January 15 2020

Majuro

Majuro, Majuro… ans Herz gewachsen bist du uns nicht gerade.

Die Marshall Inseln, mitten im Pazifik gelegen, vom Anstieg des Meeresspiegel bedroht, von den Amis von 1946 bis 1962 auf dem Bikini Atoll und auf Eniwetok für Atombomben-tests missbraucht. Mitte der 60iger Jahre erklärte die USA das Testgebiet wieder als bewohnbar. Doch keine zehn Jahre später wurden alle erneut evakuiert. Die Bevölkerung leidet noch heute an den Folgen. Die Krebsrate ist eine der höchsten der Welt. Und die grösste Verarschung ist ja, dass viele hoffen eines Tages wieder in ihre Heimat zurückkehren zu dürfen! Lange hiess es 2020 ist alles wieder gut. Jetzt ist der Umzugstermin nochmals um weitere 20 Jahre aufgeschoben. Lauter leere Versprechungen! Es gäbe noch so viel über dieses traurige Kapitel zu berichten. 

Kaum in Majuro angekommen, änderten sich unsere Pläne schlagartig. Wegen Dengue Fieber ist es untersagt andere Atolle zu besuchen. Das wussten wir im Voraus, was wir jedoch nicht ahnen konnten, dass Majuro uns überhaupt nicht gefällt. So beginne ich sofort mich um den Pre-arrival Vessel entry Antrag für Pohnpei, Carolinen Inselgruppe zu kümmern. Was die alles wissen wollen ist unglaublich. Neuseeland war bis anhin das einzige Land welches eine Vorankündigung der Ankunft haben wollte. Bekannte, die gerade in Pohnpei sind, haken persönlich bei den Behörden nochmals nach. Doch die Beamten finden nichts in ihren klapprigen Computern. Der Antrag ist verschwunden, was doch per Internet gar nicht möglich ist! Also wird nochmals alles erneut per Mail geschickt. Bis heute, einen Monat später, immer noch ohne Erfolg.

Uns reicht es. Mittlerweilen ist seit Weihnachten das Reiseverbot mit einigen Auflagen wieder aufgehoben. Nur schon um ein anderes Atoll zu besuchen, muss ein Antrag gestellt werden. Die Bearbeitung dauert mindestens eine Woche und je nach dem stehen Gebühren zwischen 25 bis 150 Dollar für jedes einzelne Atoll an. 

Morgen hauen wir hier ab. Nächster Halt: Saipan, nördliche Marianen. 1600 Seemeilen (Landrattenmass: 2963,2 Kilometer)

Claudi und Jona werden mit uns segeln. Freuen uns auf ihre Gesellschaft und wieder mal mit dem Passatwind segeln! 

Fehlen nur noch frisches Gemüse, Diesel und Wasser. Wally in der kleinen Marina verkauft das wertvolle Gut für die Segler zu einem spezialpreis von einem Dollar für 20 Liter.

Das Wasser muss mit dem Dinghi dort abgeholt werden. Kanister stellt Waly zur Verfügung. Es handelt sich dabei  um Regenwasser welches von der Start- und Landebahn des Flughafen gesammelt wird. Krass! Es sei aufwendig gefiltert versichert Wally. Nach 250 Liter wollte er jedoch kein Wasser mehr rausrücken. Jetzt kostet der Saft vom Flughafen plötzlich 1 Dollar pro 4 Liter!

Bei einem leckeren Essen beim Koreaner verabschieden wir uns von der netten, lustigen, spannenden, ulkigen Horde die unseren Aufenthalt in Majuro doch noch zu einem tollen Erlebnis machte! Weiss der Geier ob wir uns jemals wiedersehen, doch vergessen tun wir euch nicht so schnell!

Alles Gute, Tschüss Majuros!!!

 

December 9 2019

Überfahrt von Kiribati zu den Marshall Islands

In Abaiang haben wir uns schweren Herzens von Lisa und Nick verabschiedet.

Die Aufenthaltsbewilligung läuft in wenigen Tagen schon wieder aus. Eine Verlängerung um weitere zwei Monate kostet pro Person 60 Australische Dollar. Etappe drei durch die Kalmen steht an. Wir vier studieren seit Tagen die Wetterprognosen. Der Passat setzt sich noch immer nicht durch. Ist auch gut so. Denn legt der mal los, was in der Regel anfangs Dezember ist, wird es hart. Zwischen Kiribati und den Marshall Islands bläst er  meist mit 20 bis 30 Knoten aus Nord-Ost. Dies bedeutet hartes Segeln gegen Wind und Welle. Doch da ist gar kein Wind! Null, zero. Im Nachhinein denken wir, die Wetterprognosen kannst du in den Kalmen vergessen! 

Mittlerweile liegen insgesamt fünf Yachten in Tarava. Alle Segler sind auf einem Katamaran für Thanksgiving zum Pot Luck Dinner  eingeladen (jeder bringt etwas leckeres mit).  Gesprächsthema  Nummer eins ist die Weiterreise. Denn  in den Marshall Inseln ist seit August das Denguefieber, eine durch Moskitos übertragene Krankheit, ausgebrochen. Einzige Prävention ist das Vermeiden von Mückenstichen. Die Regierung der Marshall Islands hat ein striktes Reiseverbot zu allen äusseren Inseln veranlasst. Tausende Leute sitzen seit Monaten in Majuro fest. Dass noch ein weiteres Drama im Anzug ist, erfahren wir erst bei unserer Ankunft in Majuro.

