March 7 2020

Zamami Islands

Grosses Gewinke und bald schon verschwindet Okinawa im Dunst. Dafür erscheinen bereits die Berge von Zamami Islands am Horizont. Das ganze Gebiet gehört zum Keramashoto Nationalpark.

Der Blick auf Berge erfüllt mich mit grosser Freude. Wecken Erinnerungen aus der Kindheit. Skifahren mit meinen Eltern, Mami mochte den Schnee jedoch überhaupt nicht. Papa dafür umsomehr. Bei jedem Wetter sind wir los, wie die Wahnsinnigen jede Piste oder im Tiefschnee runtergesaust. Knochenbrüche mussten in Kauf genommen werden. Egal, sowas härtet ab. Keine Herausforderung war zu krass. Oder im Sommer wandern, die Aussicht nach einem anstrengendem Aufstieg ist einfach das grösste aller Hochgefühle. 

Nach fünfstündiger Überfahrt ist die Robusta im östlichen Teil des Hafens, mit Auto- und Motorradreifen gepolstert, längsseits an der Hafenmauer festgemacht. Doch nun kommt jemand und weist uns mit Zeichensprache an, am Schwimmsteg anzulegen. Ja umso besser, perfekt! Dankeschön, das ist reinster Luxus. Ein- und Aussteigen ohne an der Hafenmauer rumzuklettern. Das kleine Dorf ist in zehn Minuten ausgekundschaftet. Nun schlürfen wir Awamori, Reislikör mit viel Eis serviert, im fast leerem Guesthouse. Viele Reisende haben die Buchung wegen Coronavirus storniert. Japan hat die Grenzen zu China und der Republik Korea dicht gemacht. Aktuell sind knapp 200 Personen positiv getestet, die meisten davon in Hokkaido, der nördlichsten Präfektur Japans. Die Regierung hat als erste Massnahme sämtliche Schulen, Museen und Theater im ganzen Land geschlossen. In den Medien häufen sich die Berichte über die Ausbreitung in der ganzen Welt!

Wie ernst die Lage tatsächlich ist, muss erst mal in unseren Köpfen ankommen. So abgelegen und doch nur einen Katzensprung von China und der Republik Korea entfernt, können wir die Lage noch nicht ganz einordnen. In Italien spitzt sich die Lage dramatisch zu. Ich sorge mich um meine Eltern. Was ist mit meinem Sohn? Wie geht es allen Freunden? Kann es sein, dass wir auf einmal nicht mehr auslaufen dürfen und somit in einem Hafen festsitzen? Reisepläne ändern? Was wird aus Alaska? Ja ja ja jaaaaaaa ich weiss, das ist Gejammer auf hohem Niveau. Exgüsi! Doch wir machen uns auch Sorgen und Gedanken über die Folgen einer Pandemie. 

Momentan ist alles ruhig. Jedenfalls auf Zamami.  Fragen über Fragen. Doch erstmal wird Corona positiv verdrängt. 

Es dauert nicht lange, formiert sich eine lustige Clique. Sergey ist mit seiner Yacht für ein paar Tage von Okinawa nach Zamami gesegelt. Er kennt hier viele Leute. Thomas hat ihm beim Anlegen geholfen. Später klopfte er an die Robusta und brachte Salzgebäck und Bier. Wir verstehen uns auf Anhieb bestens. Er fragt ganz vorsichtig, ob ich gerne koche. Er hasse das, doch er würde gerne ein paar Freunde einladen. Ich könne ihm eine Liste geben, er gehe dann einkaufen. Das ist doch ein Deal. Wir begleiten ihn zum Laden, denn es gibt bestimmt einiges zu Schleppen mit all den Getränken. Ein kräftiger Regenguss unterbricht die Aktion erstmal. Sergey lädt uns in ein Restaurant zum Mittagessen ein. Die Wirtin rüstet uns mit drei Regenschirmen aus. 

Am Abend sitzen acht Personen in Sergeys Yacht am grossen Tisch, der mit allerlei Häppchen übersät ist. Die Gäste haben auch etwas Leckeres mitgebracht.  Ich habe Arabisches Fladenbrot mit  Hummus und Tomatensalat an Balsamico Sauce,  Kartoffelsalat und einen grünen Salat zubereitet. Ich muss schmunzeln. Japanisches Essen ist in kleinen filigranen hübschen Schälchen, in kleinen Portionen angerichtet. Da kommen die Alpenländler nach Japan und stellen drei fette Schüsseln auf den Tisch, die wie die Faust auf’s Auge ins Bild passen. Bis auf den letzten Krümel ist alles radikal aufgefuttert. 

Die Wassertemperatur ist schon fast kalt verglichen mit den Tropen. Statt 29 nur noch 20 Grad. Wir quetschen uns zum Schnorcheln in die enge schwarze Wursthaut. Kristallklares Wasser, mit bunten Korallen und es wimmelt von Fischen. Sogar eine Schlange von beachtlicher Grösse, schlängelt am Grund unter mir durch. Zwei Stunden vor Hochwasser kommen jeweils die Meeresschildkröten um am Grund Grass zu fressen. Zamami ist wahrhaftig ein Tauchparadies. Vom Strand aus sind manchmal sogar die Buckelwale zu beobachten, wenn diese Kolosse ihre Sprünge vollziehen. 

Am nächsten Abend sind wir im Dorf eingeladen. Die Kollegen, die wir gestern kennengelernt haben, wollen für uns Tintenfische zubereiten. Auf so einer Art Racletteofen, mit speziellem Aufsatz mit kleinen Einbuchtungen, werden die Tintenfischstücke gelegt und mit Bierteig übergossen. Geschickt jonglieren alle mit ihren Stäbchen, mit denen ich mich immer noch nicht angefreundet habe, die Masse in den Kulen zu runden Bällchen. War alles sehr lecker und gemütlich. Andre, ein Deutscher der im Gasthaus arbeitet, will morgen für die ganze Bande ein Indisches Curry zubereiten. Doch obwohl das Gasthaus wegen Corona zu ist, motzt der Boss und äussert Unmut über das Vorhaben. So findet die Aktion auf der Robusta statt. Andre bringt die Zutaten und macht sich in der Pantry zu schaffen. Der arme Kerl ist jedoch etwas zu gross für die Robusta und müht sich darum in gebückter Haltung am Herd ab. Draussen stürmt und regnet es in Strömen. Das Curry ist extrem scharf geraten. Alle beginnen zu schwitzen und die Tränen kullern über die Wangen. Autsch, das war wirklich extrem. Um das Feuer zu löschen wurde die entsprechende Menge Alkohol nachgegossen. Wir haben jedenfalls bis in die Morgenstunden hinein ausgelassen gelacht, getanzt und dabei viel Spass gehabt.

KAMPAI  Alles Gute liebe Zamamis!!

INFOS FÜR SEGLER

Hafen: anlegen am im Osten gelegenen Schwimmsteg 

Papiere: Jemand kam von der Gemeinde, doch wegen Verständigungsblockade geschah nichts. Keine Papiere mussten gezeigt werden, keine Kosten

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February 25 2020

Erste Eindrücke von Japan

Der letzte Stadtbummel ist bereits eine Weile her. Das war vor neun Monaten in Suva auf Fiji. Die Stadt Naha ist jedoch mit ihren rund 320 tausend Einwohner drei mal so gross. Wau, all die Eindrücke, alles in Japan ist für uns so neu, einfach anders. Wir waren noch nie in Asien. Die Autos sind alle so schnuckelig mini klein. Alles ist einfach miniklein. Jedenfalls zu klein für Thomas Füsse – so die Erfahrung beim Schuhe kaufen. Auch die Bars und Kneipen sind klein. Mit fünf Personen ist so ein Schuppen bereits prall voll! Die Esserei mit den Stäbchen treibt mich fast zur Weissglut. Ich bin Linkshänderin, was sich auf den Lernerfolg nicht gerade positiv auswirkt. Einkaufen ist auch so eine neue Herausforderung. Die schönen  Schriftzeichen verraten nicht mal im Entferntesten etwas über den Inhalt der Packung. Aussentüte mit Innentüte, womöglich nochmals mit innerer Plastikhalterung verunmöglichen sogar den Tastsinn einzusetzen. Und dann ist die Schachtel Kekse nach 15 Minuten auspacken, leider in 15 Sekunden verschlungen. Die Google Translate App erleichtert das Reisen in Japan. Das Handy einfach mit der Kamera über einen Text halten und hokuspokus erscheint der in der gewünschten Sprache. Kannst auch einen Text quasseln und dann übersetzt abspielen. Die ältere Generation spricht in Japan selten Englisch. Bei den jungen Leuten sieht die Situation positiver aus. Oft wird gesprochenes Englisch nicht verstanden, doch wird ein Satz aufgeschrieben, dann wird alles klar.

