August 20

Grenzerfahrung

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Es regnet in strömen, Thomas setzt gerade Kaffee auf, Aleko bearbeitet seinen Sauerteig, Sepke kommt aus dem Klo gerannt und ich liege noch im Aufwachmodus in der Koje als von der Marina ein Gebrüll aus dem Megafon ertönt… was nervt er denn  jetzt schon wieder? Gestern schon hat er uns mit dem Megafon gerufen und aus dem Mittagsschlaf gerissen, wo doch alle total müde von der Überfahrt vom Golfo de Ancud etwas ausruhen wollten!

Robusta, Beduin und Abraxas liegen in der Nähe von der Marina Huelmo vor Anker. Das passt dem Chef der Marina natürlich nicht. Er will mit uns reden. Wir sollen doch am Steg festmachen. Dies sei sicherer. Wenn ich so die zusammengebastelte Stege betrachte, vertaue ich unserem Ankergeschirr aber hundert pro mehr. Nur schon beim Festmachen mit dem Dinghi kippt die eine Plattform seitlich weg, so dass ich fast wieder rückwärts ins Dinghi rolle und einen Sturz ins kalte Wasser knapp vermeiden konnte. Alle etwas gereizt, statten wir der Familie gezwungenermassen einen Besuch ab. Der Frau blitzten bereits die Dollarzeichen in den schönen grünen, etwas zu stark geschminkten Augen auf. Er, früher ein hohes Tier in der Armada, hat mit dem Bau der kleinen Marina seinen Lebenstraum erfüllt. Dass wir Segler mit kleinem Budget sind und die Reise durch unser Erspartes finanzieren, dafür scheint er nun Verständnis zu haben. So bietet Hector an,  unsere drei Yachten im Päckchen an eine der Bojen zu legen. Sollen ihm bezahlen was wir für angebracht halten. Duschen dürfen wir auch nutzen.

Toll, so liegen die Yachten während unserer Abwesenheit sicher an der fetten orangen Boje. http://www.costadehuelmo.cl

…erneut quäkt eine verzerrte Stimme aus dem Megaphon: Beeeeduin – Abbbbraxxxas – Rrrrobuuuusta…..Was ist denn los? Das Taxi wartet seit einer Stunde auf euch! Wie denn jetzt schon? Ist doch erst acht Uhr! Nein es ist nach neun. Zeitumstellung mitten im Jahr verpasst! Vier Minuten später hocken alle im Dinghi, Aleko mit leerem Rucksack, da er nicht wie wir schon am Vorabend gepackt hatte. Der Adrenalinspiegel steht nun endgültig hoch, als sich auf der Autobahn nun auch noch ein Stau bildet. Die 35 Kilometer bis zum Busbahnhof in Puerto Montt schaffen wir so nie! Die Tickets sind schon bezahlt. Punkt zehn Uhr hechten wir aus dem Taxi. Kann doch nicht angehen, der Bus ist weg! So überpünktlich ist ja schon fast unverschämt! Am Schalter erfahren wir, dass er eine Panne hatte und heute nicht fahren wird. So buchen wir die Fahrt nach Argentinien bei einer anderen Gesellschaft. Um 14 Uhr 30 soll es los gehen. Vier Stunden dauert die Reise über die Anden zum Ferienort Bariloche. Ha ha, das ich nicht lache!

Die Anspannung steigt. Das bequeme moderne zweistöckige Monster rollt nun langsam auf die Grenze zu. Stepke und ich sind uns gestern noch in die Wolle geraten, betreffend was wohl an der Grenze zu befürchten ist. Andere Segler berichten, dass sie Probleme hatten. Ich ertrage seine negativen Prophezeiungen nicht. Unsere Touristenkarten sind nun schon – oder erst – oder wie auch immer,  sechs Wochen übers Datum. Stepke und Alekos laufen übermorgen aus.

Sorry aber die Grenzerfahrung muss ich etwas ausführlicher beschreiben.

Der Busfahrer bittet alle Fahrgäste auszusteigen um sich ins Zollhaus zu begeben. Ohne Gepäck. Dort werden die Pässe kontrolliert und die Glücklichen bekommen einen Ausreisestempel von den Chilenen. Doch wie es scheint gehören wir erst mal nicht zu den Glücklichen. Thomas und ich werden an einen anderen Beamten mit mehreren goldenen Emblemen an der Uniform verwiesen. Wir hätten uns bei der DPI melden müssen bevor das Visum ausgelaufen ist. Ja das wissen wir, doch in den Caletas waren die nirgends vertreten. Und in Castro war der zuständige Herr im Urlaub. So reiche ich ihm nun die Zarpe, das Beweisstück worauf ersichtlich ist, wo wir uns die ganze Zeit aufgehalten haben und nicht etwa gearbeitet haben. Etwas”tiro al oreja” mussten wir schon einstecken bis dieser goldig geschmückte Mann, für die Wiederherstellung der Ordnung nun einfach zwei Ausreisestempel in unsere Pässe presst. Zwar beide mit dem selben Datum – aber auch o.k denken wir uns…. Nun gehören wir vorerst mal auch zu den Glücklichen!

Einreise am Argentinischen Zoll:

Wieder alle raus aus dem Bus zu Passkontrolle. Derweil macht sich ein Trupp mit einem Hund im Bus auf Schnüffeltour. Handgepäck wird ohne im Beisein der Besitzer durchwühlt!! Die Beamten picken einige Taschen raus. Lebensmittel werden alle konfisziert, darunter taucht auch noch ein Lachs, dürftig in eine Folie gewickelt, aus einer Handtasche auf. Vermutlich so ein Teil aus einer Zuchtstation. Die Beamtin behandelt das tote Fundstück mit einem Desinfektionsspray. Danach landet es würdelos in einer roten Mülltüte. Que pena! Nun wird der blonde Bello in den Gepäckraum des Buses geführt. Dort steht er desinteressiert mit hängendem Schwanz und guckt zu Herrchen. Er will lieber ein Leckerli. Der Beamte fischt etwa 20  Koffer raus. Wie die Kommunikation zwischen Hund und Herrchen verlief, ist mir schleierhaft. Diese Koffer wurden in einer fast zweistündigen Prozedur von Mister Perfekt  durchforstet. Eine Senora im Tigerkleid wehrt sich erfolgreich, dass der Beamte ihren Koffer nicht in Anwesenheit von Zuschauern untersucht.

Argentinische Bilanz:  zwei Müllsäcke voller Lebensmittel wurden konfisziert.

Schade, den schönsten Teil der Reise durch die Berge geht nun in totaler Dunkelheit weiter. In Bariloche, dem mondänem Urlaubsort der super Reichen, finden wir dank eines kleinen unauffälligen Fresszettel von der Busstation eine Übernachtungsmöglichkeit. Perfekt, 10 Euro pro Person. Carlos spricht deutsch. Nein seine Vorfahren kommen nicht aus Europa. Der kugelrunde Carlos war 25 Jahre in St. Moritz als Skilehrer tätig, wo auch mein Sohn geboren wurde.

Am nächsten Tag kommt Aleko in den Genuss  seiner aller ersten Fahrt mit einem Sessellift. Die Aussicht von oben ist gewaltig. Da kann St. Moritz im Engadin einpacken. Die Pisten haben wir aber nicht getestet. Hundert Dollar pro Tag. Skipass,  Ski oder Snowboard inklusive Klamotten haben wir uns dann doch nicht geleistet. Obwohl den Argentinier auf der Piste das Ohr abfräsen, hätte bestimmt riesigen Spass gemacht. Ein Reisender aus dem Bus hat mir empfohlen, die Colonia Suiza zu  besuchen. Dort sei alles genau wie in der Schweiz. Real gleicht die Colonia eher einem Sektor aus Disneyland. Verschiedene Stände an denen Schokolade und Walliser Bier verkauft wird (die sind eher für ihren Weisswein berühmt), der Bernhardiner mit dem Schnapsfass um den Hals gabs im Souveniershop und zu guter letzt für den Magen die grösste Herausforderung, natürlich noch das Käsefondue!

Auf der Rückreise folgt nun erneut die Grenzerfahrung. Diesmal in umgekehrter Reihenfolge.

Die Ausreise aus Argentinien ging schnell. Ausreisestempel holen, Hund wurde durch den Bus geführt und fertig.

Dann folgt die Einreise nach Chile:

Alle Fahrgäste aussteigen, ins Zollhaus. Sämtliches Handgepäck wird auf einem langen Tisch ausgelegt. Ein Hund wird mehrmals an den Taschen vorbeigeführt. Neben dem Reisebus sind nun alle Koffer auf einer riesigen Ablage ausgelegt. Nun muss Bello diese kontrollieren. Er schnüffelt recht interessiert, lässt seine schwarze feuchte Nase hoch motiviert über die Koffer schweifen, hebt das linke Bein und pisst mal schnell ergiebig an einen Koffer. Das war’s dann auch schon.

Chilenische Bilanz: Dauer der Kontrolle recht kurz, der motivierte Hund hat aber nichts gefunden.

Nun gehören wir endgültig zu den Glücklichen. Haben zum dritten mal die vollen 90 Tage Aufenthaltsgenehmigung erhalten.

Category: Chile
August 15

Golfo de Ancud

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So nun zieht es die Flotille über den Golfo de Ancud nach Norden. Das Wetter passt gerade optimal für die letzte Etappe bis zum Ziel in Puerto Montt.