So klarieren wir am Freitag in Kiribati Tarava aus und dümpeln Sonntags im Schneckentempo los. 24 Stunden ist eigentlich die Zeitspanne um nach dem Ausklarieren auszulaufen. Aber da ist kein Wind! Und die Behörden haben ja auch kein Boot.

Ich will gar nicht so genau auf die Überfahrt eingehen. Ein neuer Rekord ist geschafft. Vierhundert  läppische Seemeilen in 8 Tagen. Erbärmlicher geht es nicht. Die Segelyacht Inti war nach wenigen Stunden nicht mehr in Sicht. Dabei wollten wir doch in der Nähe voneinander bleiben. In jedem Revierbericht  wird empfohlen, möglichst nach Ost zu halten. Falls sich der Passatwind durchsetzt, besteht so doch noch die Möglichkeit Majuro so einigermassen gemütlich zu erreichen.  

 Kein Lüftchen -Wind – Hitze – Squall mit Gewitter – Reffen – Segel setzen um sie gleich wieder zu bergen – halsen – wenden – Squall – Flaute – heiss – nass…… Von wegen nach Ost heben. Der Wind wehte immer wieder mal aus West! Der Wetterbericht versprach perfekte Bedingungen. Diese Frösche haben keine Ahnung was da draussen abgeht.. . seht selber auf dem Track, sowas ist doch nicht mehr normal!?

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Stimmung an Board: friedlich bis angestrengt und übermüdet.

Es ist wieder mal unglaublich. Nun bereits zum dritten mal. Robusta und Inti laufen gleichzeitig aus. Segeln verschiedene Routen und kommen jedes mal zu fast exakt selben Zeit an! Das AIS (automatisches Identifikations System) ist seit heute Morgen ausgeschaltet. Inti tat das selbe. Es ist Samstag und Einklarieren ist nur gegen eine happige Gebühr möglich. So verstecken wir uns irgendwo im Atoll für das Wochenende. Hoppsen ins Wasser, pennen mal richtig aus, aber betreten schön brav kein Land. Für Jona und Claudi ist es die letzte Überfahrt nach sechs Jahren Abenteuer mit ihrer geliebten Inti. Sie ist nach Majuro verkauft. 

Montag in der Früh, hocken alle im tiefgekühlten Taxi zu Custom und Immigration (Zoll und Einwanderungsbehörde). Claudi ist traurig und ich bin total schlecht gelaunt, denn Majuro gefällt mir auf den ersten Blick überhaupt nicht. Beim Gedanken an das Reiseverbot, löscht es mir richtiggehend ab. 

Bei der Immigration sind die Beamten hell entsetzt, dass wir an Land gekommen sind. Warum habt ihr euch nicht auf Kanal 16 angemeldet? Im Marshall Compendium steht geschrieben, die hilfsbereiten  Segler vom Mieco Yachtclub auf VHF Kanal 68 anzurufen, diese werden die Behörden per Telefon über die Ankunft informieren. Sie helfen auch mit der Zuweisung einer Boje. Weitere Infos zum Prozedere folgen auf Kanal 74. Also wie überall auf der Welt auf Kanal 16 Port Control anrufen, auch hier in Majuro. 

Seit dem 1. Dezember besteht in vielen Pazifischen Inseln für die Einreise eine Impfpflicht gegen Masern-Mumps-Röteln und Grippe. In Samoa ist die Masern ausgebrochen. Es soll bereits Todesfälle gegeben haben. Immigration schickt uns auf direktem Weg ins Spital. Hier treffen wir auf folgendes Szenarium: Hunderte Personen warten geduldig an langen Tischreihen. Zahlreiche Arzte, mit spitzen Nadeln ausgerüstet, impfen unter freiem Himmel Kinder und Erwachsene. Jona hat im Impfpass einen Eintrag. Wir nicht. Claudi Thomas und ich hatten die Masern als Kind durchgemacht. In keinem der zuletzt besuchten Orte sind Masernfälle bekannt. Mein Hausarzt zaubert tatsächlich innert Kürze per Mail einen Laborzettel mit dem Beweis. Nach kurzer Befragung ist ein Dokument erstellt,  welches uns von der Impfpflicht befreit. Alle Europäer in unserem Alter, seien garantiert mal mit Masernerreger  in Kontakt gekommen. Also besteht für niemanden eine Gefahr. Unser Freund, der paar Tage nach uns von Kiribati angekommen ist, musste 14 Tage Quarantäne auf der Yacht absitzen (minus Anzahl Tage der Überfahrt). Er durfte auch keinen Besuch empfangen. Nachts patrouillierte die Polizei um seine Yacht. “Measle Man”, so sein neuer Name, wurde von den Seglern in der Bucht mit Pizza, Bier, Filmen, Bücher, Internetdaten, Gemüse und was ihm so fehlte versorgt.  So empfand er die Quarantäne sogar als ganz nett. Wie Urlaub vom Segeln.

Da kommt das so kontrovers diskutierte Thema Impfen auf. Reisende sind potentielle Gefahrenquellen um Krankheiten zu verbreiten. Speziell in abgelegenen Regionen der Welt, wo weder Apotheken, Ärzte und geschweige denn Spitäler existieren, kann eine Krankheit wie die hochansteckende Masern fatale Auswirkungen auf die Bevölkerung haben. In Samoa sind bis Weihnachten 79 Kinder unter 5 Jahren gestorben. 

