April 28 2021

Abschied

Gerdy kratzt an der Türe vom in der Nachbarschaft gelegenem Hausboot, wo Thomas und ich nun wohnen. Ich freue mich über ihren täglichen Besuch! Doch gleichzeitig stimmt es mich traurig. Sanft streichle ich ihr über das struppiges Fell, das sie sich ungern bürsten lässt. Am Strand schmilzt nun so langsam der Schnee. Der gefrorene Belugasee ist nicht mehr begehbar. Erste Zeichen vom Frühling sind erkennbar. Zugvögel, wie die Kraniche sind eingetroffen. Sie sind von Kalifornien gekommen und werden den gemässigten Sommer in Alaska mit der Aufzucht der Jungtiere beschäftigt sein. Schade ist der Abschied schon bald. Nur zu gerne hätten wir miterlebt, wie die Natur aus dem Winterschlaf erwacht. In den Salzwiesen um Homer werden diverse Vogel- und Entenarten den milden Sommer verbringen.

Über den Winter durften wir einige nette spannende Menschen kennen lernen. Alaska, ist für uns ein sehr spezieller Ort. Ein wildes Land, mit kurzer intensiver Geschichte.

Witzig ist, dass sich so viele bemühen, damit wir sämtliche Schweizer die hier leben, kennen lernen. Ihre Lebensgeschichten beeindrucken uns. Noch eindrücklicher ist für uns die Lebensweise. Homer hat sozusagen keinen Dorfkern wie wir dies in Europa kennen. Alles ist auf’s Autofahren ausgelegt. Die Leute leben auf riesigen Grundstücken, so gross, dass meist kein Nachbar in Sichtweite ist. Doch was uns völlig in die Knie haut, ist die Aussicht! Wald, Berge, Meer, Natur so weit das Auge noch reicht. Winter ist die Zeit der Ruhe. Im Sommer ist der Bär los, Touristen ziehen aus allen Richtungen in oft skurrilen Gefährten durch Alaska. Campen, Fischen und Jagen ist für viele von ihnen ein Traum. 

Alles was ich gerade tue, nehme ich äusserst intensiv wahr. Denke, jetzt ist es das letzte Mal, wo ich mich in dieser Badewanne entspanne. Nochmals Wäsche waschen in einer tollen sauberen Maschine, ohne die dreckigen Kleider erst mühselig in einen Waschsalon zu transportieren. Mit Gerdy nochmals am bezaubernden Strand spazieren. Und wenn ich nun an den Abschied all der netten Leute denke, rollen dicke Tränen über meine Backen.

Ein Wetterfenster tut sich auf. Susia, Brat und Sepp werden uns bis Seldovia begleiten.

Doch erst soll noch ein Abschiedsfest am Strand über die Bühne gehen.

Ganz einfach. Alle bringen mit, was sie zum Festen brauchen und zusätzlich noch ein Instrument oder Ähnliches, um eine anständige Jam Session zu vollbringen. Wir sind im Endstress. Grosseinkauf steht an. Wer weiss, wann sich die nächste Gelegenheit bietet. Segel anschlagen, Rigg kontrollieren und spannen.

Das Dhingi verliert auch mal wieder Luft. Da ich kein Leck finden kann, besorge ich an der Tankstelle eine Dose mit giftgrünem Inhalt. Luft raus, grüne Pampe durch das Ventil rein, aufpumpen und immer wieder das Dinghi drehen und wenden, damit sich der Schleim im Innern schön verteilt. Diese Notreparatur, eigentlich für Autoreifen gedacht, funktioniert für das sehr alte PVC Dinghi perfekt. Die letzte Anwendung hat ein Jahr gehalten. Falls jemand ein gebrauchtes Dinghi zu verkaufen hat, bitte melden. Das tat dann Joe. Doch das Dinghi liege unter einem Berg Schnee! Zwei Tage graben wir. Stossen irgendwann auf Eis. Salz rauf und einwirken lassen. Hat bedingt geholfen. Das befreite Dinghi sieht nicht schlecht aus. Doch es braucht eindeutig Zuwendung. So kaufe ich Kleber und Flicken. War jedenfalls so geplant. Für eine  mikrokleine Tube Kleber und paar Quadratzentimeter Flicken, 60 Dollar!!! Abriss! Joes Dinghi ist jetzt in Flicken zerlegt. Hochgerechnet sind diese nun 15 tausend Dollar wert. Cool!

Wir sind erstaunt. Am Samstag herrschen für eine Strandparty nahezu perfekte Bedingungen. Kein Wind, kein Schnee oder Regen. Temperaturen knapp über Null Grad Celsius. Sue, Susia und Brat, die musikalischen unter uns, haben zum Abschied ein Seemannslied komponiert! Hey, völlig cool, Wir wollen es auch lernen!

Danke für die tolle Zeit und tschüss Homer Homies

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April 14 2021

Werft

Heute Nachmittag ist wie alle zwei Wochen wieder, eine besonders hohe Flut angesagt. Die Robusta wird für Wartungsarbeiten an Land gehoben.  Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, dass da genug Wasser ist, wo ich so oft spazieren gegangen bin. Doch der Meeresspiegel hebt und senkt sich um die sechs Meter innerhalb von etwa zwölf Stunden.

Wir mögen Kranen nicht. Beide sind aufgeregt oder sogar echt nervös. Den Grund für diese unangenehmen Gefühle ist auf ein Ereignis in Brasilien zurückzuführen. Dort ist die Robusta beim Kranen aus den Gurten gerutscht. Alles geschah glücklicherweise, als sie noch über dem Wasser hing. Thomas war drinnen. Er kam mit einer platten Nase und zerbrochener Brille einigermassen heil davon. Doch die Robusta sah übel aus. … Die Jungs  der Northern Enterprise sind echte Profis.  Behutsam wird die Robusta mit dem Travellift aus dem Wasser an Land gehoben, über die Strasse auf das Gelände der Werft Northern Entreprise transportiert. Etwas erstaunt war ich dann schon zu sehen, wie die Boote im seismisch hoch aktivem Alaska mit Holzpaletten abgestützt werden. 