Beim Herumschlendern entdecken wir im monströsen Hafen von Naha eine Einbuchtung, wo kleine Fischkutterli liegen. Vor einer Holzhütte mit langen Tischen, sind einige Personen versammelt. Thomas fragt, ob wir mit der Robusta hier Diesel und Wasser tanken können und ein paar Tage bleiben dürfen. In der Ginovan Marina gibt es nämlich keine Liegeplätze für Gäste.  Ja das geht, meint der  freundliche Mann. Er betreibt eine Whalewatching Firma. Bezahlen müssen wir nichts. Die Robusta passt gerade in die einzig freie Lücke. Im Google Maps als Naha North Marina mit fünf Gästeplätzen für Boote bis 9 Meter eingetragen. Ich habe Kuchen gebacken und offeriere allen Anwesenden davon. Immer mehr Leute gesellen sich am Feierabend an den langen Tisch. Sie bringen Bier und Reiswein und auch Chilenischen Weisswein den wir probieren müssen. Bald sitzt die ganze Bande auf der Robusta. Ein alter Mann übergibt mir eine grosse Papiertüte. Zu meinem Erstaunen, ist diese mit Italienischen Spezialitäten gefüllt! Ein Salami, gleich gross wie mein Oberschenkel, verschiedene Käse, Salatsauce und dazu noch eine wild blinkende Lampe ohne Knopf zum Abstellen. Willkommen in Japan! Ihr müsst unbedingt zu den Zamami Inseln. Zur Zeit sind da viele Buckelwale mit ihrem Nachwuchs. Doch das Naikosen, das Papier vom Zoll (Custom) welches den ganzen Papierkram in den Häfen vermeiden soll, fehlt noch für die Weiterreise.

Das gewünschte Papier ist bereits ausgestellt und abholbereit! (mehr dazu im letzten Blogeintrag). Ich präsentiere die gewünschte Liste mit zehn aufgelisteten Orten, die wir anlaufen werden. Nur Ort, ohne genaue Angaben, mit Datum. Nach den neuen Bestimmungen entfällt diese Liste eigentlich. Na ja, was soll’s wenn damit die Prozesse endlich abgesclossen ist. Doch die 8 Liter Rum, die Thomas beim Einklarieren in der „Ship Stores Declaration“ angegeben hat, müssen noch verzollt werden. Die Rechnung haut den Thomas aus den zu kleinen neuen Schuhen. 5000 Yen pauschal. Das sind ja fast 50 Franken! Die zweite Variante gefällt uns besser. Zwei Beamte fahren mit uns zur Robusta, um den Alkohol zu versiegeln, was zugleich noch den langen Fussmarsch erspart.

Keine Reise nach Japan ist perfekt, ohne den Besuch in einem Onsen, was so viel wie “heisse Quelle” bedeutet. Davon soll es an die 2300 im Land geben. Dabei handelt es sich um Badehäuser, die durch vulkanische Energie und mit Thermalwasser betrieben werden. Saunas und Dampfbäder und natürlich die Sprudelbecken gehören ebenfalls dazu. Die Anlagen sind nach Geschlechter getrennt.

Die Crew, im Onsen frisch gereinigt, gebadet, durchgeschwitzt und erholt, Robusta mit neuem Wantenspanner am Kutterstag repariert – so ziehen wir nach Zamami weiter. Der Abschied ist sehr herzlich und hinterlässt bleibende positive Eindrücke.

Unter diesem Link ist beschrieben, wie du als Tourist in Japan günstig zu Internet kommst. Wir haben uns für diese Variante entschieden Smash Mobile

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February 24 2020

Okinawa, Einklarieren in Japan

Unser Traum nach Japan zu segeln, ist wahr geworden. Wir sind tatsächlich da!

Doch wir mussten feststellen, nautische Informationen über Japan sind rar. Im Internet sind viele Reiseführer für Landratten zu finden. Doch Infos für Segler sind sozusagen inexistent. Das meiste ist über 10 Jahre alt und ich denke somit von geringer Bedeutung. So haben wir uns eigentlich nur mit Hilfe der Website Noonsite und den unten aufgeführten Links von verschiedenen Seglerblogs orientiert, um einen Vorgeschmack auf Japan zu erhalten. Die Einreise nach Japan war für Segelyachten bis Mai 2018 mit extrem viel bürokratischen Aufwand verbunden. Die neu geltenden Bestimmungen sollen so einiges vereinfachen. Wie sich bei unserer Ankunft jedoch herausstellte, ist längst nicht überall bekannt, dass sich etwas geändert hat. Kein Wunder, denn nur sehr wenige Yachten verirren sich hierher.

Im Hafen von Naha, auf der zwischen Taiwan und dem Festland von Japan gelegenen Insel Okinawa, übergebe ich einem der sechs wartenden Beamten die Leinen, um die Robusta festzubinden. Ein Ding der Unmöglichkeit, ohne Hilfe an der riesigen Hafenmauer, an einen Poller zu gelangen. Die Mauer ist mit scharfkantigen Muscheln bewachsen. Der Tidenhub variiert nur gerade mal um die eineinhalb Meter. Doch wegen der heftigen Winterstürme und Taifune ist der Hafen von riesigen Molen und Mauern geschützt. Zum Glück haben wir in Saipan noch vier alte Motorradreifen als Fender aufgetrieben. Unsere schönen Fender wären nicht lange unversehrt geblieben!

Alle plappern nun Japanische Worte, die nicht mal ansatzweise zu verstehen sind. Englisch löst bei ihnen wiederum fragende Blicke aus. Also kann ich gerade so gut Schwiizerdütsch reden. Die Kommunikation läuft irgendwie durch Zeichensprache. Die ersten zwei Beamten klettern nun mit wackerer Unterstützung an Bord. Den Formularen nach zu urteilen, sind sie von der Quarantäne. Glücklicherweise sind die Formulare zweisprachig, nämlich in Japanisch und Englisch ausgestellt. Ich offeriere Kaffee und Kuchen. Doch erst begutachten sie den Kühlschrank, messen dessen Temperatur und unsere danach ebenfalls, mit einem modernem Gerät an der Stirn. Der Backofen und die Toilette werden auch angeschaut. Thomas füllt stirnrunzelnd die Formulare aus. Die Seiten bleiben an manchen Stellen einfach leer, denn sie sind für die Frachtschiffe ausgelegt. Frisches Gemüse dürfen wir behalten. Fleisch und Fisch hatten wir nicht mehr. Ihre Arbeit ist somit erledigt, doch der Kaffee in den Thermotassen ist noch viel zu heiss und die Männer vom Zoll warten bereits etwas ungeduldig. Weitere Formulare müssen ausgefüllt werden. Aus einem Koffer von beachtlicher Grösse, werden weisse Papierstreifen und kleine Plastiktütchen entnommen. Sowas ähnliches habe ich schon mal in einem Krimi im Fernsehen gesehen. Damit wird über verschiedene Flächen gepinselt. Dies innen wie ausserhalb der Robusta. Sogar am Mast und am Lazy Jack und im Ankerkasten werden Proben entnommen. Was damit genau untersucht wird, verstehen wir nicht. Für Drogen sind doch üblicherweise Hunde zuständig. Doch so einen Bello von der Hafenmauer auf eine Yacht zu bugsieren, könnte echt problematisch werden. Über den Biervorrat lachen die Beamten, denn es handelt sich um Japanisches Bier, welches Ivan uns in Saipan geschenkt hatte. Sechs Liter Rum gibt Thomas im Zollformular an, ohne Bier, was ein Bruchteil der eigentlichen Menge ausmacht. Niemand meckert. Hocheffizient und professionell, mit Checkliste überprüft, wird auch diese Kontrolle abgeschlossen. Nun ist die Immigration an der Reihe. Die warten in einem winzig kleinem Fahrzeug. Im Kofferraum ist sozusagen ein ganzes Büro eingerichtet! Computer mit Drucker und ein Gerät welches Fingerabdrücke scannt und Fotos schiesst, stehen bereit. Ohje, wir sehen für das Fotoshooting völlig durch den Wind aus! Die ganzen Geräte werden mit einem Generator betrieben. Ein Formular wird unglücklicherweise, direkt aus dem Drucker, ins Meer geblasen. Geschickt wird dieses mit einem von den Fischern ausgeliehenem Feumer, wieder ins Büro transportiert. Die Pässe sind nun gestempelt und mit 90 Tagen Aufenthaltsgenehmigung versehen. Nicht alle Staatsangehörige können eine Verlängerung beantragen. Fürs Erste ist das Einklarieren erledigt. Doch nun zückt einer der jungen Beamten sein Handy. Er will mit uns ein Selfie von der Robusta machen. So gehts los und alle posieren unter riesigem Gelächter. Jemand notiert auf einem kleinen Block, alle Länder die wir besucht haben. Irgendwie scheinen wir uns auch ohne Sprachkenntnisse zu verstehen!