Was für ein Drama für die betroffenen Familien!

 

 

 

 

November 20 2019

Abaiang , die fetten Jahre sind vorbei

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Endlich weht ein schwaches Lüftchen in den Kalmen. Dieses heisse Lüftchen soll die fette Robusta nach Abaiang, einem Atoll nördlich von Tarava hauchen.

Jetzt aber nichts wie weg hier! 

Die Leute, die wir in Abaiang besuchen wollen, wundern sich auch schon, dass wir es so lange in Tarava aushalten. Die kennen uns nicht – wir sie auch nicht. Unsere Freunde von der Segelyacht She San haben den Kontakt vermittelt. Batterien für den Aussenborder und Quad werden dringend benötigt. In Fiji haben wir was ähnliches gefunden. Mit etwas Phantasie und Kreativität sollte es funktionieren.

Von Nick und Lisa werden wir in Abaiang herzlichst empfangen. 

Die beiden sind uns auf Anhieb voll sympathisch.

Sie leihen uns gleich mal ihre Fahrräder, um  die Fahrtenbewilligung bei der lokalen Polizei vorzuweisen. Doch da war niemand. Am nächsten und übernächsten Tag auch nicht. So baten wir jemanden im Büro von nebenan, ob er eine Kopie mache und der Polizei abgeben könne. Dafür hätte er den Generator starten müssen. Doch da ist kein Benzin im Tank. Wir versprechen morgen wieder zu kommen. In Kiribati wird Einklarieren und die ganzen kostenlosen Bewilligungen für jedes einzelne Atoll sehr ernst genommen. Da sind andere Segler schon im Knast gelandet (Story dazu auf Noonsite). So ein doofer Vorfall hat natürlich negative Auswirkungen auf alle nachfolgenden Segler. Schade. 

Einige Tage später taucht Segelyacht Inti am Horizont auf. Thomas hat schon den halben Quad zerlegt, der auch mit der neuen Batterie nicht zum Leben erwacht ist. Die Benzinpumpe wird in der Küche mit Motorenreiniger während Stunden ausgekocht. Nach so einigem Geschraube und Gezupfe und Geputze und nun auch noch mit Unterstützung von Jona, läuft der Quad wieder! Nun sitzt die ganze Bande im Anhänger. Nick braust mit breitem Grinsen, mit uns allen übers Atoll! Ganze Horden von Kinder kommen in den Siedlungen angerannt um den knatternden Quad zu bestaunen. Kulinarisch werden wir von Nick und Lisa mit vielen Köstlichkeiten verwöhnt. Der Höhepunkt war jedoch das Schweizer Käsefondue bei über 30, jedoch 45 gefühlten Grad Hitze! 

Für uns ist es einfach zu heiß hier. Nicht mal das Meer bringt Abkühlung.

Lisa ist in Abaiang geboren. Hat über 25 Jahre in der Schweiz gelebt und ist seit drei Jahren mit ihrem Schweizer Mann zurück ins Paradies gezogen. Doch das Leben im Paradies erscheint aus unserem Blickwinkel nicht ganz einfach. Geschäfte sind nicht um die Ecke gelegen. Für Einkäufe müssen sie eine mehrstündige Bootsfahrt ins benachbarte Atoll auf sich nehmen. Lisa hat einen Gemüsegarten angelegt was in einem Korallenatoll, wo nur wenig Humus existiert, viel Geduld abverlangt. Wir vermissen so sehr frisches Gemüse und Früchte!

Auch kulturell ist so vieles anders in Kiribati. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich die Nachbarn mal ein T-Shirt von der Wäscheleine schnappen.  Oder nach deinen Schuhen, die du gerade trägst, fragen. Aus Respekt erfolgt die sofortige Übergabe ohne murren. Sowas ist für  I Kiribatis völlig normal und in keiner Weise eine böse Tat im „Bubuti” System“.  Eine Anfrage ablehnen, führt zum Gesichtsverlust.

Kiribati ist schon speziell. Da haut es einen Mann mit dem Motorrad um. Er ist von oben bis unten mit Schlamm bedeckt und blutet aus diversen Wunden.  Doch die  I Kiribatis stellen das Motorrad wieder auf, packen die abgebrochenen Teile in die Tasche zu den Fischen, helfen dem sturzbetrunkenem Mann wieder aufzusteigen, halten ihn fest bis er einigermassen in Balance ist und schon ist er im Zickzack ausser Sicht. Unglaublich! Ja mit dem Alkohol haben sie es nicht so im Griff. Diesen brauen sie aus dem Saft der Kokospalme. Zur Gewinnung des Rohstoffes wird an der Schnittstelle einer Blüte eine Flasche aufgehängt. Haben es auch versucht. Den Saft einfach mehrere Tage in der Wärme stehen lassen. Dabei darf die Flasche nicht ganz verschlossen werden, denn durch die Fermentation bildet sich recht viel Gas. Dann schön kühlen, etwas Limonensaft und eine Chilischote zugeben. Fertig ist der Palmwein der in Kiribati Toddy genannt wird. Schmeckt nicht schlecht! Du musst allerdings sicher sein, dass sich bei der Gewinnung kein Käfer (Name vergessen) ins Gefäss verirrt. Nach dem Konsum würde es beim Pissen schrecklich brennen.