Die Temperaturen liegen noch immer unter dem Gefrierpunkt. Die Wassertanks sind darum für geleert. Die könnten einfrieren und dabei bersten. Alle Seeventile sind offen, damit kein Wasser in den Leitungen stehen bleibt. Bei Sonnenschein ist es sogar über Null Grad und die Werft verwandelt sich in ein Sumpfgebiet.  Jack bringt mit einem Lastwagen Wasser und  Kompressor, damit wir den ganzen Bewuchs mit dem Hochdruckreiniger vom Rumpf entfernen können. Am nächsten Morgen ist die ganze Suppe unter der Robusta steif gefroren. Der Rumpf sieht gut aus. Nur an einer kleinen Stelle ist Farbe bis auf den Stahl abgekratzt. In Fiji hat die Robusta ein Riff geküsst. Na ja, eigentlich war das der Kapitän… 

Antifouling streichen ist bei diesen Temperaturen, eine Herausforderung. Mit gefütterten Handschuhen und darüber noch eine Lage Gummihandschuhe, wird der Rumpf erst gereinigt und angeschliffen. Total anstrengend. Über Stunden in seitlich gebückter Position. Der kalte Sabber vom Rumpf spritzt ins Gesicht und läuft von den Handschuhen in die Ärmel. Den Antifouling Anstrich anbringen ist dagegen eine schöne Arbeit.  In der Kälte trocknet das Antifouling langsamer.  24 Stunden pro Schicht wird empfohlen. In Alaska gibt es übrigens spezielles Epoxidharz  Trocknet bei bis minus 10°C !

Leider musste die Antriebswelle ausgetauscht werden. War ziemlich korrodiert. Zum Glück gab’s einer der besten Betriebe hier im Ort für solche Belange. Doch die haben hier Imperial Längenmasse. Der Durchmesser der Welle ist nun 3.4925 cm, das sind 1 3/8 Zoll statt 3.5 cm. Aber das liegt im Bereich des möglichen versichert der Profi.

Zwei Wochen später schwimmt die Robusta wieder in ihrem Element.

So und nun stehen noch die letzten Vorbereitungen für die Weiterreise an. Unterwanten ersetzen, Segel anschlagen, Leinen den Mast hochziehen und viele kleine Sachen die einem zuletzt noch in den Sinn kommen.

 

 

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March 27 2021

Gedanken um die Zukunft

Die Nachbarin klopft aufgeregt an die Tür. Seit ihr gegen Covid19 geimpft?

-Nein-

Wir können uns nicht vorstellen, als Ausländer einen Termin zu bekommen. Ich habe mich getäuscht. Alle ab 18 Jahre jung, dürfen sich jetzt anmelden. Und jeden Tag bleibe Impfstoff übrig. Die einen können es kaum erwarten, andere haben die Nerven nicht zum vereinbarten Termin zu erscheinen.

Bis anhin liegt die Meinung sich impfen zu lassen, bei einem klaren Nein. Da ist viel Skepsis zum so schnell hergezaubertem Impfstoff. Nach Möglichkeit behandeln wir uns mit Naturheilmitteln selber. Wir beide sind jedoch nicht so  Radikal, dass wir die Schulmedizin ganz verteufeln.

Mittlerweile wird seit wenigen Monaten in den reichsten Ländern der Welt, mit Massenimpfungen begonnen. Einige Regierungen nehmen die Situation noch immer nicht ernst, obwohl massenweise Menschen sterben. Ich nehme in der ganzen Welt eine Zunahme von Verzweiflung, Misstrauen, Frust und Kampf wahr. Leute gehen auf die Strasse, wehren sich gegen Massnahmen der Regierungen. Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur.

Unsere Meinungen schwappen wie in einem Kochtopf mit wild strudelndem Wasser durcheinander. Stunden verbringen wir die Winterzeit, schaudernd und schnell mal  von all den Informationen erschlagen, die durchs Netz auf uns einprasseln.

Zur Erholung ist die bezaubernde Gegend von Homer  bestens geeignet. Auch im tiefsten Winter. Zu Fuss geht das nur bei Ebbe am Strand. Der ist dann riesig wegen der enormen Gezeiten. Die Sandbänke sind nach jedem Wintersturm wieder neu formiert. Dieses Jahr liegt besonders viel Schnee. Caroline bringt mir Langlaufen bei. Sie schlaucht mich bergauf und runter, durch’s Gestrüpp, über Eisflächen und durch Tiefschnee. Sie bindet mir ihren Hund Heidi um die Hüften. So schiesse ich völlig wabbelig, in meinen etwas zu grossen Skischuhen, der sich zwischen Bäumen windenden Langlaufpiste hinunter. Für den Anstieg übernimmt sie den Hund wieder.

Sepp ist auch immer für eine Schneeschuhtour zu begeistern. Ist immer sehr lehrreich mit ihm. Er kennt die Sprache der Natur. Sepp hat rund vierzig Jahre in den Brooksrange, in völliger Abgeschiedenheit, mit seinem Schlittenhundeteam als Trapper gelebt. Sein Auto war 35 Kilometer von seiner Hütte entfernt geparkt. Bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit sind es weitere 40 Kilometer. Um im Winter bei eisiger Kälte den Motor zu starten, muss dieser erst mit Hilfe eines Gasbrenners vorgewärmt werden. Besser der Motor verliert dann gerade kein Oel. Diese enormen logistischen Strapazen des Lebens, will Sepp nun etwas minimieren. Er sucht sich ein Stück Land in gemässigter Zivilisation. Er hat ein Buch geschrieben. Es handelt um seine Teilnahme am härtesten Hundeschlittenrennen der Erde, dem 1600 Kilometer langen Yukon Quest, von Alaska nach Kanada.

Im Gegensatz zu Sepp, stehen unsere Zukunftspläne eher auf wackligen Beinen. Covid19 beeinflusst nun seit über einem Jahr unser Leben. Sind jedoch absolut dankbar, die Pandemie erst in Japan und nun in Alaska zu durchwursteln. In den Geschäften sollen Masken getragen werden. Alles ist offen. Ihr müsstet erleben, wie es hier sonst im Winter abgeht! Party – Party – Party. Mit solchen Sprüchen trauern die neuen Freunde um vergangene Zeiten. Wir geniessen die Situation so wie es ist und denken dabei an unsere Familien und Freunde, die im zweiten Lockdown zu Hause eingesperrt sind. Mein Sohn Sascha hat die Arbeitsstelle gewechselt. Den ersten Arbeitstag verbrachte er in der Firma. Der zweite Tag bereits im Homeoffice. Ohje, wenn das nur gut geht.