Der besondere Teil steht noch aus. In Japan gibt es offene und geschlossene Häfen. Diese können nur mit einer Genehmigung vom  MLIT (Ministry of Land Infrastructure Transport and Tourism) angelaufen werden. Es ist Freitag kurz vor Feierabend. Hier ist alles in wenigen Minuten klar was wir brauchen. Das Papier wird sobald es fertig ist, per email zugestellt. Mit dieser Genehmigung kann bei Costum /Zollbehörde das sogenannte “Naiko Senpaku” or “Naikosen” beantragt werden, was das Reisen in Japan vom Papierkram in jedem Hafen befreien soll. So wären wir, mit den unter Japanischer Flagge laufenden Yachten gleichgestellt. Ein Nachteil ist da doch noch. Diesel kann nicht mehr zollfrei getankt werden und vor der Ausreise darf nicht vergessen werden, das Naikosen wieder zu löschen. Am folgenden Arbeitstag ist das Closed Port Permit fertig. Doch die Zollbehörde kennt den Ausdruck Naikosen nicht. Ein junger Mitarbeiter spricht ein wenig Englisch. Die Kommunikation läuft nun über das Handy mit Hilfe von Google Translate. Irgendwie werden alle ein wenig bockig. Wir zeigen die Infos aus dem Internet in Japanisch übersetzt. Dann gehen wir und künden an, dass wir in zwei Tagen  wieder kommen werden. Nun fordern sie eine ausführliche Liste mit allen Häfen, mit Daten,  die wir anlaufen werden. Vergebens versuche ich durchzugeben, dass dies nicht möglich ist, da Segler auf den Wind angewiesen sind. Wir einigen uns auf eine Liste, aus der so ungefähr nachvollziehbar ist, an welcher Küste wir  entlang segeln werden. Wir sind gespannt, ob sie das mit dem Naikosen verstanden haben. Mehr dazu im nächsten Blog

Links

SV Pino: Blog und  youtube Clips

Sailing Vessel Tumbleweed Blog

Unter alten Bestimmungen durch Japan geseglet:

Segelyacht SuAn

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February 21 2020

Überfahrt Saipan – Japan, Okinawa

Wie bereits im letzten Blog erwähnt, drängt die Zeit um weiterzukommen. Die Segelsaison in Japan ist kurz. Im Norden herrscht jetzt noch tiefster Winter mit viel Schnee. Desto südlicher, umso milder ist es im Februar. Taifune treten vor allem mitte Juli bis Oktober auf, können aber in allen vier Jahreszeiten vereinzelt über Japan preschen. Die Wetterprognosen sind sehr präzise und Stürme bereits fünf bis zehn Tage im Voraus sichtbar. Sichere Häfen gibts so viele wie Fliegen in einem Kuhstall.  

Das Wetterfenster ist nicht ganz optimal. Doch zumindest die ersten fünf Tage sehen einigermassen locker aus. Über Japan ziehen die Hoch- und Tiefdruckgebiete von Südwest nach Nordost über’s Festland. Wie zur Zeit ersichtlich, im Takt von jeweils einer Woche. Mit dem Team der Ausflugsboote, bespreche ich die lokalen Wind- und Wetterverhältnisse. Die Leute helfen gerne. Wind aus Nord sei immer speziell stark. Um die 25 bis 30 Knoten. Nord, langsam nach Ost drehend, tönt gut. Wir segeln beim Start einer Überfahrt gerne in die Nacht hinein. Vom starken Nordwind ist noch nicht viel zu spüren. Das zweite Reff ist für die Nacht bereits eingebunden. Direkten Kurs nach Nordwest anlegen, geht nicht. Versuchen hart am Wind zu segeln, was mit Zunahme des Windes immer unmöglicher wird. Immerhin West ist nicht schlecht. Nach fünf Tagen herrscht kurz Flaute und dann hämmert der Einfluss vom Tiefdruckgebiet über Japan herein. Die dunkle Wolkenwand nähert sich eindrücklich. In Kürze weht der Wind mit gegen 35 Knoten direkt auf die Nase! So drehen wir bei und die Robusta steht recht ruhig in der wilden See. Doch wir driften schneller als erwartet, mit zwei bis drei Knoten nach Saipan zurück. So segeln wir doch lieber wieder unter Fock und Grosssegel im dritten Reff, mit dem Bug übertrieben spitz zur Welle gestellt. So läuft die Robusta sehr langsam, aber immerhin nicht rückwärts. Angenehm war’s jedenfalls nicht! Rückblickend würde ich diese Strategie nicht mehr so schnell anwenden. Das Kutterstag ist dabei gebrochen. Ist nicht so tragisch, ist kein tragendes Element vom Mast. Das Fock stand dennoch erstaunlich gut nur am Fall baumelnd.

Erst nach dem sich eine Ladung Wasser durch die Dorade-Lüftungen in die Kojen ergoss, kam uns in den Sinn, diese zu verschliessen. Ist doch eh komisch, dass da nicht eine Vorrichtung existiert, mit der die Dinger anständig dicht zu bekommen sind. Immer ist da was zu improvisieren. Beste Lösung war bis anhin, von innen eine bunte Badeschwimmnudel reinzustopfen. Diese passen perfekt in die Löcher.  Mir kam es vor, als daure der Sturm eine Woche. Dabei war nach zwei Tagen alles vorbeigezogen.

Die 1300 Seemeilen lange Strecke ist in zwei Wochen geschafft. Hauptsächlich mit Amwind- oder Halbwindkurs, was die härtere Art des Segelns ist und definitiv nicht zu meinen liebsten Varianten gehört. Kochen und essen ist in diesen Bedingungen nur noch für Hartgesottene möglich. Ich war sogar zu faul zum Lesen, was ich sonst auf Überfahrten sehr gerne tue. Eigentlich wollte ich mir schon die ersten Brocken Japanisch aneignen. Doch die Sprachlern-App funktionierte offline nicht. Habe ich bei der Auswahl nicht geschnallt. Finde es peinlich, wenn es bei der Ankunft nicht möglich ist, die Menschen anständig zu begrüssen und ein klein wenig zu plaudern.

Jetzt muss erstmal der richtige Ort zum einklarieren gefunden werden. Der Hafen von Naha auf Okinawa ist gross. Per email haben wir vor dem Ablegen das Pre Arrival Formular mit unserer Ankunftszeit an die Japan Coastguard losgeschickt und dabei angefragt, wie und wo die Einklarierungs-Zeremonie stattfinden soll. Das müssten wir selber organisieren – so die Antwort der Coastguard. Eine Telefonnummer gaben sie immerhin durch. Doch wir haben kein Telefon, kein Japanisches Geld und an Land dürfen wir ja auch nicht um eine Telefonzelle zu benutzen. Gibt es denn überhaupt noch Telefonzellen? 

Kurz vor der Ankunft meldet sich die Coastguard per Funk. Ich verstehe ihr Englisch nicht! Wahrscheinlich versuchen sie eine Position durchzugeben… Zufällig erblickt Thomas im Fernglas sechs wild gestikulierende Uniformierte Figuren mit weissen Masken. Irgendwie ist die Ankunft doch noch an die Behörden druchgedrungen.  

