January 30 2020

Saipan

Port Control weist an, direkt zur Marina zu fahren und dort auf die Behörden zu warten. Geht ja schon mal gut los. Ich ziele auf den falschen Steg. Ach wie blöd, es ist eng im Kanal. Am Ziel angekommen, weiss der dürre Mann nicht so recht, was mit der überreichten Leine anzufangen. So kann ich nicht zurücksetzten. Der Wind pustet ablandig. Festmachen, brüllen alle. Zu spät, Robusta kommt dem Polizeibot gefährlich nahe. Ganz so blöd war der Dreher im Nachhinein doch nicht. Der Bug zeigt jetzt in Richtung Ausfahrt.
Ach ihr habt bereits US-Visas? Saipan ist nämlich US-amerikanisches Außengebiet. Das freut die kugelrunden, in Amerikanische Uniformen gezwängten Mikronesier. Die Prozedur ist schnell erledigt. Keiner bemüht sich an Bord zu klettern. Ihr könnt sechs Monate bleiben. Besser ist aber, wenn ihr nur zwei bleibt. Hä? Von der Biosecurity kommt niemand. Die frischen Lebensmittel dürfen wir alle behalten. Einfach nichts davon an Land nehmen. Auch den Müll nicht.
So und jetzt wird’s kompliziert. Smiling Cove Marina ist keine Marina im herkömmlichen Sinn. Da ist kein Gästeplatz und seit dem letzten Zyklon auch keine Toiletten und keine Duschen mehr. Was für ein Sch………….. Den perfekten Ankerplatz gibt es in der Bucht auch nicht. Da ist viel Schwell und etliche Touristenboote sausen voll Garacho hin und her. Ein überdimensionales Kriegschiff liegt vor Anker. Wir dürfen schlussendlich doch am Steg hinter dem Polizeiboot bleiben. Aber maximal zwei Wochen, für 8 Dollar pro Tag. Für an Bord wohnen, muss erst ein Antrag gestellt werden. Big Ben vom Büro macht das und händigt schon mal grosszügig das Marinareglement aus. Darin steht kurz zusammengefasst geschrieben; alles was Spass macht und noch vieles mehr, ist verboten. Wir alle sind müde und jetzt obendrauf auch noch frustriert. Die Touranbieter vom Nachbarsteg sind voll nett. Welcom to Saipan! Jemand bringt einen Schlauch, damit wir im Badeanzug duschen können.

So jetzt aber schnell an Land, sich bewegen und ein Frustbier in der Stadt trinken.
Saipan ist ein Touristenort. Hauptsächlich Chinesen, Taiwanesen und Japaner verbringen ihren Urlaub auf der zu Asien nahegelegenen Tropeninsel. Das prunkvolle Casino, als Geldwaschanlage für Chinesen verschrien, sticht schon von Weiten dominant raus. Weisse Strände, türkis blaues Wasser. Windsurfer gleiten im stehtiefen Wasser. Zwischen ihnen die nervtötenden Wassertöffs. Im kleinem Zentrum, direkt hinter den riesigen am Strand gelegenen Hotelanlagen, reihen sich Souvenirshops – alle mit dem selben Kram ausgestattet und Läden mit zollfreien Pillen, so eine Art Zusatzfutter für die moderne Gesellschaft. Touranbieter, Kneipen mit Asiatischem und Amerikanischem Food, und auch Chinesinnen die Massagen und Anwendungen gegen Sonnenbrand anbieten. Der absolute Renner, einen schrill pinken, oder babyhellblauen oder leuchtend gelben Ford Mustang zu mieten! Auch wir leihen uns für eine Inselrundfahrt ein Auto (keinen Mustang), denn in Saipan existieren keine öffentlichen Verkehrsmittel. Ein Angestellter der Marina lässt uns auch ab und zu sein Auto für ein paar Dollar nutzen.
Was ist denn hier eigentlich los? Die super durchgestylten Leute tragen weisse Masken? So wie in einem Horrorfilm. Eine Verkäuferin, selber auch Maskenträgerin, rät von den Chinesen Abstand zu halten. Ah ja? Die bringen ein gefährliches Virus mit. Eine Woche später wirkt Saipan wie eine Geisterstadt. Wegen dem Coronavirus dürfen keine Chinesen mehr einreisen. Ja auf einer Überfahrt fehlen Nachrichten was in der Welt vor sich geht.

Warum sind wir nur nach Saipan gesegelt? Guam ist einfach durch das ganze Armeegedöns zu negativ besetzt. Saipan sah im Internet netter aus. Kleiner, und alles ist zu Fuss erreichbar. Eine weitere Überlegung war, da unser nächstes Ziel Ogasawara, eine Inselgruppe im Osten von Japan, wesentlich näher von hier gelegen ist. Doch dort hin kommen wir erst gar nicht. Der Passat bläst zu dieser Jahreszeit noch immer hauptsächlich aus Nord-Ost. Ein halbwegs vernünftiges Wetterfenster ist auch zehn Tage später noch nicht in Aussicht. Nicht mal ein Zwischenstop in Pagan wäre möglich. Was tun wir auf einer mini kleinen Vulkaninsel, mit sieben Einwohner und 200 Kühen, falls wir dort nicht mehr weg kommen? Pagan wäre ja sehr spannend. Doch der Zeitplan drängt leider zur zügigen Weiterreise. So steht leider eine Planänderung an. Neues Ziel; Okinawa, Japan.

Claudi und Jona haben einen Flug via Korea und Vietnam nach Bangkok gebucht. Doch bevor es soweit ist, verbringen wir noch eine nette Zeit miteinender. Der Abschied wird bei einem Fondue Chinoise zelebriert. Das Personal kennt uns bereits. Kein Wunder, denn Claudi hat sich beim letzten Besuch in der Toilette verklemmt. Die Türe ging einfach nicht mehr auf. Der stämmige Koch musste von aussen mit Küchenwerkzeug nachhelfen.
Für die Fahrt zum Flughafen wurde ein inoffizielles Taxi gebucht. Diese sind wesentlich günstiger. Doch die Wagengrösse war entsprechend ungünstig. War nicht ganz einfach das bescheidene Gepack, plus die zierliche Claudi und den Jona in das winzige Auto zu pfärchen. In der ganzen Aufregung blieb prompt eine Tasche am Strassenrand stehen! Heftiges Brüllen brachte das ulkige Gefährt zur sofortigen Umkehr.
Also nochmal: Ciao ihr beiden, alles Gute und auf ewige Freundschaft!!