Mitte Juli läuft unsere Aufenthaltszeit in den USA aus. So mache ich mich über die Formalitäten für eine Verlängerung her. Irgendwo im Kleinstgedruckten, total schwer zu finden, entdeckt Thomas, folgenden Mist: Abgabe der biometrischen Merkmale erfolgt mit einem Aufgebot per Post. Wann? Keiner weiss das. Im ganzen Staat Alaska, welcher weitaus grösser ist als Europa, geht das nur in Anchorage! Wir müssen spätestens Ende April los segeln. Von unterwegs ist eine Reise nach Anchorage schlicht nicht mehr möglich. Die Zeit drängt. Bis zur Kanadischen Grenze ist es noch weit. Mit durch Wetter bedingten Unterbrüchen, ist in Alaska dauernd zu rechnen. Völlig angepisst, drücke ich auf die delete Taste und die sorgfältig ausgefüllten Dokumente sind weg. Nun erinnere ich mich wieder, warum ich in jungen Jahren doch nicht nach Kalifornien ausgewandert bin. Alles klar!

Was wenn die seit einem Jahr geschlossene US-Kanadische Grenze im Juli noch immer zu ist? Recherchen ergaben, für den Transit durch die kanadischen Kanäle von Alaska nach Washington, wird ein Passierschein ausgestellt. Doch in Kanada einklarieren ist zur Zeit nicht möglich. Ankern und ausruhen ist erlaubt. Diesel tanken geht, doch Futter für Crew einkaufen geht nicht. Eine weitere Möglichkeit wäre, von Alaska nach Kanada auszufliegen. Dann wieder frisch und fröhlich nach Alaska einreisen und ein erneuter Aufenthalt von weiteren sechs Monaten wird mit dem B1 B2 Visa gewährt. Ist doch absurd! Hört sich dennoch verlockend an: Erst einen Covid19 Test vor dem Abflug. Am Flughafen in Kanada erneuten Nasenpopeltest. Dann geht’s auf direktem Weg in ein vom Staat verordnetes Hotel, welches für den dreitägigen Luxusaufenthalt 2000 Dollar abzwickt. Jetzt Freiheit? Aber nein doch. Die nächsten 10 Tage darfst du dich am Ort deiner Wahl einschliessen. Das Schlussbouquet ist mit einem weiterer NP-Test gekrönt. Diese müssen allesamt negativ ausfallen, sonst hast du eh verloren. Die Bestimmungen für die erneute Einreise in die USA, interessieren uns unter solchen Bedingungen nicht mehr gross. 

Eine weitere Möglichkeit wäre,  nach Mexico fliegen und wieder zurück. Covid19 Test jeweils vor Abflug. Fertig.

Ende März gab das Covid19 Informationszentrum von Alaska für geimpfte Personen gewisse Lockerungen heraus. Da wären wir beim leidigen Thema unterschwelliger Impfzwang.

Die wohlhabenden Länder grabschen wie grosse Monster nach Impfstoff. Obwohl der WHO-Chef Tedros  zu globaler Impf-Solidarität aufruft. Ansonsten geht die ganze Aktion nicht auf.

KOMMT ZEIT KOMMT RAT ein Spruch den ich oft von meiner Mama gehört habe.

Wir sind nun beide geimpft. 

Wir fühlen uns echt befreiter. Ein Stück Lebensfreiheit schimmert durch am Horizont aufsteigenden Nebel. Denn für die Covid19 Impfungen sind noch viele Faktoren unerforscht. 

 

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March 15 2021

Hund, Pflanzen und Fische – gegen Haus

Bereits nach Neujahr haben Susia und Brat genug vom Winter. Sie wollen abhauen. An die Wärme. Doch der alte Hund wird in der Hitze, hundert pro einen Kollaps bekommen.

Sie fragen uns an, ob wir ihn hüten wollen. In ihrem Haus, mitten im Wald und nahe am Strand gelegen.

Das ist die perfekte Gelegenheit! So kann Thomas in Ruhe am Batteriesystem im Boot arbeiten und ich habe Platz, um ein neues Lazy Jack zu nähen und die Segel zu reparieren. Doch beide Vorsegel sind dermassen zerstört, dass sich kein Aufwand mehr lohnt sie zu retten! Ihre Lebenszeit ist eindeutig abgelaufen. Doch da ist kein Segelmacher weit und breit. So bestellen wir die Segel online. Die Formulare für die Messpunkte, sind gut beschrieben. Bei Unklarheiten werden die Fragen per Mail am nächsten Arbeitstag beantwortet. Für die korrekte Vermessung ist der Kunde verantwortlich. Darum sind die Segel im Preis auch massiv günstiger. 

Ende Februar besorgen unsere Freunde sich ein one way Ticket nach Hawaii. Wegen den dauernd wechselnden Covid19 Regelungen, sind sie somit flexibler. 

So kommen wir in den Genuss, für zwei Monate an Land zu leben. Der Hund und wir sind traurig, dass die beiden nun weg sind. Hatten viel Spass miteinander. Spaziergänge, Feuer am Strand, Essen kochen, musizieren, tanzen in ihrem Haus statt in der Bar hängen….. das wird uns fehlen. Alles ist so viel einfacher in einem Haus. Abwaschen mit heissem Wasser, welches automatisch und endlos sprudelt. Ich ertappe mich immer mal wieder wie ich ansetze, um die Fusspumpe zu tätigen. Sich nach Belieben unter eine Dusche stellen oder ein heisses Bad geniessen gehört zum Hochgenuss. Ein riesiger Kühlschrank mit Gefriertruhe, um dessen Energie wir uns nicht sorgen müssen, ist grossartig.  Im Backofen kann ich Brot für eine ganze Grossfamilie backen. Ich geniesse es, die schönen grossen Zimmerpflanzen zu pflegen. Doch die Fische verunsichern mich. Wie viel fressen die? Sue hat es mir gezeigt. Doch jedes mal wenn ich in die Nähe vom Aquarium komme, betteln sie. Also gebe ich Futter. Nach wenigen Tagen ist das Wasser trübe geworden. Google meint, ich hätte zu viel gefüttert. Den nächsten Tag verbringe ich mit Wasser wechseln und Aquarium reinigen. 

