangsaison findet Scott Zeit  uns jeden Winkel des berühmten Kutters zu zeigen. Zum Abschied schenkt er ein Buch über sein Leben und der Seabrooke. Ich bin beeindruckt über seine Lebensgeschichte und dem Einblick in die Fischerei.

Kodiak ist ein wildes Kaff. Treffen Fischer in der Bar auf die Crew der Küstenwache, artet dies regelmässig in Schlägereien aus. Dass wir unbewaffnet sind, kann auch niemand glauben. Josh, mit ihm verbringen wir viel Zeit, will uns überreden für den Winter in Kodiak zu bleiben. Die Zeit rennt nur so. Es ist bereits anfangs September und wir haben uns noch immer  nicht entschieden, wo die harten Wintermonate abzuwettern. Eines ist klar. Ende September schlägt das Wetter rapide um. Die Tiefdrucklagen ziehen heftiger und öfter durch und bringen Kälte, Schnee und Eis.

Zur Auswahl steht einerseits die Insel Kodiak, wo wir gerade sind. Hier ist der Winter etwas milder. Seldovia ist ein kleiner netter Ort. Jedoch ohne Anschluss ans Strassennetz. Im Winter ist der Fährbetrieb eingestellt. Homer ist Top raten alle.  Ein Nachteil, der Hafen liegt 12 Kilometer vom Dorf entfernt.

In Kodiak endet vorerst leider das Karavanensegeln mit John und Jeniffer von der Segelyacht Caro Babbo. Ihr Auswasserungstermin in Homer rückt näher. Wir werden die Beiden vermissen. Haben schliesslich eine extrem nette Zeit miteinander verbracht. Umärmel, sehen euch im Frühling wieder, freuen uns darauf.

Von Kodiak segeln wir in Tagesetappen  nach Seldovia und später in die Halibut Cove. Ankern immer in sehr geschützten Buchten. Die Passage dort hin muss gut geplant sein. Starke Gezeitenströme kreieren gefährliche Seen mit konfusen Wellen. In der Shuyak Island bekommen wir keinen Wetterbericht rein. So bleibt uns nichts anderes übrig wie zu Kapitän Cooks Zeiten den Himmel zu beobachten. Der ist gerade blau und die paar Wolken ziehen gemütlich in die gewünschte Richtung. Eigentlich sind wir vorgewarnt. Jeder Fischer fürchtet dieses Gebiet wegen der starken Strömungen. Ich bestehe darauf, trotz der schlappen zehn Knoten Wind, schon mal das Grosssegel zu reffen. Und tatsächlich, auf Höhe der Barren Islands geht die Post ab! Die See baut sich innert weniger Minuten gewaltig auf. Aus West bläst der Wind nun mit über 35 Knoten! Hier auf offener See ist es wieder möglich, die GRIB Wetterdaten per SSB Funk zu laden. Doch die zeigen nur zehn Knoten Wind aus Nord-West. Hohe Berge können Fallwinde kreieren.

Am nächsten Morgen liegt die Robusta bei schönstem Wetter ausserhalb vom kleinen Hafen von Seldovia vor Anker. So geniessen wir die letzten  warmen Herbsttage mit Wandern und Beerensammeln. Im Abenddunst verdampfen die Gedanken ans Überwintern in den prächtigen Farben mit dem Sonnenuntergang.

 

 

 

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September 2 2020

Knuddeltiere oder Problembär M13?

So viele liebevolle Erinnerungen haften an ihm. Überall war er mit dabei. War er mal nicht da, so bedeutete dies pures Drama. Der beste Freund. Papi hat ihn sogar selbst genäht. Vielleicht nicht ganz freiwillig, denn das war während eines Klinikaufenthalt. Mama musste ihm das Bein wieder annähen. Sein Auge flicken oder seinen struppigen Pelz waschen.

Diese faszinierenden Kreaturen verdienen einen eigenen Blogeintrag.

Um sie zu beobachten, ankern wir die Robusta möglichst nahe am Ufer. Wir kannten sie nur aus dem Zoo. Ich lese viel über ihr Verhalten. Schaue Berichte, rede mit Leuten der Gegend über ihre Erfahrungen mit Bären.

Du brauchst eine Waffe! Wenn ein Bär dich angreift, musst du ihn erschiessen oder du bist tot, oder zumindest fertig gemacht für den Spital. Der Bärenspray, wobei es sich um nichts anderes als Tränengas handelt, ist die Alternative zur tödlichen Waffe. Weht der Wind jedoch ungünstig, landet das Gas schnell mal in der eigenen Nase. Beim Spazieren begegnete ich einer Frau, die einen Revolver im Schulterhalfter trug. Wegen der Grizzly und Schwarzbären,  erklärt sie der naiven Touristin. 