So und nun stehen wieder mal einige Reparaturen an. Der Klüver hat einen etwa fünfzehn Zentimeter langen Riss. Ein Stück Segelstoff wird mit 3M – 5200 auf den Riss geklebt. Aus Erfahrung hält das besser als genäht. Ich nähe Stunden von Hand das Deckshaus wieder zusammen, welches bei der letzten Passage durch eine Welle zerstört wurde. Die Nähte und Reissverschlüsse sind durch Sonne und Salzwasser zerschlissen. Aus den USA bestellten wir neue Reissverschlüsse, die in wenigen Tagen angekommen sind. Diesmal achtete ich darauf, dass die Rutscher auch aus Plastik sind. Aluminium korridiert innert kürzester Zeit.
Und da ist immer noch das Geräusch aus dem Getriebe beim Gang einlegen, welches uns Sorgen bereitet. In Majuro hat Thomas sich von einem Mechaniker aus der Grossschifffahrt beraten lassen. Er kannte sich mit Deutz Motoren und dem Hurth Getriebe nicht aus. Er wäre jedoch bereit gewesen, das ganze Getriebe auseinanderzufriemeln. Ohje und dann? Thomas kontaktierte erneut die Vetus Vertretung in Sydney. Die und weitere Abklärungen hatten damals bestätigt, die Dämpferplatte müsse ersetzt werden: Ausser Spesen nix gewesen. Am nächsten Tag kam prompt eine Nachricht von Vetus aus Holland. Das Problem ist ihnen bekannt. Ein adaptiertes Ersatzteil wird umgehend und ohne jegliche Kosten nach Saipan geflogen. Thomas verschwindet erneut, bei bratender Hitze, für zwei Tage im Motorraum. Derweil verbringe ich Zeit am schönem Strand und versuche nautische Informationen über Japan einzuholen.
Dann lernen wir Ivan kennen. Er zeigt uns seine Wahlheimat. Wie sein Name schon verrät, ist er nicht von Saipan. Er träumt davon, mit seiner Frau ebenfalls auf grosse Fahrt zu gehen. Er ist auch Segler und kennt die Bedürfnisse Gleichgesinnter. Ivan fährt mit uns zu einem Engros Geschäft. Alles ist wesentlich günstiger und in grösseren Mengen verpackt als im Supermarkt. Perfekt. Von Ivan werden wir echt verwöhnt. Er beschenkt uns mit allerlei Dingen, die wir in Japan unbedingt brauchen werden! Einen alten Campingkocher mit einer Kiste Ersatzkartuschen. Gasflaschen kannst du in Japan nicht füllen, weiss Ivan. Zur Angewöhnung bringt er auch noch Japanisches Bier! Und ihr braucht schöne Socken, wenn ihr bei jemandem eingeladen seid. Und in Japan ist es wesentlich kälter als hier. Die Socken erweisen sich bereits auf der Überfahrt nach Japan als Gold wert!
Danke für die schöne Zeit mit dir in Saipan!
Morgen geht’s los. Das Wetterfenster ist nicht ganz optimal. Doch da müssen wir jetzt durch.

Wir sind total neugierig auf Japan😀

January 27 2020

Überfahrt von Majuro nach Saipan

Am 15. Januar geht’s! Wetterbericht? Egal. Bis Saipan bläst mehr oder weniger stark der Passat. Alles völlig easy.

„Was ist ein NO GO für euch?“

Gute Frage! Grübel. So ganz spontan kam mir in den Sinn: Über Bord fallen ist absolut verboten! Und es nervt mich, wenn drei Leute qualmen. Ich mag mich nicht mehr an die Aussagen der andern erinnern. Typisch?! Von Thomas weiss ich, er braucht seine Morgenzeit alleine. Die Frage kam von Claudi und Jona. Sie segeln die 1600 Seemeilen lange Passage bis Saipan mit uns. Die beiden Seglercracks haben ihre Yacht Inti nach über sechs Jahren Abenteuer verkauft und sie wird in Majuro bleiben. Es fühlt sich an, als kennen wir uns sehr lange. Thomas und ich haben schon vor unserer Reise ihren Blog gelesen. In Fiji haben wir uns im Sommer das erste Mal getroffen. Seit dann sind wir gemeinsam unterwegs.

Bekannte äusserten Bedenken. Vier Kapitäne – das sind drei zuviel. Einige schwören nie wieder Crew mitzunehmen. Das Risiko auf miese Stimmung und dann nicht ausweichen können, ist ihnen zu gross. Oft werden Mitreisende die ersten Tage seekrank. Navigieren und nebenbei kotzende Crew versorgen und pflegen, ist aus eigener Erfahrung gar nicht lustig. Da haben sie recht. Genau hinschauen ist ratsam. Doch wir mögen andere Menschen. Wir sind gesellige Kreaturen.

Die Sicherheitseinweisung in die Sardinenbox Robusta ist erfolgt. Wir sind alle gestandene Seebären und wissen selber wo unsere Fähigkeiten und Grenzen liegen. Trotzdem, jedes Schiff verhält sich unterschiedlich. Die Verantwortung für die Crew liegt beim Kapitän. Darum ist vereinbart, bei schwerer See und nachts nur mit Sicherheitsleine an Deck rumzuwuseln. Den Rest kennen die Beiden. Waren ja schon oft auf der Robusta. Eine Stauliste soll allen helfen, Kochbares in den Schapps zu finden.

Segel, setzen, Leinen los! Ein letzter Blick zur Segelyacht Inti. In diesem Moment kann ich niemandem in die Augen schauen. Ich muss selber fast heulen.

Bei 15 Knoten Wind aus Nord-Ost geht’s gemütlich, bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein los. Ein Bilderbuchtag. Easy sailing. So wird es jedoch nicht bleiben. Traditionsgerecht bekommt Neptun, Kapitän und Crew einen Schluck Rum, direkt aus der Flasche. Gemeinsam schwören wir auf eine angenehme Überfahrt und darauf, dass wir danach auch noch Freunde sind.

Eine Herausforderung wird der Umgang mit Trinkwasser. Robusta hat keinen Wassermacher. Drei Edelstahltanks von je 150 Liter Volumen, plus 100 Liter in Kanister sind an Bord. Während der Überfahrt wird mit Seewasser abgewaschen. Wasser aus den Tanks ist nur zum Trinken und Kochen vorgesehen. Nudeln werden mit zirka einem Drittel Seewasser gekocht. Eventuell sind sie dann, wegen der Atomtests der Amis im Bikini Atoll, ein wenig radioaktiv verstrahlt und wir leuchten bunt. Wacheinteilung: Drei Morgenmuffel und ein Frühaufsteher. Egal. Es wird rotiert. Einmal pro Nacht drei Stunden. Was für ein Luxus! Mit kleiner Crew ist eine Überfahrt wesentlich strenger. Der Einteilung zur  Folge muss Claudi mich wecken. Sie äussert Bedenken. Ja ich weiss, ich bin diesbezüglich unmöglich. Mein Job war auch kein leichter. Jona lag immer wie eine Rollwurst ganz in der hintersten Ecke der Achterkoje. Mit meiner Hand kam ich dort vom Cockpit her nicht hin. So behalf ich mir mit einem langstieligen Kochlöffel. Kann ja nicht in die Kabine reinbrüllen, sonst wären alle wach geworden. Am dritten Tag war Jona feinstens auf den Kochlöffel konditioniert.