Die erste Woche nehmen Thomas und ich Ferien voneinander. Er wohnt in der Robusta und ich im Haus. Beide geniessen den Abstand zueinander. 

Thomas hat in dieser Zeit die Bleibatterien gegen Lithium ausgetauscht. Das ist ein größeres Projekt, da die halbe Elektrik zu überarbeiten ist. Angefangen bei den Batteriezellen, die in eine Halterung gehören. Sie vertragen keine Kälte. Deshalb werden sie geheizt und isoliert. Das Batteriemanagement überwacht die Zellen und kontrolliert die Ladegeräte, Alternator und die Verbraucher. Wer über Details zur Technik und Einbau in ein Boot lesen möchte, empfehle ich Nordkyn Design.

Der alte Hund findet sich nach wenigen Tagen damit ab, dass er nun von mir gefüttert wird und es täglich bei jedem Wetter zum Training raus geht. Doch an einem Tag war es übertrieben stürmisch und sehr kalt. So entschied ich mich gegen meine Prinzipien, mit dem sichtlich frierenden Hund, einen Zwischenstopp bei Mc Donalds einzulegen.  Doch wegen Covid19 war nur der Drive Thru offen. So stellte ich mich mit Gerdy hinter ein Auto in die Reihe um die Bestellung aufzugeben. Eigentlich handelte es sich bereits um eine Illusion, dass die mich bei Sturm, kurz vor Weltuntergang, mit einem nassen Hund rein lassen würden. Doch dass ich nicht bestellen durfte, weil ich nicht mit einem Auto in der Reihe stand, ging weit über mein Verständnis hinaus. Ich lerne, Mc Donalds ist und bleibt ein verblödeter Laden, der selbst unter widrigsten Lebensumständen gemieden gehört.

Nach sieben Wochen kommen Sue und Brat, bestens erholt vom Hawaii zurück. Da die Robusta nun in der Werft steht, bieten uns Nachbarn an, in ihrem Hausboot zu wohnen, welches in ihrem Garten steht. Es ist schon unglaublich, was für nette, spannende und hilfsbereite Menschen wir immer kennen lernen. Danken euch allen von Herzen! 

 

 

 

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January 4 2021

Neue Freunde finden in der Corona Epoche

Die Robusta liegt unversehrt im Hafen. Doch Drinnen ist es saukalt und nur wenige Grad wärmer als draussen. Die klammen Kojen laden nicht direkt zum Ausruhen ein. Erst mal kräftig lüften und die Dieselstandheizung auf volle Pulle drehen. Decken aufhängen und die Matratzen aufstellen, damit von allen Seiten warme Luft wehen kann. Dann aber nichts wie raus aus diesem Chaos. Nach der langen Fahrt von Anchorage habe ich mich eigentlich, auf gemütliches in der Koje hängen und einen Film auf dem Tablet gaffen, eingestellt. Statt  zu schmollen, flüchten wir in die kleine Hafenbar Salty Dawg. Die Bude befindet sich im alten Leuchtturm. Brennt das Licht im Turm, ist die Bar offen.  Erstaunlicherweise auch trotz Corona. Dort treffen wir auf einen überdrehten Haufen. Alle scheinen sich zu kennen. Wir sind die Fremden. Ein halbes Bier später, quasseln uns die Anwesenden Löcher in den Bauch. Sie sind völlig verblüfft, dass Schweizer nach Alaska gesegelt sind und den ganzen Winter im Hafen wohnen wollen. Nach dem dritten Bier werden Telefonnummern ausgetauscht. Von den Amis heisst es ja, sie seien super spontan, aber auch entsprechend oberflächlich. Mal schauen was daraus wird. 

Eine Woche später sind sämtliche Bars geschlossen. Das Virus hat sich eine Angestellte vorgenommen. Aus Angst,  die Kunden der betroffenen Bar könnten in die anderen Lokale drängen, schliesst der Salty Dawg ebenfalls seine Türen. Andere Lokale ziehen nach. Alle hocken nun in der Kälte – auf dem Trockenen.

So ein Mist. Wo lernen wir Leute kennen? Ich befürchte uns steht eine einsame Zweisamkeit bevor. Als kontaktfreudige Person stimmt mich die Situation traurig. So suche ich im Netz nach Alternativen. Alle Sportvereine nehmen keine neuen Kunden an. Kursangebote sind zur Zeit annulliert.  Der lokale Segel Club ist ebenfalls im Corona-Modus. Alle sonst üblichen Treffen des Clubs finden nicht statt. Nicht mal ehrenamtliche Arbeit ist zu finden!  

Covid19 sei Dank 

Freundschaften knüpfen während der Pandemie, ist nicht so einfach. Üblicherweise laden wir gerne Leute auf die Robusta ein. Doch in ihrem kleinen Bauch ist Physical Distancing nicht möglich. Ich weigere mich jemals den Ausdruck Sozial Distancing zu verwenden. So ein idiotischer Begriff! Passt doch überhaupt nicht. Sozialkontakte sind ein Lebenselixier. Mit all den technischen Errungenschaften, ist es zum Glück möglich, Kontakte nach wie vor zu pflegen. Einfach auf eine andere Art. Ansonsten läuft hier das Leben fast normal weiter. Unsere Familien und Freunde sind da schon ganz anders gefordert. Lockdown, Home Office, Homeschooling, Job verloren, keine Kohle zum Rechnungen bezahlen und weitere Dramen spielen sich in weiter Ferne ab. Unsere Probleme mit geschlossenen Grenzen und Ersatzteilbeschaffung, erscheinen dagegen mickrig. Jedenfalls suggerieren wir uns ein, alles wird schon bald wieder normal. 

Jetzt aber zurück zum für euch absurd klingendem Problem, “Freunde finden”:

Mittlerweile ist ein enger kleiner Kreis an Freundschaften entstanden. Doch wie ist es dazu gekommen? Was ist anders während der Pandemie als üblich? Hier paar nette Beispiele, die uns um die einsame Zweisamkeit brachten. Vielleicht hätte es der Beziehung auch mal gut getan sich ganz und gar aufeinander zu konzentrieren…

Spaziergänger haben die Schweizer Flagge an der Robusta flattern gesehen. Sie haben angeklopft. Alle haben in irgend einer Form Bezug zur Schweiz. Sind dort aufgewachsen, ein Schüleraustausch um Deutsch zu lernen absolviert, oder die Grosseltern sind bereits nach Alaska ausgewandert. Auf Reisen in Homer hängen geblieben, sind auch einige. Daraus sind mittlerweile super nette Freundschaften gewachsen. Dank den beiden tollen Angestellten Annie und Erika vom der Bar  Salty Dawg, sind durch ihre vermittelnde Art, auch ganz wetvolle Kontakte entstanden.