Doch der  Golfo de Ancud bewies zum Abschluss nochmals so richtig, wie unbarmherzig die See und das Wetter in Südamerika sein kann. Statt der erwarteten 15 Knoten mit Böen bis 28 Knoten, fegte der Wind mit 40 Knoten aus Nord West über den Golf. Wegen der Strömungen baute sich eine steile See auf. Hagelschauer und Regen schränkten die Sicht zum Teil vollständig ein. Die fette Robusta wurde immer wieder so heftig überspült, dass vom Deck zwei volle 25 Liter fette, im Süll festgeklemmte Dieselkanister, über Bord gingen! Oh Schande. Das ist doch unglaublich. Wir hoffen noch immer, dass sie uns geklaut worden sind und jetzt nicht auf dem Meeresgrund liegen.

Die Verlängerung der Touristenkarte steht auch noch dringend an. Mehr dazu im nächsten Bericht. Doch erst mal ist Ausschlafen angesagt. Diese letzte Etappe hat uns echt geschafft.

Category: Chile
August 1

Castro (Insel Chiloe)

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In Castro angekommen, erblicken wir, dass unsere Touristenkarte seit vorgestern bereits schon wieder ausgelaufen ist. In grösseren Städten kann die Aufenthaltsbewilligung einmal um weitere drei Monate für 100 US-Dollar, ohne Ausreise aus Chile, unkompliziert verlängert werden. So jedenfalls für Europäer und Schweizer. Also rasen wir schnellst möglich in die „Governacion“. An der Türe des zuständigen Beamten hängt ein Papier auf dem vermerkt ist, dass er die ganze Woche im Urlaub ist. Was für ein Glück! Perfekt! Am Montag erscheinen wir wieder auf dem Amt. Doch der Herr verkündete er könne nichts mehr tun. Wir seien zu spät gekommen. Auch Hinweise auf das Papier an seiner Amtsstube liessen ihn nicht erweichen. Doch er meinte, wir hätten uns an jemanden anders wenden müssen. Ach ja, diese Möglichkeit tauchte aber dazumal schlicht nicht in unserem Gehirnwindungen auf. Bis wann ist noch Zeit zum ausreisen? Was passiert wenn die  Armada unsere  Pässe beim einholen einer Zarpe (Auslaufbewilligung) sehen will? Die Armada hätte diesbezüglich keine Beufugnisse. Für solch ein kleines Vergehen gebe es höchstens ein „tiro la oreja“ ein „Ohrenzupferli“. Was auch immer das heissen soll werden wir an der Grenze erfahren. Diverse Gerüchte kursieren in anderen Blogs von Seglern, dass sie Probleme bei der erneuten Einreise hatten. Jedenfalls ist es nicht ganz so einfach schnell mal nach Argentinien auszureisen. Die Robusta kann nicht unbeaufsichtigt vor Anker liegen. Die Wetterbedingungen sind dafür zu unbeständig. Zu oft treten starke böige Winde auf. Da müssen wir schon erst nach Puerto Montt in eine geschützte Marina gelangen.

So ziehen die Wolken über Castro und wir warten auf besseres Wetter. Kleinere in den letzten Monaten angefallene Reparaturen sind zu erledigen. Aleko und Stepke krampfen wie die Wilden. Sie isolieren nun endlich ihre Yachten sehr professionell damit sie nicht mehr frieren müssen, mit grossen Kinderpuzzleteilen aus dem perfektem Material mit Toy Story und Prinzessinnen Motiv. (Später wird Aleko  seekrank – wen wundert’s!) Gasflaschen füllen, Vorräte aufstocken, Wäsche waschen um nur ein paar kleine Beispiele zu nennen. Es ist schon immer unglaublich wie viel Zeit so etwas in Anspruch nimmt. Einen Schaltkasten für die Ankerwinsch zu finden ist ein Abenteuer in sich. Jeder Kran ist mit solch einem Schalter für „rauf- und runter“ versehen. Reparieren geht nicht mehr. Die Platinen sind vom Salzwasser völlig weg korrodiert, der Plastikkasten weist feine Risse auf und ist somit undicht geworden. Doch wo kaufen? In den Reisehandbücher sind jeweils die Kneipen, Museen, Sehenswürdigkeiten und Übernachtungsmöglichkeiten für Landratten aufgeführt. Doch wo befinden sich all die Lokale wo die Segler an Ersatzteile kommen? Jeder Baumarkt wird abgeklappert, jeder Elektrohandel, Eisenwarenläden und so weiter. Das alles zu Fuss oder allenfalls mit einem öffentlichen Bus. Irgend jemand kennt schliesslich den richtigen Laden: Ein Verkäufer vom Baumarkt telefoniert einer Kollegin, diese wiederum ruft einen Kollegen an  dessen Vater und so weiter….. Das ist doch noch echte Hilfsbereitschaft! So kann endlich wieder ein Schalter an das Kabel montiert werden. Was für eine Wohltat. Seit rund einem halben Jahr wird die Ankerwinsch bedient,  in dem die zwei betreffenden Kabelenden zusammen gehalten werden um den Kontakt herzustellen. Gasflaschen zum Kochen ist auch so ein Thema: Jedes Land hat sein eigenes System. Entweder passen die Anschlüsse nicht, Adapter sind nicht zu finden, oder die Flaschen werden nicht eingetauscht oder können nicht gefüllt werden und es müssen neue gekauft werden die dann bestimmt eine andere Grösse haben und somit nicht in den vorgesehenen Kasten und die Halterung passen. Wir haben Glück, unsere Gasflaschen aus Irland können wieder eingesetzt werden!

Castro stand eigentlich gar nicht auf dem Plan. Eine Grossstadt mit 40 Tausend Einwohner erschien uns zu gross und stressig nach Monaten in den friedlich menschenleeren Chilenischen Kanälen. Zu dem muss ein rechter Umweg in Kauf genommen werden um diese Stadt zu erreichen. Doch Castro ist richtig nett! Bunt bemalte alte “Palafitos”, Holzhäuser die auf Stelzen am Wasser gebaut wurden, prägen das Stadtbild. Das architektonische Wunderwerk, ein modernes Einkaufszentrum ganz nach amerikanischem Vorbild, ragt dominant über der Stadt. Na ja, nicht ganz mein Geschmack. Vor allem die Ausgangsmeile die zwar nur etwa 100 Meter lang ist, besteht aus mehreren netten kleinen Bars und Musikclubs. Am Wochenende spielen live Bands von Rock über Jazz und Electro bis Reggeaton. In den kleinen Clubs, werden wir sofort als Fremde erkannt. Kontakt zu finden ist hier im Nachtleben nicht schwer, vorausgesetzt du sprichst etwas spanisch. Ab 22.30 bis in die frühen Morgenstunden wird ausgelassen gefeiert und getanzt. Im Rockclub „la Cueva“ der eher einer Geisterbahn gleicht, wollten einige mit Thomi ein Selfie schiessen. Sie erkennen in ihm den Rockstar Bon Jovi, Macgyver  und wegen der grossen Klappe auch noch Mick Jagger! Nach den Abenden in den Clubs folgen gegenseitige Einladungen und ein Segelausflug mit anschliessendem Grillfest in der Marina Quinched. So segeln die Robusta, Beduin und Abraxas nach fünf Wochen Aufenthalt mit insgesamt sieben Personen an Board die neun Meilen bei Regen von Castro nach Quinched. Doch mieses Wetter macht den Chiloten nichts aus.  Ariel und Isabel, die wir nach Monaten wieder sehen, sind mit ihrer Yacht Skol bereits dort und treffen ebenfalls Vorbereitungen für das Fest. Aleko hat diverse leckere griechische Köstlichkeiten zubereitet, auf dem Grill schmoren Würste und ein grosses Stück Fleisch. So zaubert die kleine Flotilla ein internationales Buffet für die rund 20 Personen.

Das eher negative Erlebnis mit dem Verwalter der Marina Quinched verdrängen wir nun einfach mal – es war ein tolles Fest und alle hatten ihren Spass!

Category: Chile
July 5

Quellon bis Queilen (Insel Chiloe)

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Ein Traum all die Gemüseläden! Auf der Strasse verkaufen die Bauern morgens ihre frisch geernteten Produkte. Marmelde in Plastiktüten, saure Gurken und eingelegte Zwiebeln stehen in Fässern bereit und werden für den Verkauf ebenfalls in Plastiktüten abgefüllt. Wir haben gleich unsere Einmachgläser mitgenommen. Sogar zwei verschiedene Sorten Käse liegen in der Auslage! Oh wie habe ich in den Kanälen Käse vermisst! Auf Chiloe herrscht mildes oder besser gesagt milderes Klima als im Süden. Auf dem Markt verkaufen Frauen aus Schafwolle gestrickte Pullis, Ponchos, Jacken, Mützen und gewobene Teppiche, kleine Souveniers selbstverständlich alle auch aus Schafwolle hergestellt. Schafe weiden in sanfter hügliger Landschaft, selbst im kalten Winter auf üppig grünen Weiden. Da und dort ein kleiner Hof, viel dichter Wald und an Regen fehlt es auch überhaupt nicht. Die Erde ist fruchtbar und geerntet wird das ganze Jahr. Auf den Ersten Blick gleicht alles der heimischen Region am Bodensee und Rhein. Nur die Häuser sehen anders aus.