An Deck spielen wir Tavli Turniere. Alle kochen grandiose Mahlzeiten. Jona ist der Currispezialist! Claudi hat super leckere Bolognese Konserven vorgekocht. Zum Frühstück gibt’s Müsli mit selbst gezüchtetem Kefir und Früchten. Sogar Kuchen und Brote werden gebacken. Die Stimmung ist toll. Alle lesen viel, hängen gemütlich in den Kojen, bis die tausendste Welle sich ihren Weg durch die offenen Bullaugen und dem Niedergang verschafft. Ich könnte schwören, da waren paar Fische dabei. Rucksäcke, Kissen, Bettzeug nass. Wegen Salzwasser wird es wohl auch für den Rest der Reise so bleiben. Ein Bullauge ist auch undicht. Kann aber notdürftig abgedichtet werden. Ich fühle mich schlecht, dass es die Kojen unserer Gäste getroffen hat.

Die nächsten Tage ist Rock’n’Roll angesagt. Die Wellen sind unglaublich hoch! Richtige Berge rollen von Achtern an. In ihnen gleiten elegant riesige Wesen. Es sind Buckelwale. Sie kommen ganz nahe. Tauchen unter der Robusta durch. Der Tiefenmesser zeigt nur gerade mal zwei Meter an. Also eine Handbreit frei unterm Kiel. Was für ein schönes Spektakel. Alle sind zutiefst beeindruckt. Doch da schwingt auch immer etwas Respekt mit. So manche Geschichten kursieren in der Seglerszene. Zum Beispiel von Walen, die sich an Yachten gerne mal etwas kratzen und dabei Schäden am Ruder anrichten. In Neuseeland haben wir Leute kennen gelernt, denen ist so ein Vieh auf’s Deck gehopst und hat dabei die ganze Reling runtergerissen und am Stahlschiff eine dicke Beule hinterlassen. Nachts, wenn ich in absolut schwarzer Nacht Ausguck halte, wird mir dann schon manchmal etwas mulmig….

Die vielen Squalls fordern uns heraus. Reffen, ausreffen. Heftige Regenfälle, alle Luken zu, heiß. Jede Bewegung wird zur reinsten Akrobatik. Claudi wird quer durchs Cockpit geschleudert und landet dabei unsanft. Und die zweitausendste Welle steigt übers Cockpit und zerstört einen Reissverschluss vom Deckshaus. Es kommt noch dicker. Robusta fällt sozusagen von einer Welle. Kracht seitlich ins Wasser und taucht mit der ganzen Reling unter. Viel Wasser fliesst ins sonst so geschützte Cockpit.

Ich staune wie sauber das Klo bei diesen Bedingungen bleibt. Alle sind bemüht, dass es schön bleibt. Claudi wurde aus Panik um dieses empfindliche Jabsko Klo, ein Kochverbot erteilt. Ihre super leckeren Speisen verursachten bei der Besatzung übermässige Darmtätigkeit. Wir haben einfach schlicht zu viel gemampft! Mit der schweren See steigt die Spannung an Bord. Was ist los?

Drei Raucher – eine Nichtraucherin – keine Zigaretten!

Ich bin entsetzt! Wie konnte es nur soweit kommen? Hat etwa die dreitausendste Welle die Zigaretten über Bord gespühlt? Nun bin ich aber sehr verunsichert, was auf mich zukommt und bin ab sofort auch gereizt.  Thomas hatte als erster keine mehr. Bald ist Claudi auch soweit. Jona trägt ab sofort seinen Vorrat immer am Körper. Ohje. Sowas finde ich nicht lustig. Claudi hat zu Beginn der Reise behauptet, sie rauche nie auf See. Doch auf der Robusta schmecken Zigaretten plötzlich.

Wer sich nicht benimmt, kommt in den Löwenkäfig, die Achterkabine! Nach ein paar Tagen Entziehungskur auf dem Therapieschiff Robusta, taucht ganz unverhofft ein volles Päckli Zigaretten auf.

Ruhe kehrt dennoch nicht ein. Neptun wirbelt kräftig die See auf. Kochen ist super anstrengend, der Abwasch muss mindestens zu dritt bewältigt werden. Alles strengt an und lässt uns an der Klippe der Komfortzone balancieren. Jetzt ist aber langsam genug. Wann sind wir da? Alle haben die letzten Nächte schlecht bis gar nicht gepennt.

Endlich! Die Lichter von Saipan sind in der zwölften Nacht zu erkennen. Puff und der Wind ist weg. Was bleibt, ist eine aufgewühlte See. Kaum ist das Leichtwindsegel gesetzt, zischt ein Squall mit viel zu viel Energie daher. Das Segel muss sofort runter! Es landet völlig unprofessionell in der See. Jona eilt auch ohne Einsatz vom Kochlöffel zur Hilfe um das Segel zu retten. Dann halt wieder den Klüver setzen. Doch der hat einen Riss! Für die letzten Meilen kramen wir kein anderes Segel mehr raus. Wir sind schlicht zu müde. Kommen auch nur mit dem Grosssegel ans Ziel.

Claudis und Jonas Sichtweise der Überfahrt kannst du auf ihrem Blog lesen! 

…..und stellt euch vor, Dank Neptun-Schwur werden wir befreundet bleiben😜! Wir sind jetzt schon traurig, dass sich unsere Wege bald trennen!!!!

 

 

 

 

 

January 15 2020

Majuro

Majuro, Majuro… ans Herz gewachsen bist du uns nicht gerade.

Die Marshall Inseln, mitten im Pazifik gelegen, vom Anstieg des Meeresspiegel bedroht, von den Amis von 1946 bis 1962 auf dem Bikini Atoll und auf Eniwetok für Atombomben-tests missbraucht. Mitte der 60iger Jahre erklärte die USA das Testgebiet wieder als bewohnbar. Doch keine zehn Jahre später wurden alle erneut evakuiert. Die Bevölkerung leidet noch heute an den Folgen. Die Krebsrate ist eine der höchsten der Welt. Und die grösste Verarschung ist ja, dass viele hoffen, eines Tages wieder in ihre Heimat zurückkehren zu dürfen! Lange hiess es 2020 ist alles wieder gut. Jetzt ist der Umzugstermin nochmals um weitere 20 Jahre aufgeschoben. Lauter leere Versprechungen! Es gäbe noch so viel über dieses traurige Kapitel zu berichten. 

 

Kaum in Majuro angekommen, änderten sich unsere Pläne schlagartig. Wegen Dengue Fieber ist es untersagt andere Atolle zu besuchen. Das wussten wir im Voraus. Was wir jedoch nicht ahnen konnten, dass Majuro uns überhaupt nicht gefällt. So beginne ich sofort mich um den “Pre-arrival Vessel entry Antrag” für Pohnpei, der Carolinen Inselgruppe zu kümmern. Was die alles wissen wollen ist unglaublich. Neuseeland war bis anhin das einzige Land welches eine Vorankündigung der Ankunft haben wollte. Bekannte, die gerade in Pohnpei sind, haken persönlich bei den Behörden nochmals nach. Doch die Beamten finden nichts in ihren klapprigen Computern. Der Antrag ist verschwunden! Ist doch per Internet gar nicht möglich. Also wird nochmals alles erneut per Mail geschickt. Bis heute, einen Monat später, immer noch keine Antwort erhalten.