Im nächsten Blog beschreibe ich das Einklarieren etwas ausführlicher. Denn das ist in Japan alles etwas speziell und die neuen vereinfachten Regeln scheinen noch nicht überall bekannt zu sein.

January 30 2020

Saipan

Port Control weist an, direkt zur Marina zu fahren und dort auf die Behörden zu warten. Geht ja schon mal gut los. Ich ziele auf den falschen Steg. Ach wie blöd, es ist eng im Kanal. Am Ziel angekommen, weiss der dürre Mann nicht so recht, was mit der überreichten Leine anzufangen. So kann ich nicht zurücksetzten. Der Wind pustet ablandig. Festmachen, brüllen alle. Zu spät, Robusta kommt dem Polizeibot gefährlich nahe. Ganz so blöd war der Dreher im Nachhinein doch nicht. Der Bug zeigt jetzt in Richtung Ausfahrt.
Ach ihr habt bereits US-Visas? Saipan ist nämlich US-amerikanisches Außengebiet. Das freut die kugelrunden, in Amerikanische Uniformen gezwängten Mikronesier. Die Prozedur ist schnell erledigt. Keiner bemüht sich an Bord zu klettern. Ihr könnt sechs Monate bleiben. Besser ist aber, wenn ihr nur zwei bleibt. Hä? Von der Biosecurity kommt niemand. Die frischen Lebensmittel dürfen wir alle behalten. Einfach nichts davon an Land nehmen. Auch den Müll nicht.
So und jetzt wird’s kompliziert. Smiling Cove Marina ist keine Marina im herkömmlichen Sinn. Da ist kein Gästeplatz und seit dem letzten Zyklon auch keine Toiletten und keine Duschen mehr. Was für ein Sch………….. Den perfekten Ankerplatz gibt es in der Bucht auch nicht. Da ist viel Schwell und etliche Touristenboote sausen voll Garacho hin und her. Ein überdimensionales Kriegschiff liegt vor Anker. Wir dürfen schlussendlich doch am Steg hinter dem Polizeiboot bleiben. Aber maximal zwei Wochen, für 8 Dollar pro Tag. Für an Bord wohnen, muss erst ein Antrag gestellt werden. Big Ben vom Büro macht das und händigt schon mal grosszügig das Marinareglement aus. Darin steht kurz zusammengefasst geschrieben; alles was Spass macht und noch vieles mehr, ist verboten. Wir alle sind müde und jetzt obendrauf auch noch frustriert. Die Touranbieter vom Nachbarsteg sind voll nett. Welcom to Saipan! Jemand bringt einen Schlauch, damit wir im Badeanzug duschen können.

So jetzt aber schnell an Land, sich bewegen und ein Frustbier in der Stadt trinken.
Saipan ist ein Touristenort. Hauptsächlich Chinesen, Taiwanesen und Japaner verbringen ihren Urlaub auf der zu Asien nahegelegenen Tropeninsel. Das prunkvolle Casino, als Geldwaschanlage für Chinesen verschrien, sticht schon von Weiten dominant raus. Weisse Strände, türkis blaues Wasser. Windsurfer gleiten im stehtiefen Wasser. Zwischen ihnen die nervtötenden Wassertöffs. Im kleinem Zentrum, direkt hinter den riesigen am Strand gelegenen Hotelanlagen, reihen sich Souvenirshops – alle mit dem selben Kram ausgestattet und Läden mit zollfreien Pillen, so eine Art Zusatzfutter für die moderne Gesellschaft. Touranbieter, Kneipen mit Asiatischem und Amerikanischem Food, und auch Chinesinnen die Massagen und Anwendungen gegen Sonnenbrand anbieten. Der absolute Renner, einen schrill pinken, oder babyhellblauen oder leuchtend gelben Ford Mustang zu mieten! Auch wir leihen uns für eine Inselrundfahrt ein Auto (keinen Mustang), denn in Saipan existieren keine öffentlichen Verkehrsmittel. Ein Angestellter der Marina lässt uns auch ab und zu sein Auto für ein paar Dollar nutzen.
Was ist denn hier eigentlich los? Die super durchgestylten Leute tragen weisse Masken? So wie in einem Horrorfilm. Eine Verkäuferin, selber auch Maskenträgerin, rät von den Chinesen Abstand zu halten. Ah ja? Die bringen ein gefährliches Virus mit. Eine Woche später wirkt Saipan wie eine Geisterstadt. Wegen dem Coronavirus dürfen keine Chinesen mehr einreisen. Ja auf einer Überfahrt fehlen Nachrichten was in der Welt vor sich geht.

Warum sind wir nur nach Saipan gesegelt? Guam ist einfach durch das ganze Armeegedöns zu negativ besetzt. Saipan sah im Internet netter aus. Kleiner, und alles ist zu Fuss erreichbar. Eine weitere Überlegung war, da unser nächstes Ziel Ogasawara, eine Inselgruppe im Osten von Japan, wesentlich näher von hier gelegen ist. Doch dort hin kommen wir erst gar nicht. Der Passat bläst zu dieser Jahreszeit noch immer hauptsächlich aus Nord-Ost. Ein halbwegs vernünftiges Wetterfenster ist auch zehn Tage später noch nicht in Aussicht. Nicht mal ein Zwischenstop in Pagan wäre möglich. Was tun wir auf einer mini kleinen Vulkaninsel, mit sieben Einwohner und 200 Kühen, falls wir dort nicht mehr weg kommen? Pagan wäre ja sehr spannend. Doch der Zeitplan drängt leider zur zügigen Weiterreise. So steht leider eine Planänderung an. Neues Ziel; Okinawa, Japan.

Claudi und Jona haben einen Flug via Korea und Vietnam nach Bangkok gebucht. Doch bevor es soweit ist, verbringen wir noch eine nette Zeit miteinender. Der Abschied wird bei einem Fondue Chinoise zelebriert. Das Personal kennt uns bereits. Kein Wunder, denn Claudi hat sich beim letzten Besuch in der Toilette verklemmt. Die Türe ging einfach nicht mehr auf. Der stämmige Koch musste von aussen mit Küchenwerkzeug nachhelfen.
Für die Fahrt zum Flughafen wurde ein inoffizielles Taxi gebucht. Diese sind wesentlich günstiger. Doch die Wagengrösse war entsprechend ungünstig. War nicht ganz einfach das bescheidene Gepack, plus die zierliche Claudi und den Jona in das winzige Auto zu pfärchen. In der ganzen Aufregung blieb prompt eine Tasche am Strassenrand stehen! Heftiges Brüllen brachte das ulkige Gefährt zur sofortigen Umkehr.
Also nochmal: Ciao ihr beiden, alles Gute und auf ewige Freundschaft!!

So und nun stehen wieder mal einige Reparaturen an. Der Klüver hat einen etwa fünfzehn Zentimeter langen Riss. Ein Stück Segelstoff wird mit 3M – 5200 auf den Riss geklebt. Aus Erfahrung hält das besser als genäht. Ich nähe Stunden von Hand das Deckshaus wieder zusammen, welches bei der letzten Passage durch eine Welle zerstört wurde. Die Nähte und Reissverschlüsse sind durch Sonne und Salzwasser zerschlissen. Aus den USA bestellten wir neue Reissverschlüsse, die in wenigen Tagen angekommen sind. Diesmal achtete ich darauf, dass die Rutscher auch aus Plastik sind. Aluminium korridiert innert kürzester Zeit.
Und da ist immer noch das Geräusch aus dem Getriebe beim Gang einlegen, welches uns Sorgen bereitet. In Majuro hat Thomas sich von einem Mechaniker aus der Grossschifffahrt beraten lassen. Er kannte sich mit Deutz Motoren und dem Hurth Getriebe nicht aus. Er wäre jedoch bereit gewesen, das ganze Getriebe auseinanderzufriemeln. Ohje und dann? Thomas kontaktierte erneut die Vetus Vertretung in Sydney. Die und weitere Abklärungen hatten damals bestätigt, die Dämpferplatte müsse ersetzt werden: Ausser Spesen nix gewesen. Am nächsten Tag kam prompt eine Nachricht von Vetus aus Holland. Das Problem ist ihnen bekannt. Ein adaptiertes Ersatzteil wird umgehend und ohne jegliche Kosten nach Saipan geflogen. Thomas verschwindet erneut, bei bratender Hitze, für zwei Tage im Motorraum. Derweil verbringe ich Zeit am schönem Strand und versuche nautische Informationen über Japan einzuholen.
Dann lernen wir Ivan kennen. Er zeigt uns seine Wahlheimat. Wie sein Name schon verrät, ist er nicht von Saipan. Er träumt davon, mit seiner Frau ebenfalls auf grosse Fahrt zu gehen. Er ist auch Segler und kennt die Bedürfnisse Gleichgesinnter. Ivan fährt mit uns zu einem Engros Geschäft. Alles ist wesentlich günstiger und in grösseren Mengen verpackt als im Supermarkt. Perfekt. Von Ivan werden wir echt verwöhnt. Er beschenkt uns mit allerlei Dingen, die wir in Japan unbedingt brauchen werden! Einen alten Campingkocher mit einer Kiste Ersatzkartuschen. Gasflaschen kannst du in Japan nicht füllen, weiss Ivan. Zur Angewöhnung bringt er auch noch Japanisches Bier! Und ihr braucht schöne Socken, wenn ihr bei jemandem eingeladen seid. Und in Japan ist es wesentlich kälter als hier. Die Socken erweisen sich bereits auf der Überfahrt nach Japan als Gold wert!
Danke für die schöne Zeit mit dir in Saipan!
Morgen geht’s los. Das Wetterfenster ist nicht ganz optimal. Doch da müssen wir jetzt durch.