Am Abend findet eine Tanzvorführung statt. Irgendwie hat sich schon rumgesprochen, dass wir – die I Matang – kommen werden. So ist in der Maneaba, dem Gemeinschaftshaus, bereits ein Platz ganz vorne reserviert. Wir dürfen uns auf ein buntes Plastiktischtuch auf den Boden setzen. Kinder rutschen immer näher zu uns heran. Sie streicheln über unsere helle Haut. Einige nesteln behutsam in meinen blonden Haaren. Eine alte Frau hat ihre Hand auf Claudis Rücken gelegt.  Am nächsten Tag sind wir zum Essen eingeladen. Ich bringe eine riesige Schüssel voll Pop Corn für die Kinder und einen Sack Kleider als Mitbringsel. Die Verständigung ist nicht ganz einfach, obwohl in der Schule Englisch gelehrt wird. Die Menschen leben hier unglaublich einfach.  Ihre Häuser sind erhöhte Podeste mit Dächer  aus Pandanussblätter. Strom haben längst nicht alle zur Verfügung. Ab und zu rattert ein Generator oder ein Solarpanel ist auf einem Dach montiert. Doch auf dem Atoll existiert erstaunlicherweise eine Mobilfunkantenne! Ab und zu landet sogar auf einer Naturpiste ein kleines Flugzeug. Wie oft das Versorgungsschiff von Tarava kommt, weiss niemand so genau.

Wir fragen uns, wie und wovon die Menschen hier leben? Traditionell haben sich die I Kiribatis von Fisch ernährt. Doch davon ist nicht mehr so viel da. Mit der Ernährungsumstellung, hielten Diabetes und Fettleibigkeit, Mangelerscheinungen, vor allem bei Frauen im gebärfähigen Alter, Einzug. 

Das grössere Übel stellt jedoch der Klimawandel dar. Der Anstieg vom Meeresspiegel und die heftigeren Stürme überfluten Kulturland und zerstören es für immer. Das Grundwasser ist versalzen, Küstenabschnitte erodieren. In Abaiang musste bereits ein ganzes Dorf umgesiedelt werden. Tragen wir nicht alle etwas Verantwortung für die Zukunft dieser Menschen?

Sie sind die letzten die die CO2 Emission beinflussen können – baden die Folgen aber buchstäblich aus!

Die fetten Jahre sind für die Industrienationen vorbei!

November 2 2019

Shocking Tarawa

Der erste Landgang in einem neuen Land ist immer sehr spannend. Doch wo parken wir das Dinghi? Hier toben Kinder im dreckigen Hafenwasser, dort eine unüberwindbare Mauer und am Ende vom Kanal liegen kleinere Frachtschiffe. Kein Platz. So fragen wir die Crew eines dieser Schiffe, ob wir das Dinghi daran anbinden können. Es ist heiss und im Hafen reizen merkwürdigste Gerüche das Riechorgan. Ein Wachmann entlässt uns durch ein klappriges Gittertor auf die Hauptstrasse. Laute Musik dröhnt aus den einen Geschäften. Autos und Motorräder sausen hin und her. So nun erst mal Bargeld beschaffen und eine neue SIM Karte für Internet muss her. Die ist schnell gefunden und mit sauteuren Daten aufgeladen.

Hütten und grössere Steinhäuser stehen in diesem überbevölkerten Atoll dicht gedrängt. Dazwischen liegen Autowracks, Schiffscontainer und viel Müll, worin Hühner und Hunde nach Fressbarem suchen. Alles ist staubig und dreckig. Bleiben wir stehen, sind wir in einer Wolke Fliegen eingehüllt. Wie eklig! Nein wir stinken nicht. Alle sind frisch gewaschen. In Kiribati scheint Endzeitstimmung zu herrschen. Wen wunderts!? Diese mitten im Pazifik gelegene Inselgruppe leidet massiv, denn durch den Klimawandel steigt der Meeresspiegel stetig. Doch niemand in den Industrienationen scheint dies zu interessieren. Mich beelendet das alles sehr. Ich bin traurig. Die Kinder rufen fröhlich “Mauri Imatang”, was so viel wie hallo Fremder heisst. Sie rennen mit erhobener Hand auf uns zu und wollen im Ami-Style einen Handschlag machen.

Inzwischen verlegten wir Inti und Robusta an einen Ankerplatz vor dem Parlament. Hier liegen die beiden Yachten ruhig und geschützt.  Da ist auch eine optimal bewachte Anlegestelle für das Dinghi. Im Clubhaus der Parlamentarier können wir sogar duschen. Doch ab nächster Woche findet eine Tagung statt und all das wird nicht mehr möglich sein. 

Früchte und Gemüse sind hier fast nicht existent. Und wenn, dann aber so richtig krass teuer, denn es handelt sich um importierte Ware aus Australien. Es fehlt Platz für den Gemüseanbau. Sauberes Wasser ist ebenfalls ein grosses Problem. Kein Wunder ist hier die Kindersterblichkeit so hoch und die Lebenserwartung tief.

Thomas und ich erkunden das Atoll per Minibus. In solch einem Gefährt befinden sich oft mal über 20 Personen. Eine Frau kassiert und regelt wo der Fahrer anhalten soll. Bezahlt wird beim Aussteigen. 