Die Leute die hinter den Telefonkontakten vom Abend im Salty Dawg stecken, gehören offensichtlich zu der mutigeren Sorte. Mit ihnen kochen wir nette Abendessen in der engen Robusta, musizieren und spielen Karten, oder haben es einfach lustig miteinander. Oder hocken draussen, trotz Kälte gemütlich um ein grosses Feuer. In die Bar gehen wir nur wenn wenig los ist.  Alle wollen gesund bleiben. So vertrauen wir einander, dass die Covid19 Regeln ernst genommen werden. Hier im ländlichen Bereich, wird schnell bekannt wenn sich jemand angesteckt hat. Dieses Verhalten birgt ein Restrisiko, mögen die einen jetzt denken.  Egal, auf alles wollen wir nicht verzichten. Viel Zeit verbringen wir mit Freunden für einen Spaziergang oder zum Schneeschuhlaufen und Langlaufen.  Material für diese Aktivitäten haben uns die netten Menschen von Homer ausgeliehen. Grossen Dank!!! Aufenthalt an der frischen Luft ist wegen der kurzen Tage von gerade mal 5 Stunden, für die Gesundheit besonders von Bedeutung. “Cabin Fever” wird der Zustand von Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit im Winter in Alaska genannt.

Was ich jedoch sehr irritierend finde und auch vermisse, ist das Hände schütteln oder Umarmen. Die Küsserei kann von mir aus für immer verschwinden. Doch irgendwie möchte ich mehr Herzlichkeit zeigen. Doch wie? 

 

 

 

 

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November 1 2020

Anchorage

Fotos sind diesmal keine dabei. Das Thema ist zu brisant. Diese Menschen verdienen Achtung und Persönlichkeitsschutz.

Zu Fuss streifen wir durch das Zentrum von Anchorage. Viele Lokale und Läden sind geschlossen. Bäume und Sträucher tragen Blätter die in allen Farben in der Sonne leuchten. Trotzdem erscheint alles etwas gespenstisch. Nur wenige Autos fahren herum. Die Parkplätze sind fast leer. Im Zentrum fallen mir die vielen verwahrlosten Menschen auf. Jede Altersgruppe scheint vertreten. Auch Kinder sind unter ihnen und auffallend viele Frauen und Natives. Durchaus keine homogene Gruppe. Entlang der Uferpromenade im Wald und sogar im Park, stehen Zelte oder aus Ästen und Planen gebaute provisorische Behausungen. Eine schmutzige Hand mit schwarzen Fingernägeln, zeigt in unsere Richtung. Sie gehört der Frau, die auf einem Stück Karton auf dem kalten Boden sitzt. Ein freundliches God bless you entgegnet sie für die paar Dollarscheine. An Strassenkreuzungen wird gebettelt oder versucht mit Scheibenreinigen etwas Kleingeld zu verdienen. Dass viele von ihnen ein Alkoholproblem haben, ist offensichtlich. Doch auch harte Drogen wie Heroin, Crack und anderes, fanden ihren Weg in den hintersten Winkel der Erde.  

Nun steht auch noch der Winter vor der Tür. Wie soll das gehen? Im Zelt pennen, bei Temperaturen weit unter null Grad Celsius? Mich beschäftigen diese Schicksale und es beelendet mich sehr zu sehen, wie dieses wunderschöne Land aus diversen Gründen leidet. 

Bei unseren Freunden bekommen wir mal wieder Gelegenheit zum Fernsehen und intensiv das Internet zu durchstöbern. So stossen wir auf einige traurige Fakten im Netz. Doch viele Fragen bleiben unbeantwortet. Die Zahl der Erwerbslosen ist in Anchorage mit Einzug von Covid19 auf über 14 % hochgeschnellt. Viele Menschen kamen in die Stadt um einen gut bezahlten Saisonjob zu finden. Doch für so viele ging dieser Plan nicht auf. Die hier Gestrandeten können sich die weite Heimreise nicht mehr leisten. Flüge sind gestrichen und die Langstreckenbusse verkehren zur Zeit auch nicht. Alles ist im entlegenen Alaska teurer als sonst wo in den Staaten. Wer die Miete oder die Raten für das Haus nicht mehr bezahlen kann, endet in Kürze auf der Strasse ab. Die Gesundheits- und Sozialhilfebehörde sind gefordert. Wird es kalt, werden Menschen erfrieren. So wurde im April die Sullivan Arena in eine Notschlafstelle umfunktioniert. Dort übernachten im Schnitt 350 Personen auf Feldbetten. Durch Covid19 bedingt, mit einem Abstand von gerade mal zwei Metern. In der Eis Arena sind nahezu eben so viele Frauen und Familien untergebracht. 

Am 3. November wird in den Vereinigten Staaten Amerika ein neuer Präsident gewählt. Die Stimmung ist derart aufgeheizt. Die Bevölkerung ist absolut gespalten. Themen wie Gesundheitssystem, Wirtschaft, Ethnische Spannungen, Wahlsystem, Waffen, Abtreibung sind  Reizworte. Schnell wird uns klar, über Politik reden ist heikel.

Verlierer wird es bei den Wahlen 2020 so oder so geben. Die ganze Situation scheint mir ein gefährlicher Nährboden für Konflikte, vor allem wenn das Ergebnis eng ausfallen wird.

Morgen fahren wir wieder nach Homer zurück. Mal schauen, wie es der Robusta geht, denn in der vergangenen Woche sind mehrere heftige Stürme übers Land gefegt und es hat auch schon geschneit.