Wir sind total neugierig auf Japan😀

January 27 2020

Überfahrt von Majuro nach Saipan

Am 15. Januar geht’s! Wetterbericht? Egal. Bis Saipan bläst mehr oder weniger stark der Passat. Alles völlig easy.

„Was ist ein NO GO für euch?“

Gute Frage! Grübel. So ganz spontan kam mir in den Sinn: Über Bord fallen ist absolut verboten! Und es nervt mich, wenn drei Leute qualmen. Ich mag mich nicht mehr an die Aussagen der andern erinnern. Typisch?! Von Thomas weiss ich, er braucht seine Morgenzeit alleine. Die Frage kam von Claudi und Jona. Sie segeln die 1600 Seemeilen lange Passage bis Saipan mit uns. Die beiden Seglercracks haben ihre Yacht Inti nach über sechs Jahren Abenteuer verkauft und sie wird in Majuro bleiben. Es fühlt sich an, als kennen wir uns sehr lange. Thomas und ich haben schon vor unserer Reise ihren Blog gelesen. In Fiji haben wir uns im Sommer das erste Mal getroffen. Seit dann sind wir gemeinsam unterwegs.

Bekannte äusserten Bedenken. Vier Kapitäne – das sind drei zuviel. Einige schwören nie wieder Crew mitzunehmen. Das Risiko auf miese Stimmung und dann nicht ausweichen können, ist ihnen zu gross. Oft werden Mitreisende die ersten Tage seekrank. Navigieren und nebenbei kotzende Crew versorgen und pflegen, ist aus eigener Erfahrung gar nicht lustig. Da haben sie recht. Genau hinschauen ist ratsam. Doch wir mögen andere Menschen. Wir sind gesellige Kreaturen.

Die Sicherheitseinweisung in die Sardinenbox Robusta ist erfolgt. Wir sind alle gestandene Seebären und wissen selber wo unsere Fähigkeiten und Grenzen liegen. Trotzdem, jedes Schiff verhält sich unterschiedlich. Die Verantwortung für die Crew liegt beim Kapitän. Darum ist vereinbart, bei schwerer See und nachts nur mit Sicherheitsleine an Deck rumzuwuseln. Den Rest kennen die Beiden. Waren ja schon oft auf der Robusta. Eine Stauliste soll allen helfen, Kochbares in den Schapps zu finden.

Segel, setzen, Leinen los! Ein letzter Blick zur Segelyacht Inti. In diesem Moment kann ich niemandem in die Augen schauen. Ich muss selber fast heulen.

Bei 15 Knoten Wind aus Nord-Ost geht’s gemütlich, bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein los. Ein Bilderbuchtag. Easy sailing. So wird es jedoch nicht bleiben. Traditionsgerecht bekommt Neptun, Kapitän und Crew einen Schluck Rum, direkt aus der Flasche. Gemeinsam schwören wir auf eine angenehme Überfahrt und darauf, dass wir danach auch noch Freunde sind.

Eine Herausforderung wird der Umgang mit Trinkwasser. Robusta hat keinen Wassermacher. Drei Edelstahltanks von je 150 Liter Volumen, plus 100 Liter in Kanister sind an Bord. Während der Überfahrt wird mit Seewasser abgewaschen. Wasser aus den Tanks ist nur zum Trinken und Kochen vorgesehen. Nudeln werden mit zirka einem Drittel Seewasser gekocht. Eventuell sind sie dann, wegen der Atomtests der Amis im Bikini Atoll, ein wenig radioaktiv verstrahlt und wir leuchten bunt. Wacheinteilung: Drei Morgenmuffel und ein Frühaufsteher. Egal. Es wird rotiert. Einmal pro Nacht drei Stunden. Was für ein Luxus! Mit kleiner Crew ist eine Überfahrt wesentlich strenger. Der Einteilung zur  Folge muss Claudi mich wecken. Sie äussert Bedenken. Ja ich weiss, ich bin diesbezüglich unmöglich. Mein Job war auch kein leichter. Jona lag immer wie eine Rollwurst ganz in der hintersten Ecke der Achterkoje. Mit meiner Hand kam ich dort vom Cockpit her nicht hin. So behalf ich mir mit einem langstieligen Kochlöffel. Kann ja nicht in die Kabine reinbrüllen, sonst wären alle wach geworden. Am dritten Tag war Jona feinstens auf den Kochlöffel konditioniert.

An Deck spielen wir Tavli Turniere. Alle kochen grandiose Mahlzeiten. Jona ist der Currispezialist! Claudi hat super leckere Bolognese Konserven vorgekocht. Zum Frühstück gibt’s Müsli mit selbst gezüchtetem Kefir und Früchten. Sogar Kuchen und Brote werden gebacken. Die Stimmung ist toll. Alle lesen viel, hängen gemütlich in den Kojen, bis die tausendste Welle sich ihren Weg durch die offenen Bullaugen und dem Niedergang verschafft. Ich könnte schwören, da waren paar Fische dabei. Rucksäcke, Kissen, Bettzeug nass. Wegen Salzwasser wird es wohl auch für den Rest der Reise so bleiben. Ein Bullauge ist auch undicht. Kann aber notdürftig abgedichtet werden. Ich fühle mich schlecht, dass es die Kojen unserer Gäste getroffen hat.

Die nächsten Tage ist Rock’n’Roll angesagt. Die Wellen sind unglaublich hoch! Richtige Berge rollen von Achtern an. In ihnen gleiten elegant riesige Wesen. Es sind Buckelwale. Sie kommen ganz nahe. Tauchen unter der Robusta durch. Der Tiefenmesser zeigt nur gerade mal zwei Meter an. Also eine Handbreit frei unterm Kiel. Was für ein schönes Spektakel. Alle sind zutiefst beeindruckt. Doch da schwingt auch immer etwas Respekt mit. So manche Geschichten kursieren in der Seglerszene. Zum Beispiel von Walen, die sich an Yachten gerne mal etwas kratzen und dabei Schäden am Ruder anrichten. In Neuseeland haben wir Leute kennen gelernt, denen ist so ein Vieh auf’s Deck gehopst und hat dabei die ganze Reling runtergerissen und am Stahlschiff eine dicke Beule hinterlassen. Nachts, wenn ich in absolut schwarzer Nacht Ausguck halte, wird mir dann schon manchmal etwas mulmig….

Die vielen Squalls fordern uns heraus. Reffen, ausreffen. Heftige Regenfälle, alle Luken zu, heiß. Jede Bewegung wird zur reinsten Akrobatik. Claudi wird quer durchs Cockpit geschleudert und landet dabei unsanft. Und die zweitausendste Welle steigt übers Cockpit und zerstört einen Reissverschluss vom Deckshaus. Es kommt noch dicker. Robusta fällt sozusagen von einer Welle. Kracht seitlich ins Wasser und taucht mit der ganzen Reling unter. Viel Wasser fliesst ins sonst so geschützte Cockpit.

