July 15 2019

Fiji Time

In die Vorfreude auf die Reise nach Fiji, mischt sich wie dunkle Schatten auch Traurigkeit. Ob ich meine Eltern das letzte Mal umarme, tut mir grauenhaft weh. Ich weine während den ersten Stunden im Flugzeug. Doch bald bin ich mit einer neuen Situation konfrontiert. Der Reisende vor mir legt seinen Sitz zurück. Toll. Meine Stimmung schwappt in Unmut um. Dammi nomol (Schweizer Fluch). Nun muss ich meine Sitznachbarn wecken, damit ich aus dieser Sardinenposition komme. Auch mit geleerter Blase passe ich nicht besser in den Sitz. Meine Knie berühren die vordere Sitzreihe. Nach dem gruseligen Swissfood platzt mir der Kragen. Ich verlege mich mit einer Decke und Kissen zum Notausgang. Nein ich steige nicht aus. Will ja nach Fiji. Aber ich bleibe dort hocken. Sobald sich das Flugpersonal nähert, fauche ich. Sie lassen mich bis kurz vor der Landung in Ruhe.

Mein Vater hat recht: Seit nach dem Grounding der Schweizer Fluggesellschaft „Swiss Air“ die neue nationale Airline  „Swiss“ gegründet wurde, ist die Luft wirklich draussen!

Flughafen Singapur ist toll. In der Transitzone gibt es allerlei zu sehen. Enteckte kostenlose Fuss- und Wadenmassagegeräte. Echt genau genial. Schade fand ich nichts dergleichen für den Hintern. Der Flug nach Sydney dauert wieder über zehn Stunden. Mir graut’s. War aber alles easy. Viel Raum für die Beine. Essen auch absolut lobenswert. So nun aber genug Werbung. Der Flug Sydney – Fiji, zum Abschluss noch die volle Krönung vom Gau. Schulferien in Australien! Ohweh. Lauter quengelnder kleiner verwöhnter Rotzlöffel. Normalerweise mag ich Kinder. Doch nach nahezu 40 Stunden Sardinenbox nicht mehr. Da wird Geschrei und in den Sitz treten zu viel. Die Eltern scheinen alle mit Valium oder sonst wie gedopt zu sein.

Der Pilot kündet vor der Landung eine Lufttemperatur von 28 Grad bei 9000 % Luftfeuchtigkeit an. Voll treffend ausgedrückt! Das tropische Klima haut mich die ersten zwei Wochen fast um. Dabei war es doch in der Schweiz die letzten Wochen noch viel heisser!

Bei der Ankunft in Fiji war es den Beamten wohl zu heiss um in Aktion zu treten. Kann ich gut verstehen. Ersatzteile, um die es vor der Reise noch Wirbel von wegen Sondertransport gegeben hat, gingen locker durch jede Kontrolle. Meine Empfehlung, so gut wie möglich die Regeln der Fluggesellschaften lesen und zu seinen Gunsten interpretieren. Keinesfalls Schlafende Hunde wecken! Alles in den Koffer stopfen und das Thema ist gegessen – meistens jedenfalls.

So und nun endlich, nach sieben langen Monaten sind Thomi und ich wieder ganz nahe zusammen…

Erst mal Erholung und den Thomi geniessen. Bin total kaputt.

 

Nun wieder an Fiji Time angleichen.

“Leben ist da um gelebt zu werden und nicht zum rumstressen” 

so lautet die Lebensphilosophie der Fijis. 

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June 30 2019

Abschied von der Heimat

Viele Tränen sind geflossen beim Abschied von meinem Sohn Sascha und Eltern und Freunde und Kumpels. Das ist der harte Teil vom Abenteuer!

Mein Arbeitseinsatz im Jugendhaus ist zu Ende. War toll mit meinem alten Team und mit der Praktikantin Barla, wieder in der offenen Jugendarbeit tätig zu sein. Teilweise war der Job echt streng. Vor allem in den kalten Wintermonaten war das Haus immer prall voll. Adoleszente Jugendliche können einem ganz schön herausfordern. Danke liebes Team, dass ihr mich angefragt habt, einzuspringen. Habe grad wieder etwas Wehmut. Alles Gute euch allen und den Kids!!