 

 

 

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October 25 2020

Segler klarieren am Flughafen von Anchorage ein

So könnte die Schlagzeile der Zeitung  Anchorage Daily News lauten. Der Flughafen ist sozusagen menschenleer. Durch Covid19 ist es im Luftraum still geworden. Nur noch Frachtflüge sind erlaubt oder Leute mit spezieller Bewilligung werden befördert. Er ist mindestens so kräftig gebaut wie Arnold Schwarzenegger. Grimmig verhindert er das Eindringen in den Zoll durch die Tür mit dem roten Einbahnschild. Wir müssen zum Zoll. Er will uns dort hin führen wo wir hergekommen sind. Ich versuche zu wiederholen, was uns im ersten Stock gesagt wurde. Wir müssen einklarieren und darum zum Zoll wo die internationalen Flüge ankommen. 

Als Frau alleine wäre ich dem nun sichtlich irritiertem Mann in schwarzer Uniform, nicht durch all die Irrgänge des Flughafens gefolgt. An seinem Gurt baumeln Handschellen, Schlagstock und noch so komische Dinge. Ich nehme an, ein Bärenspray und Taser und weitere Folterinstrumente.  

Keine Leute, kein Warten, dafür viel Zeit für die Beamten um eklige Fragen zu stellen. Fingerabdrücke sind entnommen. Foto mit Alaska-Sturmfrisur geschossen. Na ja, eventuell bleibt mir so ein klein wenig Anonymität erhalten.  Ohne viel Fragerei ist der Prozess abgeschlossen und nun schauen wir etwas irritiert auf die gestempelten Pässe. März 2021! Ich interveniere. Hätte da noch eine Frage! Thomas stupft mich, für mein Empfinden, unsanft in die Rippen. Nun verlange ich erneut nach dem Supervisor. Das Schwarzenegger Duplikat gibt schliesslich nach und ruft den Supervisor.  Der hört sich die ganze Story an warum Segler auf dem Flughafen einklarieren wollen. Und wo um Himmelswillen ist denn jetzt die Yacht? Wo werdet ihr wohnen? – im Hafen von Homer auf der Robusta. Und wie sehen eure Pläne aus? Sobald es die Bedingungen im Frühjahr erlauben, wird die Robusta in die Werft gebracht um einige Überholungsarbeiten vorzunehmen. Dann gehts weiter zum Prince William Sound mit all seinen Fjorden  und Gletscher und weiter runter nach Süd-Ost Alaska bis Kanada. Doch die Grenze zu Kanada ist voraussichtlich bis August 21 wegen Covid19 geschlossen.  Ankern an der Küste wird toleriert, doch einklarieren geht nicht.  So ein winziges Virus verunmöglicht gerade grosse Planung. Die Situation ändert sich von Woche zu Woche. Eine Impfung ist auf November versprochen. Bis Anhin ist noch keine Impfung durch die verkürzte Zulassung gekommen. 

Im Pass ist nun ein Stempel durchgestrichen. Daneben der neue Stempel mit dem Datum vom 20. Juli 2021. Länger als ein Jahr vom Einreisedatum geht nicht. Wir sind zufrieden was wir soweit erreicht haben. Jetzt nur noch die Cruising Licence im Büro vom ersten Stock abholen. Eigentlich kostet das was. Doch niemand weiss  genaueres. Um einen Mehlsack erleichtert, schreiten wir beschwingt aus dem Flughafen.

 Vic und Josh, mit ihnen durften wir nach Anchorage fahren und sogar eine ganze Woche bei ihnen übernachten, können nicht glauben, dass alles so reibungslos über die Bühne ging. Wir auch nicht! Die beiden haben bereits alle möglichen Strategien ausgeheckt, falls wir Probleme bekommen hätten. So bleibt Zeit, um noch ein paar Tage Anchorage zu erforschen. Freuen uns wieder mal seit einer Ewigkeit in einer Stadt zu sein. In Japan waren wir das letzte mal auf einem Stadtbummel, also vor fast einem Jahr!

 

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October 20 2020

Überwintern an Bord, Massnahmen

Bald wird es in Alaska so richtig kalt. So muss die Robusta erst eine Prozedur fürs Einwintern über sich ergehen lassen. Im Hafen von Homer sollte sich im Winter nicht viel Eis bilden. Doch letzten Winter sah es diesbezüglich anders aus. Borddurchlässe im Bereich der Eisdecke sind in Gefahr! Das Meerwasser gefriert bei einer Wassertemperatur von minus 1.9 Grad Celsius. Ein weiteres Problem ist die Feuchtigkeit im Boot. Durch’s Heizen kondensiert die warme Luft an kalten  Oberflächen zu Wasser. Die Robusta ist bis knapp unter die Wasserlinie isoliert. Somit stellen Fenster eine Herausforderung dar die gelöst werden muss.

Folgende Massnahmen haben wir für’s Überwintern im Hafen mit Landstromanschluss getroffen:

-Sämtliche Segel, Leinen, Falle, Rettungsinsel, Dinghi, Windsteueranlage Pacific Plus inklusive Ruder abmontiert und in einem ungeheizten Container in der Werft trocken eingelagert.

-Rigg etwas entspannt. Mussten Stroppen zwischen den Wanten spannen um bei Sturm Vibrationen zu vermeiden.

-Deckshaus  aus Lastwagenplane vor Schneelast schützen: Mit Dachlatten Rahmen über den Baum konstruiert und mit altem Sonnensegel überspannt. 

-Dorade Lüfter: Die sind konstruiert, damit bei Seegang kein Wasser eindringt (hahahahah). Aufgepasst, Schnee findet seinen Weg mit etwas Wind ebenfalls durch die Lüftung ins Innere. Schwimmnudeln passen perfekt von innen in die Öffnung. So bleibt es innen auch schön warm.

-Gummidichtungen mit Silikon gefettet

-Motor Vetus Deutz D4.29: Seewasserkühlungsschläuche mit Frostschutz gefüllt, Seeventil geschlossen. Der Motor selbst ist Ölgekühlt, es gibt keinen Süsswasserkreislauf. Frostschutz aus Propylene Glycol  ist biologisch abbaubar und ungiftig.

-Batterien: Vor Kälte schützen, an einem warmen Ort gelagert

Wohn und Schlafraum: 

-Geheizt wird mit der Webasto Dieselstandheizung.  Morgens und abends für etwa eine halbe Stunde. Zur Erhaltung der Wärme verwenden wir einen elektrischen Ölradiator 1500 Watt mit Thermostat. 

-Boden mit Teppich ausgelegt

-Wassertanks: sollte kein Problem darstellen. In der Bilge liegt ein Thermometer um die Temperatur zu kontrollieren. 