Uns reicht es. Mittlerweilen ist seit Weihnachten das Reiseverbot mit einigen Auflagen wieder aufgehoben. Nur schon um ein anderes Atoll zu besuchen, muss ein Antrag gestellt werden. Die Bearbeitung dauert mindestens eine Woche und je nach dem stehen Gebühren zwischen 25 bis 150 Dollar für jedes einzelne Atoll an. 

Morgen hauen wir hier ab. Nächster Halt: Saipan, nördliche Marianen. 1600 Seemeilen (Landrattenmass: 2963,2 Kilometer)

Claudi und Jona werden mit uns segeln. Freuen uns auf ihre Gesellschaft und wieder mal mit dem Passatwind segeln! 

Fehlen nur noch frisches Gemüse, Diesel und Wasser. Wally, in der kleinen Marina, verkauft das wertvolle Gut für die Segler zu einem spezialpreis von einem Dollar für 20 Liter.

Das Wasser muss mit dem Dinghi dort abgeholt werden. Kanister stellt Waly zur Verfügung. Es handelt sich dabei  um Regenwasser welches von der Start- und Landebahn des Flughafen gesammelt wird. Krass! Es sei aufwendig gefiltert, versichert Wally. Nach 250 Liter wollte er jedoch kein Wasser mehr rausrücken. Jetzt kostet der Saft vom Flughafen plötzlich 1 Dollar pro 4 Liter!

Bei einem leckeren Essen beim Koreaner verabschieden wir uns von der netten, lustigen, spannenden, ulkigen Horde die unseren Aufenthalt in Majuro doch noch zu einem tollen Erlebnis machte! Weiss der Geier ob wir uns jemals wiedersehen, doch vergessen tun wir euch nicht so schnell!

Alles Gute, Tschüss Majuros!!!

 

December 9 2019

Überfahrt von Kiribati zu den Marshall Islands

In Abaiang haben wir uns schweren Herzens von Lisa und Nick verabschiedet.

Die Aufenthaltsbewilligung läuft in wenigen Tagen schon wieder aus. Eine Verlängerung um weitere zwei Monate kostet pro Person 60 Australische Dollar. Etappe drei durch die Kalmen steht an. Wir vier studieren seit Tagen die Wetterprognosen. Der Passat setzt sich noch immer nicht durch. Ist auch gut so. Denn legt der mal los, was in der Regel anfangs Dezember ist, wird es hart. Zwischen Kiribati und den Marshall Islands bläst er  meist mit 20 bis 30 Knoten aus Nord-Ost. Dies bedeutet hartes Segeln gegen Wind und Welle. Doch da ist gar kein Wind! Null, zero. Im Nachhinein denken wir, die Wetterprognosen kannst du in den Kalmen vergessen! 

Mittlerweile liegen insgesamt fünf Yachten in Tarava. Alle Segler sind auf einem Katamaran für Thanksgiving zum Pot Luck Dinner  eingeladen (jeder bringt etwas leckeres mit).  Gesprächsthema  Nummer eins ist die Weiterreise. Denn  in den Marshall Inseln ist seit August das Denguefieber, eine durch Moskitos übertragene Krankheit, ausgebrochen. Einzige Prävention ist das Vermeiden von Mückenstichen. Die Regierung der Marshall Islands hat ein striktes Reiseverbot zu allen äusseren Inseln veranlasst. Tausende Leute sitzen seit Monaten in Majuro fest. Dass noch ein weiteres Drama im Anzug ist, erfahren wir erst bei unserer Ankunft in Majuro.

So klarieren wir am Freitag in Kiribati Tarava aus und dümpeln Sonntags im Schneckentempo los. 24 Stunden ist eigentlich die Zeitspanne um nach dem Ausklarieren auszulaufen. Aber da ist kein Wind! Und die Behörden haben ja auch kein Boot.

Ich will gar nicht so genau auf die Überfahrt eingehen. Ein neuer Rekord ist geschafft. Vierhundert  läppische Seemeilen in 8 Tagen. Erbärmlicher geht es nicht. Die Segelyacht Inti war nach wenigen Stunden nicht mehr in Sicht. Dabei wollten wir doch in der Nähe voneinander bleiben. In jedem Revierbericht  wird empfohlen, möglichst nach Ost zu halten. Falls sich der Passatwind durchsetzt, besteht so doch noch die Möglichkeit Majuro so einigermassen gemütlich zu erreichen.  

 Kein Lüftchen -Wind – Hitze – Squall mit Gewitter – Reffen – Segel setzen um sie gleich wieder zu bergen – halsen – wenden – Squall – Flaute – heiss – nass…… Von wegen nach Ost heben. Der Wind wehte immer wieder mal aus West! Der Wetterbericht versprach perfekte Bedingungen. Diese Frösche haben keine Ahnung was da draussen abgeht.. . seht selber auf dem Track, sowas ist doch nicht mehr normal!?

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Stimmung an Board: friedlich bis angestrengt und übermüdet.

Es ist wieder mal unglaublich. Nun bereits zum dritten mal. Robusta und Inti laufen gleichzeitig aus. Segeln verschiedene Routen und kommen jedes mal zu fast exakt selben Zeit an! Das AIS (automatisches Identifikations System) ist seit heute Morgen ausgeschaltet. Inti tat das selbe. Es ist Samstag und Einklarieren ist nur gegen eine happige Gebühr möglich. So verstecken wir uns irgendwo im Atoll für das Wochenende. Hoppsen ins Wasser, pennen mal richtig aus, aber betreten schön brav kein Land. Für Jona und Claudi ist es die letzte Überfahrt nach sechs Jahren Abenteuer mit ihrer geliebten Inti. Sie ist nach Majuro verkauft. 

Montag in der Früh, hocken alle im tiefgekühlten Taxi zu Custom und Immigration (Zoll und Einwanderungsbehörde). Claudi ist traurig und ich bin total schlecht gelaunt, denn Majuro gefällt mir auf den ersten Blick überhaupt nicht. Beim Gedanken an das Reiseverbot, löscht es mir richtiggehend ab. 

Bei der Immigration sind die Beamten hell entsetzt, dass wir an Land gekommen sind. Warum habt ihr euch nicht auf Kanal 16 angemeldet? Im Marshall Compendium steht geschrieben, die hilfsbereiten  Segler vom Mieco Yachtclub auf VHF Kanal 68 anzurufen, diese werden die Behörden per Telefon über die Ankunft informieren. Sie helfen auch mit der Zuweisung einer Boje. Weitere Infos zum Prozedere folgen auf Kanal 74. Also wie überall auf der Welt auf Kanal 16 Port Control anrufen, auch hier in Majuro. 