In der Nacht muss ich mehrmals erbrechen. Sowas hatte ich schon Jahrzehnte nicht mehr. Ich fühle mich elend. Dabei sind wir morgen früh mit Molly verabredet. Sie bietet Führungen zu den Relikten aus dem 2. Weltkrieg an. Auf der Insel Betio tobte eine wüste Schlacht um die Gilbertinseln. Die damals von den Japanern besetzte britische Kronkolonie, wurde von den Amis befreit. Dabei verloren innert vier Tagen rund 7000 Menschen ihr Leben!

Ohne Molly hätten wir die Trümmer niemals gefunden. 

 Es ist extrem stickig heiss. Die nächsten Tage wird der Wind ausbleiben und in der Lagune sollen wir nicht baden, da die Menschen ihre Notdurft darin entledigen. Ich bin schlecht gelaunt.

Die Bewilligung das Atoll Abaiang und Butaritari zu besuchen, bekommen wir vom Mann mit der eingebundenen Hand innert weniger Minuten.

Jetzt aber nichts wie weg hier! Intis kommen in ein paar Tagen nach.

October 31 2019

Passage Tuvalu nach Kiribati, Tarawa

Die Passage von Tuvalu bis Kiribati war echt entspannt. Die Prognosen sahen ja nicht gerade vielversprechend aus. Doch der Wind reichte gerade um den fetten Stahleimer in Bewegung zu halten. Ab und zu mal ein kleiner harmloser Squall und Gewitter in der Ferne. Regen bringt jeweils eine nette Gelegenheit zum Duschen und die Wassertanks zu füllen. Davon hätten wir gerne mehr gehabt. Das Leichtwindsegel ist leider beim Setzen an einer Klampe hängen geblieben, wobei ein kleiner Riss entstand. Den einen Tag Flaute verbrachten wir mit gemütlich rumhängen. Zu unserer Freude tauchte ein Walhai neben der Robusta auf! Es handelt sich dabei um den grössten Hai und Fisch der Welt! Ich dachte erst da taucht ein U-Boot auf.

Während dieser Passage sind wir das zweite Mal in unserem Leben, bei 173 Grad 11 Minuten Ost über den Äquator gesegelt. Wir sind wieder auf der Nordhalbkugel. Pünktlich zur Feier hat auch noch ein Thunfisch angebissen!

Segelyacht Inti war fast die ganze Woche in Funkreichweite. Nur gerade an dem Tag, wo sich Jona beim Fisch schlachten, deftig in die Hand geschnitten hatte, waren wir zu weit weg. Hätten sie gerne wenigstens moralisch unterstützt! Den Schnitt hat sich Jona wie ein Vollprofi selber zugenäht. Es sei total streng gegangen durch das Fleisch zu stechen. Claudi war für Operationstisch herrichten, Wunde zusammenhalten und die Knoten zuständig. Der Palstek hat aber nicht so gut gehalten. Was für ein tolles Team!

Ist schon ein gutes Gefühl wenn noch Freunde in der Nähe sind. In Kiribati, vor dem Pass ins Atoll ist Robusta’s Motor nicht angesprungen. Der Wind war weg. Mir schnürte es erst mal deftig den leeren Magen zusammen. Doch wir sind nicht in Gefahr. Die Strömung treibt uns vom Riff weg. ich rufe per Funk Inti an. Jona gibt paar wertvolle Tipps durch. Thomas prüft die Stromanschlüsse zwischen Batterie und Motor. Doch hier liegt das Problem nicht. Mit einer Schere kurzschliessen klappt dann. Die Kiste brummt wieder. Doch die Versorgerbatterien werden nicht geladen. Mist. Also nochmals abstellen. Mir entfährt ein Schrei! Thomas findet den Fehler doch noch. Ein Kabel zum Anlasserrelais war unterbrochen.

Beim Nachmachen Schere mit Plastikgriff benutzen, damit es nicht kitzelt!

Diesmal rufen wir vor der Ankunft brav die Port Control an. Erst spricht mal keiner Englisch. Irgendwann meldet sich doch noch jemand und ruft nach Itti und Rosta. Die Boarding Party muss an Land abgeholt werden. Sechs Personen. Ohje, wir haben nur ein kleines Dinghi! Thomas braust los, holt mal zwei Personen ab. Von der nächsten Fuhr ist der eine Beamte trief nass und mit Blut verschmiert. Beim Einsteigen sei er auf den Steinen ausgerutscht und ins Meer gestürzt. Die haben nicht mal einen Steg! Nummer fünf und sechs verzichteten auf die abenteuerliche Fahrt. Umso besser. Erst mal eine Zigarette für den Patienten und dann die Wunde waschen und schön verbinden.

So und nun an die Arbeit. Doch die armen Leute haben nicht mal Formulare! Name, Vorname und Geburtsdatum, plus noch alle frischen Lebensmittel und Angaben über Waffen und Tiere notiert Thomas auf ein Blatt Papier. So und jetzt nochmal alles abschreiben, denn die armen Leute haben auch keinen Kopierer! Der nasse Mann guckt noch ins Bad, in die Vor- und Achterkabine und hinterlässt dabei, mit breitem Grinsen, eine beachtliche Lache.

Das war schon alles. Die Pässe sind gestempelt. Falls wir in ein anderes Atoll segeln wollen, muss einige Tage zuvor ein Antrag bei Customs gestellt werden.

Welcome to Kiribati! “Mauri” ist das erste Wort was wir lernen und heisst soviel wie hallo.