Nun in der Zivilisation steht Internet wieder zur Verfügung und so erfahren wir was sich in der Zwischenzeit in der Welt zugetragen hat. All die Nachrichten aus Europa, Terroranschläge in Frankreich und Deutschland, die Flüchtlingswelle aus Syrien. In den sozialen Medien wird Fremdenfeindlichkeit förmlich propagiert was uns sehr traurig stimmt wo wir doch auf unserer Reise immer so zuvorkommend und offen behandelt wurden. Ist mir schon klar, das alles ist eine andere Ausgangslage. Dann noch die Nachrichten vom offensichtlich an einer psychischen Krankheit leidenden Erdogan. Anderen Politiker scheint es Gesundheitlich auch nicht viel besser zu gehen. Vielleicht würde eine Auszeit auf einer Segelyacht ihre Psyche wieder ins Lot bringen. All diese Nachrichten aus der Presse erschlagen uns fast. Monate in schönster Natur und atemberaubender Landschaft, liessen all die Probleme ganz weit in den Hintergrund rücken. Doch auch hier in Chile sind die Menschen mit gewaltigen Problemen konfrontiert. Wie schon in den letzten Beiträgen erwähnt, leidet die Umwelt. Vanessa, die wir im Ausgang kennen gelernt haben, weiss mehr dazu: Die junge Journalistin berichtet, dass in den Salmoneras (Lachsfarm) präventiv Unmengen von Antibiotika eingesetzt werden. Der grösste Teil, an die 98 Prozent der Lachse, ist für den Export nach Asien bestimmt. Von der künstlichen Nahrung und der Kotzersetzung wird das Wasser überdüngt und der Meeresgrund ist nun mit einer Meter dicken Schlickschicht zugegammelt. Im Norden Chiloes sind an einem Küstenabschnitt von 15 Kilometer sämtliche “Machas” (Muscheln) und Sardinen gestorben. Sozusagen im Schlick erstickt oder durch die Antibiotika vergiftet. Der wahre Grund wird unter dem Deckel gehalten. Das ganze Ökosystem ist jedenfalls aus dem Gleichgewicht. Das Meer ist tot – doch die Regierung profitiert von den meist ausländischen Salmoneras! 14 der 38 Salmoneras sind nun geschlossen da 30 Millionen Lachse  wegen Krankheit verendet sind. 20 tausend Angestellte stehen auf der Strasse – das in einem Land ohne Sozialsystem für Erwerbslose Menschen! – Am Ende steht der Profit an oberster Stelle!

 

Estero Pailad, ein Fjord in bezaubernder ländlicher Umgebung mit einzelnen Höfen. Hier  laufen pelzige Schweine frei herum und wühlen mit ihren platten Nasen die Erde um. Der beachtliche Tidenhub von über fünf Meter lässt bei Ebbe grosse Landstriche trocken fallen. Nachts sind auf Deck Geräusche zu hören. Was ist das? Mit der Taschenlampe bewaffnet schleicht Thomi an Deck. Mäuse! Wie um Himmelswillen kommen Mäuse an Board? Wir haben nie irgendwo angelegt, lagen immer vor Anker. Es erscheint uns schleierhaft woher sie kommen. Aleko und Stepke hatten ebenfalls nächtlichen Besuch. Am folgenden Tag sind nur ihre kleinen Hinterlassenschaften und angeknabberte Avocados und Zucchini zu finden. Mäusefallen werden bei der nächsten Gelegenheit angeschafft. Die Viecher sind recht gefrässig. Alle paar Minuten schnappt eine Falle zu. Doch immer noch steht die Frage im Wind, wie sie an Board kommen? Alle paar Jahre wird Chiloe von einer Mäuseplage heimgesucht. Sie fressen die Saat, das Korn und dringen in Häuser ein. Was nicht sicher weg geschlossen ist, wird angefressen. Die Bevölkerung gräbt in Gärten Eimer mit Wasser und Oel gefüllt ein. Der Duft von Pflanzenoel zieht die Tierchen an und in den Becken versaufen sie erbärmlich. Morgens enthält jeder Behälter um die 30 Stück. Gewaltig! Weisst du wie gut Mäuse schwimmen können und wie geschickt sie an einer Ankerkette oder an der Leine vom Dinghi  hoch klettern können? Sogar an der Windsteueranlage krabbeln sie hoch! Die Tiere werden auf Nahrungssuche von der Flut überrascht und mit der Strömung zu den Yachten getrieben.

 

 

Category: Chile
June 16

Puerto Aysen bis Puerto Melinka

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Chacabuco ist ein kleines Nest, jedoch mit wichtigem Hafen für die Region Aysen. Ausflugsschiffe starten von hier zum Gletscher Laguna San Rafael und in die umliegenden Nationalparks, wo ja jetzt seit letztem Sommer die meisten der 337 toten Wale zu besichtigen sind. Diverse Schiffe die Lachse für den Export transportieren und die Region mit Gütern versorgen, prägen das Bild. Von hier führt keine direkte Strasse in den Rest des Landes. Viele der dort lebenden Menschen haben eine Anstellung in den zahlreichen Salmoneras (Lachzuchtfarmen) der Umgebung. Oder sie leben vom Getreideanbau, der Viehzucht, insbesondere Kühe und Schafe die auch per Schiff lebend in den Norden Chiles transportiert werden. Können Kühe und Schafe auch Seekrank werden? Puerto Aysen liegt rund 15 Kilometer weiter nördlich am Rio Aysen. Noch vor Jahren lag dort der bedeutendste Hafen der Region. Doch durch exzessives Abholzen der Wälder in den umliegenden Bergen, spülte der Regen Sedimente in den Fluss, so dass er heute unschiffbar ist. Wer sein Visa erneuern muss, hat von hier aus eine gute Möglichkeit in einem Tagesausflug mit dem Bus, via Cohayque nach Argentinien auszureisen.

In Puerto Aysen finden wir einen grossen Supermarkt. Vollkornmehl und guten Kaffee stellt sich jedoch als grösseres Problem dar. Konkret – gibt es nicht. Der gruselige Nescaffee scheint hier beliebt zu sein. Natürlich ein Produkt von Nestlé! Also stellen wir auf Tee um. Ein Taxi bringt uns für umgerechnet sechs Euro zur Bucht von Cacabuco zurück, wo Robusta, die Beduin und Abraxas vor Anker liegen. Der Himmel ist mit dicken grauen Wolken behangen. Wegen der Tide von rund drei Meter, ist das Dinghi ganz am Ende des langen Steges festgebunden, damit wir es bei Ebbe nicht über den trocken gefallenen schlammigen, steinigen Strand zurück ins Wasser schleppen müssen. Doch nun stehen wir mit diversen Taschen nach dem Grosseinkauf vor dem Steg, der schon kaum bei ruhigem Wetter und ohne Gepäck zu meistern ist. Der Wind bläst volle Kanne auflandig in die Bucht! Hackige Wellen mit weissen Schaumkronen rollen gegen den Steg. Die ganzen Taschen hieven wir notgedrungen in ein halb an Land liegendes, mit Wasser gefülltes Fischerboot. Von dort aus wird alles mit dem Dinghi abgeholt. Ich hatte nur beide Gummistiefel bis zum Rand gefüllt, doch der Einkauf schaffte den Transport halbwegs trocken. Echt halsbrecherische Aktion bei diesen Wassertemperaturen!

Nun fehlt noch der Diesel. Aus der Ankerbucht können wir nur bei Hochwasser auslaufen um die Flachstelle zu passieren. Im Puerto Chacobuco bekommen wir guten sauberen Diesel. An der Auto Tankstelle wäre er etwas günstiger gewesen. Für das Anlegen an der Tankstelle im Hafen wird eine Gebühr von 15 Dollar erhoben! Doch egal. Dieselkanister über den verkrüppelten Steg zu schleppen wäre schlicht nicht möglich gewesen!

Wir bemühen uns nicht all zu viel von dieser Brühe zu verbrennen. Doch die ganze Strecke von Puerto Williams bis Puerto Montt unter Segel nimmt viel Zeit in Anspruch. Entweder herrscht totale Flaute, oder der Wind pfeifft wirklich stark, mindestens mit 30 Knoten. Für diejenigen die in Richtung Puerto Montt segeln, bläst er meist aus der falschen Richtung. Die vorherrschenden Winde am Südzipfel von Südamerika kommen aus Nord-West und bringen in der Regel sehr viel Regen mit sich. Süd-West Lagen sind eher selten. Sie bringen Kälte aber dafür Sonne. Morgens weht der Wind meist noch nicht so enorm stark bis er dann je nach Topographie gegen Mittag ganz schön aufdrehen kann.