Seit dem 1. Dezember besteht in vielen Pazifischen Inseln für die Einreise eine Impfpflicht gegen Masern-Mumps-Röteln und Grippe. In Samoa ist die Masern ausgebrochen. Es soll bereits Todesfälle gegeben haben. Immigration schickt uns auf direktem Weg ins Spital. Hier treffen wir auf folgendes Szenarium: Hunderte Personen warten geduldig an langen Tischreihen. Zahlreiche Arzte, mit spitzen Nadeln ausgerüstet, impfen unter freiem Himmel Kinder und Erwachsene. Jona hat im Impfpass einen Eintrag. Wir nicht. Claudi Thomas und ich hatten die Masern als Kind durchgemacht. In keinem der zuletzt besuchten Orte sind Masernfälle bekannt. Mein Hausarzt zaubert tatsächlich innert Kürze per Mail einen Laborzettel mit dem Beweis. Nach kurzer Befragung ist ein Dokument erstellt,  welches uns von der Impfpflicht befreit. Alle Europäer in unserem Alter, seien garantiert mal mit Masernerreger  in Kontakt gekommen. Also besteht für niemanden eine Gefahr. Unser Freund, der paar Tage nach uns von Kiribati angekommen ist, musste 14 Tage Quarantäne auf der Yacht absitzen (minus Anzahl Tage der Überfahrt). Er durfte auch keinen Besuch empfangen. Nachts patrouillierte die Polizei um seine Yacht. “Measle Man”, so sein neuer Name, wurde von den Seglern in der Bucht mit Pizza, Bier, Filmen, Bücher, Internetdaten, Gemüse und was ihm so fehlte versorgt.  So empfand er die Quarantäne sogar als ganz nett. Wie Urlaub vom Segeln.

Da kommt das so kontrovers diskutierte Thema Impfen auf. Reisende sind potentielle Gefahrenquellen um Krankheiten zu verbreiten. Speziell in abgelegenen Regionen der Welt, wo weder Apotheken, Ärzte und geschweige denn Spitäler existieren, kann eine Krankheit wie die hochansteckende Masern fatale Auswirkungen auf die Bevölkerung haben. In Samoa sind bis Weihnachten 79 Kinder unter 5 Jahren gestorben. 

Was für ein Drama für die betroffenen Familien!

 

 

 

 

November 20 2019

Abaiang , die fetten Jahre sind vorbei

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Endlich weht ein schwaches Lüftchen in den Kalmen. Dieses heisse Lüftchen soll die fette Robusta nach Abaiang, einem Atoll nördlich von Tarava hauchen.

Jetzt aber nichts wie weg hier! 

Die Leute, die wir in Abaiang besuchen wollen, wundern sich auch schon, dass wir es so lange in Tarava aushalten. Die kennen uns nicht – wir sie auch nicht. Unsere Freunde von der Segelyacht She San haben den Kontakt vermittelt. Batterien für den Aussenborder und Quad werden dringend benötigt. In Fiji haben wir was ähnliches gefunden. Mit etwas Phantasie und Kreativität sollte es funktionieren.

Von Nick und Lisa werden wir in Abaiang herzlichst empfangen. 

Die beiden sind uns auf Anhieb voll sympathisch.

Sie leihen uns gleich mal ihre Fahrräder, um  die Fahrtenbewilligung bei der lokalen Polizei vorzuweisen. Doch da war niemand. Am nächsten und übernächsten Tag auch nicht. So baten wir jemanden im Büro von nebenan, ob er eine Kopie mache und der Polizei abgeben könne. Dafür hätte er den Generator starten müssen. Doch da ist kein Benzin im Tank. Wir versprechen morgen wieder zu kommen. In Kiribati wird Einklarieren und die ganzen kostenlosen Bewilligungen für jedes einzelne Atoll sehr ernst genommen. Da sind andere Segler schon im Knast gelandet (Story dazu auf Noonsite). So ein doofer Vorfall hat natürlich negative Auswirkungen auf alle nachfolgenden Segler. Schade. 

Einige Tage später taucht Segelyacht Inti am Horizont auf. Thomas hat schon den halben Quad zerlegt, der auch mit der neuen Batterie nicht zum Leben erwacht ist. Die Benzinpumpe wird in der Küche mit Motorenreiniger während Stunden ausgekocht. Nach so einigem Geschraube und Gezupfe und Geputze und nun auch noch mit Unterstützung von Jona, läuft der Quad wieder! Nun sitzt die ganze Bande im Anhänger. Nick braust mit breitem Grinsen, mit uns allen übers Atoll! Ganze Horden von Kinder kommen in den Siedlungen angerannt um den knatternden Quad zu bestaunen. Kulinarisch werden wir von Nick und Lisa mit vielen Köstlichkeiten verwöhnt. Der Höhepunkt war jedoch das Schweizer Käsefondue bei über 30, jedoch 45 gefühlten Grad Hitze! 

Für uns ist es einfach zu heiß hier. Nicht mal das Meer bringt Abkühlung.

Lisa ist in Abaiang geboren. Hat über 25 Jahre in der Schweiz gelebt und ist seit drei Jahren mit ihrem Schweizer Mann zurück ins Paradies gezogen. Doch das Leben im Paradies erscheint aus unserem Blickwinkel nicht ganz einfach. Geschäfte sind nicht um die Ecke gelegen. Für Einkäufe müssen sie eine mehrstündige Bootsfahrt ins benachbarte Atoll auf sich nehmen. Lisa hat einen Gemüsegarten angelegt was in einem Korallenatoll, wo nur wenig Humus existiert, viel Geduld abverlangt. Wir vermissen so sehr frisches Gemüse und Früchte!

Auch kulturell ist so vieles anders in Kiribati. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich die Nachbarn mal ein T-Shirt von der Wäscheleine schnappen.  Oder nach deinen Schuhen, die du gerade trägst, fragen. Aus Respekt erfolgt die sofortige Übergabe ohne murren. Sowas ist für  I Kiribatis völlig normal und in keiner Weise eine böse Tat im „Bubuti” System“.  Eine Anfrage ablehnen, führt zum Gesichtsverlust.

Kiribati ist schon speziell. Da haut es einen Mann mit dem Motorrad um. Er ist von oben bis unten mit Schlamm bedeckt und blutet aus diversen Wunden.  Doch die  I Kiribatis stellen das Motorrad wieder auf, packen die abgebrochenen Teile in die Tasche zu den Fischen, helfen dem sturzbetrunkenem Mann wieder aufzusteigen, halten ihn fest bis er einigermassen in Balance ist und schon ist er im Zickzack ausser Sicht. Unglaublich! Ja mit dem Alkohol haben sie es nicht so im Griff. Diesen brauen sie aus dem Saft der Kokospalme. Zur Gewinnung des Rohstoffes wird an der Schnittstelle einer Blüte eine Flasche aufgehängt. Haben es auch versucht. Den Saft einfach mehrere Tage in der Wärme stehen lassen. Dabei darf die Flasche nicht ganz verschlossen werden, denn durch die Fermentation bildet sich recht viel Gas. Dann schön kühlen, etwas Limonensaft und eine Chilischote zugeben. Fertig ist der Palmwein der in Kiribati Toddy genannt wird. Schmeckt nicht schlecht! Du musst allerdings sicher sein, dass sich bei der Gewinnung kein Käfer (Name vergessen) ins Gefäss verirrt. Nach dem Konsum würde es beim Pissen schrecklich brennen.