Ich staune wie sauber das Klo bei diesen Bedingungen bleibt. Alle sind bemüht, dass es schön bleibt. Claudi wurde aus Panik um dieses empfindliche Jabsko Klo, ein Kochverbot erteilt. Ihre super leckeren Speisen verursachten bei der Besatzung übermässige Darmtätigkeit. Wir haben einfach schlicht zu viel gemampft! Mit der schweren See steigt die Spannung an Bord. Was ist los?

Drei Raucher – eine Nichtraucherin – keine Zigaretten!

Ich bin entsetzt! Wie konnte es nur soweit kommen? Hat etwa die dreitausendste Welle die Zigaretten über Bord gespühlt? Nun bin ich aber sehr verunsichert, was auf mich zukommt und bin ab sofort auch gereizt.  Thomas hatte als erster keine mehr. Bald ist Claudi auch soweit. Jona trägt ab sofort seinen Vorrat immer am Körper. Ohje. Sowas finde ich nicht lustig. Claudi hat zu Beginn der Reise behauptet, sie rauche nie auf See. Doch auf der Robusta schmecken Zigaretten plötzlich.

Wer sich nicht benimmt, kommt in den Löwenkäfig, die Achterkabine! Nach ein paar Tagen Entziehungskur auf dem Therapieschiff Robusta, taucht ganz unverhofft ein volles Päckli Zigaretten auf.

Ruhe kehrt dennoch nicht ein. Neptun wirbelt kräftig die See auf. Kochen ist super anstrengend, der Abwasch muss mindestens zu dritt bewältigt werden. Alles strengt an und lässt uns an der Klippe der Komfortzone balancieren. Jetzt ist aber langsam genug. Wann sind wir da? Alle haben die letzten Nächte schlecht bis gar nicht gepennt.

Endlich! Die Lichter von Saipan sind in der zwölften Nacht zu erkennen. Puff und der Wind ist weg. Was bleibt, ist eine aufgewühlte See. Kaum ist das Leichtwindsegel gesetzt, zischt ein Squall mit viel zu viel Energie daher. Das Segel muss sofort runter! Es landet völlig unprofessionell in der See. Jona eilt auch ohne Einsatz vom Kochlöffel zur Hilfe um das Segel zu retten. Dann halt wieder den Klüver setzen. Doch der hat einen Riss! Für die letzten Meilen kramen wir kein anderes Segel mehr raus. Wir sind schlicht zu müde. Kommen auch nur mit dem Grosssegel ans Ziel.

Claudis und Jonas Sichtweise der Überfahrt kannst du auf ihrem Blog lesen! 

…..und stellt euch vor, Dank Neptun-Schwur werden wir befreundet bleiben😜! Wir sind jetzt schon traurig, dass sich unsere Wege bald trennen!!!!

 

 

 

 

 

January 15 2020

Majuro

Majuro, Majuro… ans Herz gewachsen bist du uns nicht gerade.

Die Marshall Inseln, mitten im Pazifik gelegen, vom Anstieg des Meeresspiegel bedroht, von den Amis von 1946 bis 1962 auf dem Bikini Atoll und auf Eniwetok für Atombomben-tests missbraucht. Mitte der 60iger Jahre erklärte die USA das Testgebiet wieder als bewohnbar. Doch keine zehn Jahre später wurden alle erneut evakuiert. Die Bevölkerung leidet noch heute an den Folgen. Die Krebsrate ist eine der höchsten der Welt. Und die grösste Verarschung ist ja, dass viele hoffen, eines Tages wieder in ihre Heimat zurückkehren zu dürfen! Lange hiess es 2020 ist alles wieder gut. Jetzt ist der Umzugstermin nochmals um weitere 20 Jahre aufgeschoben. Lauter leere Versprechungen! Es gäbe noch so viel über dieses traurige Kapitel zu berichten. 

 

Kaum in Majuro angekommen, änderten sich unsere Pläne schlagartig. Wegen Dengue Fieber ist es untersagt andere Atolle zu besuchen. Das wussten wir im Voraus. Was wir jedoch nicht ahnen konnten, dass Majuro uns überhaupt nicht gefällt. So beginne ich sofort mich um den “Pre-arrival Vessel entry Antrag” für Pohnpei, der Carolinen Inselgruppe zu kümmern. Was die alles wissen wollen ist unglaublich. Neuseeland war bis anhin das einzige Land welches eine Vorankündigung der Ankunft haben wollte. Bekannte, die gerade in Pohnpei sind, haken persönlich bei den Behörden nochmals nach. Doch die Beamten finden nichts in ihren klapprigen Computern. Der Antrag ist verschwunden! Ist doch per Internet gar nicht möglich. Also wird nochmals alles erneut per Mail geschickt. Bis heute, einen Monat später, immer noch keine Antwort erhalten.

Uns reicht es. Mittlerweilen ist seit Weihnachten das Reiseverbot mit einigen Auflagen wieder aufgehoben. Nur schon um ein anderes Atoll zu besuchen, muss ein Antrag gestellt werden. Die Bearbeitung dauert mindestens eine Woche und je nach dem stehen Gebühren zwischen 25 bis 150 Dollar für jedes einzelne Atoll an. 

Morgen hauen wir hier ab. Nächster Halt: Saipan, nördliche Marianen. 1600 Seemeilen (Landrattenmass: 2963,2 Kilometer)

Claudi und Jona werden mit uns segeln. Freuen uns auf ihre Gesellschaft und wieder mal mit dem Passatwind segeln! 

Fehlen nur noch frisches Gemüse, Diesel und Wasser. Wally, in der kleinen Marina, verkauft das wertvolle Gut für die Segler zu einem spezialpreis von einem Dollar für 20 Liter.

Das Wasser muss mit dem Dinghi dort abgeholt werden. Kanister stellt Waly zur Verfügung. Es handelt sich dabei  um Regenwasser welches von der Start- und Landebahn des Flughafen gesammelt wird. Krass! Es sei aufwendig gefiltert, versichert Wally. Nach 250 Liter wollte er jedoch kein Wasser mehr rausrücken. Jetzt kostet der Saft vom Flughafen plötzlich 1 Dollar pro 4 Liter!

Bei einem leckeren Essen beim Koreaner verabschieden wir uns von der netten, lustigen, spannenden, ulkigen Horde die unseren Aufenthalt in Majuro doch noch zu einem tollen Erlebnis machte! Weiss der Geier ob wir uns jemals wiedersehen, doch vergessen tun wir euch nicht so schnell!

Alles Gute, Tschüss Majuros!!!

 

December 9 2019

Überfahrt von Kiribati zu den Marshall Islands

In Abaiang haben wir uns schweren Herzens von Lisa und Nick verabschiedet.

Die Aufenthaltsbewilligung läuft in wenigen Tagen schon wieder aus. Eine Verlängerung um weitere zwei Monate kostet pro Person 60 Australische Dollar. Etappe drei durch die Kalmen steht an. Wir vier studieren seit Tagen die Wetterprognosen. Der Passat setzt sich noch immer nicht durch. Ist auch gut so. Denn legt der mal los, was in der Regel anfangs Dezember ist, wird es hart. Zwischen Kiribati und den Marshall Islands bläst er  meist mit 20 bis 30 Knoten aus Nord-Ost. Dies bedeutet hartes Segeln gegen Wind und Welle. Doch da ist gar kein Wind! Null, zero. Im Nachhinein denken wir, die Wetterprognosen kannst du in den Kalmen vergessen! 

Mittlerweile liegen insgesamt fünf Yachten in Tarava. Alle Segler sind auf einem Katamaran für Thanksgiving zum Pot Luck Dinner  eingeladen (jeder bringt etwas leckeres mit).  Gesprächsthema  Nummer eins ist die Weiterreise. Denn  in den Marshall Inseln ist seit August das Denguefieber, eine durch Moskitos übertragene Krankheit, ausgebrochen. Einzige Prävention ist das Vermeiden von Mückenstichen. Die Regierung der Marshall Islands hat ein striktes Reiseverbot zu allen äusseren Inseln veranlasst. Tausende Leute sitzen seit Monaten in Majuro fest. Dass noch ein weiteres Drama im Anzug ist, erfahren wir erst bei unserer Ankunft in Majuro.

So klarieren wir am Freitag in Kiribati Tarava aus und dümpeln Sonntags im Schneckentempo los. 24 Stunden ist eigentlich die Zeitspanne um nach dem Ausklarieren auszulaufen. Aber da ist kein Wind! Und die Behörden haben ja auch kein Boot.