Wir sind enorm viel aufgekreuzt! Bei Gegenwind vervierfacht sich eine Strecke schnell einmal. Die selten windlosen Tage haben wir auch mal genutzt, um unter Motor etwas Strecke zu machen. So auch um mal die Batterien ordentlich zu laden. Bei Bewölkung und den nur knapp 9 Stunden Tageslicht im Winter, produzieren die Solarpanelen nicht ganz ausreichend Energie die wir vor allem für den Funk, Navigationsinstrumente, Ankerwinsch, Licht und Musik benötigen. Die Heizung, Webasto mit 4000 Watt Heizleistung, saugt auf den ersten Blick auch viel Strom. Wir hätten gerne einen Dieselreflexofen gehabt. Aber dafür fehlt der Platz. Der erst zwei Jahre alte Windgenerator Rutland hat nach knapp zwei Jahren den Geist aufgegeben. Ist ja unglaublich. Bei 50 Knoten Wind hat es ihn verbraten. Also bis Puerto Montt ist er voraussichtlich ausser Dienst. Ja es ist mitlerweile Winter. Die Bergkämme sind weiss mit Schnee eingezuckert. Immerhin sind wir nun bereits auf 45 Grad südlicher Breite, was in etwa dem Klima im Tessin gleich kommt. Nur noch etwas freuchter in Chile. Die Webasto hat uns angenehm überrascht! Wo doch Thomi in Puerto Williams einige Webastos auf anderen Yachten reparieren musste, kamen grosse Bedenken auf und das Vertrauen in unsere Heizung viel erst mal in den Keller.

Heizen ist ein grosses Thema. Nicht zu vergessen liegen Tierra del Fuego und Patagonien in den “Roaring Forties” und den “Furious Fifties”. Selbst in den Sommermonaten klettert das Thermometer im Schnitt auf 10 Grad, Nachts gegen null Grad. Im Winter klettert die Quecksilbersäule nur wenig über den null Grad Bereich. Im Westen gegen den Pazific ist das Klima ein wenig milder. Doch gegen Osten in den Fijorden der Anden, wird es bitter kalt! 300 Tage pro Jahr starker Regen, ganz im Süden Schnee und Eis, garantiert dir viel Feuchtigkeit im innern der Yacht. Neben der gegebenen Luftfeuchtigkeit kondensiert die warme Heizluft an den kalten Wänden und Fenster, was eine Yacht ohne Isolation ruck zuck in eine Tropfsteinhöle verwandelt. Denke auch noch an die nassen Segelklamotten die irgedwo getockenet werden müssen. Also sind eine gute Heizung und Isolation ein Muss. Robusta ist mit einer Schicht von vier Zentimeter Bauschaum bis zur Wasserlinie isoliert. Über die Bullaugen klebten wir eine Plastikfolie. (Abstand zum Glas = mindestens ein Zentimeter) Durchsichtige Tischdecke ist transparenter als Bauplastik. Die Heizung läuft morgens eine halbe Stunde um die Bude von cirka zwei bis sieben Grad auf 18 aufzuheizen. Wir tragen den ganzen Tag lange seidene Unterhosen, Skihosen, Thermoshirts, darüber Wollpullis, Handschuhe und die obligate Fellmütze. Nachts wird die Fellmütze zur Schlafmütze. Abends wird die Heizung nach dem Segeln nochmals eine halbe Stunde in Betrieb genommen. Wir haben dank der guten Isolation sehr wenig Probleme mit Feuchtigkeit und null Probleme mit Schimmel im Schiff. Unsere Kollegen mit Yachten ohne Isolation können da ein leidiges Jammerlied vom schon unmöglichen Kampf gegen Feuchtigkeit und Schimmel singen. Stell dir mal vor, Segeln in Kälte mit Regen und danach abends todmüde in eine feuchte Koje fallen um morgens wieder in feuchte Klamotten zu steigen, ist echt nichts für Warmduscher. Zudem kann Schimmel schwerwiegende Folgen auf die Gesundheit auslösen. Der Aufwand alles von der Wasserlinie aufwärts zu isolieren lohnt sich echt! Auch in den Schapps! Besser noch schon bei der Anschaffung der Yacht darauf achten. Wenn die Sonne scheint, werden Matratzen, Kissen, Decken nach draussen gezerrt. Doch einmal sind wir nach Sonnenuntergang vom Land erforschen zurück gekehrt. Alle Decken haben sich wie ein Schwamm mit Feuchtigkeit aus der Luft vollgesogen. Eine unangenehme Nacht bestand vor und das Schicksal bescherte für die nächsten vier Tage Regen! Als Bettlaken kannst du Baumwolle echt vergessen! Die saugen sämtliche Luftfeuchtigkeit auf. Also schlafen wir auf einer Fleecedecke. Ist sehr angenehm flauschig. Perfekt zum zudecken eignen sind Wolldecken. Am liebsten hätte ich mich ja auf Schaffellen gebettet. Diese Dinger sind selbstreinigend und echt warm und kuschelig weich. Die Felle die wir in Argentinien von einem Hirten geschenkt bekommen haben, sind nach wenigen Tagen über Bord geflogen. Sorry ist ja Biomüll. Sonst schmeissen wir keinen Müll über Board! Sie waren ungegerbt, voller Blut und wenn ich mich nicht irre, eine halbe Milliarde Floheier konnte ich auch ausmachen.

So tingeln wir drei Yachten gemeinsam durch die Chilenischen Kanäle. Kochen zusammen, geniessen die Natur, machen so vielerlei Segelerfahrungen und haben einfach eine tolle spannende Zeit miteinander in dieser einmaligen Landschaft .

Eine in Erinnerung bleibende Begegnung mit dem Einsiedler südlich von Puerto Aguirre: Marcielo lebt mit seinem Hündchen in einem kleinen Boot und fängt Krebse. Dazu hat er an diversen Stellen in einer Bucht Fallen gestellt die mit bunten Bojen gekennzeichnet sind. Die Reussen füllt er mit Muscheln als Köder. Die Beute sammelt er in einem grossen Käfig bis sie von einem Transportschiff einmal wöchentlich abgeholt wird. Verheiratet war er nie. Früher hat er in der Stadt gelebt, doch vor einigen Jahren hat es ihn in die Einsamkeit gezogen, was er offensichtlich sehr geniesst. Wir haben ihn auf die Robusta zum Essen eingeladen. Er brachte eine riesige Kiste der leckeren Delikatesse schon gekocht mit. Krabbenzangen! Unglaublich schmackhaft mit Zitrone und Mayonnaise. Wir sind fast geplatzt!

Puerto Aguire, der nächste Stop in der Zivilisation. Die Ankerbucht liegt im Nationalpark. Was für ein Luxus auf kleinen liebevoll angelegten Wegen durch den Wald zu spazierten. Nicht mehr wie Maulwürfe im Oelzeug durch dichtesten Feuchtwald kämpfen. Für die Bevölkerung steht eine tolle Grillhütte im Park zur Verfügung. Doch uns wurde mitgeteilt, dass sie nur sehr selten genutzt wird. Kaum zu glauben, sie ist wirklich super gemütlich! Schade, wir wären hier noch gerne länger geblieben, doch die Windprognose verspricht endlich wieder mal Süd-West Wind den wir unbedingt nutzen wollen um etwas weiter in den Norden zu gelangen.

So viele Buchten mitten in den Chilenischen Kanälen und auch schon in Argentinien tragen den Namen „Puerto“ mit noch einem Zusatz, was so viel wie „Hafen“ bedeutet. Doch oft ist in der Seekarte Puerto angegeben und nicht mal ein Haus oder Kuhstall ist weit und breit zu finden. Kurz vor Puerto Melinka, diesmal tatsächlich ein Hafen mit Fähranleger und kleinem Dorf, funke ich die Armada an. Uns ist unklar, wie wir in das Hafenbecken zum Ankerplatz kommen sollen. In den Seekarten sind diverse Untiefen angegeben. Es ist zwar Hochwasser aber sicherheitshalber frage ich nach der Einfahrt. Die Information von der Armada ist wage. Fahrt am Fischereihafen entlang. Ja und wo bitte soll der sein? Klack und schon hat  sich der Mann am Funk verabschiedet und zurück auf Kanal 16 gewechselt. Eine Auskunft wie links oder rechts hätte mir mehr geholfen. Da kommt ein Fischkutter angerauscht. Dem folgen wir in seinem Kielwasser was wunderbar klappt.

Als erstes statten wir mit Schiffspapieren und der Zarpe der Armada einen Besuch ab um uns anzumelden. Hoffentlich meckern sie nicht, dass wir uns zu wenig gemeldet haben. Zwei mal pro Tag wäre Pflicht. Die Herren sind sehr freundlich. Bevor wir auslaufen, sollen wir uns über Funk abmelden. Also keine neue Zarpe ist nötig. Wunderbar, ist ja echt locker hier!

Am nächsten Morgen steht ein Spaziergang und Ortserkundung an. Als wir zurück kommen, meldet Aleko, dass die Armada zur Beduin rausgefahren sei. Sie hätten versucht uns über Funk zu erreichen. Dass wir alle ohne Beleuchtung im Hafenbecken ankern sei auch nicht gut. Aleko erklärt den Beamten, der Funk sei abgestellt sobald wir vor Anker liegen. Es könnte ja auch sein, dass er an Land ist und dann können sie ihn ja auch nicht erreichten. Zudem reicht der Strom niemals um diese Geräte auf Dauerbetrieb laufen zu lassen. Das ist nicht wie bei einem Fischkutter wo die Batterien vom Motor geladen werden. Dein Auto macht auch innert kürzester Zeit schlapp wenn du vergisst das Licht auszudrehen. Das schienen die beiden Beamten zu begreifen. Der Grund warum sie uns allen einen Besuch abstatten wollten, war eigentlich nicht die Funke, sondern weil sie uns melden wollten, dass wir doch noch die Zarpe vor dem Auslaufen erneuern müssen. Also alles doch nicht so locker. Wieder ist viel Papierkrieg angesagt. Die Beamten tippen alles wieder erneut in ein monströses Formular ein. Das hört sich nun an, als hätten die dort keine Computer. Und ob, Thomas hat auch auf dem Bildschirm gesehen, dass eine zentrale Datenbank existiert. Mit einem Mausklick stehen alle Informationen über sämtliche Yachten und was sich sonst noch so alles auf dem Wasser in ganz Chile bewegt, zur Verfügung. Wieso denn einfach wenn etwas möglichst kompliziert erledigt werden kann. Schliesslich müssen die krass vielen Armada Soldaten auch etwas zu tun haben. Es ist ja schon unglaublich, jeder Fischer muss bevor er auslaufen will zur Armada rennen um den ganzen Papierkrieg zu erledigen. Wohin, mit wem, warum, bis wann, Papiere, Ausrüstung an Board. Dauer der Zeremonie: Mit eins bis zwei Stunden musst du schon rechnen. Anmelden dauert etwas weniger lang. Je nachdem wie viele Angestellte zur Verfügung stehen und wie viele Fischer auf eine Zarpe warten. Zum Glück sind Häfen hier dünn gestreut, sonst würde ich wahnsinnig werden.