October 25 2019

Tuvalu Funafuti

Das Atoll Funafuti, was zu meinem Entsetzen Funa-F-U-T-Z-I ausgesprochen wird, ist in ein paar Stunden erforscht. Das Zentrum vom Hauptort Vaiaku ist recht hübsch. Nette kleine einfachste Holzhäuser mit Wellblech oder Strohdach, dazwischen neue Häuser inklusive prominentem Wassertank im Garten, nach dem letzten heftigen Zyklon von Australien gespendet, einige kleine Geschäfte die ihre Ware feinst säuberlich assortiert darbieten, eine Bank, Hotel und kleine Gasthäuser säumen die Strassen im Zentrum. Die üppige Vegetation bietet reichlich Schatten und etwas Schutz vor der erbarmungslos bratende Sonne.

Ich glaube Tuvalu hat die grösste Dichte von Motorräder der Welt! So mieten wir gleich mal zwei Mofas, eines für Intis, um das Atoll zu erkunden. Die Vermieterin fragt nicht mal nach unserem Namen. Kassiert die 10 Dollar und in 24 Stunden sollen wir sie wieder zurück bringen. Gefahren wird hier auf der falschen Seite, keine Helmpflicht und die Verkehrsregeln beruhen auf gegenseitige Rücksichtnahme. Alle sind voll gemütlich unterwegs. Stress und Hektik scheint niemand zu kennen.

Einen Katzensprung vom Zentrum entfernt, erscheinen die Behausungen in einem neuen Licht. Der positive Eindruck von Tuvalu zerbröselt. Aus allerlei Materialien gezimmerte Buden, oft ohne Seitenwände, Müll und einige Schiffswracks zieren das schmale Atoll. Die Verwandtschaft aus der Vergangenheit nimmt einen grossen Stellenwert ein. Auf den viel zu kleinen Grundstücken thronen ihre Grabstätten vor den Hütten liebevoll geschmückt. Für das überbevölkerte Atoll nehmen sie meiner Meinung nach zu viel wertvolles Land für den Gemüseanbau weg. Doch hier wird auf den mit bunten Fliesen und Blumen verzierten Grabstätten auch gerne mal ein Mittagsschläfchen abgehalten. 

Tuvalu, eines der kleinsten Länder der Welt, steht durch die Klimaerwärmung vor riesigen Herausforderungen. Fruchtbarer Boden wird durch den Anstieg vom Meeresspiegel und die immer heftigeren Stürme überspült.  Ich staune wie viel Energie die Regierung mit Unterstützung vom Ausland in diesen fast schon verlorenen Ort investiert. Vorbildlich ist der Fakt, dass seit August dieses Jahres Einwegplastik verboten und eine Steuer auf Importware erhoben wurde, um das Recyclen oder Exportieren des Mülls zu finanzieren. Ein weiteres sehr interessantes Projekt, die kostenlosen Workshops zur Selbstversorgung. Hier wird gelehrt, wie  Familien ihr eigenes Gemüse anbauen können, wie Kompost hergestellt wird und Bewässerungssysteme angelegt werden. Traditionell werden die Blätter verbrannt statt kompostiert. 

Das eindeutige Highlight von Vaiaku ist die während des zweiten Weltkrieges von den Amis errichtete Flugpiste. Sie ist heute noch als Internationaler Flughafen in Betrieb. Ab fünf Uhr abends ist hier der Bär los. Landen oder starten keine Flugzeuge, wird hier Fussball und Volleyball gespielt, gepicknickt, Musikboxen aufgestellt, Kinder tollen herum, Hunde toben auf der Piste, zahlreiche Mofas knattern hin und her – was wohl die einzige Abkühlung vom heissen Tag bringt. Auch wir geniessen die Abende am Rande der Flugpiste in Atas Kneipe und Gasthaus mit dem Sarg im Vorgarten. In heissen Nächten schleipfen die einen ihre Matten aus den Häusern und pennen auf dem weissen Mittelstreifen! Wenn die Sirene der Feuerwehr ertönt, muss die Piste schnell geräumt werden. Das ganze Chaos ist tatsächlich erstaunlich diszipliniert, vor der Landung von Air Fiji beseitigt!

Schade ist es nicht möglich, die so weit auseinander gelegenen Atolle zu besuchen, ohne wieder nach Funafuti zum ausklarieren zu müssen. Bis vor wenigen Jahren wurden noch Sonderbewilligungen erteilt. Dies ist mit der Begründung unterbunden, dass einige Segeler sich nicht an die Bestimmungen gehalten haben. Die Behörden verstehen nicht, dass Segler auf den Wind angewiesen sind, welcher in der Konvergenzzone sehr launisch ist. 

Wir beobachten sorgfältig die Wetterprognosen. Der Einfluss des süd-ost Passat wird ab November immer schwächer und die Konvergenzzone wechselt stetig ihre Lage. In wenigen Tagen könnte eine Weiterreise nach Kiribati über den Äquator gelingen.

 

 

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October 19 2019

Einklarieren in Tuvalu

Zehn Uhr geht’s los. Endlich wieder Land unter den Füssen. Eine Woche dauerte die Passage von Fiji nach Tuvalu. Einklarieren, Behördenrennen.
Auf die Kleiderordnung pfeifen wir mal. Knie und Schultern bedeckt. Geht doch gar nicht bei dieser Hitze! Die INTI und ROBUSTA Crew haben einen Kater, da wir gestern die Ankunft zu ausgiebig gefeiert haben. Zudem bin ich auch noch Landkrank. Ich war noch nie Seekrank, doch die ersten Stunden nach einer Passage an Land, leide ich in engen Räumen. Die Wände bewegen sich und drohen auf mich einzustürzen. Mir ist übel.