Am Abend findet eine Tanzvorführung statt. Irgendwie hat sich schon rumgesprochen, dass wir – die I Matang – kommen werden. So ist in der Maneaba, dem Gemeinschaftshaus, bereits ein Platz ganz vorne reserviert. Wir dürfen uns auf ein buntes Plastiktischtuch auf den Boden setzen. Kinder rutschen immer näher zu uns heran. Sie streicheln über unsere helle Haut. Einige nesteln behutsam in meinen blonden Haaren. Eine alte Frau hat ihre Hand auf Claudis Rücken gelegt.  Am nächsten Tag sind wir zum Essen eingeladen. Ich bringe eine riesige Schüssel voll Pop Corn für die Kinder und einen Sack Kleider als Mitbringsel. Die Verständigung ist nicht ganz einfach, obwohl in der Schule Englisch gelehrt wird. Die Menschen leben hier unglaublich einfach.  Ihre Häuser sind erhöhte Podeste mit Dächer  aus Pandanussblätter. Strom haben längst nicht alle zur Verfügung. Ab und zu rattert ein Generator oder ein Solarpanel ist auf einem Dach montiert. Doch auf dem Atoll existiert erstaunlicherweise eine Mobilfunkantenne! Ab und zu landet sogar auf einer Naturpiste ein kleines Flugzeug. Wie oft das Versorgungsschiff von Tarava kommt, weiss niemand so genau.

Wir fragen uns, wie und wovon die Menschen hier leben? Traditionell haben sich die I Kiribatis von Fisch ernährt. Doch davon ist nicht mehr so viel da. Mit der Ernährungsumstellung, hielten Diabetes und Fettleibigkeit, Mangelerscheinungen, vor allem bei Frauen im gebärfähigen Alter, Einzug. 

Das grössere Übel stellt jedoch der Klimawandel dar. Der Anstieg vom Meeresspiegel und die heftigeren Stürme überfluten Kulturland und zerstören es für immer. Das Grundwasser ist versalzen, Küstenabschnitte erodieren. In Abaiang musste bereits ein ganzes Dorf umgesiedelt werden. Tragen wir nicht alle etwas Verantwortung für die Zukunft dieser Menschen?

Sie sind die letzten die die CO2 Emission beinflussen können – baden die Folgen aber buchstäblich aus!

Die fetten Jahre sind für die Industrienationen vorbei!

November 2 2019

Shocking Tarawa

Der erste Landgang in einem neuen Land ist immer sehr spannend. Doch wo parken wir das Dinghi? Hier toben Kinder im dreckigen Hafenwasser, dort eine unüberwindbare Mauer und am Ende vom Kanal liegen kleinere Frachtschiffe. Kein Platz. So fragen wir die Crew eines dieser Schiffe, ob wir das Dinghi daran anbinden können. Es ist heiss und im Hafen reizen merkwürdigste Gerüche das Riechorgan. Ein Wachmann entlässt uns durch ein klappriges Gittertor auf die Hauptstrasse. Laute Musik dröhnt aus den einen Geschäften. Autos und Motorräder sausen hin und her. So nun erst mal Bargeld beschaffen und eine neue SIM Karte für Internet muss her. Die ist schnell gefunden und mit sauteuren Daten aufgeladen.

Hütten und grössere Steinhäuser stehen in diesem überbevölkerten Atoll dicht gedrängt. Dazwischen liegen Autowracks, Schiffscontainer und viel Müll, worin Hühner und Hunde nach Fressbarem suchen. Alles ist staubig und dreckig. Bleiben wir stehen, sind wir in einer Wolke Fliegen eingehüllt. Wie eklig! Nein wir stinken nicht. Alle sind frisch gewaschen. In Kiribati scheint Endzeitstimmung zu herrschen. Wen wunderts!? Diese mitten im Pazifik gelegene Inselgruppe leidet massiv, denn durch den Klimawandel steigt der Meeresspiegel stetig. Doch niemand in den Industrienationen scheint dies zu interessieren. Mich beelendet das alles sehr. Ich bin traurig. Die Kinder rufen fröhlich “Mauri Imatang”, was so viel wie hallo Fremder heisst. Sie rennen mit erhobener Hand auf uns zu und wollen im Ami-Style einen Handschlag machen.

Inzwischen verlegten wir Inti und Robusta an einen Ankerplatz vor dem Parlament. Hier liegen die beiden Yachten ruhig und geschützt.  Da ist auch eine optimal bewachte Anlegestelle für das Dinghi. Im Clubhaus der Parlamentarier können wir sogar duschen. Doch ab nächster Woche findet eine Tagung statt und all das wird nicht mehr möglich sein. 

Früchte und Gemüse sind hier fast nicht existent. Und wenn, dann aber so richtig krass teuer, denn es handelt sich um importierte Ware aus Australien. Es fehlt Platz für den Gemüseanbau. Sauberes Wasser ist ebenfalls ein grosses Problem. Kein Wunder ist hier die Kindersterblichkeit so hoch und die Lebenserwartung tief.

Thomas und ich erkunden das Atoll per Minibus. In solch einem Gefährt befinden sich oft mal über 20 Personen. Eine Frau kassiert und regelt wo der Fahrer anhalten soll. Bezahlt wird beim Aussteigen. 

In der Nacht muss ich mehrmals erbrechen. Sowas hatte ich schon Jahrzehnte nicht mehr. Ich fühle mich elend. Dabei sind wir morgen früh mit Molly verabredet. Sie bietet Führungen zu den Relikten aus dem 2. Weltkrieg an. Auf der Insel Betio tobte eine wüste Schlacht um die Gilbertinseln. Die damals von den Japanern besetzte britische Kronkolonie, wurde von den Amis befreit. Dabei verloren innert vier Tagen rund 7000 Menschen ihr Leben!

Ohne Molly hätten wir die Trümmer niemals gefunden. 

 Es ist extrem stickig heiss. Die nächsten Tage wird der Wind ausbleiben und in der Lagune sollen wir nicht baden, da die Menschen ihre Notdurft darin entledigen. Ich bin schlecht gelaunt.

Die Bewilligung das Atoll Abaiang und Butaritari zu besuchen, bekommen wir vom Mann mit der eingebundenen Hand innert weniger Minuten.

Jetzt aber nichts wie weg hier! Intis kommen in ein paar Tagen nach.

October 31 2019

Passage Tuvalu nach Kiribati, Tarawa

Die Passage von Tuvalu bis Kiribati war echt entspannt. Die Prognosen sahen ja nicht gerade vielversprechend aus. Doch der Wind reichte gerade um den fetten Stahleimer in Bewegung zu halten. Ab und zu mal ein kleiner harmloser Squall und Gewitter in der Ferne. Regen bringt jeweils eine nette Gelegenheit zum Duschen und die Wassertanks zu füllen. Davon hätten wir gerne mehr gehabt. Das Leichtwindsegel ist leider beim Setzen an einer Klampe hängen geblieben, wobei ein kleiner Riss entstand. Den einen Tag Flaute verbrachten wir mit gemütlich rumhängen. Zu unserer Freude tauchte ein Walhai neben der Robusta auf! Es handelt sich dabei um den grössten Hai und Fisch der Welt! Ich dachte erst da taucht ein U-Boot auf.