Arbeiten tat der Reisekasse richtig gut. Sollte wieder für eine Zeit reichen. Wir leben und reisen ja sehr bescheiden. Kaufen nur lokale Produkte ein – auch wenn der Nutellatopf im Laden alle Lustrezeptoren auf Hochtouren kurbelt. Statt in Restaurants essen zu gehen, laden wir lieber Freunde auf die Robusta ein. Kleider werden getragen, bis sie zerfallen. In den meisten Ländern sind Flohmärkte oder Secondhandshops anzutreffen, in denen allerlei nützliches zu finden ist. Für Landreisen nehmen wir die lokalen Verkehrsmittel, statt viel Geld für Mietwagen auszugeben. Im Bus erfahre ich in Gesprächen mit den Einheimischen mehr über ihr Leben als aus dem Reiseführer. Der grosse Teil der Ausgaben liegen eindeutig bei der Wartung der Robusta. Nichts hält ewig und eine Reise um die Welt, durch Gebiete mit extremen Windverhältnissen, ist der Verschleiss entsprechend grösser. Doch auch da können Kosten so einigermassen in Grenzen gehalten werden: Inserate am Schwarzen Brett einer Marina, erwiesen sich auch schon als hilfreich. Besonders dann, wenn jemand seine Yacht verkauft, muss ausgemistet werden. Müllcontainer einer Werft sind oft wahre Goldgruben. 

Ja viel Geld auszugeben ist nicht schwer. Besitzen tun wir nur noch die Robusta und was halt so in sie rein passt.

Während den sieben Monaten in der Schweiz musste ich mich echt zusammenreissen, nicht unnötig Geld auszugeben. Der Einfluss durch Werbung, was Mensch scheinbar glücklich machen soll, ist schon verrückt.

Die WG-Zeit bei meinen Freunden Nora und Dieter und den Kindern Milla und Ari war echt toll.

Es sind gute Menschen die auf so vieles verzichten, damit die Welt wieder gesund werden kann. Verzichten ist falsch ausgedrückt. Es geht ums Umdenken. Wieso soll eine Lieblingsjacke nach kurzer Zeit schon wieder entsorgt werden? Nur weil ich dem Modediktat zerfallen bin? Glaubt mir, wir erleben die negativen Auswirkungen vom masslosem Konsum hautnahe. Verdreckte Strände in den entlegensten Gebieten, Anstieg vom Meeresspiegel, veränderte Wind- und Wetterverhältnisse. Ja und nun bin ich sogar noch in den Medien auf folgende Schlagzeile gestossen. Laut einer Studie des WWF isst jeder Mensch weltweit eine Kreditkarte pro Woche! Ist doch unglaublich.

Umdenken ist für uns alle angesagt. 

Zu allem Übel steige ich morgen in ein Flugzeug und kann mich mit dem Langstreckenflug nach Fiji auch zu den krassen Umweltsündern zählen – auch wenn ich schon vier Jahre nicht mehr geflogen bin.

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May 11 2019

Suva

So nun liege ich schon zwei Wochen in Suva. Eine interessante Stadt mit vielen Märkten und Shops, extrem günstige Preise für Stoffe. So hatte ich während der Wartezeit auf das USA Visa und den Zahnarzt die Aufgabe, schöne Fixleintücher für unsere Vorderkoje nähen zu lassen. Auch das Sofa hat einen neuen schönen Bezug.

Hier noch eine Kleine Umschau, was da so alles um mein Ankerplatz auf Reede ist.
Auf dem Dreimastschooner durfte ich Fotos schiessen, ein fast hundertjähriges norvegisches Stahlschiff, wunderschön aber auch bisschen heruntergekommen. Der Eigner starb kurz nach Ankunft in Suva. Er vermachte das Schiff nun dem Skipper, ein junger Fijianer, der wahrscheinlich bisschen überfordert ist mit diesem Schiff. Vieleicht auch nicht, konnte er einem Filmteam für drei Monate das Schiff verchartern. Vieleicht eine neue Episode von Pirates of Caribean ? Klickt Euch durch die Bilder, ist wirklich eine Augenweide…
Morgen gehts weiter auf die Kavandu Island, mal bisschen frische schöne Meeresluft und tolle Riffe zum schnorcheln. Ich fahre zusammen mit Piourluit, tolle Belgier, die ich schon von Whangarei her kenne.

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April 26 2019

Ankunft in Fiji, Suva

Schnaubi!!
Angekommen, 0300 Uhr morgens, die letzten 20 Meilen waren noch mühsam. Habe dann doch den Motor genommen für die letzten 8 Meilen. Sonst nie gebraucht. Bilge trocken. Haben wir gute Arbeit gemacht! Alles dicht. Schiff hat bisschen Schlagseite wohl alles auf eine Seite gerutscht und der Dieseltank ist auch voll. Dreckiger Hafen, muss morgen schauen wo ich mich verdrücke… Bay of Islands vieleicht. (Ist eine Seitenbucht in Suva. Morgen mehr *schnarch*
Hab Dich lieb !