Im Dorf sprechen uns die Menschen auf der Strasse an. „Ustedes son venido con los Yates?“ (Ihr seid mit den Yachten gekommen) Sie nehmen sich Zeit und erklären uns vieles über die Insel und wollen wissen wo wir herkommen und wer wir sind. Natürlich alles in spanisch. Die jungen Leute sprechen in Chile auch Englisch. Als wir dann eine Kneipe suchten, wo wir etwas kleines Essen können, begleitete uns ein Señor durch das Dorf um jemanden zu finden, der uns etwas kocht. Zum Dank haben wir ihn zu einem Bier eingeladen. Leider war der Mann schon ziemlich angetrunken. Thomas und Kollege Stepke haben mit ihm überhaupt nicht mehr gesprochen, was mich recht geärgert hatte, weil ich mich mit dem lallenden Typ alleine unterhalten musste. Normalerweise bin ich da schon rabiater, aber diese nette Geste, die mir in der Schweiz leider nur ganz selten begegnet, veranlasste mich freundlich zu bleiben.

Einfach so mal spazieren gehen ist fast unmöglich. Fast jedes Auto das an uns vorbei fährt, will uns mitnehmen. Das sieht dann ungefähr so aus:

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Diejenigen die ein Auto besitzen, fahren meist einen Pickup. Der Grund dafür ist wohl das Heizen mit Holz. In einer kalten Gegend muss viel Holz transportiert werden nachdem es gefällt, aus dem dichten Wald auf die nächste Strasse geschleift und zerkleinert wurde. Grössere Städte leiden unter massiver Feinstaubbelastung weil das Holz eben nicht gelagert ist und schon frisch gefällt, grün und vom vielen Regen auch noch nass in die Öfen wandert. Ja alle heizen hier im Süden Chiles mit Holz. Auch gekocht wird meist auf Holzkochherden, so wie ich es von meiner Oma oder der Alphütte noch kenne. Sogar die neusten Modelle sehen noch gleich antik aus wie vor 100 Jahren.

Bei einem Ausflug auf die andere Seite der Insel nach Repollal, lernen wir den Schulleiter Juan kennen. Die Schule bereitet das traditionelles Gericht „Curanto al Hoyo“ zu. Mit dem Erlös soll für die acht Kinder der Schule eine Reise nach Argentinien finanzieren werden. An der Schulreise werden die Eltern auch teilnehmen. Ui ja bravo, das ist doch für die Kinder überhaupt nicht spannend. Aber eben das ist ja nur meine Sichtweise…

Also gehen wir zu viert, mit Aleko und Stepke am Wochenende zu der Schule. Wir werden prompt sofort von einem Pickup ins 12 km weit entfernte Repollal mitgenommen.

Hergestellt wird das Gericht folgendermassen: Es handelt sich um eine 6000 Jahre alte Tradition der Mapuche Indianer aus Chiloe. In die Erde wird ein etwa ein Meter tiefes Loch gebuddelt welches mit Steinen halb gefüllt wird. Darauf wird ein Feuer entfacht. Sind die Steine glühend heiss, wird die Kohle entfernt und die grossen grünen Pangue Blätter werden als erste Lage auf die heissen Steine gelegt. Danach lagenweise Kartoffeln, Würstchen, Fisch, Hühnchen, Gemüse wie Karotten und dann obendrauf Muscheln und zu oberst Fladenbrotteig. Dann wieder die grossen Blätter und als letztes eine Schicht Erde was wie ein Dampfkochtopf wirkt.

Als wir eintreffen qualmt es schon ordentlich aus der kleinen Holzhütte neben der Schule. Das ganze muss mehrere Stunden langsam garen. Juan zeigt uns die kleine Schule in die zur Zeit acht Kinder kommen. Natürlich alle verschieden alt. Ab der sechsten Klasse müssen sie mit dem Schulbus nach Melinka.

Nun ist das Curanto bereit um serviert zu werden. Die grossen Blätter werden weg geschichtet, statt dem Fladenbrot kommt irritierenderweise erst eine Plastikfolie zum Vorschein. Habe mich schon gewundert wieso ganz oben drauf keine Erde auf die Blätter geschichtet wurde. Plastik verkürze die Garzeit um eine ganze Stunde meint der Schulleiter. Ja schliesslich sind wir ja im Jahr 2016! Da ist schon ein wenig Fortschritt zu erwarten. Auch der Fladenbrotteig ist in kleine Plastiktütchen gepackt und so der Hitze ausgesetzt.

Na ja, ist ja alles für einen guten Zweck.

Als der Nordwind endlich wieder mal etwas abflaut und sogar auf Süd-West dreht, zieht es uns weiter nach Boca Chica um dort auf ein optimales Wetterfenster zu warten um über den Golfo Corcovado nach Chiloe zu segeln.

Alekos Wasserpumpe für den Motor wartet dort auf der Post! Das aus Holz geschnitzte Lager erfüllt noch immer seinen Dienst! Unglaublich. Eventuell lässt sich ja etwas aus Holz vom Feuchtwald für die Reparatur von unseren Windgenerator basteln?

 

 

 

 

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June 2

! Unschlagbares Sonderangebot – Alles muss weg !

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Helme in allen Farben
Schwimmleinen aus Polypropylene, Schnüre
Mobile Plus für den Aussenbordmortor
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Lachshalsbänder fortlaufend durchnummeriert
Plastikfolien in diversen Grössen
Plastikgranulat – ganzes Farbspektrum
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Für den Feinschmecker:

Getrocknete Fisch- Möven- und Walknochen

 

Grosseinkäufer werden doppelt belohnt ! ! !

Öffnungszeiten: Täglich von 9.00 – 18.00 Uhr
Adresse: 54º23,o4’Süd / 73º56,22’West

nur 1/2 Bootstunde süd-östlich von Puerto-Agire, Chile

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May 20

Caleta Tortel bis Puerto Aysen

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Es wird kalt. Super kalt. Unglaublich kalt. Stepke ist beinahe erfroren während er in Tortel auf uns gewartet hat und auf die Robusta und Beduin aufgepasst hat. Seine Heizung ist am kränkeln. Unsere Inland Reise hat ja etwas länger gedauert. Jetzt ist die kleine geniale Flotilla bereit für die Weiterreise.

Der Golfo de Penas liegt vor uns. Die Region mit dem schlechtesten Wetter der Welt. So steht es im Reiseführer. Nach Monaten wieder eine grössere Strecke auf offenem Meer mit Nachtfahrt auf dem Pazifik. Per e-mail berichtet Kalibu, die den Golfo de Penas vor wenigen Wochen passiert haben, von bis fünf Meter hohen Wellen! Immerhin kam der Wind mal ausnahmsweise aus der optimalen Richtung.

Fünfzehn Knoten Wind aus Ost. Schönstes Wetter, Sonne. Temperatur nahe am Gefrierpunkt. Leichte Dünung rollt aus dem Golfo de Penas als wir aus der Caleta Lamento del Indio auslaufen.

Nach 35 Stunden biegt die Robusta mit dem letzten Sonnenstrahlen in die Caleta Suarez ein. Aleko und Stepke haben bereits ein riesiges Feuer am Strand vorbereitet. Die beiden haben diverse grosse Fische im Golfo de Penas gefangen!

Nun platzen unsere Wampen fast und die nächsten Tage verbringen wir mit Fisch zerlegen – Sushi essen – Fisch grillen – Fisch einkochen – Fisch sauer einmachen – Fisch trocknen und wir träumen auch noch von Fisch.

Aleko wurde ein Angelverbot auferlegt!

Nur noch Centolla fangen erlauben wir ihm. Die King Krabben, die jedem Hummer im Geschmack weitaus überlegen sind.

Nächtlicher Terror an Board reisst uns aus den Fischträumen. Im Licht der Taschenlampe verschwindet eine Ratte auf dem Heck im Landleinengewühl. Ratte an Bord – ein absoluter Gau! Die fressen alles an. Kabel mögen sie irgendwie am liebsten. Bei Aleko und Stepke waren sie auch! Wir sind unsicher ob die nächtlichen Besucher wieder schön brav an Land zurück geschwommen sind.

Solange nicht klar ist, bei wem die Ratte ist, liegen wir nicht mehr im Päckchen.