Ich will gar nicht so genau auf die Überfahrt eingehen. Ein neuer Rekord ist geschafft. Vierhundert  läppische Seemeilen in 8 Tagen. Erbärmlicher geht es nicht. Die Segelyacht Inti war nach wenigen Stunden nicht mehr in Sicht. Dabei wollten wir doch in der Nähe voneinander bleiben. In jedem Revierbericht  wird empfohlen, möglichst nach Ost zu halten. Falls sich der Passatwind durchsetzt, besteht so doch noch die Möglichkeit Majuro so einigermassen gemütlich zu erreichen.  

 Kein Lüftchen -Wind – Hitze – Squall mit Gewitter – Reffen – Segel setzen um sie gleich wieder zu bergen – halsen – wenden – Squall – Flaute – heiss – nass…… Von wegen nach Ost heben. Der Wind wehte immer wieder mal aus West! Der Wetterbericht versprach perfekte Bedingungen. Diese Frösche haben keine Ahnung was da draussen abgeht.. . seht selber auf dem Track, sowas ist doch nicht mehr normal!?

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Stimmung an Board: friedlich bis angestrengt und übermüdet.

Es ist wieder mal unglaublich. Nun bereits zum dritten mal. Robusta und Inti laufen gleichzeitig aus. Segeln verschiedene Routen und kommen jedes mal zu fast exakt selben Zeit an! Das AIS (automatisches Identifikations System) ist seit heute Morgen ausgeschaltet. Inti tat das selbe. Es ist Samstag und Einklarieren ist nur gegen eine happige Gebühr möglich. So verstecken wir uns irgendwo im Atoll für das Wochenende. Hoppsen ins Wasser, pennen mal richtig aus, aber betreten schön brav kein Land. Für Jona und Claudi ist es die letzte Überfahrt nach sechs Jahren Abenteuer mit ihrer geliebten Inti. Sie ist nach Majuro verkauft. 

Montag in der Früh, hocken alle im tiefgekühlten Taxi zu Custom und Immigration (Zoll und Einwanderungsbehörde). Claudi ist traurig und ich bin total schlecht gelaunt, denn Majuro gefällt mir auf den ersten Blick überhaupt nicht. Beim Gedanken an das Reiseverbot, löscht es mir richtiggehend ab. 

Bei der Immigration sind die Beamten hell entsetzt, dass wir an Land gekommen sind. Warum habt ihr euch nicht auf Kanal 16 angemeldet? Im Marshall Compendium steht geschrieben, die hilfsbereiten  Segler vom Mieco Yachtclub auf VHF Kanal 68 anzurufen, diese werden die Behörden per Telefon über die Ankunft informieren. Sie helfen auch mit der Zuweisung einer Boje. Weitere Infos zum Prozedere folgen auf Kanal 74. Also wie überall auf der Welt auf Kanal 16 Port Control anrufen, auch hier in Majuro. 

Seit dem 1. Dezember besteht in vielen Pazifischen Inseln für die Einreise eine Impfpflicht gegen Masern-Mumps-Röteln und Grippe. In Samoa ist die Masern ausgebrochen. Es soll bereits Todesfälle gegeben haben. Immigration schickt uns auf direktem Weg ins Spital. Hier treffen wir auf folgendes Szenarium: Hunderte Personen warten geduldig an langen Tischreihen. Zahlreiche Arzte, mit spitzen Nadeln ausgerüstet, impfen unter freiem Himmel Kinder und Erwachsene. Jona hat im Impfpass einen Eintrag. Wir nicht. Claudi Thomas und ich hatten die Masern als Kind durchgemacht. In keinem der zuletzt besuchten Orte sind Masernfälle bekannt. Mein Hausarzt zaubert tatsächlich innert Kürze per Mail einen Laborzettel mit dem Beweis. Nach kurzer Befragung ist ein Dokument erstellt,  welches uns von der Impfpflicht befreit. Alle Europäer in unserem Alter, seien garantiert mal mit Masernerreger  in Kontakt gekommen. Also besteht für niemanden eine Gefahr. Unser Freund, der paar Tage nach uns von Kiribati angekommen ist, musste 14 Tage Quarantäne auf der Yacht absitzen (minus Anzahl Tage der Überfahrt). Er durfte auch keinen Besuch empfangen. Nachts patrouillierte die Polizei um seine Yacht. “Measle Man”, so sein neuer Name, wurde von den Seglern in der Bucht mit Pizza, Bier, Filmen, Bücher, Internetdaten, Gemüse und was ihm so fehlte versorgt.  So empfand er die Quarantäne sogar als ganz nett. Wie Urlaub vom Segeln.

Da kommt das so kontrovers diskutierte Thema Impfen auf. Reisende sind potentielle Gefahrenquellen um Krankheiten zu verbreiten. Speziell in abgelegenen Regionen der Welt, wo weder Apotheken, Ärzte und geschweige denn Spitäler existieren, kann eine Krankheit wie die hochansteckende Masern fatale Auswirkungen auf die Bevölkerung haben. In Samoa sind bis Weihnachten 79 Kinder unter 5 Jahren gestorben. 

Was für ein Drama für die betroffenen Familien!

 

 

 

 

November 20 2019

Abaiang , die fetten Jahre sind vorbei

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Endlich weht ein schwaches Lüftchen in den Kalmen. Dieses heisse Lüftchen soll die fette Robusta nach Abaiang, einem Atoll nördlich von Tarava hauchen.

Jetzt aber nichts wie weg hier! 

Die Leute, die wir in Abaiang besuchen wollen, wundern sich auch schon, dass wir es so lange in Tarava aushalten. Die kennen uns nicht – wir sie auch nicht. Unsere Freunde von der Segelyacht She San haben den Kontakt vermittelt. Batterien für den Aussenborder und Quad werden dringend benötigt. In Fiji haben wir was ähnliches gefunden. Mit etwas Phantasie und Kreativität sollte es funktionieren.

Von Nick und Lisa werden wir in Abaiang herzlichst empfangen. 

Die beiden sind uns auf Anhieb voll sympathisch.

Sie leihen uns gleich mal ihre Fahrräder, um  die Fahrtenbewilligung bei der lokalen Polizei vorzuweisen. Doch da war niemand. Am nächsten und übernächsten Tag auch nicht. So baten wir jemanden im Büro von nebenan, ob er eine Kopie mache und der Polizei abgeben könne. Dafür hätte er den Generator starten müssen. Doch da ist kein Benzin im Tank. Wir versprechen morgen wieder zu kommen. In Kiribati wird Einklarieren und die ganzen kostenlosen Bewilligungen für jedes einzelne Atoll sehr ernst genommen. Da sind andere Segler schon im Knast gelandet (Story dazu auf Noonsite). So ein doofer Vorfall hat natürlich negative Auswirkungen auf alle nachfolgenden Segler. Schade. 

Einige Tage später taucht Segelyacht Inti am Horizont auf. Thomas hat schon den halben Quad zerlegt, der auch mit der neuen Batterie nicht zum Leben erwacht ist. Die Benzinpumpe wird in der Küche mit Motorenreiniger während Stunden ausgekocht. Nach so einigem Geschraube und Gezupfe und Geputze und nun auch noch mit Unterstützung von Jona, läuft der Quad wieder! Nun sitzt die ganze Bande im Anhänger. Nick braust mit breitem Grinsen, mit uns allen übers Atoll! Ganze Horden von Kinder kommen in den Siedlungen angerannt um den knatternden Quad zu bestaunen. Kulinarisch werden wir von Nick und Lisa mit vielen Köstlichkeiten verwöhnt. Der Höhepunkt war jedoch das Schweizer Käsefondue bei über 30, jedoch 45 gefühlten Grad Hitze! 

Für uns ist es einfach zu heiß hier. Nicht mal das Meer bringt Abkühlung.

Lisa ist in Abaiang geboren. Hat über 25 Jahre in der Schweiz gelebt und ist seit drei Jahren mit ihrem Schweizer Mann zurück ins Paradies gezogen. Doch das Leben im Paradies erscheint aus unserem Blickwinkel nicht ganz einfach. Geschäfte sind nicht um die Ecke gelegen. Für Einkäufe müssen sie eine mehrstündige Bootsfahrt ins benachbarte Atoll auf sich nehmen. Lisa hat einen Gemüsegarten angelegt was in einem Korallenatoll, wo nur wenig Humus existiert, viel Geduld abverlangt. Wir vermissen so sehr frisches Gemüse und Früchte!