-Bilge regelmässig kontrollieren, da sich dort Kondenswasser ansammelt.

-Bullaugen und Luken doppelt verglasen: Unter die Holzrahmen der Bullaugen durchsichtige Tischtuchplane geklemmt. An die Luken am Holzrahmen  Magnetband geklebt, auf die Folie das Gegenstück geklebt  und fertig. Zum Lüften einfach entfernen. Funktioniert super gegen Kondensation. 

-Borddurchlässe: liegen bei der Robusta einen Meter unter der Wasserlinie. Sollten also kein Problem darstellen. Ansonsten müssten sie von aussen zugestopft werden, Wasser aus den Seeventilen und Schläuchen entfernen.

-Festmachen am Schwimmsteg ohne Schwell: Der Hafenmeister rät, die Festmacherleinen ganz stramm zu binden. Durch Einrucken bei Kälte könnten die Leinen brechen.  40 Knoten Wind sind hier keine Seltenheit. 

Hoffen mal diese Massnahmen ermöglichen einen angenehmen Winter, du wirst später mehr darüber erfahren.

 

 

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October 8 2020

Ankunft im Hafen von Homer, Alaska

Seit Monaten lastet ein Problem auf unseren Schultern, dessen Lösung wir noch intensiv am austüfteln sind. Nicht nur du bist von der SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung betroffen 🙂  (auf google.de gefunden.) Die Verwirrung ist ja schon im unmöglich langem Wort zu erkennen. Selbst im hintersten Winkel der Erde verändert Covid19 so manches im Alltag. Doch mit Blick in andere Länder gerichtet, geht es uns in Alaska super gut! Die Grenzen sind zu, doch Alaska ist ein riesiges Seegebiet. Doch wie lange wir in den USA bleiben dürfen, ist noch nicht klar.

Erst soll die Robusta im sicheren und eisfreiem Hafen von Homer einen Platz finden. Hafengebühren sind in Alaska sehr teuer. 60 Dollar für 38 Fuss.  Jahresraten sind im Vergleich günstig. Geht auch für ein halbes Jahr. Den 6 Fuss langen Bugspriet konnten wir noch runterhandeln, was sich aber entsprechend negativ auf die Parkplatzgrösse auswirkte. Ab und zu muss die Robusta mal für Wasser an die Tankstelle. Wenn das nur gut geht mit Ablegen und wieder reinquetschen. 

Der Hafen von Homer ist riesig! An die 1500 Boote liegen hier. Sowas habe ich noch gar nie gesehen! Irgendwie eindrücklich. Doch alles ist so hektisch und laut. Die grossen Kutter liegen an der Nordseite und brummen ohne Unterbruch mit laufenden Generatoren vor sich hin. Da wird gehämmert und mit der Flex Stahl bearbeitet. Ich bekomme eine Krise. Schon bei der Überfahrt vom idyllischen Kachemak State Park nach Homer war ich etwas wehmütig drauf. Alles flach, wo sind die Berge? Sofort sehne ich mich an die schönen Plätze der letzten Monate, ja gar Jahre zurück. Thomas freut sich auf Homer und die Winterpause. Eine weitere Enttäuschung, wir sind die einzigen die hier auf dem Boot leben werden. Langsam ahne ich auch warum. In jedem Krümelhafen der Welt existiert eine Möglichkeit sich zu duschen. Sei es nur mit einem an einen Baum gebundenen Eimer. Doch nicht in Homer! im zwölf Kilometer entfernten Dorf hat es einen Waschsalon mit  öffentlicher Dusche. Für  stattliche acht Dollar kannst du dich dort für eine halbe Stunde, inklusive Frottierwäsche,  renovieren. Für Segler die keine Dusche an Board haben, reicht eine halbe Stunde nicht. Jedenfalls mir nicht. In Alaska will ich definitiv erst mit furztrockenen Haaren wieder aus der Duschkammer raus. Nach 12 Kilometer Fussmarsch zurück zum Hafen, ruft schon bald die nächste Dusche. Per Anhalter in der Corona Epoche irgendwo hin zu kommen, ist schlicht nicht möglich. Fahrrad mit fetten Reifen und Stollen für den Schnee und das ganze Eis, wäre eine Möglichkeit. Doch nicht so optimal wegen der Winterstürme, den Blizzards. Ohne Auto bist du  in den USA aufgeschmissen. Das Wort Fussgängerzone existiert in Alaska nicht!

Der Hafenmeister nimmt meine Enttäuschung wahr. In den nächsten Tagen  brechen die grossen Fischkutter für die Krabbenfangsaison in die Bering Sea auf, tröstet er mich. Viele Fischerboote sind über den Winter in einer Werft.  Oder sie stehen irgendwo in der Landschaft. Alle in fette weisse Plastikfolien eingeschweisst. Geologisch gesehen ist der über sieben Kilometer lange Sandstreifen, an dessen Ende der Hafen liegt, ein Wunder. Verschiedene Theorien bestehen zur Entstehung. Entweder ist die Erhebung durch den Rückzug der Gletscher oder durch die enormen Tiden geformt.

Nächste Woche reisen wir mit Josh und Vick nach Anchorage um das versprochene Auto zu holen. Das trifft sich perfekt, denn die Langstreckenbusse fahren wegen Corona nicht. Fliegen geht auch nicht. Ich nehme nochmals Kontakt mit dem Immigration Officer von 5786 Kilometer entfernten Hafen in Nome auf. Der ist für uns zuständig. Ich diskutiere mit ihm die Idee, ob wir als Segler auch am Flughafen von Anchorage einklarieren könnten. Bald sind drei Monate verstrichen und wir sind noch immer nicht ordentlich in den USA  einklariert! “Deferred Entry” nennen die Behörden diesen Zustand. Was uns immerhin knapp eine Stufe besser stellt, als die illegalen Einwanderer. Nicht unser Fehler. In den Aleuten Inseln ist der einzige zuständige Beamte vor unserer Ankunft gestorben. Der Mann von Nome mailt alle Papiere nach Anchorage und werde veranlassen, dass die Immigration  gleich  noch die Crewsing lisence für Segler ausstellen. Echt nett wie er mitdenkt und behilflich ist, alle nötigen Schritte in dieser aussergewöhnlichen Situation zu begleiten. 

Nächste Woche sausen wir nach Anchorage…..