Während dieser Passage sind wir das zweite Mal in unserem Leben, bei 173 Grad 11 Minuten Ost über den Äquator gesegelt. Wir sind wieder auf der Nordhalbkugel. Pünktlich zur Feier hat auch noch ein Thunfisch angebissen!

Segelyacht Inti war fast die ganze Woche in Funkreichweite. Nur gerade an dem Tag, wo sich Jona beim Fisch schlachten, deftig in die Hand geschnitten hatte, waren wir zu weit weg. Hätten sie gerne wenigstens moralisch unterstützt! Den Schnitt hat sich Jona wie ein Vollprofi selber zugenäht. Es sei total streng gegangen durch das Fleisch zu stechen. Claudi war für Operationstisch herrichten, Wunde zusammenhalten und die Knoten zuständig. Der Palstek hat aber nicht so gut gehalten. Was für ein tolles Team!

Ist schon ein gutes Gefühl wenn noch Freunde in der Nähe sind. In Kiribati, vor dem Pass ins Atoll ist Robusta’s Motor nicht angesprungen. Der Wind war weg. Mir schnürte es erst mal deftig den leeren Magen zusammen. Doch wir sind nicht in Gefahr. Die Strömung treibt uns vom Riff weg. ich rufe per Funk Inti an. Jona gibt paar wertvolle Tipps durch. Thomas prüft die Stromanschlüsse zwischen Batterie und Motor. Doch hier liegt das Problem nicht. Mit einer Schere kurzschliessen klappt dann. Die Kiste brummt wieder. Doch die Versorgerbatterien werden nicht geladen. Mist. Also nochmals abstellen. Mir entfährt ein Schrei! Thomas findet den Fehler doch noch. Ein Kabel zum Anlasserrelais war unterbrochen.

Beim Nachmachen Schere mit Plastikgriff benutzen, damit es nicht kitzelt!

Diesmal rufen wir vor der Ankunft brav die Port Control an. Erst spricht mal keiner Englisch. Irgendwann meldet sich doch noch jemand und ruft nach Itti und Rosta. Die Boarding Party muss an Land abgeholt werden. Sechs Personen. Ohje, wir haben nur ein kleines Dinghi! Thomas braust los, holt mal zwei Personen ab. Von der nächsten Fuhr ist der eine Beamte trief nass und mit Blut verschmiert. Beim Einsteigen sei er auf den Steinen ausgerutscht und ins Meer gestürzt. Die haben nicht mal einen Steg! Nummer fünf und sechs verzichteten auf die abenteuerliche Fahrt. Umso besser. Erst mal eine Zigarette für den Patienten und dann die Wunde waschen und schön verbinden.

So und nun an die Arbeit. Doch die armen Leute haben nicht mal Formulare! Name, Vorname und Geburtsdatum, plus noch alle frischen Lebensmittel und Angaben über Waffen und Tiere notiert Thomas auf ein Blatt Papier. So und jetzt nochmal alles abschreiben, denn die armen Leute haben auch keinen Kopierer! Der nasse Mann guckt noch ins Bad, in die Vor- und Achterkabine und hinterlässt dabei, mit breitem Grinsen, eine beachtliche Lache.

Das war schon alles. Die Pässe sind gestempelt. Falls wir in ein anderes Atoll segeln wollen, muss einige Tage zuvor ein Antrag bei Customs gestellt werden.

Welcome to Kiribati! “Mauri” ist das erste Wort was wir lernen und heisst soviel wie hallo.

October 25 2019

Tuvalu Funafuti

Das Atoll Funafuti, was zu meinem Entsetzen Funa-F-U-T-Z-I ausgesprochen wird, ist in ein paar Stunden erforscht. Das Zentrum vom Hauptort Vaiaku ist recht hübsch. Nette kleine einfachste Holzhäuser mit Wellblech oder Strohdach, dazwischen neue Häuser inklusive prominentem Wassertank im Garten, nach dem letzten heftigen Zyklon von Australien gespendet, einige kleine Geschäfte die ihre Ware feinst säuberlich assortiert darbieten, eine Bank, Hotel und kleine Gasthäuser säumen die Strassen im Zentrum. Die üppige Vegetation bietet reichlich Schatten und etwas Schutz vor der erbarmungslos bratende Sonne.

Ich glaube Tuvalu hat die grösste Dichte von Motorräder der Welt! So mieten wir gleich mal zwei Mofas, eines für Intis, um das Atoll zu erkunden. Die Vermieterin fragt nicht mal nach unserem Namen. Kassiert die 10 Dollar und in 24 Stunden sollen wir sie wieder zurück bringen. Gefahren wird hier auf der falschen Seite, keine Helmpflicht und die Verkehrsregeln beruhen auf gegenseitige Rücksichtnahme. Alle sind voll gemütlich unterwegs. Stress und Hektik scheint niemand zu kennen.

Einen Katzensprung vom Zentrum entfernt, erscheinen die Behausungen in einem neuen Licht. Der positive Eindruck von Tuvalu zerbröselt. Aus allerlei Materialien gezimmerte Buden, oft ohne Seitenwände, Müll und einige Schiffswracks zieren das schmale Atoll. Die Verwandtschaft aus der Vergangenheit nimmt einen grossen Stellenwert ein. Auf den viel zu kleinen Grundstücken thronen ihre Grabstätten vor den Hütten liebevoll geschmückt. Für das überbevölkerte Atoll nehmen sie meiner Meinung nach zu viel wertvolles Land für den Gemüseanbau weg. Doch hier wird auf den mit bunten Fliesen und Blumen verzierten Grabstätten auch gerne mal ein Mittagsschläfchen abgehalten. 

Tuvalu, eines der kleinsten Länder der Welt, steht durch die Klimaerwärmung vor riesigen Herausforderungen. Fruchtbarer Boden wird durch den Anstieg vom Meeresspiegel und die immer heftigeren Stürme überspült.  Ich staune wie viel Energie die Regierung mit Unterstützung vom Ausland in diesen fast schon verlorenen Ort investiert. Vorbildlich ist der Fakt, dass seit August dieses Jahres Einwegplastik verboten und eine Steuer auf Importware erhoben wurde, um das Recyclen oder Exportieren des Mülls zu finanzieren. Ein weiteres sehr interessantes Projekt, die kostenlosen Workshops zur Selbstversorgung. Hier wird gelehrt, wie  Familien ihr eigenes Gemüse anbauen können, wie Kompost hergestellt wird und Bewässerungssysteme angelegt werden. Traditionell werden die Blätter verbrannt statt kompostiert. 

Das eindeutige Highlight von Vaiaku ist die während des zweiten Weltkrieges von den Amis errichtete Flugpiste. Sie ist heute noch als Internationaler Flughafen in Betrieb. Ab fünf Uhr abends ist hier der Bär los. Landen oder starten keine Flugzeuge, wird hier Fussball und Volleyball gespielt, gepicknickt, Musikboxen aufgestellt, Kinder tollen herum, Hunde toben auf der Piste, zahlreiche Mofas knattern hin und her – was wohl die einzige Abkühlung vom heissen Tag bringt. Auch wir geniessen die Abende am Rande der Flugpiste in Atas Kneipe und Gasthaus mit dem Sarg im Vorgarten. In heissen Nächten schleipfen die einen ihre Matten aus den Häusern und pennen auf dem weissen Mittelstreifen! Wenn die Sirene der Feuerwehr ertönt, muss die Piste schnell geräumt werden. Das ganze Chaos ist tatsächlich erstaunlich diszipliniert, vor der Landung von Air Fiji beseitigt!