Im neuen Regierungsgebäude, gleich hinter dem Neubau mit türkis Dach, ist es schön kühl. Doch niemand weiss so genau wo wir hin müssen. Zweiter Stock links. Dort oben angekommen, heisst es rechts unten. Nein, da waren wir schon. Ah, links unten ist die Immigration. Der im Rock gekleidete nette Mann, findet im ganzen Büro keinen Stift, zum die Formulare ausfüllen. Jetzt zur Quarantäne. Mitte rechts. Erneut ein Formular ausfüllen. Kennen das Gebäude schon bald besser, als die Leute die dort arbeiten.


Dann latschen wir bei praller Mittagshitze, eine gefühlte Stunde zum Spital. Jemand fragt dort, ob wir gesund sind. Ja – kostet 20 Aussi Dollar. Jetzt noch zum Hafen. Dort ist der Zoll. Können auf der Ladefläche eines Pick Up mitfahren. Ja und dort stecken wir die Mecke nun ein, weil die Port Control bei der Ankunft nicht angerufen wurde. Hier müssen wir bei der Abreise noch einen unbestimmten Betrag bezahlen. Ausklarieren geht nur hier. Dabei liegen noch einige Atolle auf der Strecke nach Kiribati die optimal wären, um bei Flaute auf Wind zu warten. Verstehen die Regeln nicht. Kein Wunder bei dieser Hitze.

Nun nochmals zurück zum Regierungsgebäude um die Zeremonie endlich abzuschliessen. Ohne jegliches Beweisstück, dass alle Stellen besucht wurden. Der nette Beamte ist nicht mehr da. Die Chefin ist dort und faucht wie ein Drache was von falscher Reihenfolge. Irgendwann begreift sie dann doch, dass alles seine Richtigkeit hat. Sie wird etwas sanfter. Doch auf eine Bewilligung um noch weitere Atolle nach dem Ausklarieren anlaufen zu können, geht sie nicht ein. Zudem muss jede Schiffsbewegung vorab angekündigt werden.

Ohje. Immerhin können wir uns jetzt legal und frei im Kaff bewegen.

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October 18 2019

Passage Fiji nach Tuvalu

Segelyacht Inti ist in Sichtweite. Kontakt besteht über VHF-Funk mit etwa 20 Seemeilen Reichweite. Entfernen wir uns zu weit voneinander, geht nur noch e-mail, was mit der vorhandenen Technologie nur sehr beschränkt möglich ist. 

Den Text, den ich vorgestern schrieb, habe ich bewusst wieder gelöscht. Mir fehlte der Mut meine wirklich unschönen Gefühle und Gedanken zu veröffentlichen. Sobald das Ziel erreicht ist, verfliegt das Negative trotz Flaute, in Windeseile.
Die letzten 650 Seemeilen waren einer der härteren Abschnitte. Schönstes Segeln löste sich schon bald mit Flaute und Hitze ab.

Liegen auf mit Schweiss getränkten Bettlaken festgeklebt. Robusta wogt unkontrolliert in der Dünung. Wo die Fotos in Zeitschriften vom spiegelglattem Pazifik herstammen, würde mich mal interessieren. Der Hunger muss sehr gross sein bevor einer von uns zu kochen beginnt. Die Steigerung, der neue Wetterbericht verspricht Flaute für die nächsten Tage! Dem Teppich mit den Bimssteinen ist glücklicherweise keiner von uns auf der ganzen Strecke begegnet!

Mit der Segelyacht Inti, die jetzt wieder in Reichweite dümpelt, beraten wir uns. Die Konvergenzzone bringt unbeständige Winde aus allen Richtungen mit den gefürchteten Squalls. Das zermürbende Spiel mit flappenden Segel – Segel bergen – Segel setzen – reffen – heftiges Schaukeln und dabei wie ein Rollkeks durchgenudelt werden, nimmt kein Ende. Alles ist anstrengend. Das Boardklima steht auf dem Tiefpunkt.
Mit Einsatz vom „Arabischen Wind“ wäre das Ziel in etwas mehr als 30 Stunden erreicht. Ich hasse motoren! Der Krach zerrt an den Nerven und die Robusta muss unter Motor von Hand gesteuert werden. Wir besitzen keinen Autopiloten und denken auch nicht daran etwas zu ändern.
Wir sind Segler – auch in den Kalmen!


So hängt Thomas nun, alle paar Minuten den Kurs korrigierend, am Steuer. Wir schreien einander an, weil die Ohren mit Stöpseln gegen den Krach geschützt sind. Nachts pennen wir, wechseln uns für den Ausguck ab. Thomas scheint es nicht viel auszumachen, Stuuuuuunden zu steuern.
Danke Schätzi!!!!!

Wie viele Tage und Nächte vergangen sind, müsste ich im Logbuch nachschauen. Tuvalu haben nun beide Yachten fast gleichzeitig erreicht. Liegen ganz ruhig im Atoll von Funafuti vor dem Dorf Vaiaku. Funafuti wird Funafutzi ausgesprochen! Wie schrecklich. Dann erst mal ausgiebig im pisswarmen Wasser baden und vergebens auf Abkühlung hoffen. Niemand denkt daran, die Port Control über unsere Ankunft zu informieren.