Ich bin verwirrt. Wie gefährlich sind sie nun tatsächlich?

All diese Infos muss ich nun erst mal  einordnen. Jedenfalls ist schon mal klar, Angst ist keine optimale Voraussetzung für eine Wildtierbegegnung. Tiere nehmen deine Angst wahr und reagieren entsprechend. Ich habe Respekt. Ich sehe mich als Eindringling in ihr Revier. Mir ist bewusst, Muttertiere schützen ihre Jungen und dies geschieht nicht sanft. 

 Meinen Mut bekomme ich durch den Ranger Fritz zurück. Er rät beim Spazieren zu singen, oder ein Glöckchen an den Rucksack zu hängen damit die Bären realisieren, dass da jemand ist. Ein überraschter Bär könnte angreifen. Ein hungriger Bär ist ein gefährlicher Bär. Geht mir ähnlich. Kann ich durchaus nachvollziehen. Davonrennen geht gar nicht. Falls du Jogger bist, kennst du die Reaktion der Hunde. Im Gegensatz zu Thomas, der regelmässig Opfer von Hunden wird, hat mich erst einmal ein Dackel gebissen. Dies auch nur weil ich auf ihn raufgetreten bin. (Thomas wehrt sich gerade über diese Aussage). Ich fürchte mich nicht.

Im Sommer kämpfen sich die Lachse gegen tosenden Strom durch enge Schluchten, die Flüsse hoch, bis zu ihren Laichplätzen. Die Bären sind nun wohl genährt und haben für den Winterschlaf bereits einiges an Fettreserven zugelegt. Ich bin zuversichtlich, dass sie mich dünnes Gestell nicht fressen wollen und ihnen die Lachse viel besser schmecken. 

Wie empfohlen wird das Dinghi vor dem Landgang geputzt und von allfälligen Fischduft befreit. Wir paddeln möglichst ruhig am Ufer entlang wo sich Fischotter und viele Seevögel tummeln. Die Flussmündung gleicht einem Massaker. Im zertretenen Gras liegen angekaute Fischkadaver und stinken vor sich hin. Zahlreiche Vögel picken an ihnen rum. Sehr gruselige Szene. Fühlen uns nicht mehr wohl. Oh nein. So ein Gefühl ist jetzt gerade genau nicht angebracht. Die Vögel verziehen sich. Aus dem Gebüsch tapst nun tatsächlich, völlig gemütlich und unbeirrt, eine Bärin mit einem Jungtier in unsere Richtung. 

 

Mit dem Paddle Board und Kamera ziehe ich nun auch alleine an Land. Setze mich an eine übersichtliche Stelle zwischen Baumstämmen in der Nähe des Flusses und warte Stunden. 

Bitte nicht nachmachen! Ich will nicht verantwortlich sein falls du verunstaltet wirst.

Wir sind so stolz auf das Privileg als Segler an nahezu unberührte Orte der Erde sein zu dürfen. Dennoch hinterfragen wir auch unser Eindringen in die Natur kritisch. Vielleicht nicht kritisch genug – wir haben es getan.

 

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August 12 2020

Peninsula von Alaska und Zwischenhalt in der Zivilisation

Corona ist schon fast vergessen. Doch nur bis wir wieder mal in der Zivilisation ankommen.  Seit dem Auslaufen aus Dutch Hoarbor, blieben uns jegliche Nachrichten aus aller Welt erspart. Seit Wochen kein Internet oder Telefon, also null Medien. Die Nachrichten erschlagen uns richtig gehend. Das für unsere Weiterreise relevante Kanada, hat seine Grenzen noch immer dicht. Dies seit Mitte März mit jeweiliger Verlängerung um einen Monat. Das Virus wütet noch immer in der ganzen Welt. Die zweite Welle breitet sich gerade wie erwartet rasant aus. Der noch amtierende Amerikanische Präsident schaut weg. Alle leiden in irgend einer Form. Alte Menschen und Leute mit Vorerkrankungen sollen schon wieder zu Hause bleiben. Meine Eltern tun mir leid. Mein Sohn ebenfalls. Ich wäre in diesem Alter ohne Tanzparties und Kneipenbesuche durchgeknallt. Ist doch alles Kacke. Irgendwann wird auch Covid19 wieder verschwinden. So hoffe ich jedenfalls.