Schade ist es nicht möglich, die so weit auseinander gelegenen Atolle zu besuchen, ohne wieder nach Funafuti zum ausklarieren zu müssen. Bis vor wenigen Jahren wurden noch Sonderbewilligungen erteilt. Dies ist mit der Begründung unterbunden, dass einige Segeler sich nicht an die Bestimmungen gehalten haben. Die Behörden verstehen nicht, dass Segler auf den Wind angewiesen sind, welcher in der Konvergenzzone sehr launisch ist. 

Wir beobachten sorgfältig die Wetterprognosen. Der Einfluss des süd-ost Passat wird ab November immer schwächer und die Konvergenzzone wechselt stetig ihre Lage. In wenigen Tagen könnte eine Weiterreise nach Kiribati über den Äquator gelingen.

 

 

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October 19 2019

Einklarieren in Tuvalu

Zehn Uhr geht’s los. Endlich wieder Land unter den Füssen. Eine Woche dauerte die Passage von Fiji nach Tuvalu. Einklarieren, Behördenrennen.
Auf die Kleiderordnung pfeifen wir mal. Knie und Schultern bedeckt. Geht doch gar nicht bei dieser Hitze! Die INTI und ROBUSTA Crew haben einen Kater, da wir gestern die Ankunft zu ausgiebig gefeiert haben. Zudem bin ich auch noch Landkrank. Ich war noch nie Seekrank, doch die ersten Stunden nach einer Passage an Land, leide ich in engen Räumen. Die Wände bewegen sich und drohen auf mich einzustürzen. Mir ist übel.

Im neuen Regierungsgebäude, gleich hinter dem Neubau mit türkis Dach, ist es schön kühl. Doch niemand weiss so genau wo wir hin müssen. Zweiter Stock links. Dort oben angekommen, heisst es rechts unten. Nein, da waren wir schon. Ah, links unten ist die Immigration. Der im Rock gekleidete nette Mann, findet im ganzen Büro keinen Stift, zum die Formulare ausfüllen. Jetzt zur Quarantäne. Mitte rechts. Erneut ein Formular ausfüllen. Kennen das Gebäude schon bald besser, als die Leute die dort arbeiten.


Dann latschen wir bei praller Mittagshitze, eine gefühlte Stunde zum Spital. Jemand fragt dort, ob wir gesund sind. Ja – kostet 20 Aussi Dollar. Jetzt noch zum Hafen. Dort ist der Zoll. Können auf der Ladefläche eines Pick Up mitfahren. Ja und dort stecken wir die Mecke nun ein, weil die Port Control bei der Ankunft nicht angerufen wurde. Hier müssen wir bei der Abreise noch einen unbestimmten Betrag bezahlen. Ausklarieren geht nur hier. Dabei liegen noch einige Atolle auf der Strecke nach Kiribati die optimal wären, um bei Flaute auf Wind zu warten. Verstehen die Regeln nicht. Kein Wunder bei dieser Hitze.

Nun nochmals zurück zum Regierungsgebäude um die Zeremonie endlich abzuschliessen. Ohne jegliches Beweisstück, dass alle Stellen besucht wurden. Der nette Beamte ist nicht mehr da. Die Chefin ist dort und faucht wie ein Drache was von falscher Reihenfolge. Irgendwann begreift sie dann doch, dass alles seine Richtigkeit hat. Sie wird etwas sanfter. Doch auf eine Bewilligung um noch weitere Atolle nach dem Ausklarieren anlaufen zu können, geht sie nicht ein. Zudem muss jede Schiffsbewegung vorab angekündigt werden.

Ohje. Immerhin können wir uns jetzt legal und frei im Kaff bewegen.

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October 18 2019

Passage Fiji nach Tuvalu

Segelyacht Inti ist in Sichtweite. Kontakt besteht über VHF-Funk mit etwa 20 Seemeilen Reichweite. Entfernen wir uns zu weit voneinander, geht nur noch e-mail, was mit der vorhandenen Technologie nur sehr beschränkt möglich ist. 

Den Text, den ich vorgestern schrieb, habe ich bewusst wieder gelöscht. Mir fehlte der Mut meine wirklich unschönen Gefühle und Gedanken zu veröffentlichen. Sobald das Ziel erreicht ist, verfliegt das Negative trotz Flaute, in Windeseile.
Die letzten 650 Seemeilen waren einer der härteren Abschnitte. Schönstes Segeln löste sich schon bald mit Flaute und Hitze ab.

Liegen auf mit Schweiss getränkten Bettlaken festgeklebt. Robusta wogt unkontrolliert in der Dünung. Wo die Fotos in Zeitschriften vom spiegelglattem Pazifik herstammen, würde mich mal interessieren. Der Hunger muss sehr gross sein bevor einer von uns zu kochen beginnt. Die Steigerung, der neue Wetterbericht verspricht Flaute für die nächsten Tage! Dem Teppich mit den Bimssteinen ist glücklicherweise keiner von uns auf der ganzen Strecke begegnet!

Mit der Segelyacht Inti, die jetzt wieder in Reichweite dümpelt, beraten wir uns. Die Konvergenzzone bringt unbeständige Winde aus allen Richtungen mit den gefürchteten Squalls. Das zermürbende Spiel mit flappenden Segel – Segel bergen – Segel setzen – reffen – heftiges Schaukeln und dabei wie ein Rollkeks durchgenudelt werden, nimmt kein Ende. Alles ist anstrengend. Das Boardklima steht auf dem Tiefpunkt.
Mit Einsatz vom „Arabischen Wind“ wäre das Ziel in etwas mehr als 30 Stunden erreicht. Ich hasse motoren! Der Krach zerrt an den Nerven und die Robusta muss unter Motor von Hand gesteuert werden. Wir besitzen keinen Autopiloten und denken auch nicht daran etwas zu ändern.
Wir sind Segler – auch in den Kalmen!


So hängt Thomas nun, alle paar Minuten den Kurs korrigierend, am Steuer. Wir schreien einander an, weil die Ohren mit Stöpseln gegen den Krach geschützt sind. Nachts pennen wir, wechseln uns für den Ausguck ab. Thomas scheint es nicht viel auszumachen, Stuuuuuunden zu steuern.
Danke Schätzi!!!!!

Wie viele Tage und Nächte vergangen sind, müsste ich im Logbuch nachschauen. Tuvalu haben nun beide Yachten fast gleichzeitig erreicht. Liegen ganz ruhig im Atoll von Funafuti vor dem Dorf Vaiaku. Funafuti wird Funafutzi ausgesprochen! Wie schrecklich. Dann erst mal ausgiebig im pisswarmen Wasser baden und vergebens auf Abkühlung hoffen. Niemand denkt daran, die Port Control über unsere Ankunft zu informieren.