October 12 2019

Stressiger Aufbruch in den Norden

Robusta ist vollgepackt mit Lebensmittel. Wann und wo ein Grosseinkauf wieder möglich ist, wissen wir nicht. Japan soll ja teuer sein. Dann eventuell erst wieder in Alaska.

Das frische Gemüse und die Früchte werden sich bei dieser Hitze nicht lange halten. Einiges davon habe ich bereits eingemacht. Die Gläser mit dem Sauerkraut sind in einer Wanne im Cockpit zwischengelagert. Der Prozess der Säuerung ist noch nicht ganz abgeschlossen. Es brodelt und zischt immer wieder aus den Weckgläsern. Durch die Gummidichtungen kann das Gas gefahrlos entweichen. In Chile habe ich mal Karotten gesäuert. Wegen der Kälte stellte ich die Schraubgläser direkt an die Sonne um den Prozess zu beschleunigen. Die Blechdeckel wölbten sich nach wenigen Tagen bedrohlich. Lucie meinte, das sehe nicht gut aus. Ich solle den Überdruck vorsichtshalber in der Dusche ablassen. Hallelujah, bin froh musste ich nicht mit der Karottenfrisur, triefnass durch die ganze Marina latschen. Das Deckshaus zu reinigen wäre massiv mühsamer gewesen, doch die Dusche der Marina sah auch recht übel aus…

Beschaffung von Trinkwasser wird uns die nächsten Monate auch beschäftigen. Die 550 Liter in den Tanks sind zum Kochen und Trinken gedacht. Für den Abwasch und Duschen wird Salzwasser verwendet. Petrus sei bitte gnädig und spende ab und zu mal einen schönen Regenguss um die Tanks zu füllen! 370 Liter Diesel ist eine ganze Menge, vorausgesetzt Flauten werden ausgesessen. Bis zu den Marshall Inseln geht die Route über den Aequator und somit durch die Kalmen. Unbeständiges Wetter und Windstille werden zur Herausforderung.
Schon beim Start der zirka fünf tägigen Überfahrt in den Norden, weht kein Lüftchen. Doch es eilt. Also ist schon ein Teil vom Diesel bis zum Riff, welches vor Einbruch der Dunkelheit passiert sein soll, sinnlos verbraten. Ankern ist nach dem Ausklarieren nicht mehr erlaubt. Bei Verstoss drohen happige Bussen. Kontrollen werden tatsächlich gemacht. Haben’s zwei mal selber erlebt.

Zu unserer Überraschung weht beim Riff eine leichte Brise. Der Motor ist aus, Grosssegel, Klüver und Fock sind gesetzt. Wie schön diese Ruhe. Thomas und ich bestaunen bei Sonnenuntergang wehmütig und entspannt die schöne Bergkulisse der Yasavas.

Ob wir jemals im Leben wieder mal nach Fiji kommen?

October 9 2019

Abschied von Fiji

Ach nein, dieser Fiji Day, der Nationalfeiertag ist ja am 10. Oktober. Ganz vergessen. Dann wäre doch ein Wetterfenster! Am Fiji Day geht in diesem Land gar nichts. Nicht mal die Busse fahren. Ausklarieren kannste vergessen. Geplant ist gemeinsam mit unseren Freunden Claudi und Jona von der Segelyacht Inti zu den Marshall Islands zu segeln. 

Der Motor ist wieder zusammengebaut. Probefahrt bestanden. Doch der Eingriff in die tiefsten Eingeweide der Robusta hat nicht gerade viel bewirkt. Der Motor schnurrt schön, doch beim Gang einlegen klackerts immer noch. Die Mechaniker befürchteten, dass der Rückwärtsgang zum Abbremsen irgendwann nicht mehr rein geht. 

Die letzten Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Thomas hängt jetzt auch noch im Mast. Die Funkantenne soll für bessere Reichweite in den Masttop. Claudia und ich machen Sauerkraut und kochen diverse Früchte und Fleisch ein. 

Am 17. August wurde in den Medien von einem submarinen Vulkanausbruch zwischen Tonga und Fiji berichtet. Ein Segler ist kurz darauf in einen gigantischen Teppich aus Bimsstein geraten. Timo, der Manager von Vuda Marina erzählt, einige Segler hätten Motorprobleme weil die wenige Millimeter bis 15 cm grossen  Steine das Kühlsystem blockiert haben. Toiletten vertragen sowas auch überhaupt nicht!

Entschliessen uns für Plan X. Wählen die 50 Meilen längere Route und segeln aus dem Pass südlich von Mana Island. Wegen dem Fiji Day halt schon einen Tag früher als geplant. Die Konvergenzzone hat sich noch nicht nach Nord verzogen. Also schwächelt der süd ost Passat.                        

Ausklarieren kostet in der Vuda Marina extra. Dafür bleibt uns die Fahrt nach Lautoka erspart und in der Marina können wir eine Nacht umsonst liegen. Die Beamten kommen nicht vor 11 Uhr. Was bedeutet das in Fiji Time? Vor Einbruch der Dunkelheit muss das Riff passiert sein. Alles klappt bestens. Die Beamten kommen nicht mal an Bord um zu kontrollieren, ob der Schrank mit dem ganzen Alkohol noch versiegelt ist.

Jetzt noch Wasser tanken und allen tschüss sagen. 

Zum Abschied singen die Mitarbeitenden der Marina ein traditionelles Fijianisches Abschiedslied. Wir sind zu Tränen gerührt.

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