Kommentar Anja 
Wau Gratulation! Super gemacht. Mein Kommentar folgt später, bin auch k.o. Stellt euch vor vom Arbeiten…

April 26 2019

Neuseeland – Fiji, Tag 10

Na noch wenige Stunden! Noch 20 sm. Ja die Wracks weiss ich. Mit dem Benno (von der Belena) habe ich täglich Funkrunde. Er ist noch in Opua. Hab grad mit ihm über Funk geplappert, er meint auch dass es geht. Die Karten sollten wohl ok sein im Haupthafen wo viele Schiffe sind. Und die Stadt ist ja beleuchtet, man sieht sie schon von hier. Ja cool. Habe es bald geschafft ohne Gewitter und nur ein Tag mit wildem Wetter. Hast das Etmal gesehen ? ;-)))
Hoffentlich kommen die Behörden morgen bald, habe gelesen dass die erst nach Stunden kommen. Dafür ist noch Freitag, also kein overtime Charge Gebühren, uff. Also Schnaubi ich melde mich und ganz grosser Kuss und Umärmel !!


Kommentar Anja 
Ich habe mir eben Sorgen gemacht. Wegen den miesen Seekarten und den abgesoffenen Wracks die liegen bleiben, bis sie sich irgendwann selber auflösen.

April 25 2019

Neuseeland – Fiji, Tag 10

So, habe nun das North Astolabe Reef querab, das ist das Reef nördlich von Kandavu Island. Diese 24 Stunden waren wunderbar. Schönstes Segeln mit viel Wind von halb, dann immer mehr raumschots. schnelles Fahren. Wenig Welle, wie auf Schienen. Konnte endlich Gas geben um noch rechtzeitig anzukommen. Viti Levu ist in dunken Wolken eingehüllt. Man sieht nix. Kandavu schon. Sicher auch spannend diese Insel mal noch zu besuchen. 
So werde in der Nacht in Suva eintreffen, ich fahre nachts rein, ist mir lieber als draussen zu warten und wohlmöglich vom anrauschenden Tief erfasst zu werden… Ist ja beleuchtet, die Stadt. Alles in allem eine tolle Passage, anstrengend, dafür kurz, acht/neun Tage? Wetterglück. Habe Glück gehabt würde Hanspeter nun sagen 😉
Position: 18°41 S 178°36 E
35 sm to go. (Etmal 143!)
Speed 5-7 , Kurs 343°
Wind 15-20 aus SO, Welle 2-3
Zeit 07:00 UTC, 25.04.2019


Kommentar Anja
Bald hat er es geschafft! Doch nicht zu früh aufatmen. Uns wurde immer gesagt: 
“Fiji frisst Boote ”
Fiji besteht aus 332 Inseln. Das Archipel im Südpazifik ist von Korallenriffen gespickt. Schon so mancher Segler hatte seine Yacht auf einem Riff geparkt, denn die Seekarten sind nicht genau! 
Ab Mai bis ende Oktober ist in der Südsee Winter. Konkret mit Temperaturen zwischen 26 und 32 Grad. Die  Jahreszeit verspricht kühlere Südostwinde die in der Gegend von Fiji auf wärmere äquatoriale Luftmassen treffen (South Pacific Convergence Zone). Dieses Phänomen kann entweder zur totalen Flaute führen, oder die Passatwinde verursachen heftige Gewitter mit extrem viel Regen, wenn sie auf die bergige Landmassen treffen. Darum ist Fiji im Südosten total üppig grün und gegen West immer karger und trockener.
Das Tief hat sich abgeschwächt, doch ziehen noch immer Gewitterzellen mit viel Regen südlich von Suva durch.
Thomi, bald hast du es geschafft!
 
 
 
 

April 24 2019

Neuseeland – Fiji, Tag 9

Schnaubi !
Danke für das Wetter ui nein so viele Gewitter… Siehe Posireport, ich habe tollen Wind aus SO und komme gut vorwärts, alles trocken keine Squalls, bin ca. morgen abend östlich von Kandavu Island, dann noch 40 Meilen nach Suva, in der Nacht, komme Freitg morgen an, alles Lokalzeit. Sind dann die Gewitter schon weg ? 
Schmatz! Liebe Dich so.


Kommentar Anja
Wo ist denn die Position? 