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Der ganze Strand ist mit allerlei Müll wie Plastik, Schwimmleinen, Fischerbojen und Dergleichen verunstaltet. Ein Anblick der uns echt traurig stimmt. Ja wir kommen aus der Wildnis wieder zurück in die Zivilisation!

Sogar ein arg verwester Wal liegt da. Es stinkt bestialisch, doch der Geier freut sich. 338 dieser Säugetiere, meist Saiwale, sind seit letztem Juni nördlich vom Golfo de Penas in der Region Aysen verendet. Wahrhaftig ein apokalyptisches Ausmass! Seit 1976 dürfen Wale weltweit nicht mehr gejagt werden.

Freunde, die mit ihrer Yacht bereits bei der Insel Chiloe sind, berichten viele Läden seien geschlossen und Diesel gibt es auch nicht zu kaufen. Protestierende Fischer haben die Häfen der Insel blockiert, Taxifahrer und viele Menschen schliessen sich den Protesten an.

Die Fischer und die Bevölkerung machen die Lachszucht Industrie (Salmoneras) für die Marea Roja und das ganze Umweltdesaster verantwortlich. Die Naturkatastrophe von Chiloe wird in den Medien mit Chernobyl der Meere verglichen! 20 Millionen tote Lachse der Salmoneras wurden diesen Februar bei Ancud, nahe der Küste mal so schnell im Meer entsorgt.

Chiloe muss wunder schön sein. Wir haben uns auf diese Region gefreut. Getröstet hat uns, dass wir in der Bahia Anna Pink auch viele lebendige Wale ganz aus der Nähe beobachten durften.

Ein weiterer Hochgenuss waren die heissen Quellen gegenüber der Caleta Cinco Hermanos. Als wir dort ankamen, lagen zwei grosse Arbeitsschiffe an Bojen vertäut in der Bucht. Baustelle! Um die Quellen werden nun Holzstege angelegt um diese zu verkomerzialisieren. Die Arbeiter erlaubten uns ein Bad zu nehmen. Sie seien eh nicht am arbeiten. Müssen auf neues Material warten. Sie selber haben den Badespass noch nie ausprobiert. Waschen jedoch ihre gefangenen Fische mit Freuden im warmen Wasser. Später hockten wir alle bei Kaffee und Kuchen auf dem Arbeitsschiff. Und noch später führten wir der ganzen Crew und allen Arbeiter unsere Yachten vor. Die einen posierten für Fotos hinter dem Steuer, andere hockten sich sogar für das perfekte Bild auf die Toilette!

Der folgende Abend war wirklich sehr lustig und herzlichen dank an die Crew für das leckere Abendessen und die riesige Kiste Früchte und Gemüse die uns vor Skorbut bewahren soll!

Nun liegen wir bei Puerto Aysen, in der Bucht von Chacobuco. Diesmal müssen Aleko und Stepke mal schnell nach Argentinien über die Grenze um einen neuen Stempel in den Pass machen zu lassen. Ihre Aufenthaltsbewilligung von drei Monaten ist abgelaufen.

Diesel für die Robusta und Bier und Proviant für die Crew, vor allem frisches Gemüse und Gas zum kochen, müssen nach über fünf Monaten seit dem letzten Einkauf in Puerto Williams, dringend aufgestockt werden.

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April 28

Puerto Eden bis Caleta Tortel

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Internet ist im Süden Chiles ein höchstes Luxusgut! In Caleta Tortel finden wir keine Kneipe die WIFI bietet. So fragen wir im Gemeindehaus ob wir gnädigerweise ihre Internetleitung anzapfen dürften, um unsere e-mails lesen zu können. Der zuständige Informatiker willigt ein. Er tippt den Zugangscode höchst persönlich ins Tablet. Doch die Leitung ist zu schlapp um die Bilder für den Blog auch noch zu laden. Später, als ich es erneut versuchen will, ist der Code ungültig und der zuständige Herr weilt im Urlaub! Bravo.

Wir sind süchtig. Zu richtigen Junkies mutiert. Können kaum noch genug davon kriegen. Das weiss – blau schimmernde Kristall der Gletscher. Eine Faszination die uns kaum mehr los lässt. Wenn riesige Brocken mit Pistolenschuss lautem knallen vom Gletscher bersten, mit einem gewaltigen Rums ins Wasser kalben um an irgend einer Stelle gleich wieder aufzutauchen. Genau an solch einer Stelle willst du dann eben nicht sein, wenn gewaltige Eismassen unter dir auftauchen, die sich manchmal auch vom Grund lösen. Wie lange dieses Schauspiel noch zu beobachten ist, wissen wir nicht. Doch die Realität hat in den letzten Jahren gezeigt, dass die Gletscher jedes Jahr um 100 Meter geschrumpft sind. Das Wasser ist dieses Jahr vier Grad wärmer. Grund dafür ist „El Nino“, ein Phänomen welches das Klima weltweit beeinflusst.

Eigentlich wollten wir gerade weiter segeln. Als wir bei der Armada in Puerto Eden die Zarpe (Auslaufbewilligung) abholen, ertönt Markkus Stimme aus dem Lautsprecher der Armada. Die Segelyachten Kalibu, die Yao und die Cara Mia laufen auch noch in Puerto Eden ein. Das ist nun ein Grund um ausgiebig das Wiedersehen zu feiern! Wir verbringen ein paar lustige nette Tage. Es gibt viel zu erzählen! Die Reise mit Aleko von der Beduin zum Mischief war echt abenteuerlich. Die „Hand breit unterm Kiel“ wurde förmlich amputiert. Beide Yachten sind bei Hochwasser, schlimmer kann’s nicht kommen, auf Felsen aufgesemmelt. Die Strömung drohte uns gegen die Sandbank zu drücken. Einen zweiten Versuch wagten wir nicht. Da wo die Wassertiefe laut Seekarte gut sein soll, liegt aber eine Sandbank! Auf der Hauptroute stimmen die Seekarte recht gut. Doch Abweichungen bis drei Seemeilen können durchaus vorkommen. So suchten wir einen sicheren Ankerplatz für die Nacht. Die erste Bucht könnte bei einem Winddreher die Ausfahrt mit Eis versperren. Eine Seemeile südlich liegt die perfekte Bucht. Auch super zum Wandern. Seit Puerto Tamar bedeutet Wandern eigentlich „Moos-Baum-Klettern“ mit Gummistiefel und Oelzeug. Hier ist halbwegs normales über “Baumstämme steigen” möglich. Wie toll. Selbst mit dem Dinghi sind wir am nächsten Tag nicht sehr weit durch die Angostura Mischief gekommen. Riesige Eistrawler versperrten auf dem Rückweg den Kanal und drohten das Dinghi zu zermalmen. Aleko und ich mussten eine fette Eisscholle vor uns herschieben um den Bug vor den scharfen Kanten des Eises zu schützen! Thomi manövriert mit dem 6 PS Motörli gekonnt durch die in verschiedenste Richtungen treibenden Eismassen. Ich bekomme eine echte Krise. Will gar nicht mehr aus dieser schönen Berglandschaft raus. Diese Kanäle und Buchten haben’s mir echt angetan. Mir graut es vor der Zivilisation. Puerto Eden ist speziell. Da existieren keine Autos. Alle Güter werden auf dem Wasserweg transportiert. Für mich sind die Chilenischen Kanäle der schönste Flecken der Erde. Die Natur, die Abgeschiedenheit, keine Autos, kein Lärm. Na ja das mit dem Lärm ist nicht ganz korrekt; Der starke Wind pfeift in den Wanten und reisst an der Gastlandflagge, was unerträgliche Geräusche im Schiffsinnern erzeugt. Die wird nur noch gehisst, wenn wir wieder in der Zivilisation sind.

Thomi und Stepke wollen möglichst schnell in den Norden. In wärmere Breiten, milderes Klima. Sie haben genug vom Regen und dem Kampf gegen die Feuchtigkeit. Die Tage werden auch immer kürzer. Morgens ist nun sogar das Deck vereist. Der Winter meldet sich an. Markku will auch möglichst schnell in den Norden. Nach Valdivia um nach Tahiti in die Südsee abzubiegen. Er hat die Nase auch voll von diesem Klima, den starken Winden die ja immer aus der falschen Richtung blasen und der viele Regen! Kalibu’s Crew will bald in Puerto Montt sein. Sie fliegen für drei Monate nach Deutschland. So trennen sich unsere Wege leider wieder. Ich will hier gar nicht mehr weg. Doch der Zufall will, dass Alekos Motor streikt. (Ich schwöre, ich habe nichts damit zu tun!!!) Die Süsswasserpumpe hat den Geist aufgegeben. So ein Mist! Hier ist keine Autowerkstatt in der Nähe. Nix, gar rein nix. Bis Puerto Montt sind es noch über 300 Seemeilen. Alles unter Segel könnte funktionieren. Ohne Wasserpumpe kein Motor – ohne Motor keine Ankerwinsch. 15 Meter Kette von Hand einholen geht ja noch. Doch in dieser Starkwind Region stecken wir möglichst viel Kette. Oftmals 80 Meter! Doch in die Buchten einlaufen, an die ja logischerweise immer windgeschützten Ankerplätze, wird zum Problem. Wir durchforsten Reiseführer, Karten, grübeln über Möglichkeiten nach, wie und wo und ob die Pumpe repariert werden könnte. Ersatzteil von Europa schicken, das kann aus Erfahrung echt lange dauern. Die Stopfbuchse, die wir vor neun Monaten von Deutschland mit DHL nach Uruguay bestellt hatten, gammelt auch noch irgendwo herum. Auf dem Suchlaufzettel der DHL wird bekannt gegeben „Am Zielort eingetroffen“ was im betreffenden Fall aber „am Zoll hängen geblieben“ bedeutet. Während der Telefongespräche mit den Angestellten der Hotline, mutiere ich zwangsläufig fast zur Terroristin. Lauro vom TO Montevideo sorgt nun dafür, dass die 50 Euro Zollgebühren bezahlt werden und transportiert das Ersatzteil höchstpersönlich über die Grenze nach Chile. Herzlichen Dank!!!