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October 1 2020

Kachemak Bay State Park

Die Robusta liegt nun gut gesichert am Steg einer kleinen Siedlung im Kachemak Bay State Park. Doch der Landausflug wird von einer Gruppe Anwohnerinnen abrupt verhindert. Wegen Covid19 sei die Insel geschlossen. Sie bedanken sich jedoch, dass wir beide Masken tragen. Schade. Ein echt traumhafter idyllischer Ort! Die hohen Berge tragen bereits weisse Schneekappen. Der Wald leuchtet in der Abendsonne in frischen Goldtönen. So verziehen wir uns frustriert  zur Robusta, um die Seekarten zu studieren. Kaum wieder in der Zivilisation, realisieren wir wie Covid19 die Welt regiert. Speziell als Reisende gelten wir als morbiphor. Die Sichtweise ist einigermassen nachvollziehbar. So bleibt nichts anderes übrig, als die Regeln der Kommune zu respektieren. Die Sonne ist bereits hinter den Bergen ins Meer getaucht. Zu riskant im Licht der Dämmerung  zwischen den Bojen der Austernzucht, aus der Bucht zu navigieren. Morgen zischen wir bei Hochwasser ab.

Jemand klopft  an die Robusta. Erschreckt gucke ich raus. Hole schon mal tief Luft, um eine Erklärung auszuspucken, warum wir noch immer da sind. Da steht ein Mann von beachtlicher Statur. Trotz Kälte trägt er kurze Hosen und keine Schuhe. In seinem Garten habe er ein Feuer gemacht. Er und seine Frau wollen uns auf einen Drink einladen. Schnell packe ich einen kleinen Snack und frisch gebackenes Brot und Bier und warme Kleider  in den Rucksack. Was für spannende Leute. Unglaublich. Die beiden engagieren sich für den Explorersclub, 1904 von führenden Forschern der Welt mit dem Ziel der Unterstüztzng von Erforschung von Land, Meer, Atmosphäre und Weltall gegründet. 

Wie sich herausstellt, ist dies wieder einmal eine super wertvolle Begegnung!  Die beiden stellen uns  für den ganzen Winter ihr Auto zur Verfügung. Ist das nicht toll? Diese Leute haben uns gerade eben kennengelernt und schenken so viel Vertrauen. Es ist uns ein Anliegen, uns in irgend einer Form erkenntlich zu zeigen.

Die beiden überlegen sich etwas. 

Am nächsten Morgen poltert jemand mit einem Stock an die Robusta. Durch den Stahlrumpf tönt das sehr aggressiv. Kurzer Zank wer von uns Beiden die Birne raushält.  Aus einem kleinen Aluminiumboot, streckt mir ein sehr alter Mann  einen Karton mit frischen Eier entgegen. Schon fast im militärischen Ton dirigiert er uns in sein kleines Boot. Inselrundfahrt! Stunden später schlürfen wir in seiner Stube zum Aufwärmen heissen Tee. Logisch haben das alle von der Siedlung mitbekommen. Das kleine Abenteuer löste anscheinend einen Tumult aus. Der unglaublich gut erhaltene 96 Jährige ehemalige Berufsfischer und Oberhaupt der Kommune, ist weit über die Grenzen von Alaska hinaus berühmt. Er hat viel erlebt und ist ein hervorragender Erzähler. Alle wollen ihn vor Corona schützen. Er winkt ab. Alles übertrieben! Das Angebot hier an seinem Steg zu überwintern, kommt nach allem was war total überraschend. Eine Bedingung wäre, einen negativen Covid19 Test vorzuweisen.  So seien alle zufrieden – was wir ernsthaft bezweifeln. . .    

In zwei Wochen werden  Studenten der Pacific University of Alaska ihre Projekte zum Klimawandel der Gegend um Anchorage und den Brooks Range präsentieren. Unsere neuen Freunde und Autosponsoren spannen uns ein, während dem mehrtägigen Anlass mitzuhelfen. Vor dem Anlass stochert eine Krankenschwester mit einem unendlich langem Stäbchen in unseren Nüstern. Dabei dringt sie gefühlsmässig bis fast ins Hirnareal vor. Nein, es handelt sich nicht um einen Intelligenztest sondern um einen Covid19 Test der von allen Teilnehmenden verlangt wird.

Bis voraussichtlich im Frühjahr 2021 wird an der Uni per Zoommeetings unterrichtet. Für die aufgestellte Truppe ein trauriger Fakt. So zu lernen sei sehr unbefriedigend. Die wertvollen Diskussionen untereinander bleiben aus. Etwas unerwartet wollen die Studenten eine Präsentation über unsere Reise sehen. Doch so ein Vortrag ist nicht so schnell aus dem Ärmel geschüttelt. Sechs Jahre Abenteuer knackig zusammenfassen, ist eine echte Überforderung! Doch wir sagen zu auf Morgen etwas vorzubereiten. Alle sind vorgewarnt, dass dies eine absolute Spontanaktion sein wird.

Logisch hat alles mit einer Panne angefangen. Die auf meinem  PC sortierten Fotos wurden vom Mac der Universität in unerklärlicher Willkür durcheinander gemischt. War für uns eine lehrreiche Erfahrung, von Studenten der Umweltwissenschaften und  Outdoor-Studien Vorträge reinziehen und danach selber ausprobieren. Durch die Reaktionen und vielen Fragen der Gruppe, ist uns so richtig bewusst geworden, was für eine Leistung unser Abenteuer in anderer Augen sind. Ich hoffe zumindest die Botschaft ist durchgedrungen, dass sie  mit ihrer Arbeit im Bereich Natur und Umwelt einen wertvollen Beitrag leisten. Durchs Reisen mit einer Segelyacht erleben wir tagtäglich wie dreckig die Meere sind. Wie zum Beispiel Korallenriffe sich rapide ändern, Ozeane Atolle verschlucken und sogar an den abgelegensten Orten der Welt Müll anzutreffen ist. 

Es ist kalt geworden! Ein eindrücklicher Herbststurm fegt schonungslos über den Bay. Ein Entscheid ist nun tatsächlich in aller letzter Sekunde gefällt. Nächste Woche verspricht der Wetterbericht den ersten Schneesturm.

Der Hafen von Homer wird für die nächsten sechs Monate unser neues Zuhause sein.

 

 

 

 

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