In Alaska bestimmen kleine Gemeinden selber wie sie mit der Pandemie umgehen. Darum informieren wir uns jeweils bei den Seeleuten vor dem Einlaufen in einen Hafen per Funk. Die wenigen Siedlungen sind alle geschlossen. Um abgelegene Regionen zu schützen, sind zur Zeit auch alle Hauptverbindungsstrassen in ganz Alaska geschlossen. Wer auf dem See- oder Luftweg ankommt, muss für zwei Wochen in Quarantäne. In King Cove Harbor und Chignik, wo wir einen Sturm abwettern mussten, war für uns die sonst üblichen 14 Tage Quarantäne kein Thema. Dies weil wir lange genug keinen Kontakt zu anderen Menschen hatten und weder Fledermäuse noch Nerze gegessen haben. Kleiner Spass, wir sind noch nicht verwildert. Der Hafenmeister schenkte uns Masken. Einkaufen ging nur per telefonischer Durchgabe der Einkaufsliste. Die Ware wird an der Ladentür ausgehändigt. Eigentlich ist für die nächsten paar Monate genügend Proviant an Bord. Zudem lasst sich in Alaska in den Spätsommermonaten immer was Essbares aus dem Wasser oder an Land finden.  

 

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August 8 2020

East Anchor Cove

Salmonberries

Am Mittag, treffen beide Yachten fast gleichzeitig in East Anchor Cove ein. Das ist ja schon mal ein grosses Plus für das Karawanensegeln. Wir alle haben noch nie so viele ankernde Fischkutter in einer Bucht gesehen. Dieser Fakt stellt sich jedoch schnell als gar nicht mal so negativ wie erst empfunden heraus. John und Jenifer haben von einem Fischer bereits zwei Lachse bekommen. Schade, wegen Sturm konnten wir den Mann nicht zum Abendessen einladen.

Thomas und ich erforschen die Insel. Das zart lila leuchtende Feuerkraut steht in voller Blüte. Weiter oben am Berghang, wachsen niedrige Büsche, die kleine blaue Beeren tragen. Ich probiere. Sie schmecken total lecker. Ähnlich wie Holunder. Wir verbringen den ganzen Nachmittag sie zu sammeln. Ich beherrsche mich, keine davon zu naschen, denn wir haben keine Ahnung ob sie ungiftig sind. Die Sonne scheint fast schon warm. So fällt die Anspannung der anstrengenden Passage schnell ab. Hier soll der letzte Ort sein, wo die Bären die Beeren nicht streitig machen. So dachten wir jedenfalls. Am nächsten Tag entdeckt John Kacke am Strand. Welches Tier hinterlässt solche Spuren? Dass hier Bären leben, erfahren wir erst später. In den Aleuten gibt es keine Bären habe ich doch gerade erst gelesen. Ist ja eigentlich unlogisch, denn Bären sind gute Schwimmer. Die Peninsula, das Festland von Alaska, ist nur gerade mal 300 Meter von der letzten Aleuten Inseln entfernt.

John ist ein leidenschaftlicher Koch. Thomas angelt gerne. In Alaska brauchst du eine Lizenz dafür. So entstehen gemeinsam die tollsten Abendessen. Heute mit Lachs, frischem selbstgebackenem Brot, Kohlsalat und einem Dessert aus Krümelkuchen mit den frisch gesammelten Krähenbeeren. Habe ich mit Hilfe des Buches „essbare Pflanzen Alaska“ herausgefunden!

Schon bald müssen wir feststellen, dass Alaska nicht gerade das optimale Segelgebiet ist. Das Wetter wechselt enorm schnell. Wind ist da nur bei miesem Wetter. Und wenn der dann mal bläst, geht buchstäblich die Post ab. Ein Vorsegel ist bereits zerschreddert. So werden wir bei leichtem Wind gar nicht mehr vorwärts kommen. Und schon steht die erste Herausforderung im Karavanenselgeln an. John und Jenifer ziehen es vor, bei ruhiger See unter Motor zu reisen. Wir warten stur auf Wind, so wie wir es bis anhin immer getan haben. Nur diesmal warten wir sogar auf stärkeren Wind.

Die Kommunikation in der Wildnis ist nicht ganz einfach. E mail schreiben per SSB Funk, ist nicht zu jeder Zeit möglich. Entweder stören die Berge oder weitere kosmische Faktoren interferieren das Senden der Mails an Caro Babbo’s Sattelitentelefon. GRIB Files Wetterdaten laden per SSB klappt auch nicht perfekt. Internet kannst du vergessen. Doch wir finden uns irgendwie immer wieder. Sozusagen instinktiv. Das ist echt toll!

Alaska gefällt uns sehr gut. Die Natur ist derart faszinierend. Im Pazifik habe ich einfach die Berge vermisst. Alles ist gross in Amerika, doch in Alaska ist alles noch viel grösser!

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