Da schau, ein Fluss, der Rio Baker, da liegen zwei grössere Orte. Eines mit 4000 Einwohner und der nächst grössere mit 40’000! Caleta Tortel liegt am Rio Baker. Bis dahin führt die Caretera Austral. Das müssten wir in etwa fünf Tagen schaffen. Robusta schleppt die Beduin falls der Wind ausbleibt. Da wird es wohl einen Bus geben und einen Mechaniker zu finden sein. Doch da sind noch die Anden….

Caleta Tortel ist unglaublich nett. Nur etwa zehn Yachten verirren sich jedes Jahr in diese abgelegene Gegend. Die Leute vom Dorf kommen den Holzsteg entlang gelaufen, um unsere drei Yachten zu fotografieren. Der Bus fährt nur zwei mal die Woche nach Cochraine. Niemand kann hier die Pumpe reparieren wie sich herausstellt. In Coyhaique, dort soll es auch Dreher geben die ein Lager herstellen können. Aleko reist mit dem Bus elf Stunden dort hin. Thomi und ich nehmen den ähnlich langen Weg über Schotterpisten in Angriff. Husch mal nach Argentinien auszureisen um einen neuen Einreisestempel in den Pass zu bekommen. Die drei Monate sind schon fast rum. Stepke passt in dieser Zeit auf die drei Yachten auf. Doch die Aktion dauert länger als gedacht. Von Chile Chico soll es Busse nach Argentinien geben. Wann kann keiner sagen. Die Busgesellschaften sind privat, was soviel heisst, dass keiner weiss, wo und wann und wohin die anderen Busse im Land fahren. Im Internet finden wir einen Fahrplan. Doch das ist der Sommerfahrplan. Jetzt ist Winter. Also wieder übernachten in einer Hospedaje (nicht mit Spital zu verwechseln). Das sind einfache Unterkünfte bei Familien. Meist darf der Holzherd in der Küche benutzt werden. Wir zahlen zwischen 10 und 15 Euro mit Frühstück. Zelten im Garten ist noch günstiger. Im Bett bekomme ich einen halben Kollaps. Schweissgebadet mache ich das Licht an und untersuche die Bettwäsche mal genauer. Da liegen doch neun Wolldecken über mir, die mich komplett platt drücken. Neun. Ich habe mich nicht verschrieben. Das ist ja nun echt zu viel des Guten. Wir sind ja schliesslich in den Anden oder wie? Dabei liegt noch nicht mal Schnee.

Der Grenzübertritt, das war auch so eine Aktion: Alle Fahrgäste müssen raus aus dem Bus. Rein ins Büro, der Beamte will das Einreisedokument. Wie sieht denn das aus? Haben wir nicht. Kein Problem, dann muss es eben nochmals ausgefüllt werden. In dem Moment schiesst mir die Erinnerung in den Kopf, wie empfindlich die Argentinier und Chilenen mit der Einfuhr von Lebensmittel und Güter sind. Können wir doch nicht’s dafür wenn die beiden Länder sich nicht mögen. Im kleinen Rucksack habe ich ein Picknick für die Reise eingepackt. Nun fordert ein älterer miesgrämig, streng dreinblickender Beamte alle Fahrgäste auf, ihr Gepäck zu präsentieren. Wir ignorieren die Aufforderung. Doch dann geht der Kerl, nach dem er alle Koffer und Taschen wie ein Maulwurf durchwühlt hat, in den Bus. Schaut auf die Ablege, bückt sich, gafft unter die Sitze, kommt mit strenger Miene wieder raus, direkt in meine Richtung….. Ups, doch er wendet sich an den Busfahrer, um ihm die Durchfahrt zu gewähren. Die Landschaft im Grenzgebiet erscheint uns eigenartig. Im Hintergrund türmen sich unnatürlich geformte Berge. Wie sich herausstellt, wird hier nach Bodenschätzen gebuddelt. Die Natur weist zahlreiche Narben auf. Die Wandmalereien verraten den Unmut der Bevölkerung.

Die Rückreise nach Caleta Tortel müssen wir über Coyhaique antreten. Der nächste direkte Bus nach Tortel würde erst in sechs Tagen fahren! Der Umweg über Coyhaique bedeutet ja nur drei Stunden mit der Fähre und noch weitere sechs Stunden mit einem Bus über die Berge.

Aleko hat in der Zwischenzeit dort nach zwei Tagen ausgiebiger Forschung, einen Hinterhofmechaniker gefunden, der die Wasserpumpe reparieren will. Doch der findet kein passendes Ersatzteil. Ein Dreher, der so was herstellen könnte, ist nicht aufzutreiben. Fazit: zwei Wochen Inlandreise durch eindrückliche Landschaft, ohne Erfolg! Alekko paddelt in den Wald, schneidet sich verschieden dicke Äste von Bäumen und will sich nun ein Lager für die Wasserpumpe des Motors aus Holz basteln.

Er ist ja schliesslich Schreiner. (mehr dazu auf www.alekistan.com)

Nun soll die Reise mit dem Provisorium weiter gehen. Eine neue Wasserpumpe ist von Europa nach Valdivia unterwegs. Leo, sein Sohn, hat diese vor dem einpacken noch ordentlich mit Altöl eingesifft, um so die Zollgebühren zu umgehen. Meistens wird der Vermerk auf dem Paket „Yacht in Transit“ schlicht übersehen und das Paket wird erst ausgehändigt, wenn die Gebühren abgeliefert sind.

 

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April 14

Puerto Williams bis Puerto Eden

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Achtung Vorwarnung: es folgt ein Bilder Zunami!  Nun sind immerhin  acht Wochen vergangen, seit wir das letzte Mal in der Zivilisation waren und den Luxus einer Internerverbindung nutzen konnten  um den Blog zu bearbeiten. Nun folgt mal der erste Teil bis Puerto Eden.

Aus der Perspektive eines Kondor, mit einer Spannweite von über drei Meter, überfliegt dieser imposante Vogel die Anden und genau so verfolgt unsere Freundin unsere Reise – Google Maps macht’s möglich. „Wenn ich in so eine gotverdammi verlassene Gegend wiedergeboren werde, würde ich mich selber abtreiben“. Seit sieben Wochen durchstreifen wir nun die Chilenischen Kanäle. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Gewaltige Berge mit bizarr zerklüfteten Felswänden, üppig grün bewachsen mit es scheint von tausenden verschiedenen Arten von Moos, mit Bäumen deren Form einer straff flatternden Flagge gleicht. Wolkenbilder in allen Formen und Grautönen. Gletscher in Türkisblau, die bis in die Kanäle an steilen Hängen zwischen Moränen, gewaltige Eismassen vor sich her ins Meer schieben.

Mag sein, Leben in dieser unwirtlichen Gegend muss hart sein. Die Alcaluf- Selk’nam- Haush- Yamanain- und Theuelches Indianer, die mit der letzten Eiszeit aus Asien in diese Gegend eingewandert sind, haben hier überlebt. Sie zogen als Nomaden umher, sammelten Früchte und lebten von gestrandeten Walen. Sie würden niemals in’s Meer scheissen, da sie die Muscheln und Fische aus diesen Gewässer essen. Fleisch verzehrende Tiere mochten sie nicht. Die Frauen waren geschickt im Navigieren des Kanus in dem stets ein Feuer brannte um die ganze Familie warm zu halten. So lebten diese Menschen mit grossem Respekt gegenüber der Natur. Natürlich nur bis der Weisse Mann ende des 19. Jahrhundert Tierra del Fuego auf der Suche nach Gold bevölkerte und erst mal Krankheitskeime einschleppte. Die Guanocos (Lamaart), ein Grundnahrungsmittel der Indianer, wurden in tausende Kilometer, zusammen mit Schafen, eingezäunt. Jagten die Indianer eines der Tiere, war dies schon Grund genug um eine Prämie für jedes Kilo toten Indianer anzusetzen. Den angeschwemmten Walen wurde Gift injiziert. Dies sind nur einige der Gründe die zur fast radikalen Dezimierung dieser Ethnie geführt haben.

Wir sammeln auch blaue Beeren, die Calafate und noch andere deren Namen wir nicht kennen. Doch die gestrandeten Wale an der Chilenischen Küste fressen wir nicht auf. Diesen Sommer sollen es 300 gewesen sein! Die Gründe sind wohl offensichtlich, nur will es niemand wahr haben. Der ganze Müll, der hier immerhin nur ganz selten zu sehen ist, die Umweltgifte die auch die abgeschiedensten Regionen der Welt nicht verschont, fordern ihren Tribut.

In den schönen engen geschützten Buchten, in denen wir uns mit Anker und Landleinen sichern, was jeweils vor allem bei Ebbe einem akrobatischen Akt nahe kommt, haften an den Felswänden tausende Muscheln. Da läuft jedem Feinschmecker das Wasser im Munde zusammen. Doch diese Leckerbissen dürfen wir nicht essen. Der Grund dafür ist eine Alge die Schalentiere ungeniessbar machen (Marea Roja). Den Seevögel bekommt die mit der Alge vergifteten Tiere. Nur den Menschen haut es innert weniger Stunden qualvoll leidend um und er kann sich gleich neben die 300 Wale legen. Als Gemüse Ersatz kochen wir Kelp. Kelp mit Kartoffeln, Kelp mit Ingwer, Kelp mit Zwiebeln, Kelp an weisser Sauce mit Kapern. Der nächste Laden ist noch in weiter Ferne.

Wir fühlen uns frei! Fast frei, wäre da nicht das grosse Auge der Armada, die gerne zwei mal täglich eine Positionsmeldung haben will. Ha ha, aber wie denn bitte? Mit Kurzwelle eine E-Mail schreiben geht normalerweise gut. Aber in den Schluchten der Anden ist das schlicht eine andere Ausgangslage. Der erste Hop einer Funkwelle prallt schon an der nächsten senkrecht emporsteigenden Felswand ab und wenn nicht dort, landet der zweite Hop in einer der zahlreichen Gletscherspalten. Aber mach denen das mal klar und dann noch in einer Fremdsprache. Wir funken wenn wir können. Passierende Schiffe sind verpflichtet eine Positionsmeldung an die Armada weiter zu leiten. Auf unserem Zarpe haben wir gerade mal drei Caletas (Bucht) angegeben. Fühlten uns schon sehr frei, bis das Pactormodem über Kurzwelle eine Botschaft vom MRCC Rettungs Coordinations Zentrum ausspuckte. Kurz und bündig, in wenigen Worten formuliert steht da, dass die Armada eine Vermisstmeldung aufgegeben hat. Ohjemineeeee. Das gibt eine derart dicke Rechnung, wenn wir die Aktion nicht rechtzeitig stoppen können, dass wir den Rest unseres Lebens in einer der Zürcher Notschlafstellen verbringen können.

Bis jetzt ist alles ziemlich gut gelaufen. Die gefürchtete Magellanstrasse mit ihren  Gegenströmungen und starken Winden, die innert Kürze eine unangenehme steile See entwickelt, sind wir bei schönstem Wetter buchstäblich durchgeflutscht. Die Bedingungen können so schlagartig ändern. Da freust du dich über tollste Segelbedingungen und schon fällt die Geschwindigkeit von 5 Knoten auf nur noch knapp zwei Knoten. Wind und Strom gegen dich und jede Meile wird zu einem harten Kampf gegen die Zeit. In der Dunkelheit ist es hier nicht zu empfehlen zu reisen. Die Seekarten der Chilenischen Armada sind teilweise bis drei Seemeilen daneben! Navionics ist eine gute Ergänzung, aber manchmal auch wieder unbrauchbar.

Es ist fast unglaublich, doch wir treffen mitten in den  Kanälen auf Stepke und Aleko, doe beiden Einhandsegler mit ihren Yachten Abraxas und Beduin! Die Freude ist riesig und muss ausgiebig in der nächsten  Caleta gefeiert werden.

DenWetterbericht bekommen wir von der Armada, vorausgesetzt das mit der Kuzwelle klappt. Ist recht genau, aber muss je nach Verlauf und Form der Topographie selber noch nachinterpretiert werden. Bis Puerto Montt werden wir’s wohl draussen haben. Puerto Tamar, kein Hafen wie es der Name vermuten lässt, sondern ein ziemlich ungeschützter Ankerplatz, mit miesem Ankergrund, mit vorgelagerten Felsen, der Einzige zum Abwettern vor der Passage in den Kanal Smith, verbrachten wir eine harte schlaflose Nacht. Am nächsten Morgen kämpfte sich die Robusta mit Segel und Motorunterstützung im Zickzack durch Regen und die grandiosen Wellen, die vom Pazifik in die Magellanstrasse einrollen. Unser Freund hatte an dieser Stelle weniger Glück. Ihm wehte der Wind derart hart entgegen, dass es ihm das Vorsegel zerschredderte. Unter Motor erreichte er die Bucht, doch der Anker hielt nicht. Die Yacht driftete gefährlich nahe an die Felsen. So und dann sass der Anker super fest, liess sich gar nicht mehr lichten. Das alles in zwei Meter Welle und die Heizung hatte auch noch den Geist aufgegeben. Seine Crew wurde durch die Armada abgeborgen. Er blieb an Bord bis sich das Wetter beruhigte. Wir waren 100 Seemeilen hinter ihm als uns ein stattliches Transportschiff anfunkte, um nach der Position der Yacht in Not zu  fragen. Es lieferte 200 Liter Diesel von Punta Arenas. Hört sich wie ein Pizzalieferdienst an, doch hat 27’000 US Dollares gekostet! Seine Versicherung habe das organisiert. Ob die auch bezahlt wird sich herausstellen. Die Armada wollte ein Gesundheitsatest von dem geretteten Crewmitglied. Wer nicht wirklich krank ist, hat wohl mit bösen Folgen zu rechnen und kann uns in der Notschlafstelle Gesellschaft leisten.

Mir ist schon schleierhaft wie die Indianer nur mit einem Stück Fell bekleidet in einer Gegend, die selbst im Sommer nachts Temperaturen gegen null Grad und im Schnitt tags das Thermometer 10 Grad anzeigt, leben konnten. Meine liebe Freundin, da magst du recht haben, es gibt angenehmere Lebensbedingungen. Es schifft hier teilweise unglaubliche Mengen – dies im Schnitt 300 Tage pro Jahr und das auch noch bei Starkwind. Praktisch für uns, so konnten wir in einer Regennacht über 300 Liter Wasser in unseren Tanks sammeln. Selbst in der super gut isolierten Robusta kämpfen wir gegen die Feuchtigkeit. Mit der Heizung kondensiert die Wärme an den kalten Fensterscheiben. Alle Bullaugen, ausser zwei davon, wir wollen ja auch mal lüften, haben wir mit durchsichtigem Plastiktischtuch isoliert. Das hilft perfekt! Das geschlossene Deckshaus ist auch Gold wert. Wir hocken bei Regen trocken und windgeschützt, einigermassen warm und geniessen die einmalige Landschaft. Standardausrüstung zum Wandern sind Oelzeug mit Gummistiefel. So wühlen wir uns buchstäblich wie Maulwürfe durchs Dickicht über triefnasse,  moosbewachsene Baumstämme.

Jetzt geifern wir förmlich nach einem fetten blutigem zarten riesig grossem Stück Fleisch mit frischem Gemüse und davor und dazu und danach ein grosses schmackhaftes Bier in der Zivilisation von Puerto Eden und eine heisse Dusche darf auch nicht fehlen!

Tja und aus der netten Kneipe mit dem Lomo und dem Bier wurde leider nicht’s. In Puerto Eden, mit seinen 170 Einwohnern, gibt es keine Bar und keine Kneipen. In den zwei kleinen Supermercados war das Bier ausverkauft. Kommt erst mit der Faehre am Samstag neuer Nachschub. Der Mann der den richtig teuren Diesel verkauft ist nicht da. Er sei zur Zeit in Puerto Natales. Wir sind aber trotzdem zu unserem Diesel gekommen. Wie will ich hier nicht genauer erläutern – wäre ja mies deinen “Freund und Helfer” an den  Pranger zu  stellen.

Jedenfalls war die Nachtaktion richtig kriminell. Vielleicht erfährst du ja mehr dazu auf einer anderen Homepage ;-))

Category: Chile
February 23

Chilenische Kanäle

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Liebe Freunde,

die nächsten zwei Monate werden wir in der Wildnis der Chilenischen Kanäle, fern ab jeglicher Zivilisation verbringen.  Hoffen wir haben genug Essen eingekauft und müssen nicht Wale und Pinguine jagen.  Gemüse wird bald nicht mehr auf unserem Speiseplan stehen. Dafür wieder Kelp  in verschiedensten Variationen gekocht oder getrocknet. Eine hier in Massen gedeihende Grossalge, die bis 40 Meter lang werden kann. Kelp ist sehr reichhaltig an Jod, Kalium, Eisen, Magnesium und Calcium. Wird übrigens in manchen Ländern als Super-Power-Nahrungsergänzung in Tablettenform oder als teure Pülverchen verkauft.  Dann kommt jetzt auch das Geschenk von unserem Freund, dem Imker Thomi Hotz zum Einsatz: Propolis Pulver gegen Skorbut!

Die Robusta sieht wie ein voll bepackter Esel aus! Dieselkanister sind an Deck festgezurrt, fast ein halber Kilometer Leinen um uns in den engen Schluchten an Bäumen und Felswänden zu sichern, die halbe Achterkajüte ist mit Food vollgepackt. Das Gästebett stinkt schon nach Zwiebeln! Thomi ist zu den Behörden gerannt, um die Zarpe zu holen. Mal schauen wie sie reagieren, wenn wir nur drei Ankerplätze, statt die vorgeschriebenen 19 Positionen bis Puerto Montt angeben.

Drückt uns die Daumen, dass alles gut gehen wird!

 

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