Auch kulturell ist so vieles anders in Kiribati. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich die Nachbarn mal ein T-Shirt von der Wäscheleine schnappen.  Oder nach deinen Schuhen, die du gerade trägst, fragen. Aus Respekt erfolgt die sofortige Übergabe ohne murren. Sowas ist für  I Kiribatis völlig normal und in keiner Weise eine böse Tat im „Bubuti” System“.  Eine Anfrage ablehnen, führt zum Gesichtsverlust.

Kiribati ist schon speziell. Da haut es einen Mann mit dem Motorrad um. Er ist von oben bis unten mit Schlamm bedeckt und blutet aus diversen Wunden.  Doch die  I Kiribatis stellen das Motorrad wieder auf, packen die abgebrochenen Teile in die Tasche zu den Fischen, helfen dem sturzbetrunkenem Mann wieder aufzusteigen, halten ihn fest bis er einigermassen in Balance ist und schon ist er im Zickzack ausser Sicht. Unglaublich! Ja mit dem Alkohol haben sie es nicht so im Griff. Diesen brauen sie aus dem Saft der Kokospalme. Zur Gewinnung des Rohstoffes wird an der Schnittstelle einer Blüte eine Flasche aufgehängt. Haben es auch versucht. Den Saft einfach mehrere Tage in der Wärme stehen lassen. Dabei darf die Flasche nicht ganz verschlossen werden, denn durch die Fermentation bildet sich recht viel Gas. Dann schön kühlen, etwas Limonensaft und eine Chilischote zugeben. Fertig ist der Palmwein der in Kiribati Toddy genannt wird. Schmeckt nicht schlecht! Du musst allerdings sicher sein, dass sich bei der Gewinnung kein Käfer (Name vergessen) ins Gefäss verirrt. Nach dem Konsum würde es beim Pissen schrecklich brennen.

Am Abend findet eine Tanzvorführung statt. Irgendwie hat sich schon rumgesprochen, dass wir – die I Matang – kommen werden. So ist in der Maneaba, dem Gemeinschaftshaus, bereits ein Platz ganz vorne reserviert. Wir dürfen uns auf ein buntes Plastiktischtuch auf den Boden setzen. Kinder rutschen immer näher zu uns heran. Sie streicheln über unsere helle Haut. Einige nesteln behutsam in meinen blonden Haaren. Eine alte Frau hat ihre Hand auf Claudis Rücken gelegt.  Am nächsten Tag sind wir zum Essen eingeladen. Ich bringe eine riesige Schüssel voll Pop Corn für die Kinder und einen Sack Kleider als Mitbringsel. Die Verständigung ist nicht ganz einfach, obwohl in der Schule Englisch gelehrt wird. Die Menschen leben hier unglaublich einfach.  Ihre Häuser sind erhöhte Podeste mit Dächer  aus Pandanussblätter. Strom haben längst nicht alle zur Verfügung. Ab und zu rattert ein Generator oder ein Solarpanel ist auf einem Dach montiert. Doch auf dem Atoll existiert erstaunlicherweise eine Mobilfunkantenne! Ab und zu landet sogar auf einer Naturpiste ein kleines Flugzeug. Wie oft das Versorgungsschiff von Tarava kommt, weiss niemand so genau.

Wir fragen uns, wie und wovon die Menschen hier leben? Traditionell haben sich die I Kiribatis von Fisch ernährt. Doch davon ist nicht mehr so viel da. Mit der Ernährungsumstellung, hielten Diabetes und Fettleibigkeit, Mangelerscheinungen, vor allem bei Frauen im gebärfähigen Alter, Einzug. 

Das grössere Übel stellt jedoch der Klimawandel dar. Der Anstieg vom Meeresspiegel und die heftigeren Stürme überfluten Kulturland und zerstören es für immer. Das Grundwasser ist versalzen, Küstenabschnitte erodieren. In Abaiang musste bereits ein ganzes Dorf umgesiedelt werden. Tragen wir nicht alle etwas Verantwortung für die Zukunft dieser Menschen?

Sie sind die letzten die die CO2 Emission beinflussen können – baden die Folgen aber buchstäblich aus!

Die fetten Jahre sind für die Industrienationen vorbei!

November 2 2019

Shocking Tarawa

Der erste Landgang in einem neuen Land ist immer sehr spannend. Doch wo parken wir das Dinghi? Hier toben Kinder im dreckigen Hafenwasser, dort eine unüberwindbare Mauer und am Ende vom Kanal liegen kleinere Frachtschiffe. Kein Platz. So fragen wir die Crew eines dieser Schiffe, ob wir das Dinghi daran anbinden können. Es ist heiss und im Hafen reizen merkwürdigste Gerüche das Riechorgan. Ein Wachmann entlässt uns durch ein klappriges Gittertor auf die Hauptstrasse. Laute Musik dröhnt aus den einen Geschäften. Autos und Motorräder sausen hin und her. So nun erst mal Bargeld beschaffen und eine neue SIM Karte für Internet muss her. Die ist schnell gefunden und mit sauteuren Daten aufgeladen.

Hütten und grössere Steinhäuser stehen in diesem überbevölkerten Atoll dicht gedrängt. Dazwischen liegen Autowracks, Schiffscontainer und viel Müll, worin Hühner und Hunde nach Fressbarem suchen. Alles ist staubig und dreckig. Bleiben wir stehen, sind wir in einer Wolke Fliegen eingehüllt. Wie eklig! Nein wir stinken nicht. Alle sind frisch gewaschen. In Kiribati scheint Endzeitstimmung zu herrschen. Wen wunderts!? Diese mitten im Pazifik gelegene Inselgruppe leidet massiv, denn durch den Klimawandel steigt der Meeresspiegel stetig. Doch niemand in den Industrienationen scheint dies zu interessieren. Mich beelendet das alles sehr. Ich bin traurig. Die Kinder rufen fröhlich “Mauri Imatang”, was so viel wie hallo Fremder heisst. Sie rennen mit erhobener Hand auf uns zu und wollen im Ami-Style einen Handschlag machen.

Inzwischen verlegten wir Inti und Robusta an einen Ankerplatz vor dem Parlament. Hier liegen die beiden Yachten ruhig und geschützt.  Da ist auch eine optimal bewachte Anlegestelle für das Dinghi. Im Clubhaus der Parlamentarier können wir sogar duschen. Doch ab nächster Woche findet eine Tagung statt und all das wird nicht mehr möglich sein. 

Früchte und Gemüse sind hier fast nicht existent. Und wenn, dann aber so richtig krass teuer, denn es handelt sich um importierte Ware aus Australien. Es fehlt Platz für den Gemüseanbau. Sauberes Wasser ist ebenfalls ein grosses Problem. Kein Wunder ist hier die Kindersterblichkeit so hoch und die Lebenserwartung tief.

Thomas und ich erkunden das Atoll per Minibus. In solch einem Gefährt befinden sich oft mal über 20 Personen. Eine Frau kassiert und regelt wo der Fahrer anhalten soll. Bezahlt wird beim Aussteigen. 

In der Nacht muss ich mehrmals erbrechen. Sowas hatte ich schon Jahrzehnte nicht mehr. Ich fühle mich elend. Dabei sind wir morgen früh mit Molly verabredet. Sie bietet Führungen zu den Relikten aus dem 2. Weltkrieg an. Auf der Insel Betio tobte eine wüste Schlacht um die Gilbertinseln. Die damals von den Japanern besetzte britische Kronkolonie, wurde von den Amis befreit. Dabei verloren innert vier Tagen rund 7000 Menschen ihr Leben!

Ohne Molly hätten wir die Trümmer niemals gefunden. 

 Es ist extrem stickig heiss. Die nächsten Tage wird der Wind ausbleiben und in der Lagune sollen wir nicht baden, da die Menschen ihre Notdurft darin entledigen. Ich bin schlecht gelaunt.

Die Bewilligung das Atoll Abaiang und Butaritari zu besuchen, bekommen wir vom Mann mit der eingebundenen Hand innert weniger Minuten.

Jetzt aber nichts wie weg hier! Intis kommen in ein paar Tagen nach.