April 24 2019

Neuseeland – Fiji, Tag 9

Jaaa ! Der Winddreher kam gesten Mitternacht. bisschen fieren und schon hopst die Robusta voller Freude gegen die alten Wind-Wellen und den Strom, der ja immer noch gefühlte 1 kt gegen mich ist. Die Schauer sind vorbei, der Wind konstant. Wellen abnehmend. Doch die Nacht war laut, mit 6-7 kt Fahrt durchs Wasser gegen den Strom und die Wellen geben eine eindrückliche Geräuschkulisse… Am Tag das selbe Spiel, bis ich ca. 17 Uhr bei 21° wahrscheinlich aus dem Strom rauskam. Wie auf Schlag ein Knoten mehr über Grund und alles ruhig, man fährt wie auf Schienen.
So nun noch was zur Ankunft, die “sm to go” war nich Suva sondern mein Waypoint östlich von Kandavu Island. Somit sind noch 40 sm mehr zu fahren. Korrektur heute. Werden wenn alles gut wird, Freitag früh in Suva eintreffen. 
Position: 20°58 S 178°20 E
173 sm to go. (Etmal 127 immerhin)
Speed 4-7 , Kurs 10-20°
Wind 15-20 aus OSO, Welle 2-3
Zeit 07:00 UTC, 24.04.2019


Kommentar Anja
Ich habe auch schlecht geschlafen. Zahnschmerzen! Voll doof den präventiven Besuch bei der Zahnärztin habe ich voll verdrängt. Der Zahn ist jetzt beerdigt – bleibt nur noch die fette Backe. Jetzt überwältigt mich auch gerade eine Müdigkeit, aber bestimmt nicht so wie Thomas. 

April 24 2019

Neuseeland – Fiji, Tag 8

Schnaubi !!
Oh jetzt gehts besser seid gestern Nacht. Der Wind hat gedreht (mehr im Posireport…). Und bei Dir alles gut ? Hast Du mir eine Kopie vom Blog ? So lieb hast Du das gemacht. cool. Kann es kaum erwarten angekommen zu sein, wobei Suva ja eher ein dreckiges Loch sei, mit viel Müll und Regen und so. Doch ich will ja das Visa USA machen und noch zum Zahnarzt. Mindestens Dentalhygiene und auch was flicken. Danach weiss ich noch nicht, entweder Savusavu oder nach Vuda Point Lautoka. Will ja noch das Schiff bisschen streichen, und schleifen und da brauche ich trockene Tage, und die gibts eigenlich nur im Westen. Oder vielleicht Savusavu, muss schauen. 
Ich sollte Freitag morgens in Suva eintreffen. Dann noch einklarieren, dass kann auch einen halben Tag gehen. Erst dann kann ich an Land und mir eine SIM Karte holen für Internet. Wird also noch dauern bis ich Dir anrufen kann. Und schön schlafen ui da freue ich mich auch. Also bis bald mein Schnaubi 
Thomas

April 24 2019

Neuseeland – Fiji, Tag 7

In der Nacht wenig Wind und immer noch den Southpacific Current gegen mich. Auch der Wind ist eher ONO anstelle O, so kann ich 0° halten. Seit dem Morgen bin ich aber in einem Tiefdruckgebiet mit sehr viel Regen und auch viel Wind, der nach den Regenschauern wieder einschläft. Wie bei Squalls, doch alle halbe Stunde fräst ein weiteres Regenband durch. Wellen konfus und hoch. Robusta fällt immer wieder mal in ein Wellental. Waschmaschine. Kann die 0° aber halten. Wird sich alles im neuen Etmal niederschlagen 🙁 In einer Windpause habe ich mir Spghetti Bolognese gemacht. Mjam. Mittlerweile 28° im Schiff.
Ich hoffe der Winddreher auf OSO kommt noch, da wäre das Leben an Bord grad wieder angehnehmer…
Position: 23°02 S 177°49 E
260 sm to go. (Etmal 108 immerhin)
Speed 3-5 , Kurs 350-15°
Wind 5-40 aus ONO, Welle 3-4
Zeit 07:00 UTC, 23.04.2019


Kommentar Anja 
Ich bin nervös. Studiere immer wieder die Wetterprognosen vom bequemen, trockenen Sofa aus. Mache mir Sorgen, ob ich Thomas von der anderen Seite der Erdkugel adäquat mit Wetterberichten per e-mail unterstützen kann. Jedenfalls bange ich mit! Kommt er in diese heftigen Gewitterzellen? Schafft es Thomas bis Suva bevor der Nordwind einsetzt? Ist alles o.k mit